Truth Social zieht Anträge für Krypto-ETFs zurück
Das Unternehmen von US-Präsident Donald Trump hat Anträge für Krypto-ETFs, darunter einen für einen Bitcoin-Spot-ETF, wieder zurückgezogen. Verwirft Truth Social nun doch wieder die Pläne, Krypto-bezogene Wertpapiere zu lancieren?
Im Frühjahr 2025 wurde erstmals ersichtlich, dass Trump Media & Technology Group (TMTG), das Unternehmen hinter Truth Social, in den Bitcoin‑, beziehungsweise Krypto‑ETF‑Markt einsteigen möchte.
Die über 2 Milliarden US-Dollar schwere Aktiengesellschaft TMTG befindet sich mehrheitlich im Besitz von Donald Trump. Für die Zeit seiner Präsidentschaft hat er seine Anteile an einen Trust übertragen. Zu TMTG gehören der Kurznachrichtendienst Truth Social sowie der vergangenes Jahr ins Leben gerufene Finanzarm Truth.Fi, über den die ETF-Produkte laufen sollen.
Anfang Juni wurde schließlich ein Antrag für einen Bitcoin-Spot-ETF eingereicht – gefolgt von einem Bitcoin- & Ethereum-Spot-ETF sowie einem „Crypto Blue Chip ETF“. Letzteres sollte ein Anlageprodukt werden, das mehrere größere Kryptowährungen abbildet.
Krypto-ETF-Anträge zurückgezogen
Die Anträge für alle diese drei ETFs wurden am gestrigen Dienstag jedoch wieder zurückgezogen. Dies geht aus Schreiben von Yorkville, dem Partner von Truth Social in ETF-Sachen, an die US-Börsenaufsichtsbehörde hervor.
Das Unternehmen hat beschlossen, den Registrierungsantrag zurückzuziehen und das öffentliche Angebot zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht fortzusetzen. Der Registrierungsantrag wurde von der Kommission noch nicht für wirksam erklärt, und das Unternehmen bestätigt, dass im Rahmen des Registrierungsantrags keine Wertpapiere verkauft wurden.
Aus dem SEC-Filing von Yorkville
Begleitend dazu erschien auch eine Pressemitteilung. In dieser erklärte Yorkville, dass es sich um eine strategische Neuausrichtung handele. Die alten Anträge liefen über den Securities Act von 1933 ('33 Act) und waren als klassische Spot-Krypto-Trusts konzipiert. Künftig wolle man Produkte stattdessen lieber unter dem Investment Company Act von 1940 ('40 Act) entwickeln, der mehr Flexibilität bieten soll, um komplexere ETF-Strategien umzusetzen.
Nach sorgfältiger Prüfung ermöglicht uns die Struktur des ’40 Act, unseren Anlegern differenziertere Anlagestrategien anzubieten, die im Rahmen des ’33 Act nicht möglich wären. Unser Fokus lag schon immer darauf, die richtigen Strategien über die passenden Strukturen bereitzustellen. Dies ist eine zukunftsgerichtete Entscheidung, die unser Engagement widerspiegelt, unserer wachsenden Basis von America-First-Anlegern die bestmöglichen Anlageprodukte anzubieten. Yorkville America tritt nicht den Rückzug an – wir machen einen Schritt nach vorn, mit einer stärkeren Produktplattform.
Steve Neamtz, Präsident von Yorkville America
Anfang dieses Jahres reichte Truth Social unter dem ’40 Act bereits zwei neue ETF-Anträge ein – und zwar für den „Truth Social Bitcoin and Ether ETF“ und den „Truth Social Cronos Yield Maximizer ETF“.
Das heißt: Auch wenn die ersten drei ETFs wieder verworfen wurden, ist anscheinend weiterhin der Plan, Krypto-Fonds herauszubringen. Neben Krypto-bezogenen Anlageprodukten setzt Truth Social auch auf bestimmte Themen-ETFs für Aktien.
Trump bleibt weiterhin im Krypto-Business
Als damals die Pläne von Truth Social bekannt wurden, einen eigenen Bitcoin-Spot-ETF herauszubringen, drängte sich bereits die Frage auf, welchen Mehrwert das haben soll. Zu der Zeit gab es nämlich schon in etwa ein Dutzend US-amerikanische Bitcoin-Spot-ETFs, die schon über ein Jahr handelbar waren.
Interessanterweise zeigte sich aber kürzlich durch den neuen „Morgan Stanley Bitcoin Trust (MSBT)“, dass Nachzügler ebenfalls noch erfolgreich sein können. Morgan Stanley ist – anders als Truth Social – aber eine renommierte Großbank mit direkten Vertriebswegen. Überdies glänzt der neue Bitcoin-Spot-ETF mit den niedrigsten Gebühren von 0,14 %. MSBT hat rund 1,5 Monate nach dem Handelsstart ein verwaltetes Vermögen von über 250 Millionen US-Dollar.
Es ist mehr als nur fraglich, ob es Truth Social gelingen wird, ein erfolgreicher Krypto-ETF-Emittent zu werden. Um sich abzugrenzen, scheint Trumps Firma nun eher Nischenprodukte wie Mischfonds anbieten zu wollen. Ob breiter aufgestellte Krypto-ETFs aber wirklich eine große Nachfrage erfahren werden, ist unklar. Die sogenannten Altcoins fallen inzwischen seit über vier Jahren durch relative Schwäche gegenüber Bitcoin auf.
TMTG setzt auf der eigenen Bilanz hingegen fast ausschließlich auf Bitcoin. Im Juni vergangenen Jahres meldete das Unternehmen, 11.542 Bitcoin gekauft zu haben, von denen 2.000 BTC inzwischen als Kollateral hinterlegt und entsprechend ausgebucht wurden, weil sie rehypothekisiert werden. Daneben investierte TMTG auch in Bitcoin-bezogene Wertpapiere sowie Cronos, den Token des Partners Crypto.com.
Als gestern ersichtlich wurde, dass die ETF-Anträge zurückgezogen wurden, gab es Spekulationen, ob Trump sein Krypto-Engagement zurückfahren möchte, um den Kritikern seiner Pro-Krypto-Politik den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Rahmen des CLARITY Act drängen Demokraten nämlich darauf, dass es hochrangigen Regierungsbeamten verboten wird, selbst im Krypto-Sektor aktiv zu sein.
Fast gleichzeitig mit der Meldung der zurückgezogenen ETF-Anträge unterzeichnete der US-Präsident ein Dekret, laut dem die Federal Reserve auch prüfen solle, Krypto‑Firmen „Master Accounts“ bei der Zentralbank einzuräumen. Die Senatorin Elizabeth Warren kritisierte bei der Anhörung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh, dass ein Trump-naher Fed-Chef dem Krypto-Projekt der Trump-Familie Sonderkonten einräumen könnte.
Um den Amerikanern die Möglichkeit zu geben, von diesen Dienstleistungen zu profitieren, muss die Regierung ihre veralteten Vorschriften aktualisieren, damit digitale Vermögenswerte und andere neuartige Finanztechnologien in traditionelle Finanzdienstleistungen und Zahlungssysteme integriert werden können.
Aus dem Fact Sheet zur neuen Executive Order
Demnach lässt sich wohl kaum die Behauptung aufstellen, der US-Präsident würde seine Krypto-Bemühungen beziehungsweise das Engagement seines direkten Umfelds zurückfahren.