Jerome Powell, der Vorsitzende der Federal Reserve, machte in der Nacht offiziell bekannt, dass gegen ihn und die Zentralbank Ermittlungen laufen. Dabei geht es um eine angebliche Irreführung im Kontext der Renovierung der Fed-Hauptgebäude, die bekanntlich das Budget sprengte. Der Fed-Chef hält es für einen Vorwand und wirft der Regierung vor, die Unabhängigkeit der Notenbank untergraben zu wollen. Muss Powell jetzt doch noch vor dem Ende seiner Amtszeit den Posten räumen? Kann Bitcoin als alternatives Geldsystem profitieren?

Ermittlungen gegen Powell und die Fed

Die US-Justiz ermittelt gegen die Federal Reserve und ihren Chef, Jerome Powell. Dies wurde in der Nacht von Sonntag auf Montag zuerst durch einen exklusiven Artikel der New York Times öffentlich. Das Medium sprach mit einer mit der Thematik vertrauten Person, die anonym bleiben wollte. Wenig später bestätigte Fed-Chef Powell den Bericht mit einer Videobotschaft.

Powell zufolge stellte das Justizministerium der Fed am Freitag sogenannte „Subpoenas“ zu. Dabei handelt es sich um schriftliche Vorladungen oder Aufforderungen zur Herausgabe von Dokumenten unter Strafandrohung. Zudem wurde der Notenbank mit einer Anklage gedroht.

Powells Statement

In seiner Erklärung sprach Powell davon, dass es alles nur Vorwände seien und er die Rechtsstaatlichkeit respektieren würde.

Bei dieser neuen Drohung geht es nicht um meine Aussage vom vergangenen Juni oder um die Renovierung der Gebäude der Federal Reserve. Es geht auch nicht um die Aufsichtsfunktion des Kongresses; die Fed hat durch Aussagen und andere öffentliche Bekanntmachungen alles getan, um den Kongress über das Renovierungsprojekt auf dem Laufenden zu halten. Das sind nur Vorwände.
Jerome Powell

Offizieller Anlass der Untersuchung ist eine Aussage Powells, die vor dem Bankenausschuss des Senats im Juni 2025 getroffen wurde. Das Thema: Der 2,5 Milliarden US-Dollar teure Umbau der ​Fed-Zentrale in Washington. Powell soll, so der Vorwurf, im Zusammenhang mit der mehrjährigen Sanierung den Kongress in die Irre geführt haben.

Info

Die Renovierungsarbeiten, die im Jahr 2022 begonnen haben, sollen im Jahr 2027 abgeschlossen werden. Das Budget wird laut Schätzungen um etwa 700 Millionen US-Dollar gesprengt. Die Fed argumentiert, dass eine grundlegende Sanierung nötig war, sich die Pläne für das Projekt weiterentwickelt haben und mehr Asbest als erwartet vorgefunden wurde.

Eine Version des Fed-Vorschlags aus dem Jahr 2021 beschrieb jedoch private Aufzüge und Speiseräume für führende Entscheidungsträger, Trinkbrunnen und neue Marmorelemente sowie eine Dachterrasse für das Personal. Bei einer Anhörung im Kongress im Juni 2025 bestritt Powell, dass viele dieser Elemente im neuesten Vorschlag enthalten seien.

„Es gibt keinen VIP-Speiseraum; es gibt keinen neuen Marmor“, sagte der Fed-Chef. Der alte Marmor soll wieder angebracht werden und nur neuer verwendet werden, wo ein Teil des alten Marmors zerbrochen ist. Außerdem gebe es, so Powell, keine speziellen Aufzüge: „Es sind einfach die alten Aufzüge, die schon immer dort waren.“

Der Fed-Chef machte in seinem Statement deutlich, dass er sich sicher sei, dass auf ihn und die Notenbank dadurch weiterer Druck ausgeübt werden soll. Die Ermittlungen stünden nämlich mit den Drohungen der Regierung im Zusammenhang.

Diese beispiellose Maßnahme sollte jedoch im größeren Zusammenhang der Drohungen und des anhaltenden Drucks der Regierung gesehen werden. 
Jerome Powell

Trump kritisierte Powell nämlich wiederholt dafür, den Leitzins nicht genügend zu senken. Feuern kann er den Fed-Chef, den er im Jahr 2017 selbst nominierte, jedoch nicht. Deshalb scheint er anderweitig versuchen, ihn loszuwerden.

Im August drohte Trump bereits damit, eine Klage gegen den Geldhüter, dessen Amtszeit im Mai endet, voranschreiten zu lassen. Am 29. Dezember 2025 sagte Trump dann auch noch im Kontext der Renovierung der Fed-Hauptgebäude: „Wir erwägen, Powell wegen Inkompetenz zu verklagen.“

Powell brachte in seinem Statement schließlich die Unzufriedenheit des Präsidenten mit der Geldpolitik in direkte Verbindung mit der jüngsten Maßnahme.

Die Androhung strafrechtlicher Schritte ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze auf der Grundlage unserer besten Einschätzung dessen festlegt, was im Interesse der Öffentlichkeit liegt, anstatt den Präferenzen des Präsidenten zu folgen. Es geht darum, ob die Fed weiterhin in der Lage sein wird, die Zinssätze auf der Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Bedingungen festzulegen – oder ob die Geldpolitik stattdessen durch politischen Druck oder Einschüchterung bestimmt wird.
Jerome Powell

Powell fuhr fort, indem er betonte, dass er standhaft bleiben werde, und er kündigte an, sein Amt weiterhin mit Integrität und Engagement zu erfüllen.

Ich habe unter vier Regierungen, sowohl republikanischen als auch demokratischen, bei der Federal Reserve gedient. In jedem Fall habe ich meine Aufgaben ohne politische Ängste oder Bevorzugungen wahrgenommen und mich ausschließlich auf unseren Auftrag der Preisstabilität und maximalen Beschäftigung konzentriert. Der öffentliche Dienst erfordert manchmal, dass man angesichts von Drohungen standhaft bleibt. Ich werde die Aufgabe, für die mich der Senat bestätigt hat, weiterhin mit Integrität und Engagement für das amerikanische Volk erfüllen.
Jerome Powell

Bislang hatte der Fed-Chef vermieden, die vielen Sticheleien aus Washington direkt zu kommentieren. Umso bemerkenswerter ist es, dass er in seinem Statement nun der Regierung vorwarf, die Unabhängigkeit der Notenbank untergraben zu wollen. Mit den Ermittlungen scheint jetzt eine neue Eskalationsstufe in dem schon lange anhaltenden Konflikt erreicht worden zu sein.

Trump dementiert Verwicklung

Trump selbst kommentierte die neusten Entwicklungen bereits, indem er gegenüber NBC News erklärte, nichts davon wissen zu würden. Doch auch diese Aussage schmückte der US-Präsident mit einem Seitenhieb an Powell.

Ich weiß gar nichts darüber, aber er ist sicherlich nicht besonders gut bei der Fed, und er ist auch nicht besonders gut darin, Gebäude zu bauen.
Donald Trump

Laut dem US-Präsidenten würden die Ermittlungen überdies nichts mit den Zinsen zu tun haben. Im Rahmen der Vorgeschichte erscheint es eher unwahrscheinlich, dass Trump keine Kenntnis hat beziehungsweise nicht darin verwickelt ist.

Kritik aus der Politik

Die Ermittlungen des Justizministeriums stießen auf heftige Kritik – sogar aus den Reihen von Trumps Parteikollegen. Der republikanische Senator Thom Tillis, Mitglied des Bankenausschusses des Senats, erklärte in Reaktion, dass er keinen von Trump nominierten Kandidaten für die Federal Reserve bestätigen werden, auch nicht für Powells Nachfolge, bis die Rechtsangelegenheit geklärt ist.

Ich werde mich gegen die Bestätigung aller Kandidaten für die Fed aussprechen – einschließlich des bevorstehenden Vorsitzes –, bis diese Rechtsangelegenheit vollständig geklärt ist.
Thom Tillis

Weiter sagte Tillis, dass es jetzt keine Zweifel mehr geben dürfte, dass es die Trump-Administration auf die Unabhängigkeit der Zentralbank abgesehen habe.

Wenn es noch Zweifel daran gab, dass Berater innerhalb der Trump-Regierung aktiv darauf hinarbeiten, die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu beenden, sollten diese nun ausgeräumt sein.
Thom Tillis

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, führendes Rang-Mitglied im Bankenausschuss, warf Trump derweil ihrem Statement vor, „die Behörden des Justizministeriums wie ein Möchtegern-Diktator“ zu missbrauchen, damit die „Fed seinen Interessen dient, zusammen mit denen seiner milliardenschweren Freunde“.

Janet Yellen, ehemalige Finanzministerin sowie Notenbankchefin, unterstrich gegenüber CNBC, dass der Schritt die Unabhängigkeit der Zentralbank kompromittiere, sich die USA auf dem Weg hin zu einer „Bananenrepublik“ befänden und die Märkte besorgter sein sollten.

Ich bin überrascht, dass der Markt nicht besorgter ist. Meiner Meinung nach sollte der Markt besorgt sein.
Janet Yellen

Reaktion der Märkte

An den Kapitalmärkten gab es deutliche Reaktionen auf die neusten Entwicklungen. Der US-amerikanische Aktienindex S&P 500 gab zwischenzeitlich merkbar nach, während die Edelmetalle Gold und Silber auf neue Höchststände stiegen. Die Unsicherheiten scheinen Marktteilnehmer nach „sicheren Häfen“ Ausschau halten zu lassen.

Der US-Dollar wertete derweil gegenüber anderen Währungen leicht ab, was auf einen weiteren Vertrauensverlust des „Greenback“ zurückzuführen sein dürfte. Denn wenn die Zentralbank politisch untergraben werden sollte, besteht die Gefahr, dass die Geldpolitik stärker auf die Interessen der Regierung ausgerichtet wird, was in einer sich ausdehnenden Geldmenge resultieren müsste.

Der Bitcoin-Kurs legte in der Nacht zu – wenn auch weniger stark als Gold und Silber –, gab die Kursgewinne am Vormittag jedoch allesamt wieder ab. Am Markt scheint noch Uneinigkeit darüber zu herrschen, ob Bitcoin als alternatives Geldsystem von der Situation profitieren oder ob der „Risk-Off-Modus“ den Kurs der Kryptowährung eher drücken dürfte.

Zum Start des US-amerikanischen Handels setzte dann aber wieder eine Erholung ein und Bitcoin stieg in Richtung der Tageshochs und eroberte die Marke von 92.000 US-Dollar zurück, womit die Reaktion bislang als eher positiv zu werten ist. 

Bitcoin ist ein Vermögenswert ohne Kontrahentenrisiken, der demnach einen Anker in Zeiten der Unsicherheit darstellen kann. Die Auseinandersetzung zwischen Trump und der Fed unterstreicht zudem, dass Staatswährungen wie der US-Dollar von einzelnen Machtpersonen abhängig sein können, weshalb ein dezentrales Geld mit begrenzter Gesamtmenge in dieser Situation eigentlich glänzen dürfte.

Trumps Vision jetzt unwahrscheinlicher?

An den Wettmärkten ist die Wahrscheinlichkeit, dass Powell vorzeitig, also vor dem 14. Mai, seinen Posten verliert, nur leicht gestiegen – von 4 auf circa 13 %. Die Konsensannahme ist also weiterhin, dass er seine Amtszeit als Fed-Chef zu Ende bringen wird. Danach könnte er übrigens bis zum Jahr 2028 noch Notenbankgouverneur bleiben.

Jetzt besteht aber die Gefahr, dass sich die neusten Entwicklungen für Trump rächen. Der US-Präsident ist nämlich auf den Senat angewiesen, der einen von ihm nominierten Nachfolger für Powell bestätigen muss. Die generelle Annahme ist, dass Trump einen Verbündeten auswählen wird, der sich seiner Vision verschreibt. Das liegt nicht zuletzt an Kommentaren wie dem folgenden vom 23. Dezember 2025.

Ich möchte, dass mein neuer Fed-Vorsitzender die Zinsen senkt, wenn der Markt gut läuft, und nicht ohne Grund den Markt zerstört. Die Vereinigten Staaten sollten für ihren Erfolg belohnt werden und nicht daran zugrunde gehen. [...] Wer mir widerspricht, wird niemals Fed-Vorsitzender werden.
Donald Trump

Laut Polymarket ist es derzeit am wahrscheinlichsten, dass Trump Kevin Hassett, den Direktor des „National Economic Council“, seinen obersten Wirtschaftsberater, nominieren wird. Hassett gilt als besonders Trump-nah und sogar als Krypto-Bulle, da er die Börse Coinbase beriet und laut seiner letzten finanziellen Auskunft zwischen 1 und 5 Millionen US-Dollar in Coinbase-Aktien hält.

Wen Trump nominieren wird und ob der Senat seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung machen wird, gilt es abzuwarten. Ebenso, ob die allgemein steigende Unzufriedenheit mit dem selbsternannten „Krypto-Präsidenten“ der noch geplanten, positiven Gesetzgebung für BTC und Co. einen Riegel vorschiebt.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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