Im Weißen Haus findet heute ein vom US-Krypto-Rat organisiertes Treffen zwischen Führungskräften aus dem Bankensektor und der Krypto-Industrie statt. Ziel ist es, einen Kompromiss in der Frage zu finden, ob Krypto-Unternehmen ihren Kunden Vergütungen beziehungsweise Zinsen auf ihre Stablecoin-Guthaben zahlen dürfen. Eine Einigung wäre ein weiterer Schritt hin zur möglichen Verabschiedung des CLARITY Act, der regulatorische Klarheit für digitale Vermögenswerte in den USA schaffen soll.

Banken vs. Krypto

Bei dem heutigen Treffen im Weißen Haus in Washington empfängt der Krypto-Beauftragte der Trump-Regierung, David Sacks, Vertreter des US-Bankensektors sowie der Krypto-Branche, darunter die Blockchain Association, The Digital Chamber und weitere Krypto-Plattformen.

Die US-Regierung unter Donald Trump versucht, den Konflikt zwischen den beiden Branchen zu lösen, der im Zuge der Gesetzesinitiative CLARITY Act entstanden ist. Das Gesetz sieht die Schaffung klarer regulatorischer Richtlinien für Bitcoin und andere Kryptowährungen vor.

Das US-Repräsentantenhaus hat bereits im Juli 2025 eine Version des CLARITY Act verabschiedet. Seitdem arbeitet der US-Senat an seiner eigenen Variante, die in einem weiteren Schritt noch vom Repräsentantenhaus angenommen werden müsste:

  • Am 29. Januar verabschiedete das „Agriculture Committee“ des Senats den CLARITY Act mit knapper Mehrheit – ohne eine einzige Stimme aus den demokratischen Reihen.
  • Einige Tage zuvor war eine Ausschussabstimmung im Bankenkomitee des Senats („Senate Banking Committee“) angedacht, diese wurde jedoch aufgrund der Unstimmigkeiten zwischen der Banken-Lobby und Krypto-Unternehmen verschoben.

Der zentrale Streitpunkt ist die Frage, ob Krypto-Plattformen ihren Kunden Erträge oder Zinsen auf Stablecoins – also US-Dollar-gebundene Token – auszahlen dürfen.

Vertreter der Krypto-Branche, allen voran Coinbase-CEO Brian Armstrong, bezeichnen ein Verbot von Zinsen auf Stablecoins als wettbewerbswidrig. Banken hingegen befürchten durch den potenziell zunehmenden Wettbewerb einen erheblichen Abzug von Einlagen aus dem Bankensystem und sehen dadurch ihr Geschäftsmodell – insbesondere ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe – sowie die Stabilität des Finanzsystems insgesamt gefährdet.

Mit dem bereits rechtskräftigen GENIUS Act sollte schon ein regulatorischer Rahmen für die mit Fiatwährungen gedeckten Krypto-Assets geschaffen werden, doch noch ist das Thema der Renditen auf Stablecoins nicht abschließend geklärt. Laut GENIUS Act ist es den Emittenten zwar selbst verboten, den Haltern Zinsen zu bezahlten, doch das Gesetz lässt Raum für Dritte wie Börsen, die „Rewards“ weitergeben können. Banken streben entsprechend eine Schließung dieser „Lücke“ im CLARITY Act an.

Ausgang ungewiss

Das heutige Treffen im Weißen Haus soll eine Einigung zwischen den beiden Finanzsektoren ermöglichen und eine Lösung für die festgefahrene Gesetzesinitiative finden.

Sollte ein Kompromiss erzielt werden, dürfte sich dieser in der Version des Bankenausschusses wiederfinden, über die das Komitee anschließend abstimmen würde. Danach könnten die Varianten der Banken- und Landwirtschaftsausschüsse zu einer einheitlichen Senatsfassung zusammengeführt werden, die dem gesamten Senat zur Abstimmung vorgelegt wird.

Stimmt der Senat dieser Version zu und anschließend erneut Repräsentantenhaus, dann kann US-Präsident Donald Trump das Gesetz mit seiner Unterschrift in Kraft setzen.

Angesichts der verhärteten Fronten zwischen Banken und Krypto-Industrie sowie der fehlenden Unterstützung durch die Demokraten im US-Senat bleibt jedoch unklar, ob das heutige Treffen den erhofften Durchbruch bringt und der CLARITY Act letztlich verabschiedet werden kann. Auf der Wettplattform Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act in diesem Jahr noch durchkommt, derzeit bei 61 %.

Die Initiative des Krypto-Rats zeigt letztlich, dass die Trump-Regierung großes Interesse daran hat, das Gesetz voranzubringen – mit dem erklärten Ziel, die Vereinigten Staaten als „Krypto-Hauptstadt“ der Welt zu positionieren. Der heutige Tag könnte damit zu einem entscheidenden Wendepunkt für die Krypto-Regulierung in den Vereinigten Staaten werden.

Stefan

Über den Autor: Stefan

Stefan ist studierter Medienwissenschaftler und Sinologe sowie selbstständig im künstlerisch-publizistischen Bereich. Neben den monetären Eigenschaften interessiert er sich vor allem für die sozialen und ökologischen Aspekte von Bitcoin und dem Bitcoin-Mining.

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