US-Präsident Donald Trump hat Stephen Miran als Mitglied des Vorstands der Federal Reserve nominiert. Miran, der momentan der Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater ist, kommentierte Posts auf 𝕏 bereits mit der bekannten Phrase „Bitcoin fixes this“.

Neubesetzung der Federal Reserve

Ende vergangener Woche legte die Notenbankgouverneurin Adriana Kugler überraschend ihr Amt, das sie weniger als zwei Jahre bekleidete, nieder. Kugler geht zurück zur Georgetown University, um dort als Professorin zu arbeiten. Damit wurde zum 8. August ein Platz im siebenköpfigen Vorstand der US-Notenbank frei.

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Das Federal Open Market Committee (FOMC), das über die geldpolitischen Schritte der US-Zentralbank entscheidet, setzt sich aus zwölf stimmberechtigten Mitgliedern zusammen: dem siebenköpfigen Fed-Vorstand, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank of New York und vier Präsidenten der regionalen Federal Reserve Banken, die jährlich rotieren.

Der US-Präsident kann neue Notenbankgouverneure nominieren, die anschließend vom Senat bestätigt werden müssen. Da Donald Trump den Fed-Chef Jerome Powell seit geraumer Zeit zu Zinssenkungen drängen möchte, ist die allgemeine Annahme, dass er versuchen wird, durch seine Nominierungen entsprechenden Einfluss geltend zu machen.

Mit dem Rücktritt von Kugler hat Trump jetzt erstmals in seiner zweiten Amtszeit die Möglichkeit, einen seiner Leute in der Zentralbank zu installieren. Die Amtszeit von Powell hingegen läuft noch bis zum Mai kommenden Jahres – auch wenn es Spekulationen über seinen vorzeitigen Rücktritt und sogar eine Entlassung durch Trump gibt.

Gestern Abend gab Trump schließlich bekannt, dass er Stephen Miran als vorübergehenden Nachfolger von Kugler nominiert. Währenddessen werde sich, so der US-Präsident, um einen dauerhaften Nachfolger gekümmert. Miran war Trumps Wahl für den Vorsitzenden des Rates der Wirtschaftsberater.

Es ist mir eine große Ehre, bekannt zu geben, dass ich Dr. Stephen Miran, den derzeitigen Vorsitzenden des Rates der Wirtschaftsberater, für den gerade frei gewordenen Sitz im Federal Reserve Board bis zum 31. Januar 2026 ausgewählt habe. In der Zwischenzeit werden wir weiterhin nach einem dauerhaften Nachfolger suchen. Stephen hat einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften von der Harvard University und hat sich in meiner ersten Amtszeit verdient gemacht. Er begleitet mich seit Beginn meiner zweiten Amtszeit, und seine Fachkenntnisse in der Welt der Wirtschaft sind unübertroffen – er wird hervorragende Arbeit leisten. Herzlichen Glückwunsch, Stephen!
Donald Trump auf Truth Social

Stephen Miran ist – so wie Donald Trump – der Meinung, die Federal Reserve solle die Geldpolitik lockern. In einem aktuellen Interview betonte Miran, dass Powell auf Trump hinsichtlich Inflation und Zinssenkungen auf Trump hören solle, da sich die Einschätzungen des Präsidenten in der Vergangenheit bewahrheitet haben.

Was wir jetzt in Echtzeit sehen, ist erneut eine Wiederholung dieses Musters, bei dem sich am Ende herausstellen wird, dass der Präsident Recht hatte – und die Fed, mit Verzögerung und wahrscheinlich viel zu spät, schließlich die Sicht des Präsidenten übernehmen wird.
Stephen Miran

Ist Stephen Miran ein Bitcoiner?

Schon in seiner aktuellen Rolle als Vorsitzender des Rates der Wirtschaftsberater hat Stephen Miran einen großen Einfluss. Als Vorstandsmitglied der Federal Reserve, das über Zinssenkungen mitentscheidet – wenn auch nur bis Ende Januar 2026 –, wäre Miran umso bedeutender.

In der Bitcoin-Community verbreitete sich gestern Abend die Meldung, Trump habe einen Bitcoin-Befürworter als Notenbankgouverneur nominiert. Diese Behauptung wurde durch zwei Posts untermauert, in denen Miran „Bitcoin fixes this“ schrieb. Das bedeutet so viel wie „Bitcoin löst dieses Problem“.

GERADE EINGEGANGEN: 🇺🇸 Präsident Trump wählt den Bitcoin-Befürworter Stephen Miran für das Board of Governors der Federal Reserve aus. 👀
@BTC_Archive auf 𝕏

Der eine Post, den Miran mit dieser bekannten Bitcoiner-Phrase kommentierte, ist jedoch gelöscht, während der andere das Bot-Problem auf der Plattform 𝕏 adressiert.

Wie ernst der potenziell neue Notenbankgouverneur diese Aussagen meinte, geht aus dem Kontext nicht eindeutig hervor.

In einem anderen Post aus dem Sommer 2023 machte sich Miran über Krypto-Spambots lustig, was darauf schließen lässt, dass er Bitcoin nicht wirklich als die Lösung dieses Problems ansieht – auch wenn es dafür bereits Ansätze gibt, wie dass Accounts zur Verifizierung eine kleine Menge BTC hinterlegen müssen.

Bei einem genauen Blick zeigt sich, dass Miran vor mehreren Jahren eher ein Gegner von Kryptowährungen war. Ende Dezember 2021 spielte er beispielsweise mit dem Gedanken, dass all das Geld aus den Stimulus-Checks, das US-Amerikaner in Bitcoin und Co. investiert haben, letztlich nur „Krypto-Gangster“ bereichern würde.

Dennoch: Seine Meinung scheint sich ein wenig gewandelt zu haben. In einem Interview aus dem Dezember vergangenen Jahres gab sich Miran als Innovationsfreund und betonte dabei, dass Kryptowährungen einen Wirtschaftsboom unter Trump herbeiführen können.

Ich bin ein großer Freund von Innovationen, die zur Verbesserung der Menschheit beitragen und den Wohlstand auf eine Weise steigern, die niemand wirklich im Voraus abschätzen kann. [...] Ich glaube, dass die Deregulierung der Finanzmärkte ein wichtiger Teil davon sein wird. Ich glaube, dass Kryptowährungen eine große Rolle bei der Innovation und der Herbeiführung eines weiteren Wirtschaftsbooms unter der Trump-Regierung spielen können, und wir werden sehen, was dabei herauskommt.
Stephen Miran

Selbst wenn Stephen Miran inzwischen ein richtiger Bitcoin-Enthusiast geworden sein sollte, wird er als vorübergehender Notenbankgouverneur wohl kaum große Veränderungen in der Federal Reserve bewirken können. Für Bitcoin dürfte es viel entscheidender sein, wen Trump als Nachfolger von Jerome Powell nominiert. 

Der Wettmarkt räumt momentan dem Notenbanker Christopher Waller und Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett die höchste Wahrscheinlichkeit ein. Scott Bessent, der laut seiner letzten finanziellen Auskunft sogar Bitcoin gehalten hat, ist inzwischen raus aus dem Rennen, da er lieber Finanzminister bleiben möchte.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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