Trump kurz davor, Powell als Fed-Chef zu feuern
Steht die Entlassung von Jerome Powell bevor?
Die Hinweise verdichten sich, dass Jerome Powell noch vor seinem Amtsende im Mai 2026 die Federal Reserve verlassen wird – beziehungsweise dazu gezwungen wird. Nachdem der Chef der US-Hausfinanzierungsaufsicht (FHFA) am Freitag vergangener Woche die Gerüchte befeuerte, dass Powell über seinen Rücktritt nachdenken würde, gab es nun weitere Entwicklungen.
FHFA-Chef Bill Pulte postete bereits in der vergangenen Nacht auf der Plattform 𝕏, dass er jetzt auch aus einer glaubwürdigen Quelle erfahren habe, dass Powell seinen Rücktritt in Betracht ziehe.
Ich habe heute aus einer sehr glaubwürdigen, überparteilichen Quelle erfahren, dass Jerome Powell erwägt, zurückzutreten. Dies deckt sich sowohl mit Berichten als auch mit den Gesprächen in Washington.
Bill Pulte, FHFA-Chef
I heard from a very credible, bipartisan source, today, that Jerome Powell is considering resigning. This maps with both reports and also the talk in DC.
— Pulte (@pulte) July 16, 2025
Einige Stunden später berichtete Bloomberg, dass ein Beamter des Weißen Hauses in einem Treffen mit republikanischen Kongressabgeordneten gesagt haben soll, dass Trump wahrscheinlich zeitnah Powell feuern werde. Bei diesem Treffen sollen, so die Quellen von Bloomberg, auch die möglichen Schritte besprochen worden sein, um den Fed-Chef loswerden zu können.
Theoretisch kann der US-Präsident den Chef der Federal Reserve nicht ohne Weiteres entlassen – dies ist eine Vorkehrung, um die Unabhängigkeit der Zentralbank gewährleisten zu können. Es scheint jedoch so, als hätten die Trump-Verbündeten einen Weg gefunden:
Powell wird momentan nämlich vorgeworfen, dass die Renovierung des Hauptsitzes der Federal Reserve das Budget um 700 Millionen US-Dollar sprengt und er sich nicht die notwendige Genehmigung eingeholt habe. Diesbezüglich soll der Fed-Chef zudem, so der Vorwurf, den Kongress belogen haben.
Laut einem Artikel der New York Times soll Trump außerdem bereits ein Schreiben zur Entlassung von Powell vorbereitet haben. Die Quellen des Mediums berichten, dass der US-Präsident diesen Brief bei einem Treffen mit republikanischen Kongressabgeordneten gezeigt haben soll.
Im Rahmen dieser Entwicklungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass Jerome Powell noch in diesem Jahr die Federal Reserve als Chairman verlassen wird, in die Höhe geschnellt – zeitweise auf mehr als 40 Prozent auf der Wettplattform Kalshi.
Inzwischen ist dieser Wert wieder deutlich zurückgelaufen. Das liegt daran, dass Trump die Berichte dementiert hat. Er habe keinen solchen Entwurf verfasst. Außerdem sei es „sehr unwahrscheinlich“, dass er Powell feuern würde, so der US-Präsident.
Trump räumte dennoch ein, mit den Republikanern über die Entlassung des Fed-Chefs gesprochen zu haben.
Verliert die Federal Reserve ihre Unabhängigkeit?
Der zentrale Vorwurf von Trump und seinen Verbündeten ist, dass Jerome Powell aus politischen Gründen die Zinsen nicht senken würde. Mit niedrigeren Zinsen würden die USA, so die Argumentation, eine Billion US-Dollar pro Jahr an Zinskosten sparen können. Bill Pulte argumentiert deshalb, dass Powell selbst die Unabhängigkeit der Federal Reserve gefährden würde.
Die US-Inflation lag im Monat Juni bei 2,7 Prozent und damit ein gutes Stück vom 2-%-Ziel entfernt. Powell argumentiert, dass die Zölle die Konsumgüterpreise wieder anfachen könnten, weshalb die Geldhüter die weiteren Daten abwarten wollen, bevor sie den Leitzins nachjustieren.
Spätestens nach der offiziellen Amtszeit von Jerome Powell ist jedoch davon auszugehen, dass Trump einen Fed-Chef installieren wird, der für ein deutlich lockereres geldpolitisches Umfeld sorgt. Als potenzielle Nachfolger werden momentan in erster Linie Finanzminister Scott Bessent und Kevin Hassett, der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, gehandelt.
Mit einem Trump-nahen Vorsitzenden der Federal Reserve, der die Zinsen niedrig hält, um dem US-Haushalt unter die Arme zu greifen, könnte das Vertrauen in die Kaufkraft des US-Dollars noch stärker verloren gehen. Marktteilnehmer dürften sich dann vermehrt nach alternativen und unabhängigen Reserve-Assets wie Gold und Bitcoin umsehen.