Trump erwägt Begnadigung von Samourai-Gründer Keonne Rodriguez
Haftstrafe wegen Bitcoin-Privacy-Software
Am 6. November dieses Jahres wurde Keonne Rodriguez, CEO und Mitentwickler der Samourai Wallet, zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 250.000 US-Dollar verurteilt. Der Grund: Er habe einen nicht-lizenzierten Geldübermittler betrieben. Über die Samourai Wallet sollen 237 Millionen US-Dollar an illegalen Transaktionen abgewickelt worden sein.
In der Bitcoin-Community stieß diese Nachricht auf Entsetzen. Denn die Samourai Wallet, mit der Nutzer ihre Coins anonymisieren konnten, war ein non-custodial Service. Das bedeutet, dass der Dienst nie im Besitz der BTC der Kunden war und somit, laut der Einschätzung vieler Sympathisanten, gar nicht die Verantwortung tragen könne.
Im April 2024 wurden Rodriguez und Mitentwickler William Hill verhaftet und die Samourai Wallet abgeschaltet. Beide bekannten sich im Juli dieses Jahres des illegalen Geldtransfers schuldig. Dies geschah im Rahmen eines Deals mit der Staatsanwaltschaft, damit die Anklage wegen Geldwäsche, bei der bis zu 20 Jahre Gefängnis gedroht hätten, fallengelassen wird.
Die Staatsanwaltschaft forderte bei beiden wegen des Betriebs eines nicht-lizenzierten Geldübermittlers die Höchststrafe von fünf Jahren, die Rodriguez schließlich auch erhielt. William Hill wurde am 19. November zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Strafe fiel bei ihm geringer aus, da sein Autismus berücksichtigt wurde.
Lässt Trump Gnade walten?
In der Bitcoin-Community hatte man zeitweise die Hoffnung, dass das Urteil im Samourai-Fall aufgrund der neuen Pro-Krypto-Ausrichtung der USA mild ausfallen würde. Im Parteiprogramm der Republikaner steht nämlich geschrieben, dass die Bürger das Recht haben sollen, Krypto-Transaktionen ohne staatliche Kontrolle durchzuführen.
Anfang des Jahres sagte dann auch noch Matthew R. Galeotti, vorläufiger Abteilungschef im US-Justizministerium, dass keine neuen Anklagen wegen unerlaubter Geldübermittlung gegen Entwickler erhoben werden sollen, wenn eine Software wirklich dezentral ist, nur Peer-to-Peer-Transaktionen automatisiert und keine Drittverwahrung besteht – was bei Samourai der Fall war.
Und als nach Silk Road-Gründer Ross Ulbricht dann sogar Changpeng „CZ“ Zhao, der ehemalige CEO von Binance, der sich schuldig bekannte, gegen Geldwäscherichtlinien verstoßen zu haben, begnadigt wurde, erschien es mehr als nur fragwürdig, wieso im Samourai-Fall doch so hart durchgegriffen wird.
US-Präsident Donald Trump wurde heute aber schließlich bei einer Pressekonferenz auf die Causa angesprochen. Sander Lutz vom Krypto-Medium Decrypt brachte eine potenzielle Begnadigung ins Spiel und erklärte dabei, dass einige in der Krypto-Community überzeugt seien, dass dies gerechtfertigt wäre. Er betonte zudem, dass der Fall unter Joe Bidens Präsidentschaft gestartet wurde.
Daraufhin sagte Trump:
„Ich habe davon gehört, ich schaue es mir an.“
Weiter forderte er Generalstaatsanwältin Pam Bondi dazu auf, sich der Sache anzunehmen.
US-Präsident @realDonaldTrump zieht in Betracht, @Keonne Rodriguez, CEO der @SamouraiWallet, zu begnadigen. 🇺🇸👀
— Blocktrainer (@blocktrainer) December 15, 2025
Rodriguez wurde im November zu 5 Jahren Haft und einer Geldstrafe von 250.000 $ verurteilt, weil er einen nicht-lizensierten Geldübermittler betrieben haben soll. 🚨 pic.twitter.com/0tGCTPrqoX
Rodriguez, der sich am 19. Dezember in Gewahrsam begeben muss, reagierte bereits auf diese neue Entwicklung. Auf der Plattform 𝕏 repostete er Meldungen zu Trumps heutiger Aussage.
Außerdem bedankte er sich auch selbst bei denjenigen, die sich lautstark für seine Begnadigung eingesetzt haben, was wohl unerlässlich dafür war, dass sich der US-Präsident dies jetzt genauer ansehen wird.
Euer anhaltender Protest zeigt Wirkung. Vielen Dank an alle, die Donald Trump dazu drängen, [William] und mich zu begnadigen. Lasst uns das über die Ziellinie bringen. #pardonsamourai
Keonne Rodriguez
Your continued noise is working. Thank you to everyone pushing @realDonaldTrump to pardon Bill and me. Let's get this over the line. #pardonsamourai https://t.co/LN3qnksrL5
— Keonne Rodriguez (@keonne) December 15, 2025
Auch wenn der Reporter den US-Präsidenten nicht auf Mitgründer William Hill angesprochen hat, wäre es wohl unwahrscheinlich, dass Rodriguez alleine begnadigt wird. Spannend dürfte auch zu sehen sein, ob sich das auch auf den Umgang mit Roman Storm, Gründer des non-custodial Privacy-Dienstes für Ethereum-Transaktionen, dessen Prozess noch nicht abgeschlossen ist, auswirken würde.
Mit einem solchen Schritt könnte Trump ein starkes Zeichen setzen – und zwar, dass die USA noch einen Wert auf finanzielle Privatsphäre legen. Zu welcher Entscheidung Trump und Generalstaatsanwältin Pam Bondi kommen werden, könnte sich schon in den kommenden Tagen zeigen. Am Freitag dieser Woche muss er seine Haftstrafe antreten.
Rodriguez betonte bereits, dass er nicht die Mittel und den Einfluss habe, die CZ haben würde, und zeigte sich zuvor entsprechend pessimistisch, dass er – so wie der Binance-Gründer – begnadigt wird. Der Samourai-Gründer setzte nach den Äußerungen Trumps noch einen weiteren Post ab, in dem er betonte, dass dank des Reporters von Decrypt die größte Herausforderung jetzt geschafft sei – und zwar, die Aufmerksamkeit des Präsidenten zu gewinnen.
Ich habe immer gesagt, dass die größte Herausforderung dabei, eine Begnadigung für mich und [William] zu erreichen, darin bestehen würde, die Aufmerksamkeit von Donald Trump zu gewinnen. Er ist sehr beschäftigt, und viele Menschen buhlen um seine Aufmerksamkeit. Dank des Journalisten von Decrypt ist der Präsident nun über unsere Situation informiert. Das ist ein großer Schritt vorwärts für #pardonsamourai.
Keonne Rodriguez