Der Druck auf Jerome Powell, den Vorsitzenden der Federal Reserve, nimmt weiter zu. Nachdem die heute gemeldeten Inflationsdaten für den Monat Juli leicht besser als erwartet ausgefallen sind, ist Donald Trump wieder in Angriffslaune. Neben seiner üblichen Aufforderung, endlich die Zinsen zu senken, droht der US-Präsident dem Fed-Chef sogar mit einer Klage. Sorgen um den Unabhängigkeitsverlust der US-Zentralbank nehmen weiter zu – kann Bitcoin profitieren?

Trumps Forderung nach Zinssenkungen

Seit geraumer Zeit vergeht kaum eine Woche, in der sich US-Präsident Donald Trump nicht zu Wort meldet, um Zinssenkungen zu fordern. So auch heute. Jerome Powell, den Trump „Too Late“ nennt, müsse jetzt die Zinsen senken, heißt es in Trumps Post auf seiner Plattform Truth Social am heutigen Dienstag.

Jerome „Too Late“ Powell muss JETZT den Leitzins senken. [...] Der Schaden, den er dadurch angerichtet hat, immer zu spät zu sein, ist unermesslich.
Donald Trump

Der Auslöser dieser erneuten Forderung sind die Inflationszahlen für den Monat Juli. Die Konsumgüterpreisinflation (CPI) lag im Vorjahresvergleich bei 2,7 Prozent und damit leicht unter den erwarteten 2,8 Prozent. Die für die US-Notenbank relevantere Kernrate (Core CPI) hingegen betrug 3,1 Prozent und damit 10 Basispunkte mehr als die Konsensannahme.

Obwohl die Teuerungsrate noch ein gutes Stück vom 2-%-Ziel entfernt ist, werden baldige Zinssenkungen immer wahrscheinlicher. Der Markt rechnet momentan zu circa 95 Prozent mit einer 25-Basispunkte-Reduktion bei der nächsten Notenbanktagung im September.

Donald Trump verliert jedoch die Geduld – und entsprechend nimmt der Druck auf Jerome Powell zu. Der US-Präsident und seine Verbündeten fahren inzwischen schwere Geschütze auf, um den Vorsitzenden der Federal Reserve vor dem Ende seiner Amtszeit im Mai 2026 seinem Amt zu entledigen.

Grund dafür ist in erster Linie die Belastung des US-Haushalts durch die hohen Zinszahlungen. Trump rechnet regelmäßig vor, wie viel Geld die USA sparen würden, wenn Powell den Leitzins, der sich maßgeblich auf die Zinsen von US-Staatsanleihen auswirkt, senken würde.

Da der Präsident den Fed-Chef nicht einfach so feuern kann, hat sich inzwischen ein anderer Angriffswinkel herauskristallisiert. Trump und andere Politiker werfen Powell vor, bei der Renovierung des Hauptgebäudes der Federal Reserve Gelder verschwendet zu haben.

Trump droht Powell mit Klage

In seinem heutigen Post drohte Trump schließlich damit, eine Klage gegen den Fed-Chef zuzulassen. Diese soll die Renovierung des Hauptgebäudes der Federal Reserve betreffen, die das vorgesehene Budget deutlich gesprengt hat. Powell hätte sich für die zusätzlichen Mittel eine Genehmigung einholen müssen, lautet der Vorwurf.

Ich erwäge jedoch, eine große Klage gegen Powell voranschreiten zu lassen, wegen der schrecklichen und grob inkompetenten Arbeit, die er bei der Leitung des Baus der Fed-Gebäude geleistet hat. 3 Milliarden US-Dollar für ein Projekt, das eigentlich mit 50 Millionen US-Dollar hätte renoviert werden können. Nicht gut!
Donald Trump

Um welche Klage es sich genau handeln soll, geht aus dem Post nicht hervor. Doch klar ist: Sinn und Zweck dieser Aussage ist, den Druck auf den Vorsitzenden der Federal Reserve weiter zu erhöhen. Karoline Leavitt, Pressesprecherin von Trump, kommentierte die Meldung wie folgt:

Er erwägt eine Klage, und ich werde mich dazu nicht weiter äußern. Ich werde es dem Präsidenten überlassen, dies selbst zu tun.
Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses

Vor weniger als einem Monat befeuerte bereits Bill Pulte, Vorsitzender der US-Hausfinanzierungsbehörde FHFA, die Gerüchte, dass Powell bald zurücktreten werde. Wenig später hieß es in einem Artikel des Wall Street Journal, Trump habe bereits ein Schreiben zur Entlassung des Fed-Chefs vorbereitet. Der US-Präsident dementierte den Bericht.

Trumps Verbündete – allen voran Finanzminister Scott Bessent – betonten zwar immer wieder, dass sie nicht an der Unabhängigkeit der Federal Reserve rütteln werden. Doch die Sorgen der Marktteilnehmer scheinen nicht unbegründet zu sein. Der Versuch der politischen Einflussnahme auf die Notenbank ist nicht wegzudiskutieren.

Selbst wenn Powell seine Amtszeit zu Ende bringen sollte, ist damit zu rechnen, dass Trump einen Nachfolger auswählen wird, der sich für eine lockerere Geldpolitik einsetzt – auch wenn Trumps Nominierung durch den republikanisch dominierten Senat noch bestätigt werden muss.

In der vergangenen Woche nominierte Trump bereits den Powell-Kritiker Stephen Miran als Notenbankgouverneur. Sollte der Senat Miran bestätigen, wäre der Trump-Verbündete eines der zwölf Mitglieder des Federal Open Market Committee (FOMC), das über die Zinsschritte der Zentralbank entscheiden darf.

Kann Bitcoin profitieren?

Bitcoin bietet ein alternatives Geldsystem, das vor politischer Einflussnahme geschützt ist. Grund dafür ist die dezentrale Struktur des Netzwerks. Bitcoin konkurriert somit mit dem US-Dollar, der noch das meistgenutzte Reserve-Asset der Welt ist.

Das Vertrauen in den US-Dollar bröckelt jedoch schon seit geraumer Zeit – unter anderem angefacht durch die ausufernden US-Staatsschulden, die inzwischen 37 Billionen US-Dollar betragen und dank der Verabschiedung der „Big Beautiful Bill“ in den kommenden Monaten nur noch weiter ansteigen dürften.

BlackRock-CEO Larry Fink betonte in seinem vielbeachteten Brief an die Aktionäre vor wenigen Monaten, dass der US-Dollar seine Rolle als Reservewährung an Bitcoin verlieren könnte, wenn die USA ihren Haushalt nicht unter Kontrolle bekommen.

Wenn die USA ihre Schulden nicht in den Griff bekommen, wenn die Defizite immer weiter ansteigen, läuft Amerika Gefahr, diese Position an digitale Vermögenswerte wie Bitcoin zu verlieren.
Larry Fink

Die immer weiter steigenden Staatsschulden der USA in Kombination mit Sorgen um den Unabhängigkeitsverlust der US-Zentralbank dürften dazu führen, dass sich Marktteilnehmer vermehrt nach alternativen Reserve-Assets umsehen und dabei auf Bitcoin stoßen.

Trumps Druck auf Powell unterstreicht zudem, dass zentral gesteuerte Geldsysteme immer und überall dem Risiko der politischen Einflussnahme unterliegen – egal wie unabhängig Zentralbanken auf dem Papier auch sein mögen.

Ob es tatsächlich so weit kommt, dass Powell zum vorzeitigen Rücktritt gedrängt oder sogar wegen der Renovierung des Fed-Gebäudes sein Amt entzogen bekommt, bleibt zum aktuellen Zeitpunkt aber noch offen.

Trotz Trumps Drohung liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Powell noch in diesem Jahr die Federal Reserve verlässt, momentan nur bei 10 Prozent – und damit deutlich niedriger als noch im Juli.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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