US-Präsident Donald Trump hat soeben ein Dekret unterzeichnet, durch das alternative Investitionen wie „Private Equity“, Immobilien, Bitcoin und Kryptowährungen Einzug in die steuerbegünstigten Altersvorsorgepläne – die sogenannten „401(k)s“ – erhalten sollen. Circa 9 Billionen US-Dollar befinden sich in diesen Rentensparmodellen, die eine elementare Säule des US-amerikanischen Kapital- beziehungsweise Rentenmarktes darstellen.

Bitcoin und Krypto in 401(k)s

Trumps Plan, die 401(k)s für alternative Investments wie Kryptowährungen zu öffnen, ist bereits seit Mitte Juli bekannt. Damals zitierte die Financial Times Insider, die über das Vorhaben der Trump-Administration in Kenntnis gesetzt wurden.

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Ein 401(k) ist ein privates Altersvorsorgekonto, das von rund 90 Millionen US-amerikanischen Arbeitnehmern genutzt wird, um einen Teil ihres Bruttoeinkommens steuerbegünstigt am Kapitalmarkt für die eigene Rente anzulegen. Steuern auf die Investitionsgewinne fallen dabei erst bei der Entnahme an. Oft bieten Arbeitgeber zusätzlich eine „Matching Contribution“ an, bei der sie einen Teil der Einzahlungen der Angestellten bezuschussen.

Mit der heutigen Unterzeichnung der besagten Executive Order, über die die Financial Times zuerst berichtete, ist es jetzt offiziell. „Meine Regierung wird die regulatorischen Belastungen und das Prozessrisiko verringern, die amerikanische Arbeitnehmer daran hindern, mit ihren Rentenkonten die für einen würdigen und komfortablen Ruhestand erforderlichen wettbewerbsfähigen Renditen und Vermögensdiversifizierung zu erzielen“, heißt es in der Executive Order.

Das Dekret zielt auch darauf ab, rechtliche und regulatorische Hürden abzubauen, um Treuhändern mehr Spielraum bei der Aufnahme alternativer Anlagen in Altersvorsorgepläne zu geben beziehungsweise dies zu ermutigen.

Die Begründung: Wohlhabende Anleger und öffentliche Pensionspläne haben im Gegensatz zu 401(k)-Teilnehmern schon lange Zugang zu alternativen Investitionen. Überregulierung und opportunistische Klagen hätten diesen Zugang bislang verhindert, obwohl alternative Anlagen langfristig oft bessere risikobereinigte Renditen und mehr Diversifizierung bieten können.

Das Arbeitsministerium wird angewiesen, die Leitlinien für alternative Anlagen in Altersvorsorgeplänen, die dem Employee Retirement Income Security Act (ERISA) von 1974 unterliegen, neu zu bewerten.

In enger Abstimmung mit dem Finanzministerium, der US-Börsenaufsicht SEC und weiteren Behörden soll dabei geprüft werden, ob regulatorische Anpassungen erforderlich sind, um alternative Anlageklassen in die professionell gemanagten Fonds zu integrieren.

Außerdem soll die Regierung klarstellen, welche treuhänderischen Pflichten beim Angebot von Asset-Allocation-Fonds mit den exotischeren Investitionsmöglichkeiten gelten. Überdies wird die SEC ersucht, den Zugang zu alternativen Vermögenswerten für Altersvorsorgepläne zu erleichtern.

Im Jahr 2022 warnte das US-Arbeitsministerium noch davor, Kryptowährungen in 401(k)-Plänen anzubieten. Zur Begründung hieß es, Bitcoin und Co. seien zu spekulativ und volatil, um eine geeignete Anlageform für die Altersvorsorge zu sein. Diese Einschätzung entfaltete eine deutlich abschreckende Wirkung auf viele Finanzdienstleister.

Angesichts des frühen Entwicklungsstands von Kryptowährungen äußert das Ministerium erhebliche Zweifel daran, ob es verantwortungsvoll ist, Teilnehmer eines 401(k)-Plans direkten Investitionen in Kryptowährungen oder darauf basierende Produkte auszusetzen.
US-Arbeitsministerium im März 2022

9 Billionen US-Dollar mit Zugang zu BTC

In 401(k)s befinden sich circa 9 Billionen US-Dollar. Diese Summe entspricht mehr als dem 4-Fachen der Marktkapitalisierung von Bitcoin. Selbst wenn lediglich ein kleiner Teil dieses Kapitals in Bitcoin fließen sollte, könnte dies den Preis deutlich in die Höhe treiben. Der Bitcoin-Kurs reagierte entsprechend positiv, als Bloomberg heute Vormittag berichtete, dass die Unterzeichnung des Dekrets an diesem Donnerstag noch erfolgen wird.

Ein erleichterter Zugang zu bestimmten Anlageklassen bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass dieser auch genutzt wird. Bloomberg-ETF-Experte Eric Balchunas glaubt, dass sich die große Mehrheit für das erweiterte Angebot nicht interessieren und bei einem Standardportfolio bleiben wird – etwa bei den beliebten Target-Date-Funds, die die Asset-Allokation an das geplante Renteneintrittsalter anpassen.

Ich bin ein Fan von Wahlmöglichkeiten, aber all diese Dinge sollten ein wenig Aufklärung erfordern. Ich glaube allerdings, dass es der großen Mehrheit egal sein wird und sie sich für ein einfaches, kostengünstiges Portfolio vom Typ „Target Date Fund“ entscheiden werden.
Eric Balchunas

Zudem gibt es bereits Möglichkeiten, im Rahmen der steuerbegünstigten Altersvorsorgepläne Bitcoin zu kaufen. Der Vermögensverwalter Fidelity ermöglicht es den Kunden beispielsweise schon seit geraumer Zeit, über ihre 401(k)s Bitcoin direkt zu halten. Dennoch: Aufgrund der oft fehlenden Bitcoin-Option in den Altersvorsorgeplänen mussten die Sparer, die am Erfolg von Bitcoin profitieren wollten, oft auf Aktien von Unternehmen wie Strategy ausweichen.

Trumps Pro-Krypto-Politik bleibt auf Kurs

Die neue Executive Order von US-Präsident Trump ist ein weiterer Schritt in dem Vorhaben, die USA zur „Krypto-Hauptstadt“ und „Bitcoin-Supermacht“ der Welt zu machen. Trump reißt Hürden ein, die bislang verhindert haben, dass sich die traditionelle Finanzwelt und der Bitcoin-Markt annähern.

Kurz nach seinem Amtseintritt hat die SEC bereits die Richtlinie SAB 121 gekippt, die es für traditionelle Banken quasi unmöglich gemacht hat, Krypto-Werte für ihre Kunden zu verwahren. Trump hat heute außerdem ein Dekret erlassen, das Banken dafür bestraft, Konservative und Krypto-Firmen zu diskriminieren.

KI- und Krypto-Zar David Sacks betonte in einem Post auf 𝕏, wieso beide Dekrete von besonderer Relevanz für den Krypto-Markt sind:

Präsident Trump hat heute zwei wichtige Executive Orders unterzeichnet, die für die Krypto-Community von Bedeutung sind:

„Guaranteeing Fair Banking for All Americans” verhindert die Verweigerung von Bankdienstleistungen aufgrund politischer Überzeugungen, religiöser Überzeugungen oder rechtmäßiger Geschäftspraktiken. Das bedeutet, dass unfaire Zensurkampagnen wie das Debanking von Konservativen oder die Operation Chokepoint 2.0 nie wieder stattfinden können.

„Democratizing Access to Alternative Assets for 401(k) Investors” ermöglicht mehr als 90 Millionen amerikanischen Arbeitnehmern, deren Altersvorsorgekonten derzeit begrenzt sind, den Zugang zu denselben alternativen Vermögenswerten (einschließlich digitaler Vermögenswerte), die auch Regierungsangestellten zur Verfügung stehen, um bessere Renditen und eine bessere Diversifizierung zu erzielen.

Vielen Dank, Präsident Trump, dass Sie für mehr Fairness und Freiheit in unserem Finanzsystem sorgen!
David Sacks, KI- und Krypto-Zar der USA

Ein positives regulatorisches Umfeld, das zu einer weiteren Legitimierung von Bitcoin beiträgt, dürfte den Kurs der bedeutendsten Kryptowährung beflügeln – insbesondere auch, wenn es sich durchsetzen sollte, einen Teil der Altersvorsorge in Bitcoin zu investieren.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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