Als der Bitcoin-Kurs in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch erreicht hat, verunsicherte es einige Marktteilnehmer, dass die Aktie von Strategy (MSTR) nicht profitieren konnte. Normalerweise steigt diese nämlich überproportional zum Bitcoin-Kurs.
Am Freitag ist MSTR schließlich sogar auf das Niveau von Ende April zurückgefallen. Damals kostete ein Bitcoin noch circa 95.000 US-Dollar. Bitcoin schwächelte am letzten Handelstag der Woche ebenfalls, doch konnte sich weit über der 100.000-US-Dollar-Marke stabilisieren.
Mit dem Kursrutsch beendete MSTR die vergangene Woche bei 366 US-Dollar und damit rund 15 % unter dem Zwischenhoch vom 12. Mai 2025.
Nachkauf unter schlechten Bedingungen?
In den vergangenen Monaten hat Strategy den Bitcoin-Bestand primär dadurch ausgebaut, dass das Unternehmen neue Aktien ausgegeben hat – seit Ende Oktober 2024 für sage und schreibe mehr als 23,3 Milliarden US-Dollar.
Der Bitcoin-Kauf durch die Ausgabe neuer Aktien ist lukrativer, je höher das Unternehmen im Verhältnis zu den gehaltenen Bitcoin bewertet ist. Denn dann kann es die Ratio „Bitcoin je Aktie“, ein primärer Leistungsindikator von Strategy, deutlich steigern.
Andersherum bedeutet dies, dass eine Underperformance der Aktie gegenüber Bitcoin das Geschäftsmodell erschweren kann. Doch Strategy beschafft sich auch über andere Wege Kapital. Beispielsweise durch die Ausgabe von Wandelanleihen oder Vorzugsaktien.
Die letzte Wandelanleihe emittierte Strategy im Februar dieses Jahres. Mittlerweile konzentriert sich das Unternehmen zunehmend auf die neuen Vorzugsaktien STRK (8 % Dividende mit Umwandlungsoption in die Stammaktie) und STRF (10 % Dividende ohne Umwandlungsoption in die Aktie).
Inzwischen hat Strategy für beide Vorzugsaktien ein Dokument bei der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC eingereicht, um weitere von diesen in den Markt hineingeben zu können – für bis zu 21 Milliarden US-Dollar mit STRK und für bis zu 2,1 Milliarden US-Dollar mit STRF.
Da die Strategy-Aktie in der vergangenen Woche so stark unter Druck stand und das Unternehmen erst in der vergangenen Woche das Dokument für die STRF-Vorzugsaktien eingereicht hat, waren Marktbeobachter gespannt, ob und in welchem Umfang Strategy weiter nachgekauft hat.
Am heutigen Montag, an dem in den USA ein Börsenfeiertag ist, teilte Strategy schließlich mit, weitere 4.020 Bitcoin für 427,1 Millionen US-Dollar gekauft zu haben, womit sich der Unternehmensbestand auf 580.250 BTC im Gegenwert von mehr als 64 Milliarden US-Dollar erhöht hat.
Die Mittel für den jüngsten Kauf beschaffte sich Strategy durch die Ausgabe von:
- MSTR-Stammaktien für 348,7 Millionen US-Dollar
- STRK-Vorzugsaktien für 67,9 Millionen US-Dollar
- STRF-Vorzugsaktien für 10,4 Millionen US-Dollar
Bitcoin-Strategie geht in die nächste Runde
Die vergangene Woche war nun die erste, in der Strategy sowohl durch die Ausgabe von MSTR, als auch von STRK und STRF Geld eingesammelt hat.
Das Ziel des Unternehmens ist es, diese Instrumente intelligent aufeinander abzustimmen, um die bislang so erfolgreiche Bitcoin-Strategie weiter auszubauen.
Da der durchschnittliche Kaufkurs für die 4.020 Bitcoin circa 106.237 US-Dollar beträgt, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass Strategy die Aktien primär zu Beginn der Woche ausgegeben hat. Denn Bitcoin handelte in der ersten Wochenhälfte um diese Marke herum – danach ist der Kurs erst auf bis zu 112.000 US-Dollar angestiegen.
Dies würde bedeuten, dass Strategy die Ausgabe neuer Aktien zurückgefahren hat, als das Premium gegenüber den gehaltenen Bitcoin gegen Ende der Woche deutlich gefallen ist, was durchaus im Einklang mit der kommunizierten Strategie ist.
Es ist damit zu rechnen, dass sich Strategy in den kommenden Wochen und Monaten zunehmend der Kapitalbeschaffung durch Vorzugsaktien bedienen wird. Nicht nur, weil jetzt die Ausgabe neuer Aktien weniger lukrativ ist – insofern sich der MSTR-Kurs nicht deutlich erholen sollte. Sondern auch, weil die Ausgabe neuer Vorzugsaktien – anders als bei Stammaktien – den Hebel des Unternehmens erhöht, der momentan nur 16 % beträgt.
Strategy peilt eine Schuldenquote von 20 bis 30 % in Relation zu dem Wert der gehaltenen Bitcoin an. Mit dem sich weiterentwickelnden Markt für die Vorzugsaktien des Unternehmens dürfte diese Form der Kapitalbeschaffung künftig deutlich an Bedeutung gewinnen.
Erholung der Aktie in Sicht?
Wieso der Kurs der Strategy-Aktie so stark unter die Räder gekommen ist, ist schwer auszumachen. Ein potenzieller Grund ist die Sammelklage von Investoren.
Einige führen es aber primär darauf zurück, dass das Unternehmen die eigene Aktie so stark verwässert – was letztlich aber Aktionärswert in Form von „BTC Yield“ generiert. Andere machen dafür den niedrigen Hebel verantwortlich, der mit dem stark steigenden Bitcoin-Kurs nur noch niedriger geworden ist.
Für diese beiden Bedenken wäre die potenzielle Lösung, wenn Strategy von nun an die Ausgabe neuer Stammaktien zurückfährt und sich primär durch die Vorzugsaktien neues Kapital beschafft. Inwieweit es dem Unternehmen so gelingt, auch in Zukunft die Performance von Bitcoin zu schlagen, gilt es abzuwarten.
Bislang gibt es jedoch keinen Grund zur Sorge: In den vergangenen drei Monaten konnte die MSTR-Aktie in etwa das Doppelte der Bitcoin-Rendite erwirtschaften – trotz des jüngsten Kursrücksetzers.
Sollte der Bitcoin-Kurs bis zum Ende des Quartals nicht noch unter die Marke von 97.000 US-Dollar fallen, so würde sich Strategy für die Aufnahme in den großen US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 qualifizieren. Denn dann würde das Unternehmen einen Gewinn ausweisen, der den Anforderungen entspricht.
Insofern sich das Komitee nicht gegen die Aufnahme von Strategy entscheidet, dürfte dies aufgrund der großen ETFs, die diesen Index abbilden, immense Kapitalzuflüsse in die MSTR-Aktie bedeuten. Dies könnte den Aktienkurs von Strategy anheizen und somit die Bedingungen für weitere Bitcoin-Käufe wieder merkbar verbessern.
Für den Bitcoin-Kurs ist es momentan von großer Bedeutung, dass Strategy weiter auf Erfolgskurs bleibt. Denn das im Jahr 1989 gegründete Softwareunternehmen ist ein relevanter Käufer, der immer mehr Nachahmer wie beispielsweise Metaplanet anzieht.
Auch wenn die Aktien von Strategy, Metaplanet und Co. bislang unfassbare Renditen erwirtschaftet haben, müssen sich Investoren bewusst sein, dass diese auch mal deutlich fallen können, während der Bitcoin-Kurs steigt – wie die vergangene Woche eindrucksvoll gezeigt hat. Die Fallhöhe ist derweil groß, da diese Unternehmen in aller Regel mit einem großen Premium zu den gehaltenen Bitcoin gehandelt werden.
Der Erfolg von Bitcoin heißt zudem nicht zwangsläufig, dass es auch jede „Bitcoin Treasury Company“ schaffen wird. Diese sind von zusätzlichen Risiken betroffen – etwa von regulatorischen oder dass sie sich schlichtweg verspekulieren. Bitcoin selbst können diese Unternehmen aber nicht gefährden – nur zeitweise den Kurs der Kryptowährung, wenn sie dazu gezwungen sein sollten, ihre beträchtlichen Bestände zu liquidieren.