Der bekannte deutsche Neobroker Trade Republic erweitert sein bestehendes Krypto-Angebot um mehrere neue Funktionen. Künftig können die Nutzer Kryptowährungen ein- und auszahlen sowie damit bezahlen. Hinzu kommen eine befristete Bonus-Aktion bei der Einzahlung von Krypto-Werten sowie Cashback bei Bezahlung in Bitcoin und Co. Lohnt sich das Angebot?

Die neue Krypto-Wallet

Lange Zeit war ein entscheidender Nachteil von Trade Republic, dass die Kunden ihre Kryptowährungen dort nicht abziehen konnten, um sie in Selbstverwahrung zu nehmen. Dies ändert sich jetzt mit dem am 14. November verkündeten Update des Krypto-Angebots beziehungsweise der neuen „Crypto Wallet“.

Wie Trade Republic auf der Website erklärt, müssen die Nutzer bei der Abhebung der Krypto-Werte nur die Netzwerkgebühren zahlen – es fallen keine extra Kosten an. Als Anreiz zum Wechsel hin zum Krypto-Dienst zahlt Trade Republic einen Bonus von 1 % auf die dort eingezahlten Krypto-Werte – und das bis zum 14. Dezember 2025 und bei 2 Jahren Haltedauer.

Außerdem ist es Nutzern künftig möglich, über ihr Trade Republic-Konto mit Kryptowährungen direkt zu bezahlen. Dafür können sie einen Cashback von 2 % erhalten, der auf einen bestehenden Sparplan, in den mindestens 50 € pro Monat eingezahlt werden müssen, addiert wird. Auf maximal 1.500 € monatlich zahlt Trade Republic den Cashback, was bedeutet, dass bei kompletter Bezahlung in Krypto-Werten in dieser Höhe bis zu 30 € zusätzlich pro Monat in einen Sparplan fließen können.

Proof-of-Stake-Kryptowährungen wie ETH oder SOL können Trade Republic-Kunden ab dem neuen Update dann auch staken. Beim Staking lassen sich Renditen in der jeweiligen Kryptowährung erzielen, wenn man diese für einen bestimmten Zeitraum hinterlegt, wodurch man dann keinen Zugriff mehr hat. Dabei ist man selbstverständlich dem Kursrisiko des jeweiligen Assets, das auf einem Proof-of-Stake-Konsensmechanismus basiert, ausgesetzt.

Ein attraktives Angebot?

Trade Republic zählt insgesamt mehr als 10 Millionen Kunden – der Großteil davon sind Deutsche. Viele nutzen den Neobroker für den Handel mit Aktien beziehungsweise ETFs, als Tagesgeldkonto, um von den dort vergleichsweise hohen Zinsen zu profitieren, oder sogar als Bankkonto.

Demnach stellt sich die Frage, ob Trade Republic mit den neuen Krypto-Features auch ein geeigneter Dienst für das Krypto-Depot sein könnte. Ein Cashback von 2 % auf Krypto-Zahlungen und ein befristeter Bonus von 1 % auf Krypto-Einzahlungen klingen aber nur auf den ersten Blick besonders attraktiv.

Obwohl Trade Republic mit „niedrigen Spreads“ und einer „transparenten Preisgestaltung“ wirbt, gibt der Neobroker in unserem Test überhaupt kein gutes Bild ab. Zu Probezwecken hat Blocktrainer.de geschaut, wie hoch der tatsächliche Spread ist.

Es zeigt sich, dass dieser zunimmt, je höher die investierte Summe ist – was eher unüblich ist. So muss man beispielsweise für einen ganzen Bitcoin, der zum Zeitpunkt des Tests ein wenig mehr als 82.500 € kostete, satte 85.000 € auf den Tisch legen. Dies ergibt einen effektiven Spread von rund 3 %.

Bei einem weit überdurchschnittlich hohen Spread kann dann auch der 1-%-Bonus auf die eingezahlten Krypto-Werte nicht allzu viel herausholen. Die Krypto-Werte müssen überdies mehr als 2 Jahre bei Trade Republic gehalten werden, damit der Bonus ausgezahlt wird. Grundsätzlich empfiehlt es sich, seine Bitcoin selbst zu verwahren, wenn man nach der Pleite von Mt.Gox, FTX und Co. nicht mehr einem Dienstleister vertrauen möchte.

Auch der Cashback bei Krypto-Zahlungen ist nur bedingt attraktiv. Erhält man einen Cashback von 2 % auf bis zu 1.500 € an monatlichen Ausgaben in Bitcoin und Co., dann ist dies ein großes Verlustgeschäft, wenn man für den Kauf der Krypto-Werte erst einmal einen Aufschlag von bis zu 3 % zahlen muss.

Kryptowährungen für den Kauf von Waren und Dienstleistungen zu nutzen, ist überdies unter Umständen ein steuerlich relevanter Vorgang – es wird nämlich mit einem Verkauf gleichgesetzt. Unter einem Jahr Haltedauer fällt auf Krypto-Gewinne ab der Freigrenze von 1.000 € in Deutschland der persönliche Einkommenssteuersatz an.

Demnach sollten Krypto-Halter bei jeder Zahlung den Kauf- und Verkaufskurs sowie das jeweilige Datum dokumentieren, um die potenziell anfallenden Steuern, die nicht automatisch abgeführt werden, im Blick zu behalten – es sei denn, alle Beträge sind schon steuerfrei.

Da Blocktrainer.de grundsätzlich zur Vorsicht mahnt, was alle anderen Kryptowährungen außer Bitcoin angeht, ist die neue Staking-Funktion aus unserer Sicht auch kein Argument, das für Trade Republic spricht. Selbiges gilt für die Tatsache, dass über den Broker mit über 50 Kryptowährungen gehandelt werden kann.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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