Der Stablecoin-Emittent Tether, einer der größten Bitcoin-Halter der Welt, teilte gestern in einer Pressemitteilung mit, ein Audit des Wirtschaftsprüfers KPMG durchlaufen zu haben. Der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025 bekam ein uneingeschränktes Prüfungsurteil („unqualified opinion“). Bedeutet das, dass die Sorgen vor einem Kollaps des größten Stablecoins und den potenziell daraus resultierenden Turbulenzen am Krypto-Markt nun ein für alle Male ausgeräumt wurden?

Tether als eine der größten Gefahren im Krypto-Markt

Krypto-Skeptiker verweisen seit einigen Jahren auf die vermeintliche Tether-Gefahr. So zum Beispiel Dr. Co-Pierre Georg von der Frankfurt School of Finance. In einem Spiegel-Interview führte er den Stablecoin-Emittenten als eines der zentralen Risiken für den Krypto-Markt an:

[D]er Stablecoin-Anbieter Tether, der ein gewaltiges Rad dreht und nicht gerade für seine Transparenz bekannt ist. Das Unternehmen hat bis heute keine testierte Bilanz vorgelegt. Wenn Investoren an der Finanzkraft Tethers zweifelten, würde das Schockwellen durch die gesamte Kryptowelt schicken.
Dr. Co-Pierre Georg im Spiegel-Interview

Die generelle Sorge ist, dass der nach Marktkapitalisierung größte Stablecoin der Welt nicht ausreichend gedeckt ist. Manche gingen sogar so weit und behaupteten, dass der Bitcoin-Kurs all die Jahre durch „Fake-Dollar“ in die Höhe getrieben wurde. Denn BTC/USDT ist das zentrale Handelspaar.

Tether, mittlerweile in El Salvador ansässig, ist ein privates Unternehmen. Laut den quartalsweise veröffentlichten Reserve-Berichten ist USDT überbesichert. Doch ohne ein Audit eines renommierten Wirtschaftsprüfers zweifelten noch viele an der Belastbarkeit der Zahlen.

Tether durchläuft Audit von KPMG

Im März dieses Jahres gab Tether bekannt, dass eine „Big-Four-Firma“ für ein vollständiges Audit beauftragt wurde. Um welchen Wirtschaftsprüfer es sich handeln sollte, ging aus der damaligen Pressemitteilung nicht hervor.

Tether kündigte schon im Jahr 2017 eine vollständige Prüfung an, zu der es bis zuletzt aber nie kam.

Gestern war es dann aber so weit: Tether verkündete, dass KPMG den Jahresabschluss für 2025 geprüft habe. Nach Auffassung des Wirtschaftsprüfers werden die Zahlen in allen wesentlichen Belangen korrekt nach den allgemein akzeptierten Bilanzierungsrichtlinien (GAAP) dargestellt.

Damit sei von KPMG auch bestätigt worden, dass Tether rund 6,8 Milliarden US-Dollar an überschüssigen Reserven halte, wie CFO Simon McWilliams erklärt.

Der geprüfte Jahresabschluss von Tether für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr weist Reserven aus, die die Verbindlichkeiten um 6,814 Milliarden US-Dollar übersteigen, was die Qualität der öffentlichen Gutachten bestätigt.
Simon McWilliams, Tether-CFO

Laut Tether handele es sich zudem um das „größte erstmalige Finanzaudit der Geschichte“.

Tether-CEO Paolo Ardoino stellte überdies klar, dass das Audit nicht nur Zahlen wie Gewinn oder Umsatz umfasste, sondern auch die Assets auf der Bilanz.

KPMG hat nicht lediglich eine Reihe von Kennzahlen überprüft. KPMG hat eine vollständige und gründliche Prüfung gemäß den AICPA-Standards durchgeführt und dabei die Vermögenswerte, Transaktionen, Systeme, Unterlagen und sonstigen Belege, die unseren Jahresabschluss untermauern, geprüft. Das Ergebnis ist ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk; mit anderen Worten: Tether hat einen einwandfreien Prüfungsbericht erhalten.
Paolo Ardoino, Tether-CEO

So ist der Pressemitteilung zu entnehmen, dass KPMG sogar die Goldbarren in der Reserve gezählt und geprüft habe.

Im Rahmen dieses Verfahrens hat KPMG jeden einzelnen Goldbarren aus dem Bestand von Tether physisch gezählt und geprüft, um die Existenz und die Identifikationsdaten jedes einzelnen Barrens zu verifizieren, anstatt sich ausschließlich auf Berichte von Verwahrern oder Gegenparteien zu verlassen.
Tether in der Pressemitteilung

Zu den von Tether gehaltenen Bitcoin finden sich derweil keine Informationen dieser Art. Auf der bekannten Bitcoin-Adresse von Tether befinden sich knapp 97.000 BTC, die aktuell rund 6 Milliarden US-Dollar wert sind. Anders als bei Gold lassen sich BTC-Bestände leicht verifizieren.

Das Audit von KPMG wurde der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich gemacht. Ein KPMG-Sprecher bestätigte das Ergebnis der Prüfung gegenüber The Block.

Tether-Risiko damit vom Tisch?

Ein gründliches Audit einer „Big-Four-Firma“ wie KPMG ist ein wichtiger Schritt, um die eigene Vertrauenswürdigkeit zu stärken. Da es keine Verpflichtung dafür gibt, liegt Tether offenbar viel daran, transparenter zu werden.

Der Wirecard-Vorfall zeigte jedoch, dass selbst Prüfungen von „Big-Four-Firmen“ kein Garant dafür sind, dass alles mit rechten Dingen zugeht. EY erteilte Wirecard über Jahre hinweg uneingeschränkte Testate. Erst mit dem KPMG-Bericht aus dem Jahr 2020, laut dem bestimmte Geschäfte nicht ausreichend verifiziert werden konnten, brach das Kartenhaus in sich zusammen. Wirecard beauftragte KPMG eigentlich, um die Zweifel aus dem Weg zu räumen.

Demnach ist auch bei Tether nicht auszuschließen, dass ein Betrug vonstattengeht. Das jetzt erfolgte Audit macht es nur deutlich unwahrscheinlicher.

Ein Unsicherheitsfaktor bei Tether ist und bleibt, dass sich die Zusammensetzung der Reserven mit der Zeit ändern kann. Laut den letzten Berichten entsprechen die Reserven zwar etwas mehr als der zirkulierenden USDT-Menge. Doch die US-Dollar-Stablecoins sind nicht nur mit risikolosen Anlagen gedeckt.

Die Rating-Agentur S&P kritisierte im November 2025, als das „Stablecoin Stability Assessment“ auf „schwach (5)“ herabgestuft wurde, unter anderem, dass die Abdeckung bei starken Schwankungen von Bitcoin nicht mehr gewährleistet sein könnte.

Nach dem aktuellen Nachweis macht Bitcoin 5,6 % der im Umlauf befindlichen USDT aus und übersteigt damit die Überbesicherungsmarge von 3,9 %, die mit einer Besicherungsquote von 103,9 % einhergeht.
S&P

Überdies gibt es keine Garantie, dass Tether den Reserve-Puffer auch in der Zukunft vorhält.

Das in den USA verabschiedete Gesetz GENIUS Act verlangt, dass Stablecoins vollumfänglich mit Cash oder Cash-Äquivalenten wie kurzlaufenden US-Staatsanleihen gedeckt sind. Tether reagierte darauf mit einem extra für die USA aufgestellten Stablecoin mit dem Ticker USAT.

Da die Reserve von Tether weiterhin die USDT-Marktkapitalisierung übersteigt, scheinen die Sorgen vor einem Ausfall bei der Konvertibilität weitestgehend unbegründet zu sein. Bei einem regelrechten „Bankrun“ könnte es trotzdem Probleme geben – etwa wegen mangelnder Liquidität der Anlagen.

Tether ist eines der profitabelsten Unternehmen der Welt. Die Zinsen der Staatsanleihen sowie mögliche Kurszuwächse der Reserven werden nämlich nicht an die USDT-Halter weitergegeben. Im Jahr 2025 erzielte Tether so einen Gewinn in Höhe von mehr als 10 Milliarden US-Dollar.

Der letzte relevante Bitcoin-Kauf ereignete sich offenbar Ende 2025. Da kamen in einer Transaktion noch 8.888 BTC hinzu. Tether gehören zudem mehr als 70 % von Twenty One Capital, dem zweitgrößten börsennotierten Bitcoin-Halter mit 43.514 BTC auf der Bilanz.

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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