STRC, die Vorzugsaktie des größten Bitcoin-Firmenhalters Strategy, ist auf 89 US-Dollar gefallen. Das Problem daran ist, dass dieses Produkt als Alternative zu Geldmarktfonds beworben wurde, dessen Kurs bei 100 US-Dollar stabil gehalten werden soll. Schwindet das Vertrauen in Michael Saylor und wieso kann sich das STRC-Äquivalent von Strive, SATA, noch bei der Zielmarke halten?

Im Sommer 2025 stellte Strategy die Vorzugsaktie STRC vor. Das Konzept: Durch Anpassungen der Dividende soll der Kurs nahe der 100-US-Dollar-Marke handeln. Erst ab diesem Zielniveau kann Strategy neue STRC-Aktien emittieren, um mit den Erlösen Bitcoin zu kaufen.

Beim IPO zahlte STRC aufs Jahr gerechnet eine Dividendenrendite von 9 %. Seither gab es bereits mehrere Anpassungen nach oben, sodass es aktuell 11,5 % sind. Teilweise gelang es Strategy mit STRC sogar, in einer Woche mehr als eine Milliarde US-Dollar einzunehmen.

STRC-Kurs rutscht immer weiter ab

Doch nachdem STRC am 14. Mai noch über 100 US-Dollar notierte, ging es kontinuierlich bergab. Der Abverkauf verschärfte sich, als Strategy am 1. Juni verkündete, 32 Bitcoin verkauft zu haben – obwohl genau das eigentlich den STRC-Haltern die nötige Zuversicht geben sollte.

Am Mittwoch dieser Woche fiel STRC schließlich sogar auf 89 US-Dollar und damit auf das niedrigste Niveau seit Sommer 2025.

Anleger kapitulieren

Michael Saylor erklärte, dass STRC mit einem Geldmarktfonds oder Bankkonto vergleichbar sei – mit dem Unterschied, dass die Rendite viel höher ist.

Demnach dürften die Anleger, die in der Erwartung eines stabilen Kurses gekauft haben, jetzt mindestens enttäuscht sein. Nahezu jeder STRC-Käufer ist bei dem aktuellen Kurs im Minus, selbst wenn die Ausschüttungen berücksichtigt werden.

Vorstellbar ist also, dass viele Halter, die zuletzt 80 % Kleinanleger waren, gerade das Handtuch werfen, weil das implizite Versprechen nicht eingehalten wurde. Das kann zu einem sich selbst verstärkenden Effekt führen, indem nach und nach immer mehr Anleger kapitulieren und so den Kurs weiter nach unten reißen.

Diese Dynamik kann durch Liquidierungen des Hebels auf Basis von STRC zusätzlich verschärft werden.

Noch scheinen die größeren Marktteilnehmer zu fehlen, die daran glauben, dass STRC bald wieder auf 100 US-Dollar steigt und sich den Abschlag zunutze machen wollen.

Wird die Dividendenerhöhung helfen?

Ein Kurs von 89 US-Dollar bedeutet rein rechnerisch letztlich aber nur, dass der Markt eine Dividendenrendite von derzeit knapp 13 % für angemessen erachtet. Demnach könnte Strategy den Kurs mit einer Anpassung nach oben theoretisch wieder stabilisieren.

Ein Problem hierbei ist jedoch, dass die Dividende nur zum Monatswechsel angehoben werden kann. In anderen Worten: Strategy kann nicht in Echtzeit auf diesen Kursrutsch reagieren – außer vielleicht mit der weiteren Vergrößerung der Cash-Reserve wie in den vergangenen drei Wochen.

STRC zahlt ab Juli sogar zweimal pro Monat Dividende. Der Stichtag für die erste halbmonatliche Ausschüttung ist der 30. Juni. Laut der Strategy-Website wird für diejenigen, die zu diesem Stichtag STRC halten, die Dividendenrendite noch bei 11,5 % liegen.

Möglicherweise ist das auch ein Grund für die aktuelle Schwäche, also dass eine mögliche Anpassung offenbar erst ab dem 15. Juli greifen würde.

Wovon der STRC-Kurs abhängt

Unter dem Strich geht es bei STRC darum, ob der Markt davon ausgeht, dass Strategy weiter zahlungsfähig bleibt und die Dividenden bezahlen kann. Sollten die Dividenden ausgesetzt werden oder das Unternehmen pleitegehen, so droht ein potenzieller Totalverlust.

Die Bitcoin auf der Bilanz von Strategy decken gerade knapp 32 Jahre an Dividendenzahlungen ab. Zieht man hiervon die Schulden ab, so landet man bei mehr als 28 Jahren. Strategy unterhält zudem eine 1,1 Milliarden US-Dollar schwere Cash-Reserve, die aktuell für 7,7 Monate an Dividenden reichen würde.

Im November 2025 deckte die Bitcoin-Reserve alleine etwa noch 71 Jahre an Dividenden ab. Der Rückgang der Zahl liegt zum einen am gefallenen BTC-Preis und zum anderen daran, dass einige weitere Vorzugsaktien emittiert wurden.

Die Zahlungsfähigkeit von Strategy ist also eine Funktion des Bitcoin-Kurses. Demnach ist es nur logisch, dass sich STRC eher schwertut, wenn BTC nachgibt – so wie es auch schon im November 2025 und im Februar 2026 zeitweise zu beobachten war.

Schwindendes Vertrauen?

Die aktuelle „Entkopplung“ hält jetzt jedoch schon deutlich länger an und es wurde der bislang größte Kursrückgang hingelegt .

Dabei könnten noch mehrere Strategy-spezifische Entwicklungen eine Rolle spielen:

Kein Problem des Produkts an sich?

Interessant an der aktuellen Kursschwäche ist, dass zeitgleich das STRC-Äquivalent der „Bitcoin Treasury Company“ Strive, SATA, bei 100 US-Dollar handelt – ein starkes Indiz dafür, dass es nicht nur an dem Produkt an sich beziehungsweise Bitcoin liegt.

Laut der Hochrechnung von strc.live gelang es Strive allein am Mittwoch, genug Geld via SATA einzunehmen, um rund 250 Bitcoin zu kaufen.

SATA zahlt mittlerweile tägliche Dividenden, bei einer aufs Jahr gerechneten Rendite von 13 % – also genau dem, was der Markt wohl gerade bei STRC für fair hält. 

Strive hat dabei eine Dividendenreserve für 1,5 Jahre, von der circa ein Drittel in STRC investiert ist. 

Möglicherweise ist es in erster Linie die Cash-Reserve, die hier den Unterschied macht. Denn bei Strive reicht die BTC-Bilanz gerade nur für etwas mehr als 12 Jahre an Dividendenzahlungen. Schulden hat das Unternehmen nicht.

Nicht zu vernachlässigen ist zudem, dass mittlerweile STRC-Aktien mit einem Nominalwert von 10,5 Milliarden US-Dollar im Umlauf sind. Anfang des Jahres waren es weniger als 3 Milliarden US-Dollar. 

SATA von Strive kommt insgesamt „nur“ auf 750 Millionen US-Dollar – eine Summe, die wohl leichter vom Markt absorbiert werden kann.

Negativspirale durch Kurseinbruch

Wenn STRC unter 100 US-Dollar notiert, kann Strategy über diesen Weg keine neuen Bitcoin kaufen. Hinzu kommt, dass darauf wohl mit einer Dividendenanhebung reagiert wird. Die Kommunikation des Managements ist nämlich, dass es eine der größten Prioritäten ist, STRC bei dem Zielniveau stabil zu halten.

Die Dividende einfach immer weiter anzuheben, würde aber natürlich dafür sorgen, dass die Zahlungsverpflichtungen ins Unermessliche steigen und so die Bitcoin-Reserve umso schneller aufgebraucht sein könnte – sofern BTC nicht bald wieder deutlich zulegt.

Demnach sorgen sich viele um eine Art Todesspirale, die auch Bitcoin selbst mit nach unten ziehen kann. Denn wenn Strategy als Käufer ausbleibt und gegebenenfalls sogar einige BTC veräußern muss, um die Dividenden zu bezahlen, könnte das den Markt erheblich unter Druck bringen. Das Unternehmen hält insgesamt nämlich 846.842 BTC.

Aktuell handelt zudem die MSTR-Aktie, das primäre Kapitalbeschaffungsinstrument von Strategy, bei einer Bewertung, die es dem Unternehmen verunmöglicht, Bitcoin zu kaufen, ohne die Anteilseigner zu verwässern.

Laut der Unternehmenslinie könnten aktuell eigentlich keine weiteren Bitcoin gekauft werden, während der am wenigsten schädliche Weg, um Geld für die Dividenden aufzutreiben, die Veräußerung von Bitcoin ist.

Sollten sich die Marktbedingungen in den kommenden Tagen nicht wieder deutlich verbessern, wird Strategy voraussichtlich Ende des Monats Bitcoin abstoßen, um die Ausschüttungen zu finanzieren. Dann stehen neben der STRC-Dividende nämlich auch die vierteljährlichen Ausschüttungen für die anderen Vorzugsaktien an.

Die kommenden Wochen dürften also spannend werden. Der Fokus der Marktteilnehmer wird neben potenziellen BTC-Verkäufen insbesondere auch darauf liegen, wie hoch die nächste Dividendenanpassung sein wird. Möglich wäre ein größerer Schritt wie zum September 2025, als die Dividende von 9 auf 10 % angehoben wurde. Das wird letztlich dann davon abhängen, wie sich der STRC-Kurs bis dahin noch entwickelt hat.

Sollte der volumengewichtete Durchschnittskurs dieses Monats zum 30. Juni unter 95 US-Dollar liegen, so sieht der Plan mindestens eine Dividendenanpassung um 50 Basispunkte vor.

Das Problem wäre selbstverständlich aber, dass bei immer höheren Ausschüttungen irgendwann die BTC-Reserve deutlich sinken könnte, solange der Bitcoin-Kurs nicht mitspielt.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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