Strategy wehrt sich mit neuem offenem Brief gegen potenzielle MSCI-Exklusion
Der Bitcoin-Halter Strategy hat einen offenen Brief an den Indexherausgeber MSCI verfasst. In diesem argumentieren Gründer Michael Saylor und CEO Phong Le, dass der neue Vorschlag, „nicht operative“ Unternehmen wie Strategy aus den Indizes zu werfen, „diskriminierend, willkürlich und fehlgeleitet“ sei. Eine Exklusion hätte zwar, so Saylor und Le, keine nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäftsmodell, würde aber dem Ruf von MSCI schaden.
Von Tristan
Nachdem der Indexherausgeber MSCI Ende 2025 schon einmal sogenannte „Digital Asset Treasury Companies (DATs)“ exkludieren wollte, wurde im August ein neuer Vorschlag veröffentlicht, der mehr oder weniger das Gleiche zur Folge hätte. Dieser zielt nämlich auf den Ausschluss „nicht operativer“ Unternehmen ab und würde, wie in dem Dokument aufgeführt, die börsennotierten Bitcoin-Halter Strategy und Metaplanet betreffen.
Der vorherige Vorschlag, laut dem Unternehmen, deren Bilanz sich zu mindestens 50 % aus Kryptowährungen zusammensetzt, exkludiert werden sollten, wurde im Januar dieses Jahres wieder verworfen.
Zuvor wandten sich sowohl Strategy als auch Strive-CEO Matt Cole jeweils mit einem offenen Brief an MSCI Inc., um dagegen zu argumentieren. Am Montag dieser Woche veröffentlichte Strategy schließlich ein neues Schreiben an MSCI, in dem auch der jüngste Vorschlag wieder als „diskriminierend“ bezeichnet wird.
Der neue Vorschlag von MSCI ist eine vorgeschobene und mangelhafte Abwandlung seines vorherigen Vorschlags. Obwohl die neue Methodik als objektiv und branchenneutral dargestellt wird, ist sie beides nicht.
Strategy in dem offenen Brief
Strategy kritisiert den neuen MSCI-Vorschlag
Mitte August, in einer Fragerunde mit Kleinanlegern, erklärte CEO Phong Le bereits, dass Strategy auf den neuen MSCI-Vorschlag antworten werde. Dabei betonte er auch, dass eine Exklusion keine nennenswerte Auswirkung auf Strategy haben würde, und begründete diese These damit, dass auf den MSCI-Indizes basierende ETFs zwischen 3 und 4 % aller MSTR-Aktien halten. Laut der Website von Strategy sind es genau genommen 3,1 %.
In dem am gestrigen Montag veröffentlichten offenen Brief sowie in dem 𝕏-Post dazu wurde entsprechend auch wieder vorangestellt, dass es sich angeblich um kein größeres Problem für das Geschäftsmodell handele.
Strategy hat heute auf den Vorschlag von MSCI reagiert, „nicht operativ tätige Unternehmen“ auszuschließen. Auch wenn dies für MSTR keine wesentlichen Auswirkungen hätte, ist der Vorschlag fehlgeleitet, mangelhaft und steht im Widerspruch zu geltenden Wertpapiergesetzen und Rechnungslegungsgrundsätzen. Lesen Sie unser Schreiben und bekunden Sie Ihre Unterstützung.
Strategy
Strategy responded today to MSCI’s proposed “non-operating company” exclusion. While not material to $MSTR, the proposal is misguided, flawed, and conflicts with established securities laws and accounting principles. Read our letter and share your support: https://t.co/Vup3T5TbvY
— Strategy (@Strategy) August 31, 2026
Kern des von Saylor und Le verfassten Schreibens ist letztlich, darzulegen, wieso der Vorschlag zurückgezogen werden sollte.
Dabei heißt es zunächst, dass dieser lediglich eine als neutral verpackte Abwandlung des vorherigen sei – mit derselben Diskriminierung als Ergebnis. Denn zwei der drei betroffenen Unternehmen sind „Bitcoin Treasury Companies“, während sich ein börsennotierter ETH-Halter auf der Watchlist befindet.
Der neue Vorschlag von MSCI ist in neutral klingende Formulierungen verpackt, angeblich mit dem Ziel, „nicht operativ tätige“ Unternehmen ins Visier zu nehmen, doch in Wirklichkeit handelt es sich lediglich um eine Neuauflage des zurückgezogenen MSCI-Vorschlags, der sich gegen DATs richtete – seine Hauptwirkung besteht darin, zwei große DATs aus den MSCI-Indizes zu entfernen und ein drittes auf eine öffentliche Beobachtungsliste zu setzen.
Strategy in dem offenen Brief
Hauptkritikpunkt ist, dass MSCI Bitcoin als „nicht operatives Asset“ einordnet, ohne dies zu begründen.
Die zahlreichen Mängel und Eigenheiten des Vorschlags bestätigen dessen diskriminierenden Zweck. Die vorgeschlagene Methodik basiert auf der Einstufung der Vermögenswerte eines Unternehmens als „operativ“ oder „nicht operativ“. MSCI definiert diese Begriffe jedoch zu keinem Zeitpunkt.
Strategy in dem offenen Brief
Dies stünde, so Saylor und Le, in Konflikt mit der Klassifizierung durch die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC sowie den allgemein akzeptierten Bilanzierungsrichtlinien (GAAP). Außerdem sei Strategy nach jeder Definition ein operatives Unternehmen.
Strategy ist jedoch nach jeder anerkannten Definition des Begriffs ein operatives Unternehmen. Es beschäftigt weltweit rund 1.500 Mitarbeiter und nutzt seine Bitcoin-Bestände aktiv zur Schaffung von Aktionärswert, unter anderem durch die Bereitstellung neuartiger, durch Bitcoin besicherter digitaler Kreditinstrumente. Zudem verfügt das Unternehmen über die operative Flexibilität, sein Geschäft an die Weiterentwicklung der Bitcoin-Technologie anzupassen. Aus diesem Grund weist Strategy – auf der Grundlage der geltenden US-GAAP-Grundsätze und nach Rücksprache mit Mitarbeitern der SEC – sein Bitcoin-Geschäft als operatives Segment und seine Bitcoin-Gewinne und -Verluste als Betriebsaufwendungen aus. MSCI kann Strategy nur dann als „nicht operativ“ einstufen, wenn es die von der SEC und den US-GAAP vertretenen Auffassungen zur Klassifizierung von Unternehmen außer Kraft setzt und stattdessen seine eigenen, frei erfundenen (und nicht näher erläuterten) Definitionen und Methoden anwendet.
Strategy in dem offenen Brief
Laut Saylor und Le würde Strategy auf Basis der SEC-Berichte gar nicht die Kriterien des zweistufigen Tests von MSCI erfüllen, sodass überhaupt eine Exklusion infrage komme.
Weiter heißt es, dass digitale Vermögenswerte ein zentraler Bestandteil der Wirtschaft seien und entsprechend auch in marktneutralen Indizes widergespiegelt werden sollten.
Das Geschäft von MSCI beruht auf der wiederholten Zusicherung, dass die Indizes „die Entwicklung der zugrunde liegenden Aktienmärkte widerspiegeln“ und „keine Meinung darüber äußern“, ob eine „Anlage gut oder schlecht ist“. Digitale Vermögenswerte sind jedoch ein dynamischer und wachsender Teil der Wirtschaft unseres Landes, und die US-Regierung arbeitet parteiübergreifend daran, Krypto-freundliche Politik und Gesetzgebung voranzutreiben. Nach MSCIs eigenen Maßstäben sollten die Indizes diese Trends „widerspiegeln“ und nicht ablehnen.
Strategy in dem offenen Brief
Abschließend fordert Strategy MSCI auf, diesen Vorschlag zurückzuziehen, um dem Ziel, ein neutraler Indexherausgeber zu sein, gerecht zu werden.
MSCI sollte den Vorschlag zurückziehen. Es besteht kein Grund für MSCI, seine Indizes zu verzerren und seinen Ruf als neutraler, zuverlässiger Indexanbieter zu schädigen.
Strategy in dem offenen Brief
Sollte MSCI hingegen fortfahren, so fordert Strategy klarere Begründungen sowie eine detailliertere Methodik. Ebenso sollte der Vorschlag erst auf nach der Umsetzung veröffentlichten Unterlagen angewendet werden.
Geringe Erfolgsaussichten für Strategy?
Dass MSCI in dem neuen Vorschlag eine allgemeinere Methodik vorstellte, um vermeintlich „nicht operative“ Unternehmen auszuschließen, wirkt auf den ersten Blick erfolgsversprechender. Denn so ist das damalige Argument, es auf Bitcoin und Kryptowährungen abgesehen zu haben, zunächst entkräftet. Auf der Liste der betroffenen Aktiengesellschaften befindet sich mit Yellow Cake nämlich auch ein börsennotierter Uran-Halter.
Doch wie Strategy in dem Schreiben herausstellt, ist es wieder eine Art der Diskriminierung, bestimmte Vermögenswerte nicht als operativ einzuordnen. So drängt sich die Frage auf, wieso beispielsweise Immobiliengesellschaften (REITs) anders behandelt werden sollten.
Dennoch erklärt MSCI, sein Vorschlag würde REITs und andere Unternehmen mit Asset-intensiven Portfolios verschonen – wie Weyerhaeuser (Holz), Dominion Energy (Energieinfrastruktur), Universal Music Group (Content-Kataloge) und Burford Capital (Vermögenswerte aus der Prozessfinanzierung). Auch viele andere Unternehmen, darunter MSCI selbst, die eine erhebliche Konzentration von Vermögenswerten in ihren Bilanzen aufweisen, blieben davon unberührt. MSCI hat diese Unterscheidung jedoch nicht mit Belegen untermauert, wie beispielsweise einer Untersuchung darüber, wie die in seinem Index enthaltenen Unternehmen ihre Vermögenswerte nutzen.
Strategy in dem offenen Brief
Bis Ende dieses Monats läuft die Konsultationsphase. Das Ergebnis soll bis Mitte Oktober bekannt gegeben und gegebenenfalls im Zuge des November-2026-Index-Reviews beziehungsweise zum 1. Dezember umgesetzt werden.
Als das Thema Anfang des Jahres schon einmal aufkam, wurde eine Exklusion bis zum 31. März zu 77 % eingepreist, kurz bevor der Vorschlag zurückgezogen wurde.
Damals gerieten sowohl der Bitcoin-Kurs als auch die MSTR-Aktie zuvor erheblich unter Druck – unter anderem angefacht durch eine Research-Note von JPMorgan, in der der potenzielle Verkaufsdruck vorgerechnet wurde.
Inzwischen hat sich jedoch gezeigt, dass Strategy weit weniger relevant für Bitcoin ist, als vor einigen Monaten noch angenommen wurde. So kaufte das Unternehmen zwischen dem 22. Juni und dem 23. August keinen einzigen Bitcoin und verkaufte sogar ein paar Coins, während Bitcoin deutlich zulegen konnte.
Doch auch wenn es Strategy aus Eigeninteresse so darstellen möchte, dass eine Exklusion keine nennenswerte Auswirkung haben würde, ist ein Verkaufsdruck in Höhe von 3,1 % aller MSTR-Aktien nicht zu unterschätzen – auch wenn das aktuell weniger als dem Handelsvolumen von einem Tag entspricht. Strategy befindet sich noch im MSCI World sowie im MSCI USA.
Für das Geschäftsmodell ist der Aktienkurs derweil von hoher Bedeutung, da die Ausgabe von MSTR-Aktien die primäre Kapitalbeschaffungsmethode ist. Das heißt aber nicht, dass Indexexklusionen existenzbedrohend sind. Strategy befindet sich zudem noch im Technologieindex Nasdaq 100, während es trotz Qualifikation keine Aufnahme in den noch relevanteren S&P 500 gab.
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