Strategy vergrößert Cash-Reserve auf 3 Milliarden US-Dollar
Nachdem Strategy am Montag vergangener Woche den größten Bitcoin-Verkauf in der Unternehmensgeschichte verkündete, wartete der Markt gespannt auf die Mitteilung des heutigen Montags. Dieser war nun zu entnehmen, dass es weder neue Käufe noch Verkäufe gab, dafür aber die Cash-Reserve auf 3 Milliarden US-Dollar vergrößert wurde. Kann dieser Schritt dabei helfen, das Vertrauen wieder aufzubauen und STRC in Richtung 100 US-Dollar zu bringen?
Von Tristan
Strategy, der mit Abstand größte börsennotierte Bitcoin-Halter, befindet sich inzwischen seit mehreren Wochen erheblich unter Druck. Sowohl die Stammaktie MSTR als auch die Vorzugsaktien sind deutlich im Kurs gefallen, wodurch die sonst so effektive Bitcoin-Kaufmaschinerie ins Stocken geraten ist.
Tatsächlich sorgte das von Michael Saylor gegründete Unternehmen kürzlich sogar mit Bitcoin-Verkäufen für Schlagzeilen. Am 1. Juni wurde ein symbolischer Verkauf von 32 BTC verkündet, wonach am Montag vergangener Woche die Veräußerung von 3.588 BTC offengelegt wurde.
Die Erlöse flossen in Dividendenzahlungen. Zum jetzt erfolgten Quartalswechsel mussten etwas mehr als 200 Millionen US-Dollar an die Halter der Vorzugsaktien ausgeschüttet werden.
Strategy finanzierte die Dividenden lange Zeit ausschließlich durch die Emission von Stammaktien. Doch wie schon in der Quartalspräsentation Anfang Mai klargemacht wurde, sei es bei einer niedrigen Bewertung der Stammaktie tatsächlich sinnvoller, Bitcoin zu verkaufen.
Unterhalb eines mNAV von 1,22 x ist es für uns tatsächlich sinnvoller, Bitcoin zu verkaufen, um die Dividenden zu bezahlen.
Phong Le, Strategy-CEO
Are you sure? According to Phong Le, breakeven mNAV was 1.22x.
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) June 26, 2026
It was below that the whole week. If they nonetheless sold MSTR for cash (which should the be more or less the same math), it could be the next huge mistake. pic.twitter.com/TY9jFq5KPg
STRC, die Cash-Reserve und das Vertrauensproblem
Das Jahr 2026 startete eigentlich ziemlich gut für Strategy. Das Unternehmen kaufte nämlich so viele Bitcoin wie noch nie in einem Jahr zuvor zu diesem Zeitpunkt. Ermöglicht wurde dies durch das Flaggschiffprodukt STRC. Strategy emittierte teilweise für mehr als 1 Milliarde US-Dollar neue STRC-Aktien in einer Woche, um mit den Erlösen BTC zu kaufen.
Doch damit neue STRC-Aktien am Markt ausgegeben werden können, muss der Kurs des Wertpapiers mindestens bei 100 US-Dollar stehen. Bei dieser Marke soll die Vorzugsaktie in etwa stabil gehalten werden. Dafür kann Strategy auch die Dividende anpassen.
Das alles funktionierte gut, bis im Mai ein schwerwiegender Fehler begangen wurde, den auch CEO Phong Le im Nachhinein als Hauptgrund für die STRC-Schwäche anführt. Strategy nahm nämlich 1,38 Milliarden US-Dollar aus der Cash-Reserve, um 1,5 Milliarden US-Dollar an Wandelanleihen mit einem Abschlag zurückzukaufen.
Dadurch sank die Reserve, die eigentlich für die Dividenden der Vorzugsaktien vorgesehen war, von 2,25 Milliarden auf 871 Millionen US-Dollar, womit sie nur noch circa ein halbes Jahr an Zahlungsverpflichtungen abdeckte. Ursprünglich wurden 2 bis 3 Jahre angepeilt.
Hinzu kam, dass der Bitcoin-Kurs seit der Schuldentilgung von über 80.000 auf unter 60.000 US-Dollar gefallen war. Strategy wird hierbei sogar eine Teilschuld wegen des Verkaufs von 32 Bitcoin zugeschrieben, auch wenn der Kurs am vergangenen Montag, als der Verkauf von 3.588 BTC öffentlich wurde, im Tagesverlauf sogar zulegen konnte.
Nachdem Strategy bemerkte, dass es bei den STRC-Haltern alles andere als gut ankam, dass die Cash-Reserve so stark geschrumpft war, wurde diese wieder Schritt für Schritt ausgebaut.
Ende Juni, als STRC im Rahmen der Panik bis auf 71,25 US-Dollar eingebrochen war, gab es schließlich eine Vergrößerung von 1,4 auf 2,55 Milliarden US-Dollar, womit der US-Dollar-Puffer absolut betrachtet so groß war wie nie zuvor.
In Reaktion auf diese Mitteilung, im Zuge derer auch ein neues „Digital Credit Capital Framework“ vorgestellt und die STRC-Dividende von 11,5 auf 12 % nach oben angepasst wurde, gab es eine deutliche Erholung. Doch es reichte nicht aus, um den STRC-Kurs wieder in Richtung der 100-US-Dollar-Marke zu treiben.
Demnach war abzusehen, dass es möglicherweise weitere Maßnahmen geben könnte. Im Rahmen des Frameworks wurde auch ein Aktienrückkaufprogramm für die MSTR-Stammaktie sowie STRC und Co. für jeweils bis zu 1 Milliarde US-Dollar errichtet.
Außerdem stellte Strategy ein BTC-Monetisierungsprogramm vor, das Bitcoin-Verkäufe für bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar autorisiert, um mit den Erlösen die Cash-Reserve zu vergrößern – neben potenziellen Veräußerungen für die auflaufenden Dividendenzahlungen sowie für die Aktienrückkaufprogramme.
Entsprechend wurde das neue 8-K-Filing, das Strategy üblicherweise montags vorbörslich einreicht, mit Spannung erwartet.
Cash-Reserve steigt auf 3 Milliarden US-Dollar
In der vergangenen Woche entschied sich Strategy gegen weitere Bitcoin-Verkäufe und auch gegen den Kauf von eigenen Wertpapieren.
Dafür wurden für 466,7 Millionen US-Dollar neue MSTR-Aktien am Markt ausgegeben, um die Cash-Reserve auf 3 Milliarden US-Dollar zu vergrößern, wie dem Dokument zu entnehmen ist.
Damit deckt sie jetzt 20,4 Monate an Dividendenzahlungen ab. Doch als sie Anfang des Jahres schon einmal 2,25 Milliarden US-Dollar schwer war, reichte sie für ungefähr 2,5 Jahre an Zahlungsverpflichtungen. Seither wurden einige neue STRC-Aktien emittiert, was die jährlichen Dividenden in die Höhe getrieben hat.
Insgesamt muss Strategy aufs Jahr gerechnet rund 1,76 Milliarden US-Dollar an die Vorzugsaktienhalter ausschütten. Dem gegenüberstehen die 843.775 BTC auf der Bilanz, die beim aktuellen Kurs rund 52,5 Milliarden US-Dollar entsprechen. Die Bitcoin-Reserve entspricht derzeit also circa 30 Jahren an Dividenden.
Berücksichtigt man hierbei noch die 6,7 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Wandelanleihen sowie die 3 Milliarden US-Dollar schwere Cash-Reserve, so könnte Strategy bei gleichbleibendem Bitcoin-Kurs rein rechnerisch knapp 28 Jahre lang die Dividenden bezahlen.
Gelingt es, das Vertrauen wiederherzustellen?
Sofern man nicht davon ausgeht, dass der Bitcoin-Kurs immer weiter fallen wird, ist Strategy bei Betrachtung der nackten Zahlen eigentlich grundsolide aufgestellt. Das zentrale Problem scheint demnach vielmehr zu sein, dass viele Marktteilnehmer den Glauben an das Management verloren haben.
Laut dem neuen Framework brauche es zwar die Autorisierung des Boards, um die Cash-Reserve unter 12 Monate der Abdeckung fallen zu lassen oder die Mittel anderweitig zu verwenden, doch Vertrauen zu zerstören ist bekanntlich leichter, als es aufzubauen.
Strategy hat schon mehrfach etwas kommuniziert, was am Ende so nicht eingehalten wurde. Dass die Cash-Reserve eigentlich immer 2 bis 3 Jahre an Zahlungsverpflichtungen abdecken sollte, ist nur ein Beispiel von mehreren.
So wurde im Sommer 2025 auch ein mNAV-Framework vorgestellt, bei dem es zuerst hieß, dass neue MSTR-Aktien erst ab einem mNAV von 2,5 emittiert werden würden, um mit den Erlösen Bitcoin zu kaufen. Wenige Wochen später gab es das Update, laut dem das auch darunter möglich sein soll, sofern es vorteilhaft für das Unternehmen sei. In den folgenden Monaten wurden dann für mehrere Milliarden US-Dollar MSTR-Aktien bei einer niedrigeren Bewertung verkauft, um die Bitcoin-Reserve zu vergrößern.
Dafür, dass es sich um ein Vertrauensproblem handelt, spricht die Tatsache, dass das STRC-Äquivalent von Strive, SATA, aktuell weitaus besser dasteht, obwohl das Unternehmen eine in Relation zu den Zahlungsverpflichtungen betrachtet niedrigere Cash- sowie Bitcoin-Reserve aufweist. SATA schüttet aber auch an jedem Handelstag aus, während die Dividendenrendite von einem Kurs von 100 US-Dollar ausgehend 13 % beträgt.
Dennoch: Damit, dass Strategy innerhalb von 2 Monaten mehr als 2,1 Milliarden US-Dollar an neuem Cash für den US-Dollar-Puffer einsammeln konnte, während die Dividenden weiter ausbezahlt wurden, konnte das Unternehmen beweisen, dass es trotz schlechter Marktbedingungen weiterhin Zugang zu Kapital hat.
Sorgen vor einem unmittelbar bevorstehenden Zahlungsausfall sind demnach wohl eher unbegründet. Strategy könnte jetzt theoretisch auch 8 Monate lang die Dividenden aus der Cash-Reserve tilgen, ohne unter die besagte 12-Monats-Schwelle zu fallen oder weitere Bitcoin zu verkaufen.
Ob das Strategy auch so tun wird, ist unklar. In dieser Woche muss die mittlerweile zweimal pro Monat anfallende STRC-Dividende ausgeschüttet werden. Ob für diese benötigten rund 50 Millionen US-Dollar wieder Bitcoin verkauft werden, werden wir voraussichtlich dann am Montag kommender Woche erfahren. Bei einem aktuellen mNAV von circa 1,02 x ist das grundsätzlich wahrscheinlich.
Positiv für Bitcoin, MSTR und STRC?
Grund dafür dürfte in erster Linie aber der heute schwächelnde Bitcoin-Kurs sein. Nachdem BTC am Sonntag noch bei 64.000 US-Dollar handelte, gab es im Zuge der weiteren Eskalationen im Irankrieg einen Kursrutsch auf ungefähr 62.000 US-Dollar. Auch Gold, Silber und die Aktienmärkte stehen zum Wochenbeginn unter Druck.
An Strategy wird der heutige Bitcoin-Kursrutsch also nicht gelegen haben. Für Bitcoin ist es an sich nämlich positiv, wenn sich das Unternehmen sicherer aufstellt, da dann erzwungene BTC-Verkäufe unwahrscheinlicher werden. Demnach ist eine Vergrößerung der US-Dollar-Reserve aus Bitcoiner-Sicht eigentlich zu begrüßen.
Diejenigen, die darunter leiden, sind aber die Strategy-Aktionäre. Diese wurden nämlich wieder „verwässert“. Die Änderungsrate der Ratio „BTC je Aktie“, die sogenannte „BTC Yield“, fiel im Zuge der Kapitalmarktmaßnahmen der vergangenen Woche von 7,8 auf 6,6 %. Mitte Mai lag die „BTC Yield“ für dieses Jahr noch bei 13,3 %.
Strategy gelang es in euphorischen Marktphasen bislang am besten, mehr Bitcoin pro Aktie für die Aktionäre zu erwirtschaften. Für das Jahr 2024 betrug die „BTC Yield“ beispielsweise 74,3 %.
Ob Strategy bald wieder im großen Stil kaufen können und damit Mehrwert für die Aktionäre erwirtschaften wird, hängt in erster Linie von den Marktbedingungen, also der Bewertung der Stammaktie sowie dem STRC-Kurs, ab.
Bis zu einer Erholung, die durch einen steigenden Bitcoin-Kurs ausgelöst werden könnte, ist gut vorstellbar, dass Strategy erst einmal ein Nettoverkäufer sein wird, während die Aktionäre weiter „verwässert“ werden. Trotz des verhältnismäßig großen Verkaufs zum Quartalswechsel konnte Strategy die BTC-Reserve seit Ende Mai unter dem Strich noch vergrößern.
Möglicherweise kommen doch noch genügend Marktteilnehmer zu der Einschätzung, dass eine jährliche Dividendenrendite von 12 % attraktiv genug für das Risiko von STRC ist, womit Strategy am ehesten Nettokäufer bleiben könnte. Wie hoch der Bitcoin-Kurs beziehungsweise Strategys Cash-Reserve dafür sein müsste, ist unklar.