Strategy und Strive haben heute gemeldet, insgesamt 1.279 Bitcoin gekauft und zeitgleich ihre Cash-Reserven vergrößert zu haben. Dies geschah in einer Woche, in der die polarisierenden Vorzugsaktien der Unternehmen, STRC und SATA, deutlich unter Druck geraten sind und Sorgen vor einer Negativspirale aufkamen. Bedeutet das, dass das Schlimmste schon überstanden ist?

Die vergangene Woche war ein Stresstest für Strategy und Strive, die derzeit aufsehenerregendsten „Bitcoin Treasury Companies“. Deren Vorzugsaktien STRC und SATA, die eigentlich nahe 100 US-Dollar handeln sollten, haben sich am Donnerstag nämlich in einer Liquidierungskaskade deutlich von dem Zielniveau entfernt.

Infolgedessen war die Sorge groß, dass das Geschäftsmodell nun gescheitert sei beziehungsweise der Anfang vom Ende begonnen habe. Mit Spannung wurde demnach erwartet, ob die Aktiengesellschaften trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser schwierigen Woche aktiv waren. Und tatsächlich haben beide Unternehmen Bitcoin nachgekauft und ihre Dividendenreserve ausgebaut.

Strategy kauft nach

Strategy gab am heutigen Montag bekannt, 520 Bitcoin für 34,9 Millionen US-Dollar gekauft zu haben. Damit beläuft sich der Bestand jetzt auf unglaubliche 847.363 BTC

Zeitgleich wurde die Cash-Reserve von 1,1 auf 1,4 Milliarden US-Dollar vergrößert, womit sie jetzt 9,8 Monate an Dividendenzahlungen abdeckt. Laut Michael Saylor solle der Puffer weiter aufgefüllt werden, um die „Kreditqualität“ der Vorzugsaktien zu verbessern.

Strategy hat seine US-Dollar-Reserve um 300 Millionen US-Dollar auf 1,4 Milliarden US-Dollar aufgestockt und plant, diese weiter aufzufüllen, um die Bonität seiner Digital-Credit-Wertpapiere zu stützen. Außerdem haben wir 520 BTC für 35 Millionen US-Dollar erworben und damit unsere BTC-Reserve auf 847.363 BTC vergrößert.
Michael Saylor

Wie dem 8-K-Filing zu entnehmen ist, emittierte Strategy MSTR-Stammaktien für insgesamt 335,5 Millionen US-Dollar. Die seit Jahresauftakt erwirtschaftete „BTC Yield“ sank entsprechend von 12,5 auf 11,8 %. Das heißt, dass eine Aktie nach den Aktivitäten weniger Bitcoin repräsentiert als zuvor.

Das mNAV, das die Unternehmensbewertung in Relation zu den gehaltenen Bitcoin quantifiziert, lag Anfang der Woche noch bei circa 1,22 x. Das ist die zuletzt kommunizierte Schwelle, ab der es laut dem Management noch sinnvoll ist, MSTR-Aktien auszugeben, um BTC zu kaufen, Dividenden zu bezahlen, oder die Cash-Reserve zu vergrößern. Darunter sollen stattdessen tatsächlich Bitcoin verkauft werden, wenn Geld aufgetrieben werden muss.

Der durchschnittliche Kaufpreis der vergangenen Woche von 67.068 US-Dollar je BTC zeigt, dass der Kauf am Montag stattgefunden haben muss. Das heißt, dass es womöglich positiv für die Ratio „BTC je Aktie“ gewesen wäre, wenn das Geld nur in den Kauf weiterer Bitcoin und nicht in die Cash-Reserve geflossen wäre. 

Saylor argumentierte zuletzt auch, dass die Ausgabe von Stammaktien für Cash keine „Verwässerung“ sei, solange das mNAV hoch genug ist, weil eine Aktie dann nicht weniger gesamte Assets repräsentieren würde. Jack Mallers, CEO von Twenty-One Capital, dem zweitgrößten börsennotierten Bitcoin-Halter, hinterfragte diese Darstellungsweise öffentlich.

Eine Kapitalerhöhung hilft letztlich dabei, die gesamte Bilanz zu vergrößern, was wiederum den Vorzugsaktien zugutekommen sollte. Ein Hauptgrund für die STRC-Schwäche der vergangenen Woche dürfte nämlich insbesondere die gesunkene Cash-Reserve sein.

Ursprünglich sollte diese nämlich mindestens zwei Jahre an Zahlungsverpflichtungen abdecken – was anfangs auch der Fall war. Nachdem aber immer weitere STRC-Aktien ausgegeben und mit 1,38 Milliarden US-Dollar des Puffers ausstehende Wandelanleihen vorzeitig zurückgekauft wurden, reichte die Reserve letztlich nur noch für ein halbes Jahr.

Seither gab es jetzt aber wieder vier Wochen in Folge eine Vergrößerung von insgesamt 871 Millionen auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Das Ziel ist – bei aktuell 9,8 Monaten der Abdeckung – noch in weiter Ferne, aber der Schritt und die klare Kommunikation des weiteren Ausbaus dürften positiv am Markt ankommen.

Die renommierte Analystin Lyn Alden kommentierte die heutige Mitteilung beispielsweise mit den folgenden Worten:

Die Aufstockung der US-Dollar-Reserven und die Ankündigung, diese auch weiterhin aufzufüllen, sind meiner Meinung nach der bestmögliche Start in den Montag.
Lyn Alden

STRC handelt zum heutigen Börsenstart wieder bei 90 US-Dollar und damit deutlich über dem Tiefstkurs vom Donnerstag, als eine Aktie nur noch 82,53 US-Dollar wert war.

Strategy-CEO Phong Le gab heute zudem bekannt, persönlich eine Million US-Dollar in STRC investiert zu haben und mindestens so lange halten zu wollen, bis die 100-US-Dollar-Marke wieder erreicht ist.

Ich habe heute STRC im Wert von einer Million US-Dollar gekauft. Ich werde die Anteile halten, bis sie den Nennwert erreichen, wahrscheinlich sogar noch länger.
Phong Le

Strive kauft mehr BTC als Strategy

Die „Bitcoin Treasury Company“ Strive, die eine sehr ähnliche Strategie verfolgt, konnte in der vergangenen Woche sogar 759 weitere BTC für rund 50 Millionen US-Dollar erwerben. Der Kaufkurs betrug dabei 65.850 US-Dollar je Coin.

Als sechstgrößter börsennotierter Bitcoin-Halter sitzt Strive jetzt insgesamt auf 19.864 BTC und damit auf mehr als SpaceX, Tesla und auch Coinbase.

Das STRC-Äquivalent von Strive, SATA, handelte am Mittwoch sogar noch bei der Zielmarke, ab der neue Vorzugsaktien emittiert werden können, um BTC zu kaufen. Aus dem 8-K-Filing geht hervor, dass vergangene Woche für etwas mehr als 30 Millionen US-Dollar neue SATA-Aktien ausgegeben wurden.

Die restlichen Mittel beschaffte sich das Unternehmen durch die Emission von ASST-Stammaktien. Auch Strive vergrößerte die Cash-Reserve – und zwar von 141,4 auf 144,5 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen noch die im Rahmen der Reserve gehaltenen STRC-Aktien, deren Wert nach dem Kursrückgang rund 45 Millionen US-Dollar betrug.

Insgesamt deckt die Dividendenreserve von Strive circa 1,5 Jahre an Zahlungsverpflichtungen ab, womit sie relativ betrachtet größer ist als die von Strategy.

Weitere Unterschiede sind, dass Strive keine anderen Vorzugsaktien oder ausstehende Schulden hat, dafür aber „nur“ knapp 13 Jahre an Dividendenabdeckung durch die BTC-Bilanz, während es bei Strategy über 32 sind.

Außerdem zahlt SATA von Strive aktuell 13 % Dividende aufs Jahr gerechnet – bei täglicher Ausschüttung. Die Dividendenrendite von STRC liegt bei 11,5 % und ab Juli wird die Auszahlungsfrequenz von monatlich auf halbmonatlich erhöht.

Das mNAV von Strive liegt aktuell bei über 1,4 x und damit deutlich höher als das von Strategy (1,1 x). Strive konnte die Ratio „BTC je Aktie“ seit Jahresauftakt um 38,3 % steigern.

Stresstest schon überstanden?

Auch wenn die beiden Unternehmen für die schwierige Woche nun Bitcoin-Käufe und eine Vergrößerung der Cash-Reserve melden konnten, ist festzuhalten, dass die Aktivitäten offenbar ausschließlich vor dem Crash am Donnerstag stattgefunden haben müssen.

Demnach wird umso spannender zu beobachten sein, wie es in dieser Woche weitergehen könnte, falls sich Strategys mNAV nicht wieder erholt und sowohl STRC als auch SATA unter der Zielmarke bleiben sollten.

Bei Strategy kommt jetzt erschwerend hinzu, dass zum Monatswechsel knapp 150 Millionen US-Dollar an Dividenden gezahlt werden müssen. Und sollte das mNAV bis dahin unter der Schwelle von 1,22 x liegen, so könnten dann tatsächlich ein paar BTC wieder abgestoßen werden.

Theoretisch könnte Strategy auf die Cash-Reserve zurückgreifen, diese soll aber ja weiter ausgebaut werden, wobei auch fraglich ist, wie das bei einer niedrigen Aktienbewertung geschehen soll.

Eine Zahlungsunfähigkeit der Unternehmen dürfte aufgrund der großen Abdeckung über ihre BTC-Bilanzen als höchst unwahrscheinlich einzuordnen sein – solange der Bitcoin-Kurs nicht noch viel weiter fallen sollte.

Bitcoin konnte zum Wochenauftakt zulegen und über 65.000 US-Dollar steigen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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