Strategy stellt neues Framework vor: Größere Cash-Reserve und Bitcoin-Verkaufsprogramm
Strategy hat ein neues „Digital Credit Capital Framework“ vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen eine größere Cash-Reserve, neue Möglichkeiten für Aktienrückkäufe und klarer definierte Regeln für mögliche Bitcoin-Verkäufe. Der Markt hat die Maßnahmen bisher positiv bewertet, und das, obwohl die Aktionäre jetzt weniger BTC pro Aktie haben.
Strategy im Verteidigungsmodus
In den vergangenen Tagen und Wochen wurde bereits häufiger darüber diskutiert, ob Strategy bei schlechteren Marktbedingungen noch in der Lage sein würde, frisches Kapital aufzunehmen. Schließlich basierte das Geschäftsmodell in erster Linie darauf, neue Stammaktien zu einer hohen Bewertung auszugeben und das Geld langfristig in Bitcoin zu investieren. Je näher sich der Aktienkurs dem Nettoinventarwert annähert, desto schwieriger und vor allem unrentabler wird dieses Modell.
Mit den heute bekannt gegebenen Kapitalmarktmaßnahmen der vergangenen Woche liefert Strategy nun eine erste Antwort auf diese Zweifel. Das Unternehmen konnte trotz der schwierigen Marktlage innerhalb einer Woche über 1,15 Milliarden US-Dollar neues Kapital aufnehmen.
Anders als sonst floss dieses Geld jedoch nicht in neue Bitcoin-Käufe, sondern in den Ausbau der Cash-Reserve. Gleichzeitig definiert Strategy erstmals konkret, inwieweit Bitcoin verkauft oder eigene Wertpapiere zurückgekauft werden sollen.
Damit verfolgt das Unternehmen vorerst weniger eine Angriffs- als vielmehr eine Verteidigungsstrategie. Trotzdem ist die Botschaft klar: Die Kapitalstruktur soll in dieser schwierigen Marktphase stabilisiert werden.
Strategy kündigt ein Digital Credit Capital Framework an, das darauf ausgelegt ist, die Vorzugsaktien zu stärken, die Liquidität zu erhöhen, das langfristige Bitcoin-Exposure zu erhalten und die langfristige Wertschöpfung zu unterstützen.
Michael Saylor
Strategy announces a Digital Credit Capital Framework designed to strengthen Digital Credit, enhance liquidity, preserve long-term Bitcoin exposure, and support long-term value creation. $MSTR $STRC https://t.co/AUoUCtem53
— Michael Saylor (@saylor) June 29, 2026
Vergrößerung der Cash-Reserve
Die zunächst wichtigste Meldung ist, dass Strategy die Cash-Reserve deutlich vergrößert hat.
Dem 8-K-Filing ist zu entnehmen, dass das Unternehmen vergangene Woche rund 12,7 Millionen neue MSTR-Aktien ausgab und dadurch netto etwa 1,15 Milliarden US-Dollar einnahm.
Üblicherweise fließen die Mittel bekanntlich – zumindest teilweise – in den Kauf weiterer Bitcoin. Diesmal wurde sich jedoch bewusst dagegen entschieden.
Stattdessen wurde die bestehende Cash-Reserve von zuletzt 1,4 Milliarden auf 2,55 Milliarden US-Dollar erhöht und gleichzeitig (relativ) verbindlich geregelt, wie sie künftig verwendet werden darf.
Die Cash-Reserve soll jetzt nämlich immer mindestens 12 Monate an Dividendenzahlungen abdecken. Aktuell sind es 17,4 Monate. Als die US-Dollar-Reserve errichtet wurde, waren 2 bis 3 Jahre angepeilt.
Strategy konnte mit den Aktivitäten der vergangenen Woche also beweisen, dass trotz schwieriger Marktbedingungen genügend Kapital für mehrere Monate an Dividenden eingesammelt wurde und die Cash-Reserve eine hohe Priorität darstellt.
Phong Le, Geschäftsführer von Strategy, erklärte kürzlich in einem Interview, dass der Hauptgrund für die Schwäche der Vorzugsaktie STRC sei, dass die Cash-Reserve angezapft wurde, um 1,5 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Wandelanleihen zurückzukaufen.
Ich glaube, dass der Abbau der US-Dollar-Reserve Druck auf STRC ausgeübt hat – insbesondere bei einigen unserer institutionellen Anleger. Wir werden die US-Dollar-Reserve wieder aufstocken.
Phong Le
Laut der neuen Pressemitteilung sei es jetzt nicht erlaubt, die Cash-Reserve für etwas anderes als Dividenden- oder Zinszahlungen zu verwenden, während es die Autorisierung des Boards brauche, die Abdeckung unter 12 Monate fallen zu lassen.
Die neue Sicherheit bezahlen die Aktionäre
Diese zusätzliche Stabilität gibt es allerdings nicht kostenlos. Da Strategy diesmal neue Aktien ausgegeben hat, mit dem Erlös aber keine zusätzlichen Bitcoin gekauft hat, sank zwangsläufig der Bitcoin-Anteil je Aktie.
Hinzu kommt, dass das Management Strategy in der letzten Quartalspräsentation kommunizierte, dass es unter einem mNAV von 1,22 x eigentlich weniger verwässernd für die Aktionäre sei, Bitcoin zu verkaufen, als MSTR-Aktien auszugeben, um Cash für die Dividenden aufzutreiben.
Unterhalb eines mNAV von 1,22 x ist es für uns tatsächlich sinnvoller, Bitcoin zu verkaufen, um die Dividenden zu bezahlen.
Phong Le
Are you sure? According to Phong Le, breakeven mNAV was 1.22x.
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) June 26, 2026
It was below that the whole week. If they nonetheless sold MSTR for cash (which should the be more or less the same math), it could be the next huge mistake. pic.twitter.com/TY9jFq5KPg
Genau diesen Weg ist Strategy in der vergangenen Woche allerdings nicht gegangen. Statt Bitcoin zu verkaufen, entschied sich das Unternehmen erneut für die Ausgabe neuer Aktien und nahm damit eine stärkere Verwässerung der bestehenden Aktionäre in Kauf – obwohl das mNAV in der vergangenen Woche konstant unter 1,22 x lag.
Rückblickend dürfte das auch einen Teil des deutlichen Kursrückgangs der MSTR-Aktie erklären. Diese verlor vergangene Woche nämlich mehr als 20 % in BTC gemessen.
Besonders sichtbar wird diese Verwässerung bei der sogenannten „BTC Yield“. Diese Kennzahl beschreibt das Wachstum des Bitcoin-Bestands pro vollständig Aktie und gehört zu den wichtigsten Kennzahlen, auf die Michael Saylor regelmäßig verweist.
Der „BTC Yield“ ist für das laufende Jahr nach den Aktivitäten der vergangenen Woche von 11,8 auf 8,3 % gefallen.
Damit wird im Grunde auch der Zielkonflikt des neuen Frameworks deutlich. Strategy stärkt zwar seine Liquidität und reduziert kurzfristig das Finanzierungsrisiko. Das geht aber auf Kosten des Bitcoin-Bestands pro Aktie.
Strategy erweitert seinen Werkzeugkasten
Die größere Cash-Reserve ist allerdings nur ein Bestandteil des neuen „Digital Credit Capital Frameworks“.
Mindestens genauso interessant ist, welche Möglichkeiten sich Strategy künftig selbst explizit einräumt.
Wie in der Pressemitteilung kommuniziert wurde, gibt es jetzt einen konkreteren Rahmen für mögliche:
- Bitcoin-Verkäufe
- Stamm- und Vorzugsaktienrückkäufe
Auch wenn Strategy diese Optionen bereits mehrfach angesprochen hat, gab es dazu nun Details.
Konkret wurde ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu 1 Milliarde US-Dollar sowohl für die MSTR-Stammaktie als auch für die Vorzugsaktien etabliert. Die Mittel dafür sollen nicht aus der Cash-Reserve kommen.
Hinsichtlich potenzieller Bitcoin-Verkäufe hieß es, dass für bis zu 1,25 Milliarden US-Dollar BTC verkauft werden könnte, um die Cash-Reserve aufzufüllen. Überdies soll die BTC-Reserve gegebenenfalls genutzt werden, um Zahlungsverpflichtungen zu bedienen oder die Aktienrückkäufe zu tätigen.
Das bedeutet nicht, dass Strategy zwingend Bitcoin verkaufen oder eigene Aktien zurückkaufen wird. Die ohnehin schon in den Raum gestellten Optionen wurden lediglich ein wenig konkretisiert, während sich die selbstauferlegten Regeln natürlich auch ändern können.
Mit den eingerichteten Rückkaufprogrammen scheint Strategy dem Markt in erster Linie signalisieren zu wollen, dass das Unternehmen bereit wäre, die eigenen Wertpapiere zu verteidigen. Ob das allein die Short-Seller abschrecken kann oder Strategy dafür tatsächlich tätig werden muss, dürfte die Zukunft zeigen.
Insgesamt könnte Strategy laut diesem Framework nun 3,25 Milliarden US-Dollar an Bitcoin verkaufen – zuzüglich möglicher Käufe für die anfallenden Dividenden- und Zinszahlungen. Für alles Weitere bräuchte es die Genehmigung des Boards.
Bei aktuellen Kursen entspräche dieser potenzielle Verkaufsdruck circa 55.000 BTC. Selbst wenn das ausgeschöpft werden sollte, was von den Marktbedingungen abhängen sollte, würden diese Coins wohl nicht auf einen Schlag auf dem Markt landen.
Mit der größeren Cash-Reserve könnte Strategy jetzt aber theoretisch erst einmal rund 5 Monate die Füße stillhalten, um auf eine bessere Stimmung zu warten.
Sollten hingegen die MSTR-Aktie oder die Vorzugsaktien weiter abstürzen, so wäre vorstellbar, dass tatsächlich BTC verkauft werden würden, um die Rückkäufe auszuführen oder die Cash-Reserve weiter zu stärken.
Neue Regeln für STRC
Parallel dazu erhöht Strategy die Dividende der STRC-Vorzugsaktie von 11,5 auf 12 %. Das Flaggschiffprodukt, das durch Dividendenanpassungen eigentlich bei 100 US-Dollar stabil gehalten werden sollte, fiel in der vergangenen Woche im Tief bis auf 71,25 US-Dollar.
Strategy machte heute schließlich deutlich, dass ein fallender Kurs nicht zwangsläufig eine höhere Dividende bedeuten muss.
Strategy wird nicht zwangsläufig die STRC-Dividende erhöhen, nur weil die STRC-Aktie unter dem Zielwert notiert.
Aus der Pressemitteilung
Zudem sei die Dividendenpassung neben etwa der Größe der Cash-Reserve oder Rückkäufen nur ein Tool, das eingesetzt werden kann, mit dem Ziel, STRC wieder in Richtung des Zielniveaus zu treiben.
Der Markt bewertet die Maßnahmen positiv
Die erste Reaktion des Marktes auf die Meldungen fiel positiv aus.
Sowohl die MSTR-Aktie als auch die Vorzugsaktie STRC waren zum US-Börsenstart deutlich im Plus. Während MSTR bisher um rund 4 % gestiegen ist, gewinnt STRC sogar knappe 6 % hinzu.
Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Strategy auf die Sorgen des Marktes reagierte, bald zahlungsunfähig zu werden oder in eine Todesspirale abzurutschen. Das Unternehmen zeigte nämlich, dass es trotz schwieriger Marktbedingungen in einer Woche genügend Eigenkapital aufnehmen kann, um 11 Monate an Dividendenzahlungen zu stemmen.
André Dragosch, der Research-Chef des Vermögensverwalters Bitwise Invest, kommentierte die Neuigkeiten mit den folgenden Worten:
Ich glaube ehrlich gesagt, dass es für die Bären vorbei ist.
André Dragosch, Bitwise Invest
In einem weiteren Beitrag erklärte er seine Einschätzung genauer. Solange es keine gravierenden Bilanzprobleme oder unerwarteten rechtlichen Entwicklungen bei Strategy geben sollte, werde es für Short-Seller zunehmend schwieriger, auf die „Liquidationsthese“ zu setzen.
Als wesentlichen Grund nennt Dragosch die nun deutlich gestärkte Liquiditätsposition des Unternehmens.
Ob sich diese optimistische Einschätzung bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Die erste Marktreaktion zeigt jedoch, dass Investoren die Maßnahmen zunächst als Stärkung der Kapitalstruktur und nicht als Schwäche interpretieren, obwohl die Cash-Reserve auf Kosten der MSTR-Halter und entgegen der zuletzt kommunizierten Linie vergrößert wurde.