Strategy, der größte Firmenhalter von Bitcoin, hat einen offenen Brief an den Indexherausgeber MSCI Inc. verfasst. Darin argumentieren Gründer Michael Saylor und CEO Phong Le gegen den Vorschlag, Aktiengesellschaften, die mehr als 50 % ihrer Bilanz in Kryptowährungen halten, aus den MSCI-Indizes zu werfen.

Die potenziell bevorstehende Exklusion von Strategy, Metaplanet und anderen „Digital Asset Treasury Companies (DATs)“ hält die Bitcoin-Community derzeit in Atem. Am 10. Oktober gab der Indexherausgeber MSCI Inc. bekannt, bis Ende dieses Jahres zu prüfen, ob Aktiengesellschaften, die mehr als die Hälfte ihrer Bilanz in Kryptowährungen halten, die hauseigenen Aktienindizes verlassen müssen.

Erst nachdem JPMorgan eine Research-Note zu Strategy veröffentlichte, in der die Großbank auf den damit einhergehenden Verkaufsdruck aufmerksam machte, rückte das Thema in den Mittelpunkt. Strategy-Gründer Michael Saylor äußerte sich dazu dann erstmals in einem ausführlichen 𝕏-Post.

In der vergangenen Woche teilte Saylor dem Medium Reuters dann noch mit, dass sich sein Unternehmen mit MSCI Inc. im Austausch befinde, und betonte Berichten zufolge, dass eine Exklusion keinen Unterschied machen werde. Währenddessen erklärte Strategy-CEO Phong Le in einem Interview mit Bloomberg, wieso eine solche Entscheidung unfair sowie irrational wäre.

Zeitgleich wandte sich auch Matt Cole, CEO der „Bitcoin Treasury Company“ Strive und des gleichnamigen Vermögensverwalters, mit einem offenen Brief an MSCI Inc. und führte mehrere Argumente gegen diese Entscheidung auf – unter anderem, dass Aktiengesellschaften aufgrund der Bilanzierungsvorschriften einer jeweiligen Jurisdiktion diese Hürde unterschreiten könnten, obwohl sie eigentlich mehr als 50 % ihrer Bilanz in Kryptowährungen halten.

Am heutigen Tag veröffentlichte schließlich auch Strategy ein solches Schreiben an den Indexherausgeber, unterschrieben von Michael Saylor und Phong Le. In diesem werden noch weitere Argumente gegen die von MSCI Inc. vorgeschlagene Entscheidung aufgeführt. Ein Fokus liegt dabei auch auf den Zielen der Trump-Regierung, mit denen das kollidieren würde.

Strategys offener Brief an MSCI Inc.

Laut MSCI Inc. könnten DATs Merkmale aufweisen, die Investmentfonds ähneln, und entsprechend nicht für die Aufnahme in die Indizes infrage kommen. Weitere Informationen lieferte der Indexherausgeber bislang nicht. Dies kreidet Strategy in dem offenen Brief an und bittet darum, mehr Kontext zu liefern beziehungsweise die Konsultationsphase, die bis zum 31. Dezember noch läuft, zu verlängern, sodass sich mit den Argumenten für die These von MSCI Inc. gezielter auseinandergesetzt werden kann.

Wie Michael Saylor und Phong Le zuvor bereits betonten, handelt es sich bei „Bitcoin Treasury Companies“ um operative Unternehmen, die das Asset nicht einfach nur halten, sondern einsetzen oder Finanzprodukte auf Basis dessen emittieren können. Investoren kaufen die Aktien, weil sie daran glauben, dass Strategy und Co. durch operative Tätigkeiten Mehrwert schaffen, heißt es weiter.

Das Ergebnis ist, dass Anleger, die die Stammaktien von Strategy kaufen, damit nicht nur ein reines Exposure zu Bitcoin erwerben. Das könnten sie auch erreichen, indem sie direkt Bitcoin kaufen oder Anteile an Bitcoin-ETPs erwerben. Stattdessen kaufen Strategy-Anleger Strategy selbst – sie investieren in das Managementteam von Strategy, die finanzielle Expertise und die Fähigkeit, von den künftigen technologischen Innovationen zu profitieren, die Bitcoin verspricht. Der Beweis liegt im Aktienkurs von Strategy, der sich historisch nicht einfach an den Wert der von Strategy gehaltenen Bitcoins gekettet hat – und zeitweise sogar um ein Vielfaches darüber gehandelt wurde.
Aus dem Brief von Strategy

In dem zwölfseitigen Brief untermauern sie diese Differenzierung unter anderem noch damit, zu erklären, dass Strategy und Co. rein rechtlich sowie steuerlich wie normale Aktiengesellschaften und nicht wie Investmentfonds behandelt werden.

Überdies machen sie darauf aufmerksam, dass es viele andere Aktiengesellschaften gibt, die sich mit einzelnen Assets kapitalisieren – beispielsweise Ölunternehmen, die beträchtliche Ölreserven halten, oder Immobiliengesellschaften, deren Bilanz zum Großteil aus Gebäuden besteht.

Viele in den MSCI-Indizes enthaltene operative Unternehmen investieren stark in eine einzige Anlageklasse. Öl- und Holzunternehmen wie ExxonMobil und Weyerhaeuser haben einen erheblichen Teil ihres Vermögens in Öl- und Holzreserven angelegt. REITs wie Simon Property Group investieren fast ausschließlich in Immobilien.
Aus dem Brief von Strategy

Laut Saylor und Le wäre es unfair, anhand der jeweils gehaltenen Vermögenswerte zu entscheiden, welche Unternehmen Teil der Indizes sein sollen und welche nicht – vor allem bei Indizes, die sich nicht auf spezifische Branchen spezialisieren, sondern den breiten Markt abdecken sollen.

Dieser Vorschlag beruht auf einem falschen Verständnis des Geschäftsmodells von DATs wie Strategy. Er spiegelt eine willkürliche und nicht umsetzbare politische Entscheidung wider, die die Integrität der MSCI-Indizes untergraben würde. […] Die Tatsache, dass Strategy und andere DATs in eine einzige Anlageklasse investieren, unterscheidet sie nicht von REITs oder Ölgesellschaften. MSCI stuft diese Unternehmen nicht als Investmentfonds ein, und DATs sollten nicht anders behandelt werden.
Aus dem Brief von Strategy

Strategy wirft MSCI Inc. in dem Zusammenhang sogar vor, sich damit von dem Anspruch zu entfernen, den Markt möglichst vollständig und neutral abzubilden, und erklärt, dass sich nach den wieder in der Versenkung verschwundenen ESG-Kriterien doch eigentlich der Konsens gebildet habe, dass so etwas nicht zielführend sei.

Schlimmer noch, der Vorschlag würde Fragen zu den Motiven von MSCI aufwerfen, zu einer Zeit, in der führende Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden davon abkommen, politiklastige Überlegungen – wie ESG – als Einflussfaktor für Investitionsentscheidungen zu verlangen.
Aus dem Brief von Strategy

„Treasury Companies“ setzen laut Strategy auf eine Basistechnologie, aus der ein neues Wirtschaftssystem entstehen kann – wie es früher bei Öl oder auch Halbleitern der Fall war. In diesem frühen Stadium sei zudem noch nicht absehbar, welche Geschäftsmodelle sich auf Basis von Bitcoin noch entwickeln könnten.

So wie Matt Cole von Strive in seinem Brief anführt, argumentiert auch Strategy, dass es unsinnigen Aufwand bedeuten würde, wenn Unternehmen nahe der 50-%-Hürde immer wieder ausgeschlossen oder aufgenommen werden müssten, je nachdem, wie sich der noch starken Schwankungen unterliegende Bitcoin-Kurs entwickelt.

Ein weiterer Punkt, den Strategy in dem offenen Brief macht, ist, dass die Exklusion von DATs nicht mit der Vision der Trump-Administration vereinbar wäre. Trump möchte die USA zur „Bitcoin-Supermacht“ und „Krypto-Hauptstadt der Welt“ machen sowie den „Krieg gegen Krypto“ beenden. Dabei ordnet das Weiße Haus BTC im Wettbewerb der Nationen sogar als strategisch und sicherheitspolitisch relevant ein.

[Eine Exklusion] würde das Ziel der Regierung, digitale Vermögenswerte zu fördern, untergraben, Innovationen behindern, die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen und die nationale Sicherheit gefährden.
Aus dem Brief von Strategy

Laut Strategy sei es „genau der falsche Zeitpunkt, um Maßnahmen zu ergreifen, die diese innovative Technologie untergraben“. Saylor und Le verweisen zudem darauf, dass die Trump-Regierung Technologieneutralität von Finanzbehörden einfordert.

Teil dieser Strategie [der Regierung] ist die Förderung des Zugangs zu Investitionen in digitale Vermögenswerte für Pensionspläne, 401(k)-Pläne und andere beitragsorientierte Altersvorsorgepläne. Der Vorschlag von MSCI würde diesen Plänen jedoch effektiv den Zugang zu Unternehmen verwehren, die in digitale Vermögenswerte investieren – wodurch automatisch Kapital in Milliardenhöhe aus diesem Sektor abgezogen und eines der wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Ziele der Trump-Regierung direkt untergraben würde.
Aus dem Brief von Strategy

Außerdem könnten, so Strategy, Bitcoin-Mining-Unternehmen, die mit ihren Rechenzentren oft auch eine zentrale Rolle in der KI-Revolution spielen, durch die vorgeschlagenen MSCI-Regeln die Indizes verlassen müssen oder dazu gezwungen werden, ihre Bitcoin zu verkaufen.

Stichtag 15. Januar 2026

Laut der Mitteilung vom 10. Oktober wird MSCI Inc. bis zum 15. Januar 2026 die finale Entscheidung bekannt geben. Ob Strategy, Strive und Co. mit ihren Anstrengungen bewirken können, dass der Indexherausgeber von dem selbst vorgeschlagenen Schritt noch abrückt, wird sich dann zeigen. Möglicherweise wird die Konsultationsphase aber auch noch verlängert.

In dem offenen Brief liefern Michael Saylor und Phong Le erneut gute Argumente, wieso MSCI Inc. keine solche Änderung vornehmen sollte beziehungsweise weshalb dies effektiv eine ungerechtfertigte Diskriminierung einer bestimmten Branche, die US-Präsident Donald Trump sogar aktiv fördern möchte, sei.

Aber obwohl Saylor zuvor die Höhe der 2,8 Milliarden US-Dollar an potenziellen Abflüsse aus der MSTR-Aktie durch eine MSCI-Index-Exklusion anzweifelte, führt Strategy diese in dem Brief selbst an – wohl um die Vehemenz eines solchen Schritts zu unterstreichen. Unter dem Strich zeigen die Bemühungen, dass es – anders als Saylor betonte – wohl doch einen großen Unterschied für Strategy machen dürfte, ob die Aktie in relevanten Indizes bleibt oder nicht.

Da der Aktienkurs von „Bitcoin Treasury Companies“ relevant dafür ist, wie viel Kapital sich die Unternehmen für weitere Bitcoin-Käufe beschaffen können, hätte eine Exklusion auch Auswirkungen auf den Bitcoin-Kurs – nicht zuletzt auch deshalb, weil es Aktiengesellschaften davon abhalten könnte, eine beträchtliche Bitcoin-Bilanz aufzubauen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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