Strategy, der größte Bitcoin-Halter der Welt, hat den Kursanstieg in der vergangenen Woche genutzt, um weitere 2 Milliarden US-Dollar über die Kapitalmärkte aufzunehmen. Neben der Dividendenreserve wurde nun auch ein separater Cash-Puffer geschaffen, um Schulden zu tilgen oder auch Bitcoin zu kaufen. Die US-Dollar auf der Bilanz entsprechen jetzt ungefähr den noch ausstehenden 6,7 Milliarden US-Dollar an Wandelanleihen. Das alles ging aber auf Kosten der MSTR-Halter, für die seit Jahresauftakt jetzt eine negative „BTC Yield“ erwirtschaftet wurde.

Strategy profitiert überproportional in Rekord-Bitcoin-Woche

Bitcoin legte in der vergangenen Woche einen neuen Rekord hin. Der Kurs stieg nämlich um 14.892 US-Dollar und damit absolut betrachtet so viel wie noch nie in einer Woche.

Die Aktie von Strategy, dem größten börsennotierten Bitcoin-Halter, konnte erwartungsgemäß ebenfalls stark zulegen – und dabei auch Bitcoin beziehungsweise den Spot-ETF IBIT outperformen. MSTR stieg nämlich um 28,17 %. Relativ zu IBIT legte MSTR damit um 4,55 % zu.

Gleichzeitig war beobachtbar, dass die MSTR-Aktie ein verhältnismäßig hohes Handelsvolumen verzeichnete. Strategy nutzte diese Umstände aber nicht dafür, um zum ersten Mal seit Mitte Juni wieder Bitcoin zu kaufen.

Anstelle dessen wurde weiteres Cash auf die Seite gelegt, wie dem heute eingereichten 8-K-Filing zu entnehmen ist.

Zusätzliche 2 Milliarden US-Dollar an Cash aufgenommen

Strategy emittierte in der vergangenen Woche für insgesamt 2.006,5 Millionen US-Dollar neue MSTR-Stammaktien.

Mit 136,4 Millionen US-Dollar wurde die Vorzugsaktie STRC zurückgekauft.

300 Millionen US-Dollar flossen in die US-Dollar-Reserve, die einzig und allein für Dividenden- und Zinszahlungen angezapft werden soll.

Die Dividendenreserve deckt damit jetzt genau 3 Jahre an Zahlungsverpflichtungen ab.

Mit den restlichen Mitteln, 1,585 Milliarden US-Dollar, wurde ein separater US-Dollar-Puffer geschaffen, der anderweitig verwendet werden darf – unter anderem für Bitcoin-Käufe.

Am 24. August 2026 gab Strategy die Errichtung von „USD Cash“ bekannt, einer neuen Komponente seines „Digital Credit Capital Framework“. „USD Cash“ ist ein separat ausgewiesener Pool an US-Dollar-Liquidität, den das Unternehmen für den künftigen Einsatz für allgemeine Zwecke der Bitcoin-Treasury-Gesellschaft vorhalten kann. Dazu können der Erwerb von Bitcoin, die Zahlung von beschlossenen Bardividenden auf die Vorzugsaktien von Strategy und von Zinsen auf die ausstehenden Verbindlichkeiten, der Rückkauf von MSTR-Aktien oder Vorzugsaktien von Strategy, die Rückzahlung, der Rückkauf oder die Rücknahme der ausstehenden Wandelanleihen von Strategy, die Aufstockung der USD-Reserve sowie andere ähnliche Zwecke der Bitcoin-Treasury-Gesellschaft gehören.
Aus dem 8-K-Filing

Das bedeutet, dass Strategy neben der Dividendenreserve jetzt weiteres Cash vorhält, um es für quasi alle möglichen Maßnahmen einsetzen zu können.

In der vergangenen Woche wurden keine Bitcoin gekauft oder verkauft. Strategy hält weiterhin 840.447 BTC, die aktuell rund 66 Milliarden US-Dollar wert sind.

Schuldenquote sinkt auf 0,1 %

Nach dieser Kapitalaufnahme hält Strategy jetzt insgesamt 6,685 Milliarden US-Dollar an Cash auf der Bilanz. Diese Zahl kommt nicht von ungefähr, denn das Unternehmen hat noch ausstehende Schulden in Höhe von 6,764 Milliarden US‑Dollar. Die Nettoverschuldungsquote beträgt damit nur noch 0,1 %.

Da CEO Phong Le in einem Post auf die quasi nicht mehr vorhandene Nettoverschuldung verwies, liegt nahe, dass genau dies das Ziel war.

Strategy hält etwa 4 % der gesamten BTC-Menge und weist eine Nettoverschuldung von etwa 0 % auf. Diese Maßnahmen stärken $STRC weiter.
Phong Le, Strategy-CEO

Ohne nennenswerte Nettoschulden versucht Strategy offenbar, dem Markt die Sorge vor einer Zahlungsunfähigkeit zu nehmen.

Auch wenn Strategy explizit die Möglichkeit ansprach, den separaten Liquiditätspuffer für Bitcoin-Käufe einzusetzen, liegt nahe, dass damit zunächst Schulden getilgt werden. Denn ein erklärtes Ziel ist es, alle Wandelanleihen früher oder später von der Bilanz zu bekommen.

Strategy kaufte im Mai bereits Wandelanleihen mit einem Nennwert von 1,5 Milliarden US-Dollar zu einem kleinen Abschlag zurück. Dabei handelte es sich um eine mit Fälligkeit im Jahr 2028 und einem hohen Umwandlungskurs in die Stammaktie. Von genau dieser Wandelanleihe sind noch 1,5 Milliarden US-Dollar ausstehend, also in etwa so viel, wie der neue Liquiditätspuffer groß ist.

Im Fokus der Maßnahmen steht die Vorzugsaktie STRC, wie Le auch in seinem Post unterstrich. Denn mehr Cash auf der Bilanz und potenziell weniger Schulden, die in der Kapitalstruktur darüber stehen, sollten den Haltern mehr Zuversicht geben, dass die Dividenden auch bezahlt werden.

STRC zahlt aktuell eine Dividendenrendite in Höhe von 12 % – vom Nennwert ausgehend. Mit Anpassungen der Dividende oder Rückkäufen soll der Kurs bei 100 US-Dollar stabilisiert werden.

Erst ab dieser Kursmarke gibt Strategy neue STRC-Aktien am Markt aus, um mit den Erlösen Bitcoin zu kaufen. Zeitweise gelang dies wöchentlich für mehr als 1 Milliarde US-Dollar.

STRC beendete die vergangene Woche trotz des stark gestiegenen Bitcoin-Kurses nur bei 96,18 US-Dollar, was offenbar weitere Maßnahmen zur Stärkung nötig macht. In Reaktion auf die verbesserte Liquidität auf der Bilanz legte STRC zum heutigen US-Börsenstart nur verhalten zu.

Die Kehrseite des US-Dollar-Hortens

Die aktuelle Priorität von Strategy ist ganz klar, STRC wieder auf 100 US-Dollar steigen zu lassen. Dafür wurden seit Mitte Mai dieses Jahres, nachdem die Cash-Reserve für die Schuldentilgung angezapft wurde, insgesamt über 5,8 Milliarden US-Dollar auf die Seite gelegt – ausschließlich finanziert durch die Ausgabe von Stammaktien. Hinzu kamen STRC-Rückkäufe für insgesamt fast 500 Millionen US-Dollar.

Damit konnte Strategy eindrucksvoll beweisen, selbst in einem Bitcoin-Bärenmarkt Unmengen an Eigenkapital aufnehmen zu können.

Das Problem daran ist aber, dass dies auf Kosten der Aktionäre geschah. Die „BTC Yield“, die die relative Änderung der Ratio „BTC je Aktie“ quantifiziert, lag im Mai auf Jahressicht gemessen noch bei +13,3 %. Aktuell beträgt der seit Jahresauftakt erzielte Wert nur noch –3,3 %. Mit anderen Worten: Die MSTR-Halter wurden auf BTC-Basis erheblich verwässert, um STRC zu stabilisieren.

Das alles geschah, obwohl CEO Phong Le immer betonte, dass die „BTC Yield“ der primäre „Key Performance Indicator (KPI)“ sei. Überdies erklärte Michael Saylor, nachdem Strategy in der Stresswoche Ende Juni, als STRC auf 71,25 US-Dollar fiel, für insgesamt 1,15 Milliarden US-Dollar Stammaktien verkauft hatte, dass künftig „diszipliniert“ bei der MSTR-Ausgabe bei niedrigem mNAV vorgegangen werde.

Strategy geht davon aus, bei der Ausgabe von MSTR weiterhin diszipliniert vorzugehen, insbesondere wenn die Aktie zu einem oder nahe eines mNAV von 1 x gehandelt wird.
Michael Saylor, Strategy-Gründer

Seither wurden für über 4 Milliarden US-Dollar weitere MSTR-Aktien bei einem mNAV nahe 1 × ausgegeben, um den Cash-Puffer zu vergrößern.

Inzwischen könnte aber der Punkt erreicht sein, dass Strategy nach eigenem Ermessen genügend Cash vorhält. 3 Jahre an Zahlungsverpflichtungen durch die Dividendenreserve abzudecken sowie weitere 1,585 Milliarden US-Dollar auf der Seite zu haben, erscheint genug zu sein. Insgesamt reicht das Cash auf der Bilanz jetzt für 3,9 Jahre an Zahlungsverpflichtungen.

Für Bitcoin ist es ohnehin wünschenswert, wenn Strategy möglichst solide aufgestellt ist, sodass Zwangsverkäufe der 840.447 BTC höchst unwahrscheinlich werden.

Mit quasi nicht mehr vorhandenen Nettoschulden ist ein Kollaps nahezu unmöglich geworden. Die aufs Jahr gerechnet rund 1,7 Milliarden US-Dollar an anfallenden Dividenden der Vorzugsaktien könnten notfalls nämlich ausgesetzt werden, während das so eingesammelte Geld nie zurückgezahlt werden muss.

Ob es Strategy mit diesen Maßnahmen gelingt, STRC auf 100 US-Dollar steigen zu lassen und somit wieder im großen Stil Bitcoin zu kaufen, muss die Zukunft zeigen. 

Bei der „Bitcoin Treasury Company“ Strive, die mit SATA ein STRC-Äquivalent herausgebracht hat, ist es schon wieder so weit. SATA stieg vergangene Woche auf 100 US-Dollar und ermöglichte dem Unternehmen unter anderem dadurch, weitere 1.110 BTC zu kaufen

Grundsätzlich zeigt sich, dass die Marktbedingungen für Unternehmen wie Strategy in euphorischen Bitcoin-Phasen am besten sind. Dies führte dazu, dass die meisten Coins zu hohen Kursen gekauft wurden, während in diesem Bärenmarkt sogar ein paar BTC vom größten Halter wieder abgestoßen wurden.

Bei einem Bitcoin-Kurs von circa 79.000 US-Dollar ist Strategy mit der gesamten Investition wieder im Plus. Auch wenn der durchschnittliche Einstiegskurs von 75.385 US-Dollar für das Geschäftsmodell eine nachgelagerte Rolle spielt, ist es für die Außenwahrnehmung offenbar eher schädlich, dass das Unternehmen einen prozyklischen Ansatz verfolgt.

Das war in diesem Fall aber auch zumindest teilweise selbst verschuldet, da Strategy offenbar zu aggressiv aufgestellt war, sodass in den Tiefen des Bärenmarktes schließlich US-Dollar anstelle von BTC gehortet werden mussten, um das Geschäftsmodell zu stabilisieren. Ob mit der zusätzlichen Cash-Reserve künftig möglicherweise auch mal im Dip gekauft werden kann, muss die Zukunft zeigen.

Seit Jahresauftakt hat Strategy trotz alledem unter dem Strich 167.947 BTC netto hinzugekauft.

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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