Strategy möchte das wertvollste Unternehmen werden
Strategy hat gestern die Zahlen für das zweite Quartal vorgestellt. Im Fokus stand dabei der Ansatz, mit dem es Michael Saylor gelingen will, das nach Marktkapitalisierung wertvollste Unternehmen der Welt zu schaffen: Der börsennotierte Bitcoin-Halter möchte das meiste Kapital besitzen und die Vorzugsaktie STRC wieder auf die 100-US-Dollar-Zielmarke bringen.
Von Tristan
8,3 Milliarden US-Dollar Verlust durch Bitcoin
Das tatsächliche Quartalsergebnis von Strategy ist seit dem All-In-Bitcoin-Ansatz in den Hintergrund gerückt. Marktteilnehmer können nämlich in Echtzeit verfolgen, wie viel die Bitcoin-Reserve des Unternehmens an Wert zulegt oder verliert.
Dennoch muss alle drei Monate Bilanz gezogen werden. Und seit Strategy die Coins zum fairen Wert ausweist, bestimmt die Bitcoin-Kursentwicklung in dem jeweiligen Zeitraum quasi die gesamten Earnings. Das Softwaregeschäft fällt nämlich kaum noch ins Gewicht.
Für das zweite Quartal, in dem der Bitcoin-Kurs um etwas mehr als 14 % gefallen ist, meldete Strategy demnach einen Verlust in Höhe von 8,3 Milliarden US-Dollar. Das sorgte aufgrund der Vorhersehbarkeit letztlich aber nicht für Überraschungen, da sich diese Zahl jeder hätte selbst ausrechnen können.
In dem 8-K-Filing vom 6. Juli erklärte das Unternehmen überdies bereits, dass der fallende Bitcoin-Kurs im zweiten Quartal zu 8,31 Milliarden US-Dollar an unrealisierten Verlusten geführt hat. Da Strategy in der Zeit sogar ein paar BTC verkaufte, gab es auch einen realisierten Verlust in Höhe von 0,9 Millionen US-Dollar.
Fortschritte bei der Bitcoin-Strategie
Auch wenn das Quartalsergebnis auf US-Dollar-Basis alles andere als rosig war, konnte die Bitcoin-Strategie weiter ausgebaut werden.
Strategy kaufte im zweiten Quartal nämlich 83.901 BTC hinzu, womit der Bestand um 11 % auf 846.000 BTC anstieg.
Gleichzeitig wurden die Schulden reduziert sowie die US-Dollar-Reserve vergrößert.
Auch bei der für die MSTR-Halter so wichtigen „BTC Yield“, die den Zuwachs der Ratio „BTC je Aktie“ quantifiziert, gab es ein Plus von 5 % im zweiten Quartal.
Für das bereits angebrochene Quartal sehen die Zahlen Stand jetzt jedoch etwas kritischer aus.
Strategy verkaufte nämlich nach dem 1. Juli weitere 2.225 BTC, womit der Bestand auf Quartalssicht momentan rückläufig ist.
Außerdem wurden einige weitere MSTR-Aktien emittiert, ohne Bitcoin zu kaufen, was seither zu einem Rückgang bei der „BTC Yield“ um 3,7 % führte.
Das so eingesammelte Geld floss jedoch in die Cash-Reserve, die inzwischen 3,75 Milliarden US-Dollar schwer ist.
Updates zur Kapitalmarktstrategie
Das, was Strategys Quartalspräsentationen immer spannend macht, ist der Ausblick für die weitere Kapitalmarktstrategie.
So wurde im Rahmen der Zahlen für Q3 2024 beispielsweise der bekannte „21/21-Plan“ vorgestellt.
Bei der Präsentation im Mai dieses Jahres hingegen bereitete das Unternehmen den Markt für die dann auch tatsächlich erfolgten Bitcoin-Verkäufe vor.
Der gestrige „Earnings Call“, der mit der Fragerunde insgesamt rund 2,5 Stunden lang war, lieferte jedoch keine sonderlichen Neuigkeiten.
Es wurde auch kein Ausblick für die „BTC Yield“ gegeben, sondern lediglich das bekannte Ziel untermauert, alle 7 Jahre den Bitcoin-Bestand pro Aktie zu verdoppeln.
Das soll in erster Linie gelingen, indem neue Vorzugsaktien in Höhe von 10 bis 20 % der Bitcoin-Reserve jährlich emittiert werden.
Der Plan für STRC
Der Fokus der Präsentation lag auf dem Flaggschiffprodukt STRC. Die Vorzugsaktie, die eigentlich nahe der 100-US-Dollar-Marke handeln soll, fiel Ende Juni im Tief auf 71,25 US-Dollar.
Das Management unterstrich gestern vehement das Ziel, STRC wieder auf das gewünschte Niveau steigen zu lassen.
Seit STRC Mitte Mai zuletzt bei 100 US-Dollar notierte, wurden dafür auch mehrere Maßnahmen ergriffen:
- die Cash-Reserve wurde von 871 Millionen auf 3,75 Milliarden US-Dollar vergrößert
- die Dividende wurde von 11,5 auf 12 % angehoben
- es wurde ein Rückkaufprogramm eingerichtet, im Rahmen dessen schon mit 25 Millionen US-Dollar STRC gekauft wurde
Trotz alledem beendete STRC den gestrigen Handelstag unter 90 US-Dollar.
In der Quartalspräsentation wurde letztlich – so wie in der Pressemitteilung von Montag – erklärt, dass die Dividendenrendite erst einmal bei 12 % bleiben soll.
Vielmehr sollen von hier aus Rückkäufe sowie die Cash-Reserve, die aktuell 2,1 Jahre an Zahlungsverpflichtungen entspricht, den Kurs stützen.
Im Zuge dessen wurde unterstrichen, dass Strategy die nötigen Mittel hätte, um den Kurs auf 100 US-Dollar zu treiben, man aber nicht hektisch vorgehen wolle.
Überdies zeigte sich Michael Saylor zuversichtlich, dass STRC früher oder später wieder bei dem Zielniveau notieren werde.
Wir befinden uns derzeit in einem Prozess, in dem wir herausfinden wollen, wie viel Kapital wir unsererseits einsetzen müssen, um STRC wieder auf den Nennwert zu bringen. Wir sind uns sicher, dass wir STRC wieder auf den Nennwert bringen werden. […] Die große Frage ist, wie umfangreich die Rückkäufe ausfallen werden, wie schnell sie durchgeführt werden und wie genau die Ausführungsstrategie für die Rückkäufe am offenen Markt aussehen wird. Wir justieren unser Vorgehen von Tag zu Tag und manchmal sogar mehrmals täglich, während wir aus den Reaktionen des Marktes lernen.
Michael Saylor
Saylor verwies außerdem darauf, dass STRC schon einmal eine lange Zeit unter dem Nennwert handelte – und zwar direkt nach dem IPO im Sommer 2025.
Damals dauerte es 70 Handelstage, bis die Vorzugsaktie auf 100 US-Dollar steigen konnte.
Seitdem STRC die Handelsspanne von 99 bis 100 US-Dollar am 28. Mai verlassen hat, ist weitaus weniger Zeit vergangen – auch wenn dieses Mal der Abstand zum Zielniveau deutlich größer war.
Laut Saylor werde das Management genau beobachten, ob es jetzt gelingen kann, STRC innerhalb dieser 70 Handelstage wieder zu stabilisieren.
Problematisch ist und bleibt aber, dass STRC als eine stabile Alternative zu Geldmarktfonds beworben wurde – und diese Erwartungen nicht erfüllt hat.
Eine positive Entwicklung, die aber hinsichtlich des Produkts berichtet werden konnte, ist, dass das Wertpapier jetzt in den 3 größten Vorzugsaktien-ETFs die höchste Gewichtung ausmacht.
Strategy-CEO Phong Le teilte in einem Post von Freitag vergangener Woche bereits mit, dass institutionelle Investoren im Rahmen der Korrektur nachgelegt hätten und der von Kleinanlegern gehaltene Anteil entsprechend von 79 auf 71 % zurückgelaufen sei.
Äußerungen zu möglichen Bitcoin-Verkäufen
Im zweiten Quartal verkaufte Strategy zum ersten Mal seit Dezember 2022 tatsächlich ein paar Bitcoin.
Zunächst gab es den symbolischen Verkauf von 32 Bitcoin, der am 1. Juni offengelegt wurde.
Zum nächsten Monatswechsel veräußerte Strategy 3.588 BTC für 216 Millionen US-Dollar, um die Dividenden der Vorzugsaktien zu finanzieren.
Strategy-CEO Phong Le bediente sich der gewonnenen Erfahrungswerte, um zu zeigen, dass Verkäufe keinen wirklichen Einfluss auf den Markt haben.
Le rechnete außerdem vor, dass, wenn Strategy alle Dividenden künftig durch Bitcoin-Verkäufe finanzieren würde, dies bei aktuellen Daten lediglich 0,02 % des Handelsvolumens ausmachen würde.
Das übergeordnete Ziel sei letztlich immer noch, Nettokäufer zu bleiben. Seit Jahresauftakt kaufte Strategy unter dem Strich 171.275 BTC hinzu.
Selbiges gilt für die Vorzugsaktien. Obwohl Strategy STRC-Aktien unter gewissen Umständen auch zurückkaufen möchte, soll netto betrachtet ein Vielfaches dessen emittiert werden.
Das größte Unternehmen der Welt
Die Bitcoin-Verkäufe sowie die Rückkäufe von STRC sollen die Kapitalstruktur stabilisieren, um langfristig eine immer größere Bilanz aufzubauen.
Strategy ist mit 843.775 BTC bereits der mit Abstand größte institutionelle Halter des Assets.
Tatsächlich nahm das Unternehmen in diesem Jahr bereits 17 Milliarden US-Dollar über die Kapitalmärkte ein, während es in den gesamten Jahren 2024 und 2025 trotz besserer Marktbedingungen nur 22,6 respektive 25,3 Milliarden US-Dollar waren.
Das heißt: Sollte es in den letzten Monaten des Jahres 2026 ähnlich weitergehen, könnte es das in dieser Hinsicht erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte werden – auch wenn die Konditionen der Kapitalaufnahme natürlich eine Rolle spielen sollten.
Michael Saylor sprach zudem explizit an, dass Strategy das ambitionierte Ziel habe, das nach Marktkapitalisierung größte Unternehmen der Welt zu werden.
Dafür möchte Strategy das meiste Kapital in Form von Bitcoin besitzen. Das Management rechnet bei dem Asset mit einer annualisierten Wachstumsrate von 30 %.
Die Bitcoin sollen dann die Grundlage für die Emission weiterer STRC-Aktien als das „stärkste Kreditinstrument“ darstellen, wovon die MSTR-Halter in Form einer höheren „BTC Yield“ profitieren sollen.
Wir wollen das größte Unternehmen der Welt werden. Das ist unser Anspruch. Aber das größte in welcher Hinsicht? Nicht gemessen an der Zahl der Beschäftigten oder der Produkte. Wir wollen gemessen an der Marktkapitalisierung das größte Unternehmen sein – also das wertvollste Unternehmen der Welt.
Wie wollen wir dieses Ziel erreichen? Der Plan ist sehr einfach: Wir wollen das meiste Kapital besitzen. Bitcoin ist Kapital, und wir werden davon am meisten besitzen.
Der zweite Teil unserer Strategie besteht darin, nach dem Aufbau des größten Kapitalbestands die stärksten Kreditinstrumente auszugeben. Wenn wir mit Bitcoin das beste Kapital der Welt und den leistungsstärksten Kapitalwert besitzen, sollten wir in der Lage sein, mit STRC das stärkste Kreditinstrument zu schaffen.
Wir gehen davon aus, dass wir für jeden US-Dollar an Kapital jährlich Kreditinstrumente im Wert von 10 bis 20 Cent verkaufen können. Je mehr Kapital wir besitzen, desto mehr Kredit können wir ausgeben. Mehr Kredit bedeutet mehr Liquidität, mehr Stabilität, eine stärkere Marke, eine geringere Volatilität und so weiter.Indem wir die stärksten Kreditinstrumente ausgeben, glauben wir, zugleich das beste Eigenkapital schaffen zu können: MSTR. Daraus entsteht ein positiver Kreislauf: Kapital erwerben, Kredit ausgeben, Eigenkapital schaffen – und das Ganze immer wieder von vorne.
Genau das haben wir bereits getan. Vor 6 Jahren lag unser Unternehmenswert bei 600 Millionen US-Dollar. Heute liegt er bei 60 Milliarden US-Dollar. Er hat sich also verhundertfacht. Und wir glauben, dass wir gerade erst anfangen.
Michael Saylor
Eine steigende Marktkapitalisierung bedeutet letztlich aber nicht zwingend, dass auch die MSTR-Halter profitieren.
Denn wenn sich beispielsweise die Marktkapitalisierung verdoppelt, während die Anzahl ausstehender Aktien um den Faktor 3 steigt, dann haben die Aktionäre Geld verloren.
Ob die MSTR-Aktie langfristig gut performen kann, wird insbesondere von der Bitcoin-Kursentwicklung abhängen.
Saylor rechnete vor, dass bei einer BTC-Performance von mehr als 10,8 % pro Jahr MSTR stärker als Bitcoin steigen sollte.
Die 10,8 % sind die durchschnittlich gewichteten „Kreditkosten“ von Strategy.
Diese können mit der Zeit auch sinken, sofern sich der Markt bei STRC beispielsweise mit einer niedrigeren Dividendenrendite zufrieden gibt.
Bärenmarkt als Testphase für das neue Geschäftsmodell
Der aktuelle Bitcoin-Bärenmarkt ist ein waschechter Stresstest für Strategy. Sowohl die Stammaktie als auch die Kurse der Vorzugsaktien sind deutlich eingebrochen.
Und obwohl Strategy Stand Mai mehr Bitcoin kaufen konnte als in den Rekordjahren 2024 und 2025 zum gleichen Zeitpunkt des Jahres, ist die Kaufmaschine seither ins Stocken geraten.
Ob Strategy wieder ein Nettokäufer werden kann, wird in erster Linie davon abhängen, wie die Stammaktie in Relation zur Netto-Bitcoin-Reserve handelt und ob sich STRC erholen kann.
In der vergangenen Woche änderte Strategy die mNAV-Definition, sodass es jetzt wieder zuträglich sein soll, MSTR bei einem mNAV von über 1 x zu emittieren, um Bitcoin zu kaufen.
Bei der Quartalspräsentation Anfang Mai, als es noch die alte Definition gab, lag die damals nicht fixe Schwelle bei 1,22 x.
Da diese Bewertungskennzahl laut der Strategy-Website aktuell bei 1,05 x liegt, ist jetzt möglicherweise wieder mit Bitcoin-Käufen zu rechnen.
Das Geschäftsmodell ist über die Jahre deutlich komplizierter geworden – nicht zuletzt, weil jetzt auch Aktienrückkäufe sowie Bitcoin-Verkäufe zum Repertoire gehören.
Saylor erklärte dennoch, dass das Geschäftsmodell so simpel wie möglich bleiben soll und keine Optionen auf der Basis der BTC verkauft oder BTC-besicherte Kredite aufgenommen werden sollen.
Vielmehr sei es das Ziel, die Schulden gänzlich von der Bilanz zu tilgen und sich vollumfänglich auf die Kapitalaufnahme durch STRC zu konzentrieren.
Mit einer Schuldenquote von lediglich 6 % ist es derweil nicht allzu wahrscheinlich, dass Strategy kollabieren wird – solange der Bitcoin-Kurs nicht in den 4-stelligen Bereich zurückfallen sollte.
Erst bei einem Bitcoin-Kurseinbruch um 95 % vom aktuellen Niveau aus würden die Schulden die Assets übersteigen, was im Bärenmarkt 2022 sogar kurzzeitig der Fall war.
Die BTC-Reserve reicht derweil zu aktuellen Kursen aus, um circa 30 Jahre lang die Dividenden zu bezahlen, während die Cash-Reserve zusätzliche 2,1 Jahre abdeckt. Die Schulden werden hierbei nicht berücksichtigt.
Zukünftig möchte Strategy, so Phong Le im „Earnings Call“, immer eine Cash-Reserve vorhalten, die 2 bis 3 Jahre an Zahlungsverpflichtungen entspricht.
Das Risiko für Bitcoin, dass Strategy zum Verkauf aller Coins gezwungen wird, ist niedriger, je bedachter und konservativer das Unternehmen vorgeht.
Der Bitwise-CIO Matt Hougan, der gestern als Analyst an der Fragerunde teilnahm, glaubt, dass der Einfluss von Strategy auf Bitcoin in Zukunft weiter zurücklaufen wird.
Sollte der Plan von Saylor, Strategy zum größten Unternehmen der Welt zu machen, aber aufgehen, so würde dies womöglich mit einigen weiteren Käufen in Milliardenhöhe oder mehr einhergehen.
Die Marktkapitalisierung müsste sich für dieses durchaus ambitionierte Ziel letztlich Ver-140-Fachen, während die Giganten wie Apple, Microsoft oder Nvidia stagnieren.