Strategy kauft 196 Bitcoin und die „BTC Yield“ sinkt
Strategy, die erste und größte „Bitcoin Treasury Company“, hat sich zum Ziel gesetzt, immer mehr Bitcoin zu akquirieren und dabei Aktionärswert zu schaffen. Der „Key Performance Indicator (KPI)“ des Unternehmens ist die sogenannte „BTC Yield“. Diese quantifiziert den prozentualen Zuwachs an Bitcoin pro Aktie.
Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Strategy eine „BTC Yield“ von 74,3 % und seit Jahresauftakt liegt dieser KPI bei 25,9 %. Normalerweise sorgt jede Kapitalmarktaktivität des Unternehmens dafür, dass diese Zahl weiter steigt. Doch in der vergangenen Woche ist die „BTC Yield“ gesunken.
Weniger Bitcoin pro Aktie
In der vergangenen Woche kaufte Strategy 196 Bitcoin für 22,1 Millionen US-Dollar. Ein Blick in das dazugehörige SEC-Filing zeigt jedoch, dass sich das Unternehmen insgesamt 128,1 Millionen US-Dollar über die Kapitalmärkte beschaffte:
- 11,3 Millionen US-Dollar durch die Ausgabe der Vorzugsaktie STRF
- 0,4 Millionen US-Dollar durch die Ausgabe der Vorzugsaktie STRD
- 116,4 Millionen US-Dollar durch die Ausgabe der Stammaktie MSTR
Strategy nutzte also nur einen Teil des eingesammelten Kapitals, um damit den Bitcoin-Bestand zu erhöhen – auf mittlerweile unglaubliche 640.031 BTC im Gegenwert von mehr als 73 Milliarden US-Dollar.
Der Rest des Geldes – mehr als 100 Millionen US-Dollar – fließt allem Anschein nach in die Dividendenzahlungen der Vorzugsaktien, die zum Quartalswechsel anfallen.
Mehr als 600 Millionen US-Dollar muss Strategy, Stand jetzt, aufs Jahr gerechnet an Dividenden bezahlen – im Fall von STRK, STRF und STRD quartalsweise und bei STRC monatlich.
Da Strategy in der vergangenen Woche also neue Aktien emittiert hat, um mit dem Großteil dieser Erlöse den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, wirkt sich dies negativ auf die Ratio „BTC je Aktie“ beziehungsweise die „BTC Yield“ aus.
Nach dem Bitcoin-Kauf der vorherigen Woche lag die „BTC Yield“ für dieses Jahr bei 26 %. Der Wert sank infolge der vergangenen Woche auf 25,9 %.
Damit war es die erste Woche, seit Strategy die „BTC Yield“ ausweist, in der die gemeldeten Kapitalmarktaktivitäten zu einem Rückgang dieses KPIs geführt haben.
Dieser Umstand wurde insbesondere dadurch deutlich, dass Strategy in der Verkündung des Bitcoin-Kaufs ausnahmsweise mal nicht die „BTC Yield“ des Jahres auswies.
Der Anfang vom Ende?
Der primäre Grund, wieso Anleger die MSTR-Aktie kaufen, ist, dass sie auf eine Outperformance gegenüber Bitcoin hoffen. Dies soll dadurch möglich sein, dass eine Aktie mit der Zeit immer mehr BTC repräsentiert.
In den vergangenen Jahren ist das genauso aufgegangen, wie die beeindruckende „BTC Yield“ des vergangenen Jahres und seit Jahresauftakt zeigen. Und trotz der eher schwachen Performance in den vergangenen Monaten konnte MSTR auf 1-Jahres-Sicht noch mehr zulegen als BTC.
Eine sinkende „BTC Yield“ ist letztlich aber genau das Gegenteil von dem, was die Aktienhalter erwarten. Demnach gilt es, diesen KPI als Anteilseigner genau im Blick zu behalten.
Die Bewertung des Unternehmens in Relation zu dem Nettowert der gehaltenen Bitcoin – das sogenannte „mNAV“ – ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgelaufen. Dies führt dazu, dass es Strategy inzwischen schwerer hat, Bitcoin durch die Emission von Stammaktien zu kaufen und dadurch die Ratio „BTC Yield“ deutlich zu erhöhen.
Als Strategy zum Ende des zweiten Quartals die Dividenden der Vorzugsaktien bezahlen musste, konnte das Unternehmen mit der gesamten Kapitalmarktaktivität noch die „BTC Yield“ steigern – obwohl die Ausgabe von Aktien für Dividendenzahlungen isoliert betrachtet immer negativ für die „BTC Yield“ ist.
Dies gelang dadurch, dass das Unternehmen genug Stammaktien zu einem höheren mNAV ausgeben konnte, um den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, aber gleichzeitig auch um einige Bitcoin zu kaufen, womit die negativen Auswirkungen der Dividendenzahlungen ausgeglichen werden konnten. Dies war unter den schlechteren Umständen jetzt anscheinend nicht mehr möglich.
Dennoch: Bei den Vorzugsaktien gilt es zu bedenken, dass diese sich direkt bei der Ausgabe positiv auf die „BTC Yield“ auswirken. Jeder durch die Emission der festverzinslichen Wertpapiere gekaufte BTC ist erst einmal ohne eine Verwässerung hinzugekommen. Die Kosten für die Aktionäre entstehen dann aber eben nachgelagert, wenn die Dividenden anfallen.
Letztlich steht und fällt das Geschäftsmodell von Strategy mit der Bewertung der Aktie. Die Ausgabe von Stammaktien ist und bleibt die primäre Kapitalbeschaffungsmethode – sowohl für Bitcoin-Käufe als auch für die Zahlungen der Verbindlichkeiten.
Unter einem mNAV von 1 sind durch die Aktienausgabe finanzierte Bitcoin-Käufe nicht mehr positiv für die „BTC Yield“. Und je niedriger das mNAV, desto mehr leiden die Aktienhalter, wenn neue Aktien für Dividenden „gedruckt“ werden müssen.
Strategy könnte zwar auch neue Vorzugsaktien ausgeben, um die Dividenden der bereits emittierten Vorzugsaktien zu bezahlen. Jedoch dürfte die Aufnahme von Fremdkapital für die Zahlung der Kosten, die durch dieses anfallen, kein allzu gutes Bild auf das Geschäftsmodell werfen. Und je mehr Vorzugsaktien emittiert werden, desto höher ist die nachgelagerte Belastung durch die Dividenden.
Sollte Strategy eines Tages große Probleme haben, überhaupt noch Geld zu einigermaßen guten Konditionen einzusammeln, um damit den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, könnte es tatsächlich so weit kommen, dass das Unternehmen dazu gezwungen wird, Bitcoin zu verkaufen. Von dieser prekären Situation ist Strategy jedoch trotz der aktuellen Schwäche noch meilenweit entfernt.