Nachdem Strategy vergangene Woche bekannt gegeben hatte, 32 Bitcoin verkauft zu haben, wurde jetzt mehr als die 48-fache Menge zurückgekauft und zeitgleich die Cash-Reserve vergrößert. Kann die Saylor-Gefahr vom Markt jetzt entsprechend wieder ausgepreist werden?

Panik nach erster Woche mit rückläufiger BTC-Reserve

Am Montag vergangener Woche legte Strategy, der größte BTC-Firmenhalter, zum ersten Mal seit Ende 2022 einen Bitcoin-Verkauf offen. Das von Michael Saylor gegründete Unternehmen veräußerte 32 Bitcoin für 2,5 Millionen US-Dollar. Die Erlöse sollten in die monatlich anfallende Dividende der Vorzugsaktie STRC fließen.

Obwohl Strategy gleichzeitig weit mehr als die benötigten rund 100 Millionen US-Dollar allein durch die Emission von MSTR-Stammaktien einnahm und der gesamte BTC-Bestand lediglich aufgerundet um 0,004 % reduziert wurde, setzte dies offenbar einen großen Abverkauf in Gang.

Nicht nur der Bitcoin-Kurs, sondern auch die MSTR-Aktie und das Flaggschiffprodukt STRC gaben im Wochenverlauf deutlich nach. Ein zentraler Grund dafür war wohl, dass vom Markt zunehmend eingepreist wurde, dass auch noch die restlichen 843.706 BTC abgestoßen werden könnten, damit Strategy zahlungsfähig bleibt.

Doch als das Management in der Präsentation zu den Zahlen für das erste Quartal 2026 erklärte, dass vor Verkäufen nicht mehr zurückgeschreckt werde, wurde klargestellt, dass Strategy weiterhin ein Nettokäufer bleiben soll.

Auch wenn das in der vorletzten Woche, nach der erstmals in der Unternehmensgeschichte ein niedrigerer BTC-Bestand ausgewiesen wurde, nicht funktionierte, konnte Strategy den Zweiflern jetzt wieder beweisen, dass an diesem Plan festgehalten werden kann.

Immer noch solide genug aufgestellt

Dass Strategy noch lange nicht die Mittel ausgehen, wurde selbst in der vergangenen Woche deutlich. So wurde mit dem übrigen Geld, das nicht für die STRC-Dividenden verwendet wurde, die Cash-Reserve, die ursprünglich mindestens zwei Jahre an Zahlungsverpflichtungen abdecken sollte, von 871 auf 900 Millionen US-Dollar vergrößert.

Außerdem lag das mNAV, das die Aktienbewertung in Relation zur Bitcoin-Bilanz quantifiziert, zeitweise bei 1,25 x, wie die Strategy-Website zeigte. Die zuletzt kommunizierte Schwelle, ab der Stammaktien für Bitcoin-Käufe ausgegeben werden können, beträgt 1,22 x.

Das bedeutet, dass es in der vergangenen Woche zumindest teilweise wohl positiv für die Ratio „BTC je Aktie“ gewesen wäre, neue MSTR-Aktien zu emittieren, um mit den Erlösen Bitcoin zu kaufen.

Am gestrigen Sonntag setzte Michael Saylor schließlich den obligatorischen Post zum Saylor-Tracker-Chart mit den Kaufmarkierungen ab und schrieb dazu, dass es eine gute Zeit sei, um weitere Punkte hinzuzufügen.

Ein guter Zeitpunkt, um weitere Punkte hinzuzufügen.
Michael Saylor

Den Chart postete Saylor zwar auch am vorherigen Sonntag. Doch da schrieb er nur „Working ₿etter“ dazu, was weniger auf einen Kauf schließen ließ.

Strategy-CEO Phong Le zitierte Saylors Post am gestrigen Sonntag sogar und fügte die folgenden Worte hinzu, die umso mehr einen Kauf signalisierten:

Unsere Unternehmensstrategie sieht vor, den Netto-Bitcoin-Bestand und den Bitcoin-Bestand pro Aktie im Laufe der Zeit zu erhöhen. Gerüchte, die etwas anderes behaupten, sind nichts weiter als Gerüchte.
Phong Le

Mit den Gerüchten meinte Le wohl die vermeintlichen Hinweise darauf, dass Strategy vergangene Woche 45.000 BTC verkauft hätte.

Denn aus den Adressen des Dienstleisters Fidelity, den auch Strategy zur Verwahrung nutzt, sollen zwischen dem 28. Mai und 1. Juni insgesamt 46.000 BTC abgeflossen sein, von denen nur 1.000 BTC auf Abflüsse des Spot-ETFs von Fidelity zurückzuführen seien. 

On-Chain-Experten stellten jedoch schnell klar, dass es sich lediglich um interne Transfers gehandelt habe.

Anstelle der üblichen Ankündigung eines Bitcoin-Kaufs durch MSTR am Montagmorgen könnten wir morgen erfahren, dass das Unternehmen 45.000 BTC verkauft hat.
Bitcoin News

Ich habe Hinweise gefunden, die suggerieren, dass MSTR letzte Woche eine große Menge an BTC verkauft hat. […] Vom 28. Mai bis zum 1. Juni sank die Menge der verwahrten BTC [von Fidelity] um 46.000, während der ETF in diesen Tagen Abflüsse in Höhe von 1.000 BTC verzeichnete. Somit wurden zusätzlich 45.000 BTC abgezogen. Würden diese BTC über die fünf Arbeitstage dieser Woche verkauft, läge der Durchschnittspreis bei etwa 66.000 US-Dollar, was einem realisierten Barerlös von insgesamt rund 3 Milliarden US-Dollar entspräche, zuzüglich der verbleibenden 900 Millionen US-Dollar von MSTR, wodurch sich der STRC-Dividendendeckungszeitraum genau auf volle zwei Jahre verlängern würde.
Real Taki

Nein, das waren interne Transfers.
Hört auf, auf diese Idioten zu hören.
Sani von TimechainIndex.com

Strategy kauft mehr als das 48-Fache wieder zurück

Mit dem heute gegen 14 Uhr deutscher Zeit eingereichten 8-K-Filing wurde schließlich Licht ins Dunkle gebracht:

Strategy gab bekannt, in der vergangenen Woche 1.550 Bitcoin für 101,3 Millionen US-Dollar gekauft zu haben – zu einem durchschnittlichen Kaufpreis von 65.332 US-Dollar je BTC.

Die Mittel wurden sich, wie zu erwarten war, durch die Ausgabe von MSTR-Stammaktien beschafft. 

Insgesamt nahm das Unternehmen 181 Millionen US-Dollar ein. Die übrigen Mittel flossen in die Cash-Reserve, die jetzt 1 Milliarde US-Dollar schwer ist.

Die restlichen rund 20 Millionen sind laut dem Dokument auf MSTR-Emissionen zurückzuführen, die noch nicht final abgewickelt worden sein.

Da Aktien emittiert wurden, um die Cash-Reserve zu vergrößern, ist die „BTC Yield“ seit Jahresauftakt von 13,0 auf 12,8 % zurückgelaufen.

Strategy hat in der vergangenen Woche also mehr als 48-mal so viele Bitcoin gekauft, wie in der Woche davor verkauft wurden.

Die Bitcoin-Reserve ist im Zuge dessen auf 845.256 BTC angestiegen, was bedeutet, dass seit Jahresauftakt unter dem Strich 172.756 BTC hinzugekommen sind.

So viele BTC kaufte das Strategy zu diesem Zeitpunkt eines Jahres noch nicht einmal in den Bullenmarktjahren 2024 und 2025, als die Marktbedingungen deutlich besser waren.

Außerdem bewies das Unternehmen so, dass es sogar in einer der schlechtesten Wochen für Bitcoin seit dem FTX-Crash schaffen kann, genug Geld für fast zwei Monate an Dividendenzahlungen einzunehmen.

Grund genug für eine Erholung?

Sollte der Bitcoin-Verkauf von Strategy beziehungsweise die Panik drum herum tatsächlich der Hauptauslöser des Bitcoin-Kursrutsches der vergangenen Woche gewesen sein, so finden sich dementsprechend jetzt gute Argumente für eine Erholung. Denn das Unternehmen konnte mit dem heute verkündeten Kauf nun unterstreichen, dass es wirklich mehr kaufen als verkaufen will und die Mittel nicht ausgehen.

Dennoch: Im Zuge des Kursrutsches haben sich die Marktbedingungen für Strategy erheblich verschlechtert. Die Vorzugsaktie STRC, über die erst ab einem Kurs von 100 US-Dollar neues Kapital eingesammelt werden kann, handelt heute vorbörslich beispielsweise immer noch unter 95 US-Dollar.

Inwieweit es Strategy gelingt, weiterhin Nettokäufer zu bleiben, hängt jetzt in erster Linie von dem MSTR- sowie dem STRC-Kurs ab, die beide wiederum von der Bitcoin-Kursentwicklung beeinflusst werden.

Denn bei einem niedrigen mNAV und STRC unter der Zielmarke, könnte Strategy theoretisch betrachtet erst einmal länger als Käufer ausbleiben – solange nicht die anderen Vorzugsaktien (STRK, STRF und STRD) für BTC-Käufe am Markt ausgegeben werden.

Und sofern in diesem Szenario die Dividenden, die aufs Jahr gerechnet aktuell rund 1,7 Milliarden US-Dollar betragen, dann über BTC-Verkäufe finanziert werden, wäre vorstellbar, dass der BTC-Bestand nachhaltig rückläufig ist.

Die Cash-Reserve könnte zwar in schlechten Marktphasen für Dividendenzahlungen angezapft werden, aber am Markt scheint es unter dem Strich eher negativ angekommen zu sein, dass der Puffer schon für den Rückkauf von Wandelanleihen verwendet wurde und aktuell nur noch sieben Monate an Dividenden abdeckt.

Analysten der Großbank JPMorgan schrieben in einer Research-Note von Freitag vergangener Woche, dass es aus ihrer Sicht jetzt sinnvoll sei, die Cash-Reserve wieder zu vergrößern – allein um Investoren die Angst zu nehmen, dass BTC für Dividenden verkauft werden könnten.

Unserer Ansicht nach könnte eine Aufstockung der US-Dollar-Reserven des Unternehmens erforderlich sein, um das Vertrauen wiederherzustellen und die Bedenken der Anleger auszuräumen, dass das Unternehmen weitere Bitcoin verkaufen könnte, um Dividendenzahlungen zu decken.
JPMorgan-Analysten

Mit dem jetzt erfolgten Ausbau auf 1 Milliarde US-Dollar, der das Ziel unterstreicht, weiterhin einige Monate an Dividendenzahlungen abdecken zu wollen, könnte den Anlegern wieder die nötige Zuversicht gegeben werden.

Ende dieses Monats dürfte es noch einmal spannend werden. Denn dann stehen nicht nur die monatlichen Dividenden von STRC, sondern auch die der anderen Vorzugsaktien an, die quartalsweise ausgeschüttet werden. Bei niedrigem mNAV wäre dann der nächste BTC-Verkauf vorstellbar, doch solange unter dem Strich mehr gekauft, als verkauft werden kann, gibt es wohl wenig Grund zur Sorge.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

Artikel des Autors

Kommentare aus unserem Forum