Das Unternehmen Strategy hat in der vergangenen Woche weitere 13.972 Bitcoin gekauft. Das Geld dafür, rund 1 Milliarde US-Dollar, beschaffte sich der größte BTC-Firmenhalter durch die Ausgabe der Vorzugsaktie STRC. Doch da mit der Emission neuer STRC-Aktien die jährlichen Zahlungsverpflichtungen steigen, reicht die Cash-Reserve von Strategy inzwischen nicht mehr aus, um die Dividenden für 2 Jahre sicherzustellen – obwohl das eigentlich das Ziel ist.

Große Bitcoin-Käufe trotz Bärenmarkt

Die „Bitcoin Treasury Company“ Strategy hat ihre Bitcoin-Reserve seit Jahresauftakt schon um weitere 108.397 BTC vergrößert. Damit gelang es dem Unternehmen, 2026 mehr Bitcoin zu kaufen, als 2024 und 2025 zum gleichen Zeitpunkt des Jahres.

Das ist durchaus bemerkenswert, denn das Marktumfeld ist aufgrund des gefallenen Bitcoin-Kurses eher als schwierig einzuordnen. Normalerweise fällt es Strategy nämlich viel leichter, Kapital aufzunehmen, wenn die Stimmung rund um Bitcoin euphorisch ist.

Doch seit inzwischen etwas mehr als einem Jahr konzentriert sich Strategy zunehmend auf Vorzugsaktien. Das sind Wertpapiere, die den Haltern eine Dividende zahlen und unabhängiger von der Entwicklung des Bitcoin-Kurses sein sollen.

Das Flaggschiffprodukt STRC soll bei der Kursmarke von 100 US-Dollar stabil gehalten werden – was in den vergangenen Wochen außerordentlich gut gelungen ist. Um das zu erreichen, kann Strategy die Dividende anpassen und neue STRC-Aktien ab einem Kurs von 100 US-Dollar direkt am Markt verkaufen.

Mitte März nahm Strategy in einer Woche sogar 1,18 Milliarden US-Dollar durch STRC ein. Die vergangene Woche, in der es 1 Milliarde US-Dollar waren, unterstreicht, dass das Produkt deutlich an Fahrt aufnimmt, und immer relevanter für die Bitcoin-Strategie wird.

Inzwischen sind mehr als 6,35 Milliarden US-Dollar an STRC ausstehend. Bei einer Dividendenrendite von aktuell 11,5 % bedeutet das, dass STRC allein aufs Jahr gerechnet rund 650 Millionen US-Dollar an Zahlungsverpflichtungen verursacht.

Das „Problem“ der Dividenden

Wenn Strategy neue Stammaktien (MSTR) emittiert, um Bitcoin zu kaufen, geht dies mit keinerlei Zahlungsverpflichtungen einher. Eine Kapitalerhöhung stärkt die Bilanz und ist sogar zuträglich für die Investoren, wenn dadurch die Ratio „BTC je Aktie“ beziehungsweise die „BTC Yield“ steigt. Das ist bei einer hohen Unternehmensbewertung der Fall.

Anders sieht es bei Vorzugsaktien aus. Jeder dadurch gekaufte Bitcoin kommt zwar unmittelbar den Aktionären zugute, bringt aber Zahlungsversprechen in Form von Dividenden mit sich. Um diese Dividenden zu bezahlen, emittierte Strategy bislang ausschließlich Stammaktien.

Das heißt: Neu ausgegebene Vorzugsaktien steigern im Hier und Jetzt die „BTC Yield“, drücken diese aber nachgelagert durch die Dividendenzahlungen. So war es beispielsweise vereinzelt auch schon der Fall, dass mit den Kapitalmarktaktivitäten einer Woche die Ratio „BTC je Aktie“ rückläufig war.

Im Zuge der regelrechten Explosion bei der STRC-Neuausgabe kam schließlich verstärkt die Sorge auf, dass Strategy die Aktionäre immer stärker „verwässern“ muss, um die Halter von STRC und Co. zu bezahlen. Manche sprachen auch von einer „Spannungssituation“ zwischen den Haltern der Stamm- und der Vorzugsaktien.

Denn während hohe Dividendenrenditen im Interesse der STRC-Halter sind, leiden die MSTR-Aktionäre, wenn dafür am laufenden Band neue Stammaktien emittiert werden müssen, so die Begründung. Doch wie bereits erwähnt führt die Ausgabe von STRC in einem ersten Schritt ja zu einer deutlich steigenden „BTC Yield“. 

Michael Saylor, Gründer und „Executive Chairman“ von Strategy, sah sich am Wochenende sogar dazu genötigt, diese Sorgen zu adressieren. In einem Post auf der Plattform 𝕏 erklärte er, dass Strategy die Dividenden für immer zahlen könnte, solange Bitcoin um circa 2,05 % pro Jahr steigt – und das ohne neue MSTR-Aktien auszugeben.

Unsere BTC-Breakeven-ARR liegt bei ca. 2,05 %. Wenn Bitcoin im Laufe der Zeit schneller wächst, können wir unsere Dividenden unendlich decken, ohne neue $MSTR-Aktien auszugeben. Verfolgen Sie die Entwicklung in Echtzeit auf unserer Website. $STRC
Michael Saylor

Doch Saylor sprach in dem Post nicht an, wie in diesem Szenario das Geld aufgetrieben werden würde – das wären dann nämlich Bitcoin-Verkäufe. Seine Rechnung fußt darauf, dass die BTC-Bilanz quasi für immer ausreichen würde, um die Zahlungsverpflichtungen „abzudecken“, solange die Rendite bei circa 2 % liegt.

Wegen des geringen Hebels entspricht das zwar der Realität, doch keine MSTR-Aktien auszugeben, ist eindeutig nicht das primäre Szenario. Strategy kommunizierte an anderer Stelle nämlich klipp und klar, dass ab einem mNAV (Marktkapitalisierung geteilt durch den Nettowert der Bitcoin-Bilanz) von 1 x die Dividenden immer durch MSTR gezahlt werden sollen.

Erst wenn das mNAV unter 1 x liegen sollte, würden, so CEO Phong Le in einem vielbeachteten Interview, Bitcoin-Veräußerungen überhaupt infrage kommen – oder auch der Verkauf von Derivaten auf Basis der Bitcoin-Bilanz, wenn dies in einem solchen Szenario dann sinnvoller sein sollte.

Cash-Reserve nicht mehr groß genug

Damit Strategy in einem schlechten Marktumfeld eben nicht dazu „gezwungen“ wird, Bitcoin zu verkaufen, errichtete das Unternehmen im Dezember 2025 eine US-Dollar-Reserve. Diese wurde später auch noch vergrößert, sodass sie jetzt 2,25 Milliarden US-Dollar schwer ist.

Ziel dieser Cash-Reserve ist es, die Zahlungsverpflichtungen für mindestens 2 Jahre sicherzustellen, sodass keine Bitcoin verkauft werden müssen, wenn das mNAV unter 1 x fällt – denn dann wäre es für den „Key Performance Indicator“, also die „BTC Yield“, besser, BTC und nicht MSTR zu verkaufen.

Wir beabsichtigen, die Reserve zu stärken, mit dem Ziel, letztendlich Dividenden für mehr als 24 Monate abzudecken.
Aus der Präsentation zum Aufbau der Cash-Reserve

Das Problem ist jetzt aber, dass die Cash-Reserve zum letzten Mal um den Jahreswechsel herum vergrößert wurde. Damals deckte sie noch weit mehr als 2 Jahre an Dividenden ab. Seither wurden aber viele neue STRC-Aktien emittiert, was den anderen Teil der Gleichung – also die Zahlungsverpflichtungen – in die Höhe getrieben hat.

In der vergangenen Woche war es schon der Fall, dass die Cash-Reserve nur noch für 24,1 Monate an Dividenden ausreichte. Deshalb dachten viele, dass sie in der Woche wieder ausgebaut wird – vor allem auch, weil absehbar war, dass weitere STRC-Aktien ausgegeben werden.

Doch dem heutigen 8-K-Filing von Strategy, mit dem der Kauf von 13.972 Bitcoin für 1 Milliarde US-Dollar durch STRC finanziert bekannt gegeben wurde, ist zu entnehmen, dass keine neuen MSTR-Aktien verkauft wurden. Entsprechend deckt die Cash-Reserve jetzt nur noch 21,8 Monate an Dividendenzahlungen ab, also weniger als 2 Jahre.

Auch wenn das in einer Woche schnell wieder behoben sein könnte, ist es etwas, mit dem Strategy signalisiert, die selbstauferlegten Ziele nicht allzu ernst zu nehmen.

Und tatsächlich ist es auch nicht das erste Mal, dass sich das Unternehmen nicht an die eigenen Vorgaben hält:

Im Juli 2025 stellte Strategy nämlich ein neues mNAV-Framework vor, laut dem neue Aktien erst ab einem mNAV von 2,5 x für Bitcoin-Käufe emittiert werden sollen. 

Wenig später wurde dieses wieder über Bord geworfen – und Strategy hat seither für mehrere Milliarden US-Dollar MSTR-Aktien bei einem mNAV von weit unter 2 x verkauft, um Bitcoin zu kaufen. 

An sich ist das auch überhaupt kein Problem, solange dadurch die „BTC Yield“ steigt. Aber von einem selbstauferlegten Regelwerk ein paar Wochen später wieder abzurücken, kann dazu führen, dass Investoren das Vertrauen verlieren – so auch jetzt bei der Cash-Reserve, die nicht mehr die eigentlich angepeilte Größe hat.

Wichtig ist aber: Bislang hat Strategy die Cash-Reserve noch nicht angezapft.

Die Frage nach den Prioritäten von Strategy

Seit geraumer Zeit setzt das Management in erster Linie darauf, STRC an den Mann zu bringen. Dieser Fokus, der durch konstante Werbung begleitet ist, zeigt, dass STRC inzwischen die Priorität ist. So manch einen MSTR-Halter verärgerte dies, da nicht zuletzt auch die üppigen Dividenden, die absolut betrachtet noch weiter steigen dürften, durch den Verkauf von Stammaktien finanziert werden.

Saylor versuchte mit seinem Post, auf die Sorgen zu reagieren, doch er zeichnete lediglich ein hypothetisches Szenario, weil Strategy nun mal im Optimalfall MSTR bei einer hohen Bewertung ausgeben möchte, um die Dividenden ausschütten zu können – wie mehrfach bereits kommuniziert wurde.

Strategy muss es letztlich hinbekommen, sowohl das Vertrauen der Stammaktionäre als auch das der Halter der Vorzugsaktien aufrechtzuerhalten. Das Thema der Cash-Reserve ist da ein Knackpunkt: Denn diese zu vergrößern führt isoliert betrachtet zu einer Verwässerung der Aktionäre, gibt aber den Haltern von STRC und Co. mehr Sicherheit.

Womöglich wartet Strategy auf noch bessere Marktbedingungen, um die Cash-Reserve wieder auszubauen. Die MSTR-Aktie performte in den vergangenen Tagen nämlich wieder deutlich schlechter als BTC – möglicherweise auch aufgrund der Sorgen vor einer „immer weiter ausufernden Verwässerung“.

Unter dem Strich ist die Cash-Reserve aber auch eine Art Schutz vor Attacken von Short-Sellern, die versuchen könnten, Strategy in einem Bärenmarkt zum Verkauf der Bitcoin zu „zwingen“. Demnach dürfte ein möglichst großer Puffer auch im Interesse der MSTR-Halter sein. Zudem profitieren Aktionäre von einem größeren Vertrauen in STRC und Co. – insbesondere wenn sich das irgendwann auch in niedrigeren Dividendenrenditen widerspiegeln sollte.

Die Vertrauenswürdigkeit würde sicherlich auch davon profitieren, wenn die selbstauferlegten Ziele konsequenter eingehalten werden. Die renommierte Analystin und MSTR-Halterin Lyn Alden betonte heute zum Beispiel auch, dass sie sich wünschen würde, dass die Cash-Reserve wieder vergrößert wird, um die Vorgabe einzuhalten.

Ich würde gerne sehen, dass ihre Cash-Reserve wieder auf ein Niveau von mehr als 2 Jahren an Dividenden steigt.
Lyn Alden

Eine kleine und nur kurze Abweichung dürfte aber schnell verziehen werden. Am heutigen Montag handeln sowohl MSTR als auch die Vorzugsaktien von Strategy stärker. Stand 17 Uhr deutscher Zeit ist MSTR gegenüber dem Bitcoin-Spot-ETF IBIT rund 3 % im Plus. Vom Markt wurde die nicht mehr ausreichende Cash-Reserve bislang also nicht negativ aufgefasst.

Damit, dass Strategy mal wieder in einer Woche einfach so 1 Milliarde US-Dollar aufnehmen konnte, demonstriert das Unternehmen schlussendlich, dass es keine großen Probleme haben dürfte, die jährliche Dividendenlast von aktuell 1,237 Milliarden US-Dollar zu stemmen – auch wenn Strategy bislang noch nie Geld über Vorzugsaktien eingenommen hat, um damit Dividenden zu bezahlen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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