Strategy hat STRC-Aktien zurückgekauft – Bitcoin-Reserve bleibt unverändert
Strategy, der größte börsennotierte Bitcoin-Halter, hat in der vergangenen Woche 288.930 STRC-Aktien zurückgekauft und die Cash-Reserve auf 3,75 Milliarden US-Dollar vergrößert. Es wurden keine Bitcoin gekauft oder verkauft. Gelingt es durch diesen Ansatz, STRC auf die Zielmarke von 100 US-Dollar steigen zu lassen, um wieder als BTC-Käufer aktiv zu sein?
Von Tristan
Die Bitcoin-Strategie wird komplizierter
Mit der Einführung von Vorzugsaktien wie STRC und Co. hat sich der Ansatz von Strategy deutlich verändert. Denn das Ziel ist es, die Wertpapiere attraktiv zu machen und über die Neuausgabe am Markt Geld einzusammeln, um weitere Bitcoin zu kaufen.
Ein Problem daran ist, dass üppige Dividenden anfallen, für die regelmäßig Geld aufgetrieben werden muss. Bei der Präsentation zu den Zahlen für das erste Quartal 2026 bereitete Strategy den Markt schon auf Bitcoin-Verkäufe vor, um die Ausschüttungen zu finanzieren.
Daraufhin verkaufte der größte börsennotierte Bitcoin-Halter bereits ein paar Coins. Hinzu kommt, dass seit Ende 2025 eine Cash-Reserve vorgehalten wird, um den Haltern von STRC und Co. mehr Zuversicht zu geben, dass die Dividenden auch längerfristig ausbezahlt werden können.
Als die Wertpapiere von Strategy Ende Juni dieses Jahres schließlich deutlich unter Druck gerieten, wurde ein neues Framework vorgestellt, im Rahmen dessen der Rückkauf von Vorzugsaktien sowie der Stammaktie MSTR für jeweils 1 Milliarde US-Dollar autorisiert wurde.
Seither ist es umso spannender geworden, welche Maßnahmen das Unternehmen ergreift. Es geht nämlich nicht mehr darum, wie viele Bitcoin gekauft wurden, sondern auch darum, ob gegebenenfalls verkauft wurde, es eine Vergrößerung der Cash-Reserve oder Aktienrückkäufe gab.
Am Sonntag ließ Michael Saylor mit dem Post zum Saylor-Tracker-Chart bereits durchscheinen, dass diesmal etwas Besonderes getan wurde.
Denn anstatt eines weiteren orangenen Punkts, der einen Bitcoin-Kauf bedeuten würde, gab es offenbar eine Maßnahme, die eine andere Farbe benötigte.
Wir werden eine weitere Farbe brauchen.
Michael Saylor
Dagegen, dass damit der Ausbau der Cash-Reserve gemeint war, sprach, dass dies schon dutzende Male getan worden war.
We’re gonna need another color. pic.twitter.com/AqZO5UeXDx
— Michael Saylor (@saylor) July 26, 2026
Als am Freitag vergangener Woche sowohl Bitcoin als auch die MSTR-Aktie schwächer handelten, aber STRC zulegen konnte, wurde schon gemutmaßt, dass Strategy hier als Käufer aktiv war.
STRC-Rückkauf und Vergrößerung der Cash-Reserve
Aus dem heute eingereichten 8-K-Filing ging nun hervor, dass in der vergangenen Woche für 544,5 Millionen US-Dollar neue MSTR-Stammaktien emittiert wurden.
Mit 525 Millionen US-Dollar wurde die Cash-Reserve auf 3,75 Milliarden US-Dollar vergrößert.
Außerdem ist dem Dokument zu entnehmen, dass die Bitcoin-Reserve gleichbelassen wurde – bei 843.775 BTC.
Die andere große Nachricht war, dass für 25 Millionen US-Dollar 288.930 STRC-Aktien zurückgekauft wurden, was einen Kaufkurs von circa 86,5 US-Dollar impliziert.
Demnach verbleiben laut dem aktuellen Framework noch 975 Millionen US-Dollar für den Rückkauf eigener Vorzugsaktien.
Da wieder einmal Stammaktien emittiert wurden, ohne zusätzliche Bitcoin zu kaufen, ist die seit Jahresauftakt erzielte Änderungsrate der Ratio „BTC je Aktie“, die „BTC Yield“, von 5,8 auf 4,5 % gefallen.
Kann die Bitcoin-Kaufmaschine ans Laufen gebracht werden?
Ein übergeordnetes Ziel von Strategy ist es, das Flaggschiffprodukt STRC bei einem Kurs von 100 US-Dollar zu stabilisieren. Ein Instrument dafür ist die Anpassung der Dividende, die seit dem IPO im Sommer 2025 bereits von 9 auf 12 % angehoben wurde.
Des Weiteren versucht Strategy, den Haltern durch eine große Cash-Reserve die Zuversicht zu geben, dass die Dividenden lange bezahlt werden können.
Mit der jetzt erfolgten Vergrößerung auf 3,75 Milliarden US-Dollar reicht der Puffer, um 2,1 Jahre an Zahlungsverpflichtungen abzudecken – die 6,7 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Wandelanleihen werden hierbei nicht berücksichtigt.
Mitte Mai handelte STRC zuletzt bei der 100 US-Dollar-Marke. Danach wurden 1,38 Milliarden US-Dollar aus der Cash-Reserve entnommen, um Wandelanleihen vorzeitig zu tilgen, wonach sie nur noch 6 Monate an Dividendenzahlungen entsprach.
Dies verunsicherte offenbar viele Marktteilnehmer – vor allem auch, weil beim Aufbau des Puffers Ende 2025 kommuniziert wurde, dass dieser eigentlich immer mindestens 2 Jahre an Zahlungsverpflichtungen abdecken soll.
Seither korrigierte Strategy diesen Fehler und der Cash-Reserve, die Ende Mai nur noch 871 Millionen US-Dollar schwer war, wurden bis heute 2,88 Milliarden US-Dollar hinzugefügt.
Doch das schien nicht genug zu sein, um STRC wieder zu stabilisieren. Der Kurs konnte sich seit dem Tief von 71,25 US-Dollar am 29. Juni zwar wieder deutlich erholen, doch die 100-US-Dollar-Marke ist noch in weiter Ferne.
Deshalb scheint sich Strategy nun dafür entschieden zu haben, Rückkäufe durchzuführen. 25 Millionen US-Dollar sind im Kontext eines verhältnismäßig liquiden Wertpapiers mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 9 Milliarden US-Dollar aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Dies wird auch dadurch deutlich, dass der Kurs auf den tatsächlichen Kaufdruck durch Strategy in der vergangenen Woche nur verhalten zulegen konnte.
Vielmehr geht es hierbei aber um die Signalwirkung, bereit zu sein, dem Verkaufsdruck etwas entgegenzuwirken. Rückkäufe können es für Short-Seller zudem riskanter machen, auf fallende Kurse zu wetten.
In einer begleitenden Pressemitteilung hieß es, dass Strategy regelmäßig als Käufer von STRC auftreten möchte. Dabei soll das Volumen höher werden, je weiter sich das Wertpapier von der Zielmarke entfernt.
Solange die STRC-Aktie unter ihrem Ausgabepreis von 100 US-Dollar pro Aktie notiert, beabsichtigt Strategy, regelmäßig und diszipliniert STRC-Aktien zu erwerben, vorbehaltlich der Marktbedingungen, der geltenden Rechtsvorschriften, der verfügbaren Liquidität und der Prioritäten des Unternehmens bei der Kapitalallokation. Strategy geht davon aus, dass das Ausmaß der Rückkäufe bei höheren Abschlägen im Allgemeinen höher sein wird und sich verringern wird, je näher die STRC-Aktie einem Kurs von 100 US-Dollar pro Aktie kommt.
Aus der Pressemitteilung
Rückkäufe können zudem positiv für das Geschäftsmodell sein: Wenn Strategy beispielsweise STRC für 100 US-Dollar emittiert und den Erlös zum Kauf von Bitcoin verwendet, STRC anschließend bei stabilem Bitcoin-Kurs jedoch auf 80 US-Dollar fällt und zu diesem Preis zurückgekauft wird, hätte Strategy die Bitcoin rein rechnerisch zu einem Abschlag gekauft.
Aus der Pressemitteilung ging auch noch hervor, dass das Management die Dividende vorerst bei 12 % beibehalten möchte.
In initialer Reaktion auf die heutigen Nachrichten konnte STRC im vorbörslichen Handel zulegen und wieder auf 90 US-Dollar steigen.
Zum Börsenstart in den USA kostete eine STRC-Aktie circa 88,50 US-Dollar.
Ob Rückkäufe dabei helfen können, STRC wieder nachhaltig in Richtung des Zielniveaus zu treiben, ist aber noch offen. Ebenso, ob dafür in Zukunft Stammaktien oder gegebenenfalls Bitcoin verkauft werden, was eine in der Pressemitteilung wieder einmal angesprochene Option war.
Eine wichtige Variable für den STRC-Preis ist auch der Bitcoin-Kurs. Denn je mehr die Bilanz von Strategy wert ist, desto sicherer können sich die Halter der Vorzugsaktien sein, dass die Dividenden ausgeschüttet werden – auch wenn es dafür am Ende nie eine 100-%-ige Garantie gibt.
Aktuell entspricht der Wert der Bitcoin-Reserve abzüglich der Schulden rund 29 Jahren an Dividendenzahlungen. Sollte Bitcoin wieder in Richtung neuer Höchststände steigen, liegt nahe, dass auch der STRC-Kurs profitieren wird.
Und wenn STRC wieder auf 100 US-Dollar steigen sollte, könne Strategy durch die Neuausgabe am Markt Bitcoin kaufen. Dies gelang über STRC teilweise für mehr als 1 Milliarde US-Dollar pro Woche.
Die Wette, auf die es bei Strategy herunterkocht, ist, dass die Performance von Bitcoin langfristig die Dividende von STRC übersteigt.
Möglich ist auch, dass die STRC-Dividende in der Zukunft nach unten angepasst wird, wenn die Nachfrage groß genug ist, also der Markt zu dem Entschluss kommt, dass als Kompensation für das Risiko eine niedrigere Dividendenrendite ausreicht.
Bei einem aktuellen Kurs von circa 90 US-Dollar scheinen die Marktteilnehmer aber noch eine effektive Dividendenrendite von circa 13,5 % für angemessen zu erachten.
Im März waren noch rund 80 % der STRC-Halter Kleinanleger. Wie Strategy-CEO Phong Le kürzlich kommunizierte, sind es jetzt nur noch 71 %, nachdem offenbar institutionelle Investoren vermehrt zugegriffen haben.