Der größte Bitcoin-Halter Strategy hat heute bekannt gegeben, 1,5 Milliarden US-Dollar an Wandelanleihen vorzeitig zurückzukaufen. Wie schon länger kommuniziert wurde, ist das Ziel, alle Schulden von der Bilanz zu tilgen. Müssen für dieses Vorhaben schon Teile der 818.869 BTC schweren Bilanz verkauft werden, wie kürzlich in den Raum gestellt wurde?

Tilgung von 1,5 Milliarden US-Dollar an Schulden

In der Präsentation zu den Zahlen für das vergangene Quartal machte Strategy-Gründer Michael Saylor bereits deutlich, dass die Schulden womöglich frühzeitig getilgt werden. Insgesamt hat Strategy rund 8,25 Milliarden US-Dollar an Wandelanleihen ausstehend, die immer wieder als zentraler Risikofaktor angeführt werden.

Am heutigen Freitag gab es nun die offizielle Mitteilung, dass gestern mit Wandelanleihehaltern verhandelt wurde, um Schuldverschreibungen zurückzukaufen. Die Transaktion soll am 19. Mai schon abgeschlossen werden.

Am 14. Mai 2026 schloss Strategy privat ausgehandelte Transaktionen mit bestimmten Inhabern ihrer ausstehenden 0-%-Wandelanleihen mit vorrangigem Rang und Fälligkeit im Jahr 2029, wonach Strategy sich bereit erklärte, 2029-Schuldverschreibungen mit einem Gesamtnennbetrag von ca. 1,50 Mrd. US-Dollar zu einem geschätzten Gesamtbarrückkaufpreis von ca. 1,38 Mrd. US-Dollar zurückzukaufen.
Strategy in der Mitteilung

Strategy wird also voraussichtlich 1,38 Milliarden US-Dollar zahlen, um Wandelanleihen mit 0 % Zinsen und einem Nennwert von 1,5 Milliarden US-Dollar von der Bilanz zu bekommen. Von der besagten Wandelanleihe sind insgesamt 3 Milliarden US-Dollar ausstehend.

Die Wandelanleihe, die im November 2024 für Bitcoin-Käufe bei einem Kurs um die 100.000 US-Dollar emittiert wurde, hat eine Umwandlungsoption von 672,40 US-Dollar je Stammaktie. Das bedeutet, dass Strategy die Halter ohnehin in Cash ausbezahlen müsste, wenn der MSTR-Kurs bis zur Fälligkeit im Dezember 2029 nicht über dieses Kursniveau steigen sollte. Aktuell handelt MSTR bei circa 175 US-Dollar.

Müssen dafür Bitcoin verkauft werden?

Nachdem Strategy im Rahmen der Quartalszahlen ebenfalls kommunizierte, künftig nicht mehr vor Bitcoin-Verkäufen zurückzuschrecken, war die Sorge groß, dass das Unternehmen den Kurs der Kryptowährung unter Druck bringen könnte. Doch Michael Saylor sowie CEO Phong Le erklärten, dass sie unter dem Strich natürlich immer noch mehr BTC kaufen als verkaufen wollen.

Ob jetzt für den Rückkauf der besagten Wandelanleihen Bitcoin abgestoßen werden sollen, ist aber noch unklar. In der Mitteilung heißt es dazu, dass die Cash-Reserve, Erlöse aus der Emission von Aktien und/oder Bitcoin-Verkäufe genutzt werden sollen.

Strategy beabsichtigt, die Rückkäufe aus verfügbaren Barreserven, Erlösen aus dem Verkauf von Wertpapieren im Rahmen seines „At-the-Market“-Emissionsprogramms und/oder Erlösen aus dem Verkauf von Bitcoin zu finanzieren.
Strategy in der Mitteilung

Strategy hält momentan eine 2,25 Milliarden US-Dollar schwere Cash-Reserve, die mehr als nur ausreichen würde, die Wandelanleihen zurückzukaufen. Doch diese Reserve wurde eigentlich errichtet, um mindestens 2 Jahre an Zahlungsverpflichtungen abzudecken – was jetzt schon nicht mehr der Fall ist, da die jährliche Dividendenlast durch die Neuausgabe von Vorzugsaktien deutlich gestiegen ist.

Daneben stellt das Unternehmen in den Raum, die Erlöse aus Aktienverkäufen zu nutzen. Das heißt, dass Strategy dafür gegebenenfalls MSTR-Stammaktien emittieren wird beziehungsweise das vielleicht auch schon getan hat und/oder das Geld des in dieser Woche aktiv gewesenen ATM-Programms der Vorzugsaktie STRC in die Rückzahlung stecken wird.

Über STRC hat Strategy in dieser Woche allein schätzungsweise bis zu 2 Milliarden US-Dollar eingenommen. Normalerweise fließen die Mittel direkt in Bitcoin-Käufe, doch mittlerweile wurde auch die Option angesprochen, sie unter anderem für die Tilgung von Schulden zu verwenden.

Bitcoin-Verkäufe sind also in diesem Fall gar nicht nötig, aber sie könnten in den Augen des Unternehmens jetzt trotzdem ein sinnvoller Schritt sein. Denn ein Argument, das laut dem Management für Bitcoin-Verkäufe spricht, ist, dass damit steuerlich relevante Verluste realisiert werden könnten.

Ob Bitcoin oder Stammaktien verkauft werden, um Geld aufzutreiben, hängt aber in erster Linie auch von dem mNAV (Marktkapitalisierung zuzüglich ausstehender Wandelanleihen und Vorzugsaktien geteilt durch den Wert der Bitcoin-Bilanz) ab. In der letzten Quartalspräsentation hieß es, dass es aktuell ab einem mNAV von über 1,22 x sinnvoller wäre, neue MSTR-Aktien zu emittieren, als Bitcoin zu verkaufen.

Das mNAV liegt gerade zwar leicht über dieser Schwelle, doch unter Berücksichtigung der möglichen Steuervorteile könnte es dennoch aus Sicht des Managements das Beste für die Aktionäre sein, jetzt Bitcoin zu verkaufen.

Ein sinnvoller Schritt?

Strategy möchte früher oder später alle Wandelanleihen, deren Fälligkeiten sich von 2028 bis 2032 erstrecken, von der Bilanz bekommen. Zum einen, um nicht Gefahr zu laufen, in einer schlechten Marktphase auf einen Schlag ganz viel Geld zurückzahlen zu müssen. Zum anderen, um die Vorzugsaktien attraktiver zu machen.

STRC und Co. stehen in der Kapitalstruktur nämlich zwischen richtigen Schulden und den Stammaktien. Demnach geben die Produkte den Haltern eine höhere Sicherheit, je weniger Ansprüche es über ihnen gibt. Die Vorzugsaktien von Strategy haben eine unendliche Laufzeit, während die Dividenden theoretisch einfach ausgesetzt werden könnten.

Beim letzten „Earnings Call“ erklärte Saylor zudem, dass er, wenn er eine neue „Bitcoin Treasury Company“ starten würde, lediglich auf STRC und keine anderen Vorzugsaktien oder Schulden setzen würde. Gestern gab der Wettbewerber Strive bekannt, die letzten Wandelanleihen getilgt zu haben. Strive setzte dafür nicht auf Bitcoin-Verkäufe, sondern auf die Ausgabe des STRC-Äquivalents SATA, das künftig sogar an jedem Handelstag Dividenden ausschütten soll.

Bei der hohen Nachfrage nach Strategys STRC wäre es sicherlich möglich, ebenfalls über dieses Instrument mit der Zeit die gesamten Schulden abzustottern. Doch ein Mix mit anderen Kapitalbeschaffungsmethoden kann dennoch sinnvoll sein – je nach Marktbedingungen.

Unter dem Strich ist es also gut möglich, dass es darauf hinausläuft, dass Strategy einen Teil der 1,38 Milliarden US-Dollar mit der Cash-Reserve bezahlt, einen anderen Teil durch die ATM-Programme von MSTR und STRC sowie ein paar Bitcoin verkauft.

Doch da über STRC in dieser Woche laut Hochrechnungen genügend Geld eingesammelt wurde, um bis zu 25.000 Bitcoin zu kaufen, könnte Strategy im Rahmen dieser gesamten Kapitalmaßnahmen am Ende dennoch mit einer größeren BTC-Bilanz dastehen.

Anders war es bei MARA Holdings, dem ehemals zweitgrößten börsennotierten Bitcoin-Halter. Das Mining-Unternehmen verkaufte im März 15.133 Bitcoin, um Wandelanleihen zu tilgen. Weil MARA Holdings aber nicht weiter nachlegt, ist die BTC-Reserve damit deutlich geschrumpft.

Wie genau Strategy den Rückkauf der Wandelanleihen finanzieren wird, muss letztlich die Zukunft zeigen. Bitcoin handelte nach der Ankündigung wieder etwas schwächer und fiel unter die 80.000-US-Dollar-Marke – womöglich, weil der Markt einen potenziellen Verkaufsdruck durch das Unternehmen mit insgesamt 818.869 BTC auf der Bilanz einpreist.

Aber auch an den gesamten Kapitalmärkten kommt es heute zu Abgabedruck, weshalb die kleine Bitcoin-Korrektur nicht nur auf die möglicherweise bevorstehenden Verkäufe durch Strategy zurückzuführen sein dürfte.

Info

Wochenrückblick #128 - Harvard verkauft (wieder), Strategy tilgt 1,5 Mrd. $ Schulden, Staatsfonds vergrößert Position

In der aktuellen Folge des Wochenrückblicks bespricht Blocktrainer-Chefredakteur Tristan die 13F-Filings, laut denen Harvard wieder Bitcoin verkauft hat, während der Staatsfonds Mubadala Investment weiter nachgelegt hat. Außerdem Thema sind der Durchbruch beim CLARITY Act, die schlechten US-Inflationsdaten, die Schuldentilgung von Strategy und die neue Innovation der „Bitcoin Treasury Company“ Strive hinsichtlich des STRC-Äquivalents SATA. Hier oder auf allen Podcast-Plattformen hören:

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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