Strategy, BlackRock, Coinbase und Co. starten Initiative zur Stärkung der Sicherheit von Bitcoin
Strategy, BlackRock, Coinbase, Fidelity, ARK Invest und weitere große Unternehmen aus dem Sektor starten das „Bitcoin-Sicherheits-Konsortium“. Mit Kontributionen von 15 Millionen US-Dollar über 3 Jahre soll dabei geholfen werden, das Netzwerk resilienter aufzustellen, ohne selbst gemeinsam Partei zu ergreifen.
Von Tristan
Das neue Bitcoin-Sicherheits-Konsortium
Strategy gab heute in einer Pressemitteilung die Gründung des „Bitcoin-Sicherheits-Konsortiums“ bekannt.
Mit von der Partie sind große Unternehmen mit BTC-Bezug wie Finanzdienstleister, Börsen oder Halter des Assets.
Mike Schmidt soll die tägliche Arbeit ehrenamtlich koordinieren. Er ist der Geschäftsführer von Brink, einer gemeinnützigen Organisation, die Open-Source-Entwickler rund um Bitcoin finanziert.
Die Mitglieder haben zugesagt, über 3 Jahre insgesamt 15 Millionen US-Dollar bereitzustellen, um die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks zu unterstützen.
Dabei gehe es auch um Quantencomputer, die laut dem Konsortium keine unmittelbare Bedrohung darstellen, aber dennoch eine Priorität sein sollten.
Groß angelegte Quantencomputer, die die Kryptografie von Bitcoin gefährden könnten, gibt es derzeit noch nicht, und glaubwürdigen Schätzungen zufolge wird es noch Jahre dauern, bis eine solche Fähigkeit erreicht wird. Die Vorbereitung von Post-Quanten-Schutzmaßnahmen ist dennoch eine wichtige langfristige Priorität, an der die technische Bitcoin-Community bereits aktiv arbeitet. Das Konsortium hat sich zum Ziel gesetzt, diese Arbeit zu unterstützen und Investoren, der Öffentlichkeit sowie den Medien im Zuge der weiteren Entwicklung dieses Bereichs eine fundierte Orientierungshilfe zu bieten.
Aus der Pressemitteilung
Ein Fokus sei zudem, verlässliche Informationen zum Stand der Bitcoin-Sicherheitsforschung bereitzustellen.
„Keine Einflussnahme auf das Bitcoin-Protokoll“
In der offiziellen Pressemitteilung wird bereits herausgestellt, dass das Konsortium keine Stellung zu konkreten Entwicklungen des Bitcoin-Protokolls nehmen werde.
Es entwickelt oder steuert das Bitcoin-Protokoll nicht, nimmt zu konkreten Protokolländerungen keine Stellung und spricht nicht im Namen von Bitcoin oder dessen Entwicklern. Die Entwicklung von Bitcoin ist und bleibt das Werk einer globalen, dezentralen Gemeinschaft von Mitwirkenden.
Aus der Pressemitteilung
Mike Schmidt selbst erklärt in einem ausführlicheren 𝕏-Post zudem, dass er zunächst selbst Bedenken hatte. Doch laut dem Koordinator des Konsortiums werde sichergestellt, dass es eine „produktive Initiative“ sei, die sich nicht zu Protokolländerungen positioniere.
Diese Institutionen wollen helfen. Ich weiß genau, wie „Neun riesige Institutionen bilden eine Gruppe, um Bitcoin zu helfen“ klingt – ich hatte dieselbe Reaktion. Bevor ich also zusagte, sprach ich mit jedem Unternehmen einzeln über dessen Werte und Prioritäten, um zu beurteilen, ob dies tatsächlich eine produktive Initiative für Bitcoin sein würde. Zwei Dinge waren mir am wichtigsten, und ich stellte fest, dass sich die Mitglieder in beiden Punkten bereits einig waren:
-Kein gemeinsamer Fördertopf. Jedes Mitgliedsunternehmen entscheidet unabhängig, welche Entwickler, Forscher oder Organisationen es finanziert. Das Konsortium verwaltet keine Mittel und wählt keine Empfänger aus.
-Keine Stellungnahmen des Konsortiums zu Protokolländerungen. Die Mitglieder sprechen für sich selbst.
Mike Schmidt
Ihm gehe es in erster Linie darum, Entwickler und Forscher zu unterstützen sowie ein Gegengewicht zur Quantencomputer-Panik zu setzen.
Ich hoffe, dass diese Initiative dazu führt, dass mehr Fördermittel mehr Entwickler und Forscher erreichen – zu deren eigenen Bedingungen – und dass sie ein ausgewogenes Gegengewicht zur „Quantenpanik“ in beide Richtungen bildet (keine Schwarzmalerei, aber auch keine Verharmlosung). Der Schwerpunkt liegt zunächst auf Quantencomputern, aber wenn diese Gruppe so arbeitet, wie ich es mir vorstelle, gibt es später auch Spielraum, andere Sicherheitsinitiativen zu unterstützen.
Mike Schmidt
Handeln die großen Akteure im Sinne von Bitcoin?
Insbesondere seitdem Unternehmen wie Strategy so viele Bitcoin kaufen oder einflussreiche Vermögensverwalter wie BlackRock in den Markt gedrungen sind, kommt immer wieder die Sorge auf, dass die großen Institutionen Bitcoin in ihrem Sinne beeinflussen.
Letztlich dürften sie aber am meisten davon profitieren, wenn Bitcoin sicher und erfolgreich bleibt. Das Netzwerk zu korrumpieren, was ohnehin nicht möglich ist, würde ihnen als Halter oder Dienstleister drumherum wohl vielmehr schaden.
Dennoch gilt es natürlich zu beobachten, ob und in welchem Ausmaß Strategy, BlackRock, Coinbase und Co. Einfluss geltend machen wollen. So positionierte sich Coinbase im Blocksize-War beispielsweise für größere Bitcoin-Blöcke. Die Community konnte sich damals aber gegen die „Big Player“ durchsetzen.
Strategy-Gründer Michael Saylor setzte in den vergangenen Tagen zudem viele Posts zu dem kontroversen „Bitcoin Improvement Proposal“ BIP-110 ab, in denen er sich ganz klar gegen die angestrebte Änderung aussprach.
Außerdem positionierte er sich Ende 2025 dafür, dass „verlorene Coins“ eingefroren werden, wenn das Bitcoin-Netzwerk auf quantensicherere Adressformate umstellen sollte. Später ruderte er zurück, indem er sagte, dass es für ihn und sein Unternehmen nicht angemessen sei, bei diesem Thema Partei zu ergreifen.
Was also die Quantenfrage betrifft, halte ich es nicht für angebracht, dass wir uns für eine bestimmte Lösung, einen bestimmten Ansatz oder einen bestimmten Zeitrahmen aussprechen. Ich denke, unsere Rolle besteht darin, alle verschiedenen Gruppen zu unterstützen und die Herausbildung eines Konsenses darüber zu fördern, was getan werden sollte, wie es getan werden sollte und wann es getan werden sollte.
Michael Saylor
To be fair, this is what he said afterwords: pic.twitter.com/icOsDw5F54
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) July 23, 2026
Interessant ist zudem, dass Saylor noch vor wenigen Jahren ein prominenter Gegner der „unlimitierten Finanzierung“ von Bitcoin-Entwicklern war, aus der Sorge heraus, dass diese das Netzwerk „verschlimmbessern“ könnten.
Wir sollten Entwickler sehr gezielt finanzieren und dabei genau wissen, welche Prioritäten und Prinzipien sie verfolgen. […] Ich lehne eine unbegrenzte und unkontrollierte Finanzierung von Personen ab, die das Bitcoin-Protokoll verändern oder für Änderungen lobbyieren wollen.
Michael Saylor in einem Interview 2024
Gerüchten zufolge wollte er damals sogar verhindern, dass Vermögensverwalter einen Teil ihrer Einnahmen mit den Spot-ETFs an Entwickler fließen lassen.
Inwieweit das neue Konsortium seinen Vorstellungen entspricht und welche Wirkung mit den 15 Millionen US-Dollar erreicht werden kann, ist noch offen.
In den kommenden Monaten sollen Materialien rund um Bitcoins Sicherheit veröffentlicht werden, die mehr Aufschluss über die Richtung der Initiative geben könnten.