Betrüger geben sich als Iran aus, um Bitcoin oder USDT von Schiffen zu erhalten
Nachdem bekannt ist, dass der Iran Mautgebühren in Bitcoin verlangt, um Schiffe durch die Straße von Hormus zu lassen, versuchen Betrüger nun, sich dies zunutze zu machen. Dies geht aus einer Warnung der griechischen Firma für maritimes Risikomanagement hervor. Ein indischer Tanker soll auf den Krypto-Scam bereits hereingefallen und anschließend vom Iran beschossen worden sein.
Seit Ende Februar fährt durch die Straße von Hormus, über die normalerweise rund 20 % des weltweiten Ölhandels abgewickelt werden, kaum ein Tanker mehr durch. Grund dafür ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran.
Kurz nachdem sich die beiden Parteien am 8. April auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt hatten, die US-Präsident Donald Trump gestern auf unbestimmte Zeit verlängerte, gab es eine Bitcoin-bezogene Meldung, die Wellen schlug.
Iran verlangt Bitcoin-Zahlungen
Hamid Hosseini, ein Sprecher des staatsnahen iranischen Verbands der Ölexporteure, erklärte gegenüber der Financial Times, dass Schiffe durchgelassen werden, wenn sie den Iran in Bitcoin bezahlen.
Sobald die E-Mail eingegangen ist und der Iran seine Prüfung abgeschlossen hat, haben die Schiffe nur wenige Sekunden Zeit, um in Bitcoin zu zahlen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Zahlungen aufgrund von Sanktionen nicht zurückverfolgt oder beschlagnahmt werden können.
Hamid Hosseini, Sprecher des iranischen Verbands der Ölexporteure
Zuvor war in Berichten in diesem Kontext noch explizit vom chinesischen Yuan oder Stablecoins die Rede. Noch ist unklar, ob tatsächlich auch schon Bitcoin an den Iran geflossen sind. On-Chain-Analysten konnten bislang keine derartigen Zahlungsflüsse identifizieren.
Krypto-Scammer wittern ihre Chance
Inzwischen versuchen Krypto-Scammer anscheinend, Kapital aus der Situation zu schlagen. Laut MARISKS, einer Firma für maritimes Risikomanagement mit Sitz in Griechenland, haben gestrandete Schiffe Zahlungsaufforderungen von Betrügern erhalten, die sich als iranische Autoritäten ausgeben.
In der Warnung von Montag dieser Woche heißt es konkret, dass die Scammer Bitcoin oder USDT, den Stablecoin von Tether, verlangen würden. Die besagte Nachricht, die MARISKS in der Warnung zitiert hat, lautet wie folgt:
Nachdem Sie die erforderlichen Unterlagen vorgelegt haben und die iranischen Sicherheitsbehörden Ihre Berechtigung geprüft haben, können wir die zu entrichtende Gebühr festlegen, die in Kryptowährung (BTC oder USDT) zu zahlen ist. Erst dann kann Ihr Schiff die Meerenge zum vereinbarten Zeitpunkt ungehindert passieren.
Die Nachricht der Krypto-Scammer an die Schiffe
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am gestrigen Dienstag zuerst darüber. Eine Reaktion aus Teheran gab es bislang noch nicht.
Tatsächlich soll ein Schiff bereits am Samstag, kurz nachdem der Iran die Straße von Hormus kurzzeitig wieder „öffnete“, auf den Betrug hereingefallen sein, glaubt MARISKS. Der mutmaßlich betroffene indische Tanker sei von iranischen Booten anschließend beschossen und so zur Umkehr gezwungen worden. Ob die Scammer in dem Fall Bitcoin oder USDT erhalten haben, ist nicht bekannt.
Spannungen halten an
Nachdem es am Freitag vergangener Woche wieder kurzzeitig so aussah, als könnte die Welt bald wieder zur Normalität zurückkehren, gab es abermals Rückschläge. Der Iran hält die Straße von Hormus wieder geschlossen, nachdem die USA sich nicht dazu bereit erklärten, ihre eigene Blockade in der Meeresenge aufzuheben, solange es noch keinen richtigen Deal gibt.
Die am 8. April vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe wäre inzwischen ausgelaufen, doch Donald Trump verkündete gestern, diese auf unbestimmte Zeit zu verlängern.
Ich habe daher unser Militär angewiesen, die Blockade fortzusetzen und in jeder anderen Hinsicht bereit und handlungsfähig zu bleiben, und werde daher den Waffenstillstand so lange verlängern, bis ihr Vorschlag vorgelegt und die Gespräche – in welcher Form auch immer – abgeschlossen sind.
Donald Trump auf Truth Social
Währenddessen tun sich die beiden Kriegsparteien schwer, einen Deal auszuhandeln. Streitpunkte bleiben weiterhin das Atomprogramm des Iran, die Kontrolle der Straße von Hormus sowie der Umgang mit den eingefrorenen iranischen Vermögenswerten.
In dieser Woche wurde eigentlich wieder mit Verhandlungen in Islamabad, Pakistan, gerechnet. Diese sind vorerst jedoch abgesagt und der Iran zeigt sich derzeit nicht bereit, einzulenken. Zeitgleich drohen die Revolutionsgarden sogar mit militärischen Schlägen, wenn die USA ihre Blockade nicht aufheben.
Die Märkte zeigen sich mittlerweile von den Entwicklungen im Irankrieg weitestgehend unbeeindruckt. Die breiteren Aktienmärkte handeln wieder auf neuen Höchstständen und der Bitcoin-Kurs ist heute über 78.500 US-Dollar und damit auf das höchste Niveau seit Anfang Februar gestiegen.