Seit gestern sorgte eine Meldung in sozialen Medien für Aufsehen: Google habe sich mit 8 % am US-amerikanischen Bitcoin-Mining-Unternehmen TeraWulf beteiligt. Große Bitcoin-Accounts auf 𝕏 feierten dies als möglichen Einstieg des Technologiekonzerns in das Mining-Geschäft. Die Realität hinter dem Deal ist jedoch deutlich komplexer – und hat nur am Rande mit dem Schürfen von Bitcoin zu tun.

Falsche Schlagzeilen in den sozialen Medien

Nach Bekanntgabe eines milliardenschweren Vertrags zwischen dem US-amerikanischen Mining-Unternehmen TeraWulf, dem AI-Cloud-Anbieter Fluidstack und dem Internetgiganten Google überschlugen sich große Bitcoin-Accounts in den sozialen Medien mit ihren Schlagzeilen.

Einige stellten den Deal so dar, als habe der Tech-Konzern direkt ins Bitcoin-Mining investiert. Tweets wie der des „Bitcoin-Historikers“ Pete Rizzo suggerierten, Google wolle „Exposure“ zu Bitcoin und steige dafür in das Mining-Geschäft ein.

Diese Interpretation verbreitete sich rasch und prägte in Teilen der Community die Wahrnehmung – sie aber schlichtweg falsch.

BRANDAKTUELL: DER 2 BILLIONEN US-DOLLAR SCHWERE SUCHGIGANT GOOGLE KAUFT EINEN 8-%-ANTEIL AM BITCOIN-MINER TERAWULF. BIG TECH KAUFT SICH ZUGANG ZU BTC. DAS IST KRASS!
Pete Rizzo bei 𝕏

Was wirklich hinter dem Deal steckt

TeraWulf betreibt mehrere große Mining-Anlagen und Rechenzentren in den USA, darunter auch das in Lake Mariner im Bundesstaat New York. Gestern gab das Unternehmen bekannt, zwei langfristige Colocation-Verträge mit dem AI-Cloud-Anbieter Fluidstack unterzeichnet zu haben. Die Vereinbarungen umfassen mehr als 200 Megawatt Rechenzentrumskapazität am genannten Standort und haben eine Laufzeit von zehn Jahren.

Der finanzielle Rahmen ist dabei beachtlich:

  • Der Mindestwert der Verträge beläuft sich laut Pressemitteilung auf 3,7 Milliarden US-Dollar.
  • Der potenzielle Maximalwert bei Verlängerungen sogar auf 8,7 Milliarden US-Dollar.

Mit dem Schritt möchte TeraWulf seine Infrastruktur allerdings verstärkt für High Performance Computing (HPC) und Künstliche Intelligenz (AI) ausbauen, also für die beiden anderen großen Bereiche neben dem Bitcoin-Mining, in denen die Nachfrage nach leistungsstarken Rechenzentren rasant wächst.

Googles Rolle – Finanzierung, nicht Mining

Google tritt in diesem Zusammenhang somit auch nicht als Mining-Investor auf. Der Konzern sichert Fluidstack 1,8 Milliarden US-Dollar an Mietverpflichtungen zu. Die Alphabet-Tochter gibt damit eine Art Finanzgarantie, die den Vertragsabschluss und die Finanzierung absichert.

Im Gegenzug erhält Google das Recht, künftig rund 41 Millionen TeraWulf-Aktien zu einem festgelegten Preis zu erwerben, was einem Anteil von etwa 8 % entspricht.

Der Fokus von Google ist dabei aber vielmehr die Schaffung des indirekten Zugangs zu Rechenzentrumsinfrastruktur, nicht zu Bitcoin-Mining-Geräten oder Mining-Erträgen.

Dennoch zeigt der Fall erneut, wie manche Bitcoin- und Krypto-Medien sowie einflussreiche Social-Media-Accounts gezielt Fehldeutungen streuen, um Hype zu erzeugen. Solche bewussten Vereinfachungen und falschen Darstellungen schaden der Glaubwürdigkeit der gesamten Branche und tragen dazu bei, dass wichtige Entwicklungen verzerrt wahrgenommen werden.

Auch beim Lesen von Nachrichten und Meldungen sollte man sich deswegen besser an das bekannte Bitcoiner-Credo „don't trust, verify“, also „vertraue nicht blind, sondern verifiziere selbst“, halten.

Artikel und Posts ohne Quellenangaben sollten grundsätzlich mit Vorsicht genossen werden – egal ob das Thema Bitcoin oder ein anderes ist. 

René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

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