Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat 1.000 Personen in Deutschland über Kryptowährungen befragt. Das Ergebnis: Selbst bei den Haltern von Bitcoin und Co. liegen große Wissenslücken vor. Doch die Umfrage enttarnt auch die Bafin selbst, die eine Einordnung von Bitcoin als Inflationsschutz schlichtweg als falsch abtut.

Über 9 Millionen Krypto-Halter in Deutschland

Am 25. August hat die Bafin die Zahlen einer repräsentativen Erhebung vorgestellt. Dafür wurden im April dieses Jahres 1.000 Erwachsene befragt.

13 % der Befragten gaben an, Kryptowährungen zu besitzen. Auf die Bevölkerung hochgerechnet würde dies bedeuten, dass es in Deutschland mehr als 9 Millionen Halter von Bitcoin und Co. gibt. Das deckt sich im Großen und Ganzen mit den Ergebnissen einer kürzlich veröffentlichten YouGov-Umfrage im Auftrag von BearingPoint.

Große Wissenslücken zum Thema Krypto

Ziel der Erhebung war aber, mit 16 Fragen das Wissen zu Kryptowährungen zu testen. Das zentrale Ergebnis der Studie ist, dass Krypto-Investoren durchschnittlich knapp die Hälfte der Fragen nicht oder nicht richtig beantworten konnten.

Die Finanzmarktaufsichtsbehörde sieht sich demnach in ihrer Einschätzung bestärkt, dass der Krypto-Markt große Risiken für nicht ausreichend informierte Verbraucher berge:

Die Bafin sieht deshalb für Verbraucherinnen und Verbraucher Risiken bei Investitionen in Kryptowerte. Der Grund: Viele dieser Produkte sind sehr volatil, bergen Cyber-Gefahren und können für unseriöse Angebote missbraucht werden.
Bafin

Die Studie mit der Überschrift „Wissenslücken bei Krypto-Anlegerinnen und -Anlegern“ zeigt, dass Krypto-Halter die Fragen mit Abstand am besten beantworten konnten. Letztlich sollte ein gewisses Know-how aber auch vorhanden sein, um informierte Anlageentscheidungen treffen zu können.

Im Mittel beantwortete der Krypto-Investor 9,1 der 16 Fragen richtig und 5 falsch. Diejenigen, die weder in Kryptowährungen noch in Aktien, Anleihen oder Fonds investieren, kamen derweil im Mittelwert auf 9,4 Fragen, die mit „Weiß nicht“ beantwortet wurden.

Auf die Frage, was Bitcoin ist, konnten insgesamt nur 35 % der Teilnehmer die richtige Antwort („Elektronische Datensätze“) liefern, während 9 % dachten, dass es sich um Aktien eines Blockchain-Unternehmens handele.

Fast die Hälfte der Krypto-Halter hielt Stablecoins zudem fälschlicherweise für Derivate, die starke Kursschwankungen von Kryptowährungen absichern.

Entlarvende Fragen der Bafin

Ironisch ist derweil aber, dass die Bafin selbst durch die Fragenauswahl zeigt, Wissenslücken zu Kryptowährungen zu haben. So heißt es in der Pressemitteilung zu der Studie etwa:

Jeweils die Hälfte aller Befragten wusste, dass der Bitcoin-Preis nicht stabil ist, durch Angebot und Nachfrage entsteht und dass Kryptowerte in einer digitalen Geldbörse (Wallet) aufbewahrt werden.
Bafin

Rein faktisch werden Kryptowährungen aber nicht in einer Wallet aufbewahrt. Eine Hardware-Wallet – oder korrekter: „Signing-Device“ – dient lediglich zur sicheren Aufbewahrung der privaten Schlüssel, die für die Signatur von Transaktionen gebraucht werden.

Die Blockchain ist unter dem Strich nur eine Datenbank, die den Besitzzustand dokumentiert, während man mit den privaten Schlüsseln dem Netzwerk beweist, die UTXOs übertragen zu dürfen.

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, ob der Bitcoin-Preis im Gegensatz zu neuen Coins stabil sei – was mit „Nein“ richtig beantwortet wäre, da der Kurs nun einmal schwankt. 

Wäre hier aber „im Gegensatz“ durch „im Verhältnis“ ausgetauscht worden, wäre ein „Ja“ durchaus angebracht. Dies könnte erklären, wieso mehr als ein Drittel der Krypto-Halter die Frage fälschlicherweise bejahten. Das hätten sie mutmaßlich nicht getan, wenn lediglich danach gefragt worden wäre, ob der Bitcoin-Preis stabil sei.

„Bitcoin ist kein Inflationsschutz“

Richtig kritisch wird es aber bei dem Thema „Bitcoin als Inflationsschutz“. Die Bafin wollte nämlich wissen, ob Bitcoin vor der Inflation schützt, wobei die vermeintlich richtige Antwort „Nein“ gewesen wäre. Über die Hälfte der Krypto-Halter beantwortete die Frage mit „Ja“ und damit nach Bafin-Auffassung falsch.

So nahmen 54 Prozent der Kryptowerte-Besitzerinnen und -besitzer fälschlicherweise an, dass Bitcoin vor Inflation schütze.
Bafin

Wieso Bitcoin keinen Inflationsschutz darstellen soll, erklärt die Bafin wie folgt:

Viele Anlegerinnen und Anleger hielten Bitcoin für inflationssicher, da er auf 21 Millionen Coins begrenzt und unabhängig von Regierungen und Zentralbanken ist. Bitcoins sind jedoch hochvolatil, können also binnen weniger Tage deutlich an Wert gewinnen oder verlieren.
Bafin

Das Problem ist aber, dass nach dieser Definition kein Anlageobjekt ein wirklicher Inflationsschutz wäre. Denn auch Aktien, Anleihen oder Gold schwanken mitunter stark. Dass diese Betrachtungsweise nicht zielführend ist, liegt also auf der Hand, da eigentlich nur Sachwerte langfristig vor der Geldentwertung schützen können.

Die Realität ist auch, dass Bitcoin auf längere Zeiträume betrachtet bislang immer den Kaufkraftverlust des Fiatgeldes mehr als nur ausgeglichen hat, was für diejenigen, die sich vor der Inflation schützen wollen, das Relevante sein dürfte – auch wenn steigende Inflationsraten den Kurs oftmals kurzfristig unter Druck gebracht haben.

Der Bitcoin-Kurs in Euro befindet sich nämlich seit Anbeginn der Zeit in einem Aufwärtstrend, selbst wenn man den Kurs um den deutschen Konsumgüterpreisindex bereinigt. Das ist zwar keine Garantie für die Zukunft, aber es beweist, dass BTC bislang ein außerordentlich guter Inflationsschutz war.

Studien immer mit Vorsicht genießen

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass einige Krypto-Halter laut der Bafin-Umfrage erhebliche Wissenslücken aufweisen. Um dies besser ins Verhältnis zu setzen, hätten Daten zu dem Aktien-Know-how der vielen ETF-Halter sicherlich nicht geschadet. Außerdem wäre interessant, ob die Differenzierung nach Bitcoin- und Krypto-Halter zusätzliche Erkenntnisse gebracht hätte.

Von großer Relevanz ist bei solchen Studien letztlich auch die Auswahl der Fragen. Während die Schwierigkeit einen direkten Einfluss auf das Ergebnis hat, können auch gewisse Formulierungen das Ergebnis verfälschen, wie durch das Beispiel mit „im Gegensatz zu neuen Coins“ deutlich werden sollte, bei dem relative Stabilität mit absoluter vermengt wurde.

Da die Bafin als Studiendesigner zuletzt auch selbst entscheidet, welche Antworten richtig oder falsch sein sollen, ist auch hier genauer hinzuschauen. Bitcoin nicht als Inflationsschutz anzuerkennen, ist im Mindesten debattiertbar.

Dass die Bafin Bitcoin und Co. eher kritisch gegenüber eingestellt ist, ist kein Geheimnis. So betonte Bafin-Chef Mark Branson im September 2025, dass Kryptowährungen „mehr Casino als Investment“ seien, während er forderte, dieses „Paralleluniversum nicht unlimitiert wachsen [zu] lassen“.

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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