SEC erlaubt In-Kind-Methode für Bitcoin-ETFs!
Mit dieser Entscheidung verlässt die SEC das bisherige Cash-Only-Modell, das für alle Krypto-Spot-ETFs seit deren Einführung Anfang 2024 galt. In-Kind-Prozesse – bei denen autorisierte Teilnehmer Bitcoin oder Ether direkt gegen ETF-Anteile tauschen – gelten in der Finanzwelt als effizienter, kostengünstiger und marktstabilisierend. Sie sind im Bereich klassischer Rohstoff-ETFs seit Jahren gängige Praxis.
Ich bin erfreut, dass die Kommission heute die Genehmigung für in-kind Creations und Redemptions erteilt hat. Das wird die Kosten für Investoren senken und die Effizienz dieser Produkte erhöhen.
SEC-Vorsitzender Paul S. Atkins in der offiziellen Mitteilung
Effizienzgewinn durch neue Struktur
Die nun erlaubten In-Kind-Transaktionen ermöglichen es Emittenten, neue Anteile an einem ETF durch direkte Lieferung von Bitcoin zu schaffen – oder umgekehrt, bestehende Anteile durch Herausgabe der zugrundeliegenden Assets wieder einzulösen. Bislang mussten diese Vorgänge stets in US-Dollar abgewickelt werden, was insbesondere bei großen institutionellen Orders zu zusätzlichem Aufwand, Reibungsverlusten und höheren Kosten führte.
Jamie Selway, Direktor der SEC-Abteilung für Handel und Märkte, betonte: „In-Kind-Modelle bieten Flexibilität und Kostenersparnisse für Emittenten sowie Effizienzvorteile für autorisierte Teilnehmer. Damit wird der Markt für Krypto-ETFs deutlich professioneller.“
Arbitrage und die Rolle der In-Kind-Transaktionen
Ein zentrales Element im Funktionieren von ETFs ist der Arbitrageprozess, der sicherstellt, dass der Marktpreis eines ETF-Anteils möglichst eng an den tatsächlichen Wert der zugrunde liegenden Vermögenswerte – wie z. B. Bitcoin – gekoppelt bleibt. Sobald es zu Abweichungen zwischen dem ETF-Preis und dem „inneren Wert“ (Net Asset Value, NAV) kommt, greifen Arbitrageure ein: Sie kaufen beispielsweise unterbewertete ETF-Anteile und verkaufen gleichzeitig die entsprechenden Basiswerte – oder umgekehrt. Dieser Mechanismus wirkt stabilisierend und bringt die Preisrelationen wieder ins Gleichgewicht.
In-Kind-Transaktionen spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle: Sie ermöglichen es autorisierten Marktteilnehmern – etwa Market Makern oder institutionellen Händlern –, direkt Bitcoin (oder bei Aktien-ETFs einen Korb von Aktien) gegen neue ETF-Anteile zu tauschen oder umgekehrt. Der Vorteil dieses Modells liegt in seiner Effizienz: Es vermeidet den Umweg über den offenen Markt und spart so Handelsgebühren, Slippage und steuerliche Belastungen. Die Möglichkeit zur „physischen“ Lieferung von Bitcoin erhöht zudem die Flexibilität bei der Arbitrage und verbessert die Marktliquidität deutlich.
Antrag kam von großen Börsenbetreibern
Die Regeländerung basiert wohl auf Änderungsanträgen mehrerer US-Börsenbetreiber, wie Nasdaq, Cboe und NYSE. Bereits im Frühjahr 2025 hatten sie vorgeschlagen, die bestehenden ETF-Strukturen für Anbieter wie Blackrock, Bitwise, Fidelity und Co. anzupassen. Ziel war es, dieselben Mechanismen zu ermöglichen, die bei Gold-, Öl- oder anderen Rohstoff-ETFs längst etabliert sind.
Die entsprechenden Anträge enthielten Änderungen am Wortlaut der Einlösungsbedingungen und führten explizit „Cash or In-Kind“ als gleichwertige Optionen ein.
Bereits bei der erstmaligen Genehmigung von Bitcoin-Spot-ETFs im Januar 2024 hatten zahlreiche Anbieter versucht, In-Kind-Strukturen zu etablieren. Damals lehnte die SEC unter der damaligen Führung solche Modelle jedoch strikt ab. Stattdessen wurde explizit festgelegt, dass Creations und Redemptions ausschließlich in bar („In-Cash“) zu erfolgen hätten.
Als Begründung wurde vor allem die größere Nachvollziehbarkeit des Cash-Modells angeführt: Bei Bargeldtransaktionen ist jederzeit klar ersichtlich, woher die autorisierten Teilnehmer (APs) ihre Bitcoin beziehen – nämlich durch Käufe an regulierten, transparenten Börsen. Die SEC wollte auf diese Weise mögliche Marktmanipulationen oder undurchsichtige OTC-Geschäfte vermeiden und sicherstellen, dass die Abbildung des Bitcoin-Preises im ETF unmittelbar auf nachvollziehbare, marktbasierte Transaktionen zurückzuführen ist.
Mit dem nun erfolgten Kurswechsel und der Zulassung von In-Kind-Transaktionen signalisiert die SEC unter neuer Führung eine deutlich offenere Haltung gegenüber strukturell effizienteren Lösungen für Bitcoin bzw. Krypto-ETFs.
Stärkung des institutionellen Marktzugangs
Mit der Zulassung von In-Kind-Creation und -Redemption macht die SEC einen längst überfälligen Schritt zur Professionalisierung des Krypto-ETF-Markts. Die Anpassung bringt die Produkte in Einklang mit den Standards traditioneller Finanzinstrumente und schafft die Voraussetzungen für mehr Effizienz, geringere Kosten und verbesserte Liquidität.
Außerdem zeigt es, dass die US-Regulierungsbehörde mittlerweile bereit ist, praktikable Strukturen für Bitcoin und andere digitale Vermögenswerte zuzulassen. Für die weitere Institutionalisierung von Bitcoin als Anlageklasse ist dies ein wichtiger Fortschritt.