Schweizerische Nationalbank lehnt Bitcoin ab
Am Freitag vergangener Woche fand die 117. ordentliche Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) statt. Zum vierten Mal in Folge ging es dabei auch um Bitcoin.
In der Schweiz gibt es nämlich eine Volksinitiative, die darauf abzielt, die SNB zu einer Bitcoin-Investition zu verpflichten – und zwar durch eine Verfassungsänderung, durch die nicht mehr nur eine Währungsreserve in Gold, sondern auch eine in Bitcoin vorgeschrieben wäre.
Mitinitiant Luzius Meisser lieferte bei der diesjährigen Generalversammlung der Zentralbank erneut Argumente für den Kauf von Bitcoin. Martin Schlegel, Präsident des Direktoriums der SNB, lehnte den Vorschlag jedoch ab – unter fragwürdigen Vorwänden.
Debatte um Bitcoin-Investition der SNB
Luzius Meisser, Bitcoin-Aktivist und Mitglied des Verwaltungsrats beim Krypto-Dienstleister Bitcoin Suisse, kam in seiner knapp 3-minütigen Ansprache bei der Generalversammlung darauf zu sprechen, dass Bitcoin in der aktuellen Zeit, die von Unsicherheiten und geopolitischer Fragmentierung geprägt ist, Institutionen wie die SNB widerstandsfähiger machen könnte.
Die Bitcoin-Initiative ziele darauf ab, die SNB zu unterstützen, indem sie ihr ein „Geldinstrument für das digitale Zeitalter“ an die Hand gibt, so Meisser in seiner Rede, in der er der Zentralbank auch Hilfe anbot, die optimale Bitcoin-Allokation zu ermitteln.
Bitcoin kann in einem bestimmten Szenario einer multipolaren Weltordnung mit schwindendem Vertrauen in Staatsschulden sehr vielversprechend sein. Der hohe Preis von Gold und Bitcoin ist das Marktsignal, das uns sagt, dass dieses Szenario nicht unwahrscheinlich ist. [...] Ich überlasse es den kompetenten Mitarbeitern der Schweizerischen Nationalbank, den richtigen Betrag zu ermitteln. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er höher ist als die 1.000 Bitcoin, die sie bereits indirekt über Aktien von Unternehmen halten, die Bitcoin besitzen.
Luzius Meisser auf der Generalversammlung der SNB
Video of @Luzius Meisser's presentation of the Bitcoin Initiative @initiativeBTC at the Swiss National Bank @SNB_BNS General Assembly yesterday: https://t.co/0iKwl5qnFq pic.twitter.com/7eaTBo4Zjb
— Yves Bennaïm 🌿 ∞/21ᴍ (@ZLOK) April 26, 2025
Die SNB verfügt bereits über ein beträchtliches, breit gestreutes Aktienportfolio. Im Rahmen des diversifizierten Ansatzes ist die Zentralbank unter anderem auch in das Unternehmen Strategy investiert, das mittlerweile 553.555 Bitcoin auf der Bilanz hält.
So überzeugend die Ausführung von Meisser auch gewesen sein mag, bei den Entscheidungsträgern der SNB stieß sie nicht auf fruchtbaren Boden. SNB-Chef Martin Schlegel reagierte auf den Vorschlag nämlich mit den folgenden Worten:
Die Nationalbank hat sehr hohe Anforderungen an die Währungsreserven. […] Also kurz zusammengefasst kann man sagen, dass die Kryptowährungen gegenwertig die Anforderungen an unsere Währungsreserven nicht erfüllen.
Martin Schlegel, Präsident des SNB-Direktoriums
Swiss National Bank President Martin Schlegel rejects calls to add bitcoin reserves, citing liquidity and volatility risks. 🇨🇭🚫🏦
— CoinDesk (@CoinDesk) April 25, 2025
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Diese These untermauerte Schlegel mit einem Verweis auf die „sehr, sehr hohen Schwankungen“, die Zweifel aufkommen lassen würden, den Wert der Währungsreserven zu erhalten. Außerdem sei die Marktliquidität eine Sorge, weil die SNB jederzeit in der Lage sein müsse, Devisen zu kaufen und zu verkaufen – insbesondere in Krisenzeiten.
Haltlose Gegenargumente?
Das Initiativkomitee hat den SNB-Chef bereits widerlegt. In einer Medienmitteilung, die Blocktrainer.de vorliegt, heißt es, dass die mangelnde Liquidität von Bitcoin nur ein vorgeschobenes Argument sei, da das Handelsvolumen der Kryptowährung mit dem von deutschen Bundesanleihen mithalten kann.
Vertreter der Nationalbank müssen sich immer wieder öffentlich der Frage stellen, was sie [von] Bitcoin halten. In den Antworten darauf wird oft [die] hohe Volatilität und mangelnde Liquidität ins Feld geführt. Dies ist unseres Erachtens ein vorgeschobenes Argument, zumal sich die Liquidität von Bitcoin gemessen am Handelsvolumen in ähnlichen Höhen bewegt wie die deutscher Bundesanleihen, welche als hochliquide Anlagen gelten.
Aus der Medienmitteilung
Die Initiative räumt zwar ein, dass die Kursschwankung von Bitcoin höher als bei herkömmlichen Anlageklassen ist und eine Beimischung das SNB-Portfolio volatiler gemacht hätte. Jedoch hätte eine Bitcoin-Allokation von 1 Prozent die Rendite rückwirkend betrachtet bereits erheblich gesteigert, so die Ausführung.
Ohne Bitcoin haben die Anlagen der Nationalbank seit dem 1.1.2015 einen Wertzuwachs von knapp 10 % erfahren, oder etwa ein Prozent pro Jahr. Mit einer Beimischung von Bitcoin wäre der Wertzuwachs hingegen fast doppelt so hoch ausgefallen, nämlich 18 %, und die Nationalbank hätte heute deutlich höhere Ausschüttungsreserven.
Aus der Medienmitteilung
Eine politische Frage
In der Medienmitteilung heißt es außerdem, dass die Frage nach einer Bitcoin-Investition eine politische sei. Denn die SNB könnte damit die Unabhängigkeit vom Ausland stärken, würde gleichzeitig aber auch ein Misstrauen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar zum Ausdruck bringen.
Insbesondere das Verhältnis mit der Europäischen Union könne dadurch getrübt werden. In diesem Kontext verweist die Initiative darauf, dass sich Christine Lagarde, die Chefin der Europäischen Zentralbank, kritisch zur potenziellen Bitcoin-Investition der Tschechischen Nationalbank geäußert hat.
„Vor diesem Hintergrund halten wir es für unabdingbar, einen Gegenpol zur von Eigeninteressen geprägten Sicht der Zentralbanken dieser Welt zu schaffen und die Schweizerische Nationalbank hin und wieder an die Vorzüge von Bitcoin als neutraler Reservewährung zu erinnern“, heißt es abschließend.
Zentralbanken und Bitcoin
Obwohl ein hochrangiger BlackRock-Mitarbeiter erst vergangene Woche darauf aufmerksam gemacht hat, dass sich Zentralbanken im Kontext der zunehmenden Fragmentierung auch für Bitcoin interessieren, halten sich Geldhüter rund um den Globus noch mit dem Kauf von Bitcoin zurück. Die Tschechische Zentralbank, die derzeit eine mögliche Bitcoin-Investition prüft, könnte die Erste sein.
Je mehr Zeit vergeht und je deutlicher es sich herausstellt, dass Bitcoin nicht nur die Diversifikation eines Portfolios, sondern auch die Rendite verbessern kann, desto stärker dürften Geldhüter wie SNB-Chef Martin Schlegel in Erklärungsnot geraten. Insbesondere auch dann, wenn weiterhin die Liquidität des Bitcoin-Markts steigt, während die Volatilität abnimmt.
Aktivisten wie Luzius Meisser liefern hierbei wichtige Aufklärungsarbeit. Bis Ende Juni 2026 läuft die Sammelfrist für die Bitcoin-Initiative, die die SNB zum Kauf von Bitcoin – im Interesse der Bürger – verpflichten möchte. Ob diese selbst bei genügend Unterschriften die gewünschte Wirkung entfalten wird, bleibt jedoch offen.