Das Unternehmen Buck Labs bringt einen neuen Token namens „Buck“ heraus. Der als „Bitcoin-Dollar“ beworbene Coin zielt auf eine annualisierte Rendite von circa 7 % ab. Möglich gemacht werden soll dies durch die Vorzugsaktie STRC des Bitcoin-Halters Strategy. Michael Saylor bewirbt das neue Produkt. Was steckt dahinter?

Saylors größte Idee

Als Strategy-Gründer Michael Saylor im Dezember vergangenen Jahres auf der „Bitcoin MENA Conference“ sprach, stellte er seine Vorschläge für Institutionen vor. Seine größte Idee: Banken oder Vermögensverwalter sollten Fonds oder andere Produkte auf Basis der Vorzugsaktien von „Bitcoin Treasury Companies“ lancieren.

Strategy hat inzwischen fünf Vorzugsaktien herausgebracht. Das Flaggschiffprodukt ist STRC, ein Wertpapier mit variabler Dividende, dessen Kurs stabil nahe 100 US-Dollar gehalten werden soll. Aktuell zahlt STRC eine jährliche Dividende in Höhe von 11 % bei monatlichen Ausschüttungen.

Würde eine Institution diese Vorzugsaktien kaufen und Cash beimischen, dann könne sie, so Saylor, ein Produkt mit gar keinen Schwankungen an den Mann bringen, den Haltern hohe Renditen zahlen, einiges an Kapital anziehen und selbst ordentlich mitverdienen.

Die Sicherheit von Strategys Vorzugsaktien hängt letztlich aber von der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens ab. Da die Aktiengesellschaft auf mehr als 60 Milliarden US-Dollar an Bitcoin sitzt, ist der Kurs der Kryptowährung maßgeblich, aber nicht die einzige Variable für das Risiko von STRC und Co.

Buck Labs bringt Bitcoin-Dollar

Buck Labs, ein auf den Cayman Islands ansässiges Unternehmen, setzt nun die Idee von Saylor um. Das aber nicht mit einem Fonds oder besonderem Sparkonto, sondern mit einem auf der Ethereum-Blockchain laufenden Krypto-Token namens „Buck“.

„Buck“ soll indirekt mit Strategys STRC gedeckt sein und darauf aufbauend eine jährliche Rendite von circa 7 % zahlen können. Die Höhe der Rewards eines Halters berechnen sich anhand der Haltezeit, so der Plan.

Buck, ein Governance-Token, liefert seine Renditen, indem er indirekt durch Bitcoin über seine Treasury-Bestände an STRC, Strategys durch Bitcoin gedeckte Vorzugsaktien ohne Ablaufdatum, abgesichert ist. STRC zahlt der Treasury von Buck eine monatliche Kapitalrendite zu einem variablen Jahreszinssatz. Die Inhaber von Buck-Token stimmen über die direkte Ausschüttung dieser Erträge an die Inhaber ab und schaffen so eine transparente Spar-Community, die durch die Überbesicherung von STRC mit Bitcoin und dessen etabliertem Finanzrahmen unterstützt wird.
Aus der Pressemitteilung

Michael Saylor repostete die Ankündigung von Travis VanderZanden, Gründer und CEO von Buck Labs, mit seinem 𝕏-Account. VanderZanden ist ein langjähriger Bitcoin-Investor und bewirbt den neuen Coin wie folgt:

Die Menschen wünschen sich eine einfache Möglichkeit, mit Kryptowährungen Belohnungen zu verdienen, ohne zu Spekulanten zu werden, und genau dafür wurde Buck entwickelt. Durch den Zugang zum Bitcoin Dollar mit 7 % Rendite möchten wir das Sparen mit Kryptowährungen für alle intuitiv und zugänglich machen.
Travis VanderZanden

Der Token kostet initial 1 US-Dollar und kann über die Website von Buck erworben werden. Am Markt wird der Kurs dann von Angebot und Nachfrage bestimmt werden. „Buck“ richtet sich explizit nicht an US-amerikanische Bürger.

Am ersten Tag wurden laut eigenen Angaben bereits 1 Million US-Dollar eingesammelt. Zudem wird Dan Hillery, ein Bitcoin-Influencer und Teil des Podcasts „MSTR True North“ der „Head of Treasury“ von „Buck“ sein.

Eine gefährliche Investition?

Immer wenn im Krypto-Kosmos von „sicheren Renditen“ die Rede ist, schrillen bei vielen die Alarmglocken – und das zurecht. Im Jahr 2022 kollabierte beispielsweise der algorithmische Stablecoin Terra USD (UST) von Luna, bei dem Halter mit rund 20 % jährlichen Renditen gelockt wurden. Auch die Lending-Plattform Celsius, auf der Nutzer ihre Krypto-Werte für hohe Zinsen verleihen konnten, meldete im Jahr 2022 Insolvenz an und hinterließ viele geprellte Kunden.

Das Konzept der Vorzugsaktien von „Bitcoin Treasury Companies“ und darauf aufbauender Token gilt es jedoch differenzierter zu betrachten. Strategy ist eine regulierte Aktiengesellschaft, die ein – wenn auch eher schwaches – Kredit-Rating von der Rating-Agentur Standard and Poor's erhalten hat und die Vorzugsaktien des Unternehmens sind Teil von Fonds großer Vermögensverwalter wie BlackRock.

Solange sich Strategy Kapital beschaffen kann – zur Not über Bitcoin-Verkäufe –, sollten die Dividenden der Vorzugsaktien gezahlt werden können. Zur Sicherheit hält das Unternehmen inzwischen sogar eine 2,25 Milliarden US-Dollar große Cash-Reserve, die rund 2,5 Jahre an Zahlungsverpflichtungen abdeckt. Strategys Geschäftsmodell besteht darin, sich Kapital zu guten Konditionen zu beschaffen und dieses langfristig in Bitcoin zu investieren.

Doch während die STRC und Co. seriöse, von der Börsenaufsichtsbehörde überwachte Wertpapiere sind, ist ein Token wie „Buck“ etwas gänzlich anderes. Dem Whitepaper ist zu entnehmen, dass die Halter kein Anrecht auf die zugrundeliegenden Vermögenswerte haben.

Der einflussreiche 𝕏-Account Pledditor bezeichnet es entsprechend als „furchtbaren Deal“ und sogar als „Betrug“.

Das Whitepaper zu Buck Token liest sich ganz anders als das, was die Bitcoin-Influencer darüber sagen.

„Buck Token ist ein fungibles Krypto-Asset, das auf der Ethereum-Blockchain ausgegeben wird.“

„Der Token ist nicht durch Vermögenswerte gedeckt und nicht an eine Währung gebunden.“

Viele sogenannte „Bitcoiner” machen Werbung für diesen Betrug.

Dies ist kein Stablecoin.

Es handelt sich lediglich um ein dubioses, auf ETH ausgegebenes tokenisiertes $STRC-Angebot, bei dem fast die Hälfte der $STRC-Erträge für sich selbst gestohlen wird, während man keinerlei Rechtsansprüche auf die Aktien hat. Ein schreckliches, furchtbares Geschäft.
Pledditor

Letztlich gilt es sich die Frage zu stellen, wieso ein Investor die höheren Risiken des Tokens tragen sollte, um dafür lediglich 7 anstatt der möglichen 11 %, die STRC den Haltern derzeit direkt aufs Jahr gerechnet zahlt, zu erhalten. 

Ein Argument wäre die potenziell geringere Schwankung. Doch auch der Kurs von STRC ist verhältnismäßig stabil, womit die hohe Renditedifferenz dadurch nicht wirklich gerechtfertigt werden kann.

Ein Vorteil von „Buck“ ist jedoch, dass Krypto-Token in der Regel von allen Menschen gekauft werden können. Bei US-amerikanischen Wertpapieren wie STRC braucht es ein Konto bei einem Broker. Für Menschen in Entwicklungsländern, die vom Finanzsystem ausgeschlossen sind, könnte „Buck“ also eine Möglichkeit sein, eine Art Stablecoin mit attraktiver Rendite zu halten.

Ein erster Schritt

Buck Labs ist unter dem Strich kein etabliertes Unternehmen, das mit seiner Vertrauenswürdigkeit überzeugt. Anders sähe es aus, wenn Großbanken wie JPMorgan oder Morgan Stanley eine Art Geldmarktfonds auf Basis der Vorzugsaktien lancieren würde. Hierbei könnte die Tatsache, dass es von einem renommierten Emittenten, der dafür bürgt, stammt, ein ausschlaggebendes Kriterium sein.

Der „Bitcoin-Dollar“ von Buck Labs ist ein interessanter erster Schritt in eine auf Bitcoin-Kreditinstrumenten basierende Welt, auf den viele weitere folgen könnten. Bislang ist „Buck“ nämlich, so das Unternehmen in der Pressemitteilung, der „weltweit erste Bitcoin-Dollar-Spar-Coin“. Doch diejenigen, die von den hohen Dividendenrenditen der Wertpapiere von Strategy profitieren wollen, wären wohl besser beraten, diese direkt zu kaufen, sofern es ihnen möglich ist.

Selbst wenn Bitcoin erfolgreich bleibt, kann sich Strategy verspekulieren und zahlungsunfähig werden – auch wenn es danach momentan nicht aussieht. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich „Buck“: Sollte Strategy die Dividenden der Vorzugsaktien für immer weiter zahlen können, besteht die Möglichkeit, dass ein Token wie „Buck“ letztlich verbrannte Erde hinterlässt.

Info

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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