Keonne Rodriguez, CEO und Entwickler des Bitcoin-Privacy-Dienstes Samourai Wallet, wurde zu 5 Jahren Haft und einer Geldstrafe von 250.000 US-Dollar sowie 3 Jahren Führungsaufsicht nach der Haft verurteilt. Rodriguez soll sich am 19. Dezember in Gewahrsam begeben. Laut der New Yorker Richterin Denise Cote hat er jedoch die Möglichkeit, Berufung einzulegen. Das Urteil für Samourai-Mitentwickler William Hill wurde von Freitag auf den 19. November verschoben.

Erstes Urteil im Samourai-Fall

Vor wenigen Tagen forderte die Staatsanwaltschaft, dass Keonne Rodriguez und William Hill die höchstmögliche Strafe von 5 Jahren Haft erhalten. Die Begründung: Die beiden hätten absichtlich und wissentlich „Erträge aus Drogenhandel, Darknet-Marktplätzen, Cyber-Einbrüchen, Betrug, Auftragsmorden und einer Kinderpornografie-Website“ über Samourai Wallet gewaschen. Dabei soll es um 237 Millionen US-Dollar an gewaschenen Geldern gehen.

Die Staatsanwälte bekräftigten ihre Behauptungen damit, dass aktiv kriminelle Nutzer umworben worden seien, indem Hackern Rabatte angeboten und russische und iranische Sanktionsbrecher angeworben wurden. Rodriguez soll „enttäuscht“ gewesen sein, als er sah, dass kriminelle Gelder über konkurrierende Dienste verschleiert wurden.

Im Fall von Rodriguez entspricht das Urteil, das am Donnerstag erfolgte, dieser Forderung. Die allgemeine Annahme ist, dass Hill dasselbe erwarten wird. Während der Anhörung erklärte Rodriguez vor Gericht, dass es ihm leid tue und er nicht erneut gegen das Gesetz verstoßen werde. In ihrem eigenen Strafmaßantrag schlugen die Anwälte des CEO der Samourai Wallet eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und einem Tag vor.

Obwohl Hill und Rodriguez, die im April 2024 verhaftet wurden, über ein Jahr lang gegen die Anklage gekämpft hatten, schlossen sie im Juli dieses Jahres einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ab, in dem sie sich bereit erklärten, sich der geringeren Anklage wegen illegaler Geldtransfers schuldig zu bekennen. Im Gegenzug wurde die Anklage wegen Geldwäsche – die mit einer Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis geahndet wird – fallengelassen.

Diese Kehrtwende erfolgte inmitten des Prozesses gegen Tornado Cash-Entwickler Roman Storm, der von demselben New Yorker Gericht stattfand. Wie Rodriguez und Hill wurde Storm wegen Verschwörung zum Betrieb eines nicht-lizenzierten Geldtransfergeschäfts und wegen Verschwörung zur Geldwäsche angeklagt, mit einer zusätzlichen Anklage wegen Verschwörung zum Verstoß gegen internationale Sanktionen. 

Im August wurde Roman Storm, Entwickler von Tornado Cash, wegen Geldtransfers für schuldig befunden, doch die Jury konnte sich nicht auf ein Urteil hinsichtlich der Anklagepunkte Geldwäsche und Verstöße gegen Sanktionen einigen.

Kontroverse Entscheidung

Anfang des Jahres sagte Matthew R. Galeotti, vorläufiger Abteilungschef im US-Justizministerium, dass es keine neuen Anklagen wegen unerlaubter Geldübermittlung gegen Entwickler erhoben werden sollen, wenn eine Software wirklich dezentral ist, nur Peer-to-Peer-Transaktionen automatisiert und keine Drittverwahrung besteht. Viele sahen das als ein Zeichen für mildere Urteile im Samourai-Fall.

Doch während US-Präsident Donald Trump den ehemaligen Binance-CEO, der sich schuldig bekannte, gegen Geldwäschegesetze verstoßen zu haben, begnadigte, scheint es bei den Entwicklern von Krypto-Privacy-Tools vorerst kein Erbarmen zu geben.

Letztlich handelt es sich bei dem Samourai-Fall um eine Kriminalisierung der Entwicklung von Open-Source-Code. Trotz der Pro-Krypto-Ausrichtung der USA gab es noch kein Ende des „Kampfes gegen Privacy“.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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