Rund 4.000 Bitcoin entwendet: Möglicher „White-Hat“-Angriff auf Liquid-Bridge!
Im Liquid-Netzwerk gab es offenbar einen größeren Sicherheitsvorfall. Rund 4.000 BTC aus der Liquid-Bridge wurden bewegt bzw. entwendet. Eine an die Transaktion angehängte Nachricht deutet darauf hin, dass dahinter möglicherweise sogenannte White-Hat-Hacker stecken.
Von René
Aktualisiert am
Liquid gehackt?
Am heutigen Sonntagabend machte unter anderem der Bitcoin-Entwickler Rob Hamilton auf die Transaktion aufmerksam.
Dabei wurden, wie eingangs erwähnt, knapp 4.000 BTC bewegt, die offenbar aus dem Bestand stammen, der Liquid-Bitcoin (L-BTC) auf der Bitcoin-Blockchain absichert.
Über ein OP_RETURN wurde zudem folgende Nachricht hinterlassen:
we are whitehats. contact us on chain
Kurz darauf tauchte eine weitere On-Chain-Nachricht als Antwort von Blockstream, dem Unternehmen, das das Liquid-Netzwerk maßgeblich entwickelt, auf:
Please contact security@blockstream.com
Blockstream scheint also bereits auf den Vorfall aufmerksam geworden zu sein und versucht offenbar, Kontakt mit den Verantwortlichen aufzunehmen.
Was genau passiert ist, ist aktuell noch offen. Unklar ist unter anderem, wie die Coins bewegt werden konnten, ob tatsächlich eine Sicherheitslücke ausgenutzt wurde und ob die Bitcoin zurückgegeben werden sollen. Die Selbstbezeichnung als „White Hats“ könnte zumindest darauf hindeuten, dass es sich nicht um einen klassischen Diebstahl handeln könnte.
It looks like ~4,000 BTC just moved from the Liquid Network bridge all at once with an OP Return saying, "we are whitehats. contact us on chain".
— Rob Hamilton 🟥 (@Rob1Ham) September 6, 2026
TXID:
c103de95817b43f2df635ec6f35ff126ca26a7c6d20570c4b01866b2b3e69a19 https://t.co/zTl47Tl1BZ pic.twitter.com/okHKhlXPnc
Was ist Liquid überhaupt?
Das Liquid-Netzwerk ist eine von Blockstream entwickelte Bitcoin-Sidechain. Nutzer können Bitcoin über einen sogenannten Peg-in in das Liquid-Netzwerk übertragen und erhalten dafür L-BTC. Diese sollen im Verhältnis 1:1 durch echte Bitcoin gedeckt sein.
Liquid ermöglicht unter anderem schnellere Transaktionen und sogenannte Confidential Transactions, bei denen beispielsweise die übertragenen Beträge verborgen werden können.
Anders als Bitcoin selbst wird Liquid allerdings nicht durch Proof-of-Work abgesichert. Stattdessen gibt es eine Gruppe von sogenannten Functionaries, die unter anderem für die Verwaltung des Pegs zwischen Bitcoin und Liquid zuständig sind.
Sollten die rund 4.000 BTC tatsächlich ohne Zustimmung der zuständigen Parteien bewegt worden sein, wäre das entsprechend ein Problem des Liquid-Sicherheitsmodells und nicht des Bitcoin-Netzwerks selbst.
Warum kein Responsible Disclosure?
Etwas seltsam wirkt allerdings, dass die mutmaßlichen White-Hat-Hacker offenbar nicht den klassischen Weg eines sogenannten Responsible Disclosure gewählt haben. Normalerweise würde man eine gefundene Schwachstelle zunächst vertraulich an das betroffene Unternehmen melden und diesem Zeit geben, sie zu schließen, bevor man Details veröffentlicht oder das Problem anderweitig demonstriert.
Warum hier stattdessen direkt mehrere Tausend Bitcoin bewegt und anschließend über die Blockchain Kontakt aufgenommen wurde, ist bislang unklar. Das passt zumindest nicht ganz zu dem üblichen Vorgehen von Sicherheitsforschern und macht den Vorgang trotz der Selbstbezeichnung als „White Hats“ erklärungsbedürftig.
Update: Liquid bestätigt Sicherheitsvorfall und pausiert Netzwerk
Die Entwickler des Liquid-Netzwerks haben den Sicherheitsvorfall offiziell bestätigt. Demnach wurden von (mutmaßlichen) White-Hat-Hackern rund 4.000 BTC beziehungsweise etwa 320 Millionen US-Dollar aus einer Wallet der Liquid Federation abgezogen.
Nach Angaben des Teams wurden die Coins über den SideSwap PAK (Peg-out Authorization Key) bewegt. Gleichzeitig betont Liquid, dass dieser Schlüssel nicht kompromittiert worden sei, ebenso wenig wie andere Schlüssel. Wie die Auszahlung trotzdem möglich war, ist damit weiterhin eine der zentralen offenen Fragen.
Die Federation hat die Bridge Nodes vorübergehend deaktiviert, wodurch aktuell keine neuen Transaktionen mehr an das Liquid-Netzwerk übermittelt werden können. Praktisch ist die Sidechain damit pausiert, bis der Vorfall geklärt ist.
Auch Börsen wurden informiert und sollen Ein- und Auszahlungen von L-BTC pausieren. Andere Assets auf Liquid, darunter USDT, DePix und RWAs, sollen laut dem Team nicht betroffen sein.
Blockstream versucht unterdessen weiter, die White Hats über die oben gezeigte, signierte On-Chain-Nachricht zu kontaktieren. Sobald es weitere Details zum genauen Ablauf und zur Rückführung der Bitcoin gibt, aktualisieren wir den Artikel erneut.
Viele Details noch unklar
Aktuell gibt es noch mehr offene Fragen als Antworten. Vor allem ist noch nicht bekannt, wie der Zugriff auf die Coins möglich war und ob die Bitcoin tatsächlich in Gefahr sind oder lediglich im Rahmen eines White-Hat-Angriffs bewegt wurden.
Nachtrag: Ursache offenbar Elements-Bug – White Hats wollen Großteil zurückgeben
Mittlerweile spricht einiges dafür, dass SideSwap selbst nicht gehackt wurde. Das behauptet das SideSwap-Team zumindest in einem entsprechenden Beitrag bei 𝕏.
Der Peg-out, also die Auszahlung von L-BTC zurück in echte Bitcoin, lief offenbar ganz normal über den Dienst. Auch der dafür verwendete Schlüssel soll laut SideSwap nicht kompromittiert worden sein.
Die eigentliche Ursache soll stattdessen in einem Fehler in Elements liegen, also in der Software, auf der das Liquid-Netzwerk technisch basiert. Nach aktuellem Stand konnten durch diesen Fehler offenbar L-BTC erzeugt beziehungsweise genutzt werden, die vom Netzwerk ganz normal als gültig angesehen wurden, obwohl ihnen eigentlich keine entsprechenden Bitcoin gegenüberstanden.
Für SideSwap sahen diese L-BTC damit wohl erst einmal wie ganz normale Coins aus. Als sie anschließend über den Peg-out wieder in echte Bitcoin getauscht wurden, ging die Auszahlung deshalb offenbar einfach durch.
Re today's Liquid incident: the ~4,000 BTC peg-out went through SideSwap's peg-out service on a customer order. As @Liquid_BTC confirmed, our PAK was not compromised. The L-BTC came from an Elements bug, not from any SideSwap system. Peg-in/out paused while Liquid is. Updates… https://t.co/TGUGoVDgA1
— SideSwap (@side_swap) September 6, 2026
Vereinfacht gesagt nutzt Liquid bei bestimmten Prüfungen einen Zwischenspeicher, damit aufwendige Berechnungen nicht jedes Mal komplett neu gemacht werden müssen. Genau dabei lag offenbar der Fehler. Der Cache merkte sich zwar, dass bestimmte Teile einer Transaktion schon geprüft und gültig waren, berücksichtigte aber nicht alle Merkmale, die dafür eigentlich wichtig gewesen wären.
Dadurch konnte wohl eine später veränderte Transaktion auf eine bereits gespeicherte „gültig“-Prüfung zurückgreifen, obwohl sie bei einer vollständigen Kontrolle hätte abgelehnt werden müssen. So konnten offenbar L-BTC entstehen beziehungsweise weiterverwendet werden, die das Netzwerk fälschlicherweise akzeptierte.
Aktuell sieht es also eher danach aus, dass kein Schlüssel gestohlen wurde, sondern dass die Liquid-Software selbst eine Transaktion akzeptiert hat, die sie eigentlich hätte ablehnen müssen.
Etwas naiv und fahrlässig seitens des SideSwap-Teams ist allerdings, dass offenbar keine zusätzlichen Limits eingebaut waren, die so eine ungewöhnlich große Auszahlung automatisch gebremst oder gestoppt hätten.
White Hats meldeten sich erneut
Auch die mutmaßlichen White Hats haben sich erneut gemeldet. Sie wollen nach eigener Aussage den Großteil der rund 4.000 BTC zurückgeben, allerdings erst dann, wenn die Schwachstelle behoben und die betroffenen Nodes, also die Rechner im Liquid-Netzwerk, entsprechend aktualisiert wurden. Technische Details zum Fehler sollen sie Blockstream zusätzlich verschlüsselt übermittelt haben.
Etwas offen bleibt die Formulierung „most of the funds“, also „der Großteil der Gelder“. Warum offenbar nicht die komplette Summe zurückgegeben werden soll, ist bislang unklar. Eventuell möchten sie einen Teil als eine Art „Bug-Bounty“ einbehalten.
Die knapp 3.998,5 BTC lagen zuletzt weiterhin weitgehend unbewegt auf der Adresse der White Hats. Die angekündigte Rückgabe hat also noch nicht stattgefunden.
Liquid sowie die Ein- und Auszahlungen zwischen Bitcoin und Liquid bleiben vorerst pausiert.
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