Nachdem gestern 4.000 BTC aus dem Liquid-Netzwerk entwendet wurden, hat der bzw. haben die Hacker heute den Großteil zurückgegeben. Rund 600 BTC (rund 50 Millionen US-Dollar) fehlen jedoch noch. Es wird spekuliert, dass es sich um die (selbst gewählte) Bug-Bounty handeln könnte.

Gestern hatten wir bereits ausführlich über den Sicherheitsvorfall im Liquid-Netzwerk berichtet und erklärt, wie es durch einen Fehler in der zugrunde liegenden Software offenbar dazu kommen konnte, dass rund 4.000 BTC aus der Liquid-Bridge ausgezahlt wurden.

Jetzt gibt es die nächste wichtige Entwicklung: Der oder die Hacker, die sich selbst als „White Hats“, also „gutartige Hacker“ bezeichnen, haben 3.400 BTC an die Federation-Adresse zurückgeschickt.

Damit hat sich deren frühere Aussage, man werde „most of the funds“, also den Großteil der Bitcoin, zurückgeben, tatsächlich erfüllt.

ES GEHT LOS. Der Liquid-Angreifer hat gerade die Rückzahlung gebroadcastet: 3.400 BTC zurück an die Federation-Adresse.

598,5 BTC hat er für sich behalten. Ungefähr 15 %.
„Den Großteil zurückschicken" war also wortwörtlich gemeint.

Nach elf Runden OP_RETURN-Drama, PGP-Signaturen und Electrum-Tutorials wurde das Whitehat-Bounty offenbar im Chiffretext ausgehandelt.
Miguel Medeiros, BTC-Entwickler

Miguel Medeiros
Miguel Medeiros ✓
@_miguelmedeiros
IT'S HAPPENING. The Liquid attacker just broadcast the return: 3,400 BTC to the federation address.

Kept 598.5 BTC for himself. About 15%. "Sending most back" was literal.

After 11 rounds of OP_RETURN drama, PGP signatures and Electrum tutorials, the whitehat bounty was apparently negotiated in ciphertext.
Unconfirmed, 1.6 sat/vB, so grab popcorn. 🍿

Erst öffentlich, dann verschlüsselt

In den Stunden davor lief die Kommunikation zwischen Blockstream und dem White Hat weiter über die Bitcoin-Blockchain. Dabei ging es unter anderem darum, welche Adresse für die Rückzahlung genutzt werden soll.

Der White Hat bat mehrfach um eine klare Bestätigung der Adresse. Blockstream antwortete teilweise verschlüsselt und signiert. Offenbar wollte der Hacker einfach sichergehen, dass später niemand sagen kann, die Coins seien an die falsche Adresse geschickt worden.

Zwischendurch wurde die Kommunikation dann komplett verschlüsselt. Der vorher sehr öffentliche Austausch über OP_RETURN lief damit zumindest teilweise privat weiter.

Rund 600 BTC bleiben als Bug-Bounty?

Inzwischen hat die Rückzahlung begonnen und die Transaktion wurde auch bereits vom Bitcoin-Netzwerk bestätigt. Auf der Adresse des White Hats liegen noch rund 600 BTC, also etwa 50 Millionen US-Dollar. 

Warum genau dieser Teil bisher nicht zurückgeschickt wurde, ist noch offen. Möglich wäre natürlich eine Art selbst festgelegte Belohnung, bestätigt ist das aber nicht.

Für Liquid ist damit zumindest schon einmal ein großer Teil des finanziellen Risikos raus. Offen bleibt jetzt vor allem, was mit den verbliebenen knapp 600 BTC passiert und ob und welche Details Blockstream noch zur eigentlichen Schwachstelle und gegebenenfalls zur Kommunikation mit den Hackern veröffentlicht.

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René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

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