Der Wallet-Hersteller OneKey ist auf dem asiatischen Markt bereits bekannt, in Deutschland jedoch noch ziemlich unter dem Radar. In diesem Testbericht gibt es einen Überblick über die Bitcoin-Hardware-Wallets OneKey Classic 1S und OneKey Pro. Für wen sind sie geeignet?

Das Unternehmen OneKey

OneKey wurde im Jahr 2019 in Hongkong gegründet und zählt heute zu den am schnellsten wachsenden Herstellern von Hardware-Wallets weltweit. Besonders in Asien gilt das Unternehmen als Marktführer – OneKey bezeichnet sich selbst als „#1 Hardware Wallet in the Eastern Hemisphere“.

Das Team besteht überwiegend aus ehemaligen Sicherheits- und Smartphone-Entwicklern aus China und Hongkong. Die Wallets sind vollständig open-source: Firmware, App und sogar die Hardware-Schaltpläne sind öffentlich auf GitHub einsehbar. Mehrfach wurden sie von renommierten Auditoren wie SlowMist geprüft. Seit dem Marktstart 2020 ist kein einziger Sicherheitsvorfall bekannt geworden.

Obwohl OneKey noch ein junges Unternehmen ist, hat es sich in kurzer Zeit neben BitBox, Trezor, Ledger und Coldcard etabliert – vor allem in Asien, aber auch im Westen wächst die Bekanntheit.

Lieferumfang und erster Eindruck

Beide Geräte kommen in einer hochwertigen Verpackung: schwarzer Karton, innen mit Schaumstoff ausgekleidet.

OneKey Classic 1S

Lieferumfang:

  • Die Wallet selbst
  • USB-C-auf-USB-C-Kabel
  • 3 Recovery Sheets
  • OneKey-Sticker
  • Kurzanleitung & Sicherheitshinweise

Optional gibt es die OneKey Classic 1S „Pure“-Version ohne Akku, die ausschließlich über USB mit Strom versorgt wird – und dadurch noch etwas günstiger ist.

Der Classic 1S fällt sofort durch seine schlanke Bauweise auf: Mit nur 5,2 mm Dicke und 21 g (mit Akku) ist er extrem dünn und leicht – und passt problemlos in eine Geldbörse (sofern man das Gerät tatsächlich mitführen wollte). 

Das mattierte Kunststoffgehäuse und die physischen Knöpfe wirken hochwertig, neigen aber dazu, Fingerabdrücke anzuziehen. Das kleine 1,45-Zoll-OLED-Display ist gut ablesbar, wirkt im Vergleich zu modernen Touch-Geräten aber etwas altmodisch. Die Verarbeitung ist tadellos: Nichts knarzt oder wackelt, die Tasten haben einen präzisen Druckpunkt.

OneKey Pro

Lieferumfang:

  • Die Wallet selbst
  • USB-C-auf-USB-C-Kabel
  • 3 Recovery Sheets
  • OneKey-Sticker
  • Kurzanleitung & Sicherheitshinweise

Der OneKey Pro setzt auf ein ganz anderes Konzept: Mit 65 g liegt er schwer und satt in der Hand. Der Aluminiumrahmen, kombiniert mit Glas- und Kunststoffelementen, sorgt für eine erstklassige Haptik – hier merkt man den fast dreifachen Preis sofort. Das 3,5-Zoll-Farb-Touchdisplay im 3:2-Format ist gestochen scharf, farbintensiv und reagiert sehr flüssig. Der Fingerabdrucksensor an der Seite arbeitet blitzschnell und präzise. Allerdings sammelt auch der Aluminiumrahmen Fingerabdrücke. Die Verarbeitung ist auf absolutem Top-Niveau und erinnert an hochwertige Smartphones.

Beide Hardware-Wallets und ihre Verpackungen hinterlassen sofort einen stilvollen, hochwertigen und durchdachten Eindruck.

Sicherheitsarchitektur im Detail

OneKey setzt kompromisslos auf maximale Sicherheit und Transparenz – das spürt man in jedem Detail.

Beide Geräte verwenden ein „EAL 6+“-zertifiziertes Secure-Element – aktuell die höchste Zertifizierungsstufe, die Hardware-Wallets erreichen können. Der Chip speichert die privaten Schlüssel physisch isoliert und ist gegen die meisten bekannten Angriffe wie Side-Channel- oder Fault-Injection-Attacken gehärtet.

Zudem ist sind Firmware, App und Hardware-Schaltpläne Open Source und auf GitHub einsehbar. Unabhängige Audits von Trail of Bits und SlowMist haben keine kritischen Schwachstellen gefunden.

Beide Wallets unterstützen BIP-39 inklusive Passphrasen sowie Shamir Secret Sharing (SLIP-39), wie man es auch von Trezor kennt. Der OneKey Pro ermöglicht sogar, bis zu drei komplett getrennte Wallets mit jeweils eigenem Seed und Passphrase auf einem Gerät zu speichern.

Der OneKey Pro bietet zusätzlich eine integrierte Kamera für die Airgap-Nutzung. Bluetooth und NFC lassen sich komplett abschalten. Außerdem unterstützt das Gerät kabelloses Laden (QI-2) und ist mit den MagSafe-Ladestationen von Apple kompatibel.

Die OneKey App

Die OneKey App überzeugt durch ihre Geschwindigkeit, Übersichtlichkeit und das moderne Design. 

In unserem Test lief die mobile App (erhältlich für iOS und Android) absolut reibungslos: Animationen sind flüssig, QR-Codes werden schnell erkannt und es gab keinerlei Verbindungsabbrüche – weder über Bluetooth noch im QR-Airgap-Modus. 

Beide Geräte ließen sich sehr zügig einrichten und verbinden.

Auf dem Desktop zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die offizielle OneKey-Desktop-App ist zwar für Windows, macOS und Linux verfügbar, startete im Test unter Linux (Ubuntu 24.04) allerdings gar nicht erst. 

Trotzdem konnten beide OneKey-Geräte problemlos über die Sparrow Wallet per USB genutzt werden – für Bitcoin-only funktioniert das ohne Einschränkungen.

Sprache als Kritikpunkt

Der OneKey Classic 1S ist ausschließlich auf Englisch verfügbar – eine deutsche Oberfläche gibt es nicht. Wer mit Englisch vertraut ist, wird hier aber keine Schwierigkeiten haben.

Der OneKey Pro unterstützt zwar mehrere Sprachen, darunter auch Deutsch. Die Übersetzungen sind jedoch oft mangelhaft: teilweise maschinell, unvollständig oder schlicht falsch. Oberflächliche Begriffe wie „Bestätigen“, „Empfangen“ oder „Einstellungen“ sind meist korrekt, aber in tieferen Menüs wird es schnell holprig und unverständlich. Wer Wert auf eine saubere deutsche Benutzeroberfläche legt, wird enttäuscht – auch beim Pro ist Englisch die deutlich bessere Wahl.

Das gleiche Problem zeigt sich auf der Webseite und in der App: Die Übersetzungen sind häufig unpassend und können gerade Einsteiger verwirren. Daher empfehlen wir, die englische Spracheinstellung zu wählen.

OneKey Classic 1S vs. OneKey Pro

Beide Wallets sind ziemlich unterschiedlich, wie man auch schnell an dem Preis bemerkt. Hier ein Vergleich der wichtigsten Punkte:

Kriterium OneKey Classic 1S OneKey Pro
Preis (Stand 01.12.2025) ca. 68 € (Pure) / 86 € ca. 240 €
Größe/Gewicht 86 x 52 x 5,2 mm / 18–21 g 90 x 54 x 7.6 mm / 65 g
Display 1,54-Zoll-OLED-Display (monochrom) 3,5-Zoll-Farb-Touchdisplay
Akku 110 mAh (nicht austauschbar) oder komplett battery-free 530 mAh (nicht austauschbar) + Wireless Charging
Bedienung Vier physische Knöpfe Touch
Bluetooth/NFC Nur Bluetooth Bluetooth + NFC (beides deaktivierbar)
Sprachen Kein Deutsch Mehrsprachig (schlechtes Deutsch)
Haptik/Verarbeitung Minimalistisch und hochwertig Exzellent (Smartphone-Niveau)
Extras Sicherheitsschlüssel (Passkey) Kamera für AirGap
QI-2 Laden
Sicherheitsschlüssel (Passkey)
Fingerabdruck

Fazit

OneKey hebt sich unter den Hardware-Wallet-Herstellern durch durchdachtes Design, hochwertige Verpackung und hohe Sicherheitsstandards deutlich ab.

Der OneKey Classic 1S ist aktuell ein sehr gutes, günstiges und unauffälliges Allround-Gerät für unter 100 €. Extrem dünn, optional ohne Akku, „EAL 6+“-zertifiziert, Open Source – und bislang ohne bekannte Sicherheitslücken. Im günstigen Preissegment ist der OneKey Classic eine echte Alternative, besonders im Vergleich zu Trezor Safe 3, Ledger Nano S oder dem Blockstream Jade.

Der OneKey Pro ermöglicht ein erstklassiges Benutzererlebnis: großes Touchdisplay, Kamera für Airgap, kabelloses Laden und die Möglichkeit, drei separate Wallets auf einem Gerät zu verwalten. Diese Features haben allerdings ihren Preis und positionieren den Pro in der Oberklasse der Hardware-Wallets – deutlich teurer als die BitBox02 Nova und vergleichbar mit dem Trezor Safe 7.

+ Preis-Leistungs-Verhältnis

OneKey Classic 1s

OneKey Classic 1S

  • Sehr dünn und leicht
  • Attraktiver Preis
  • 100 % Open Source (Firmware, App, Hardware-Schaltpläne)
  • EAL 6+ Secure Element
  • Mit iOS/iPhone kompatibel (Bluetooth)
  • nicht auf deutscher Sprache verfügbar
  • Unterstützt auch viele Altcoins
Top Verarbeitung

OneKey Pro

OneKey Pro

  • Schickes Design
  • Großes Touch Farbdisplay
  • Fingerprint Sensor
  • Open Source (Firmware, App, Hardware-Schaltpläne)
  • EAL 6+ Secure Element
  • Mit iOS/iPhone kompatibel (Bluetooth+NFC+Kamera für Airgap)
  • Kabelloses Aufladen
  • Deutsche Übersetzung mangelhaft
  • Sehr teuer
  • Unterstützt auch viele Altcoins
Timo

Über den Autor: Timo

Timo Volkov bietet Workshops und Beratungen rund um Bitcoin und Privatsphäre an. Er ist Autor des Buches „Das Privacy Handbuch“ und beschäftigt sich insbesondere mit den technischen Bitcoin-Themen.

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