Nvidia-Partner CoreWeave übernimmt Bitcoin-Miner Core Scientific
Die von Nvidia unterstützte KI-Cloud-Plattform CoreWeave übernimmt das Bitcoin-Mining-Unternehmen Core Scientific – und zahlt dafür mit Aktien im Wert von 9 Milliarden US-Dollar. Die aktienbasierte Übernahme ermöglicht CoreWeave Zugang zu einer Energieinfrastruktur, die für den wachsenden Strombedarf von KI-Anwendungen immer entscheidender wird.
Vom Krypto-Miner zur KI-Plattform
CoreWeave startete im Jahr 2017 als Krypto-Mining-Unternehmen, das hauptsächlich Ethereum (ETH) schürfte. Als die Ethereum-Blockchain im Jahr 2022 auf den Proof-of-Stake-Mechanismus umgestellt wurde, verlagerte CoreWeave den Fokus vollständig auf Dienstleistungen im Bereich des High-Performance-Computing (HPC), speziell für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI).
Die Umsätze stiegen rasant und große Player wie Nvidia sicherten sich Anteile an dem Unternehmen: Laut einer Meldung der US-Börsenaufsicht SEC vom 15. Mai 2025 besitzt Nvidia mehr als 24 Millionen CoreWeave-Aktien und damit rund 7 % der Unternehmensanteile. CoreWeave bezieht währenddessen leistungsfähige Chips von Nvidia.
Als Anbieter von HPC-Dienstleistungen und Zugang zu Nvidia-basierten KI-Chips wird CoreWeave derzeit mit etwa 79 Milliarden US-Dollar bewertet. Der weitere Ausbau des KI-Geschäftsmodells ist jedoch stark abhängig von Energie. Daher ist es für Unternehmen in diesem Sektor oft sinnvoller, bestehende Infrastruktur zu übernehmen, als neue Kapazitäten aufzubauen oder anzumieten – was letztlich zur vereinbarten Übernahme von Core Scientific führte.
Core Scientific stimmt der Übernahme zu
Core Scientific ist einer der größten Betreiber von Rechenzentren und börsennotierten Bitcoin-Mining-Unternehmen in den USA. Gemessen an der Bitcoin-Hashrate dominierte das Unternehmen zeitweise den nordamerikanischen Markt und ließ Konkurrenten wie Riot Blockchain und MARA Holdings hinter sich.
Doch mit steigenden Energiekosten und fallenden Bitcoin-Preisen musste Core Scientific Ende 2022 schließlich Insolvenz anmelden. Der Geschäftsbetrieb wurde jedoch aufrechterhalten und die Situation verbesserte sich, sodass Core Scientific im Januar 2024 das Insolvenzverfahren verlassen und die Restrukturierung starten konnte. Neben Experimenten im Mining-Hardware-Bereich versuchte das Unternehmen auch von dem KI-Boom zu profitieren, indem es Energie- und Standortinfrastruktur an die KI-Branche vermietete, die bereit ist, deutlich höhere Strompreise zu zahlen.
Im Juni 2024 machte CoreWeave ein erstes Übernahmeangebot, das Core Scientific jedoch ablehnte. In der Folge schlossen beide Unternehmen mehrere langfristige Verträge ab – unter anderem über die Bereitstellung einer 200 Megawatt Kapazität von Core Scientific für CoreWeaves HPC- und KI-Dienste.
Core Scientific hat zwar wertvolle Energieverträge und Rechenzentren, doch es fehlt dem Unternehmen an Kapital, um selbst in KI zu investieren und sich Marktanteile zu sichern. Daher erschien es dem Unternehmen wohl strategisch sinnvoller, sich vom Bitcoin-Mining zu lösen und sich von einem aufstrebenden KI-Player wie CoreWeave übernehmen zu lassen.
Aktienbasierte Übernahme
Die beiden Unternehmen haben eine aktienbasierte Übernahme im Wert von 9 Milliarden US-Dollar vereinbart. Bei diesem reinen Aktientausch erhalten die Core-Scientific-Aktionäre für jede gehaltene Aktie 0,1235 neu ausgegebene CoreWeave-Aktien. Die Core-Scientific-Aktie wird dabei mit 20,40 US-Dollar bewertet, was einem Aufschlag von rund 66 % entspricht.
Nach der Ankündigung fiel der Aktienkurs von Core Scientific um 22 % und der von CoreWeave um 4,5 %. Der endgültige Kaufpreis wird erst beim Abschluss der Transaktion im vierten Quartal 2025 festgelegt – vorausgesetzt, die zuständigen Behörden und Aktionäre stimmen zu.
Mehr Energie, weniger Kosten
Durch die Übernahme erhält CoreWeave mehrere Rechenzentren und Zugang zu insgesamt 1,3 Gigawatt zusätzlicher Stromkapazität. Um eine vergleichbare Infrastruktur neu aufzubauen oder anzumieten, müsste das Unternehmen über die nächsten 12 Jahre mehr als 10 Milliarden US-Dollar investieren. Diese Kosten entfallen nun, da Core Scientific bereits über eigene Standorte und Stromverträge verfügt.
Mit den zusätzlichen Rechenzentren und der eigenen Energieinfrastruktur kann CoreWeave seine KI- und HPC-Kapazitäten massiv ausbauen, operative Risiken senken, die Rentabilität verbessern und sich so weiter als führende KI-Plattform am Markt positionieren.
KI-Fokus im Trend?
Die Übernahme von Core Scientific bestätigt den Trend, dass Krypto-Miner ihre vorhandenen Werte, wie Hardware, Stromverträge und Rechenzentren, zunehmend für die aufsteigende KI-Branche nutzen, um die eigene Expansion voranzutreiben und die exponentiell steigende Nachfrage nach Rechenleistung in dem Sektor zu bedienen.
Neben CoreWeave ist auch anderen ehemaligen Ethereum-Minern wie Hive oder Applied Digital der Umstieg auf KI unkompliziert und erfolgreich gelungen. Da ihre Grafikkarten weiterverwendet werden konnten, ließen sich große GPU-Mining-Farmen relativ einfach in KI-Rechenzentren umwandeln, ohne neue Hardware anschaffen zu müssen.
Im Gegensatz dazu sind die spezialisierten ASICs aus dem Bitcoin-Mining-Betrieb für KI-Anwendungen ungeeignet. Daher bieten Bitcoin-Miner wie Iris Energy oder Core Scientific KI-Unternehmen ihre Energie- und Standortinfrastruktur an oder errichten eigene KI-Rechenzentren, um ihr Geschäftsmodell zu diversifizieren.
So wird Energie- und Recheninfrastruktur im KI-Zeitalter zur zentralen Währung für viele Bitcoin-Mining-Unternehmen. Immer mehr von ihnen prüfen derzeit, wie sich ihr Know-how und ihre Anlagen auch im KI-Sektor nutzen lassen und wie sich die beiden Branchen weiter annähern und ergänzen können. Dabei bieten Bitcoin-Mining-Anlagen Vorteile, die kein anderer Großverbraucher in dieser Form leisten kann:
Während KI-Anwendungen höhere Strompreise rechtfertigen, können Bitcoin-Mining-Anlagen überschüssige Energie flexibel aufnehmen, zur Netzstabilisierung beitragen, den Ausbau erneuerbarer Energien sowie nachhaltiger Wärmelösungen unterstützen und so aktiv Umweltbelastungen reduzieren. Demnach ist Bitcoin-Mining weitaus ressourcenschonender als Künstliche Intelligenz und bleibt somit in Bezug auf Nachhaltigkeit die bessere Wahl.