Canaan kombiniert Bitcoin-Mining mit Pflanzenanbau
Wärme aus ASICs
Das in Singapur ansässige Unternehmen Canaan Inc. gehört zu den führenden Herstellern von Mining-Hardware. Während der Großteil der operativen Aktivitäten in China stattfindet, hat Canaan auch im Ausland Produktionsstätten errichtet und nachhaltige Projekte gestartet:
- Seit Oktober 2025 betreibt Canaan in Kanada ein Mining-Projekt mit überschüssigem Erdgas, um Emissionen und Energieverschwendung zu reduzieren.
- Zudem hat ein japanisches Energieunternehmen Canaan-Hardware ins Stromnetz integriert, um Netzlasten auszugleichen.
- Vor einem Jahr brachte Canaan den Avalon Mini 3 auf den Markt – ein luftgekühltes Bitcoin-Mining-Gerät, das auch als emissionsfreie Heizung für Privathaushalte eingesetzt werden kann.
In einer Pressemitteilung kündigte Canaan nun ein Projekt zur Wärmerückgewinnung aus ASIC-Minern an: In einem Zeitraum von zunächst zwei Jahren soll die Abwärme von 360 wassergekühlten Avalon A1566HA-460T von Canaan in vier Containermodulen mit einer Gesamtkapazität von 3 Megawatt als Ergänzung für die elektrische Boiler-Heizung einer Gewächshausanlage in der kanadischen Provinz Manitoba dienen.
Laut Angaben von Nangeng Zhang, CEO von Canaan, können die ASICs Wasser auf über 75 °C erwärmen. Das vorgewärmte Wasser wird über ein geschlossenes Wärmetauschsystem als Zulaufwasser in den bestehenden Heizkreislauf eingespeist. Diese Kombination soll jährlich bis zu einer Million Tonnen Warmwasser liefern.
Nachhaltiges Modell für die Zukunft
Während Canaan die Hardware stellt, wird das Projekt von Bitforest Investment Ltd. betrieben – einem Unternehmen, das in Kanada verschiedene Projekte unter anderem in den Bereichen Energie, Pflanzenanbau und Mining umsetzen möchte.
Gemeinsam wollen die Unternehmen mit diesem Pilotprojekt eine umweltfreundlichere Alternative zum Heizen großer Gewächshausanlagen testen, die bisher häufig primär mit fossilen Brennstoffen beheizt werden.
Unter realen Betriebsbedingungen sollen wichtige Daten und Leistungskennzahlen gesammelt werden, anhand derer das Konzept bewertet und gegebenenfalls als Modell für weitere landwirtschaftliche Anwendungen dienen kann.
Mit diesem Proof-of-Concept setzen wir nicht nur Rechenausrüstung für ein einzelnes Projekt ein – wir hoffen, ein datengesteuertes, reproduzierbares Modell zu entwickeln. Dieses Programm wird es uns ermöglichen, die Wärmerückgewinnung für die Landwirtschaft in kälteren Klimazonen zu messen, zu modellieren und zu skalieren.
Nangeng Zhang, CEO von Canaan
Dies gilt letztlich auch für die Integration und Verbesserung von Recheninfrastruktur in anderen Branchen oder sogar in privaten Haushalten.
Im Fokus stehen dabei:
- Effizienz der Wärmerückgewinnung
- Systemstabilität
- Betriebs- und Wartungsintensität
- Kostenersparnisse
- Auswirkungen auf die Umwelt
Mehr Effizienz, weniger Kosten
Tatsächliche Leistungskennzahlen liegen bisher noch nicht vor. Canaan schätzt jedoch, dass in dem System rund 90 % des von den ASICs verbrauchten Stroms als Abwärme, die sonst ungenutzt bliebe, an das Heizsystem übertragen werden können.
Durch die zusätzliche Wärme sinkt der Energiebedarf der bestehenden Heizung, sodass die Gesamtenergieeffizienz des Standortes verbessert wird. Gleichzeitig können Emissionen und Umweltbelastungen reduziert werden.
Unter dem Strich kann die Kombination von Rechenzentren mit beheiztem Gewächshaus zu erheblichen Kostenersparnissen führen:
Weniger Investitionskosten
Wassergekühlte Rechenzentren benötigen üblicherweise spezielle Kühltürme. Da die Abwärme nun jedoch die Heizprozesse im Gewächshaus ergänzt, wird ein Teil der Kühlinfrastruktur überflüssig und Investitionskosten können eingespart werden.
Weniger Betriebskosten
Der Strom, der die ASIC-Miner versorgt und damit Einnahmen beziehungsweise Bitcoin generiert, wird nahezu vollständig in Wärme umgewandelt. Diese Abwärme wird über das Wärmerückgewinnungssystem zur Beheizung des Gewächshauses genutzt. Dadurch wird Heizenergie ersetzt, die ansonsten separat – beispielsweise über elektrische oder fossile Heizsysteme – hätte aufgebracht werden müssen.
Derselbe Strom erfüllt somit zwei Funktionen: Er ermöglicht das Mining und deckt gleichzeitig einen Großteil des Wärmebedarfs des Gewächshauses. Dadurch sinken die Betriebskosten deutlich.
CO₂-Bepreisung
Um Emissionen zu reduzieren und zum Beispiel kohlestoffärmere Heizoptionen zu fördern, haben viele Länder Preise für CO₂ eingeführt. Durch die Verdrängung der fossilen Heizenergie durch emissionsfreie Heizprozesse können CO₂-Kosten reduziert werden.
Netzlaststeuerung
Canaan und Bitforest profitieren nicht nur von sehr niedrigen Stromkosten von 0,035 US-Dollar pro Kilowattstunde, die auch Betrieb, Fehlerbehebung und Wartung einschließen, sie können auch an Demand-Response-Programmen teilnehmen oder Strom zurück ins Netz verkaufen. Dadurch können zusätzliche wirtschaftliche Vorteile entstehen – bei gleichzeitiger Entlastung des Stromnetzes, was allen Netzkunden und dem Netzbetreiber zugutekommt.
Mehrfache Nutzung von Energie
Canaan und Bitforest sind nicht die ersten Unternehmen, die Bitcoin-Mining-Anlagen mit Pflanzenanbau kombinieren. Ähnliche Konzepte wurden bereits mit luftgekühlten ASIC-Minern realisiert, etwa vom norwegischen Unternehmen Bluebite, der niederländischen Firma Bitcoin Brabant oder von Kamil Brejcha in Tschechien.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche praktische Anwendungen in verschiedenen Branchen, in denen die beim Mining entstehende Abwärme sinnvoll weitergenutzt wird:
- Neben dem Anbau von Pflanzen kommen Bitcoin-Miner auch in anderen Bereichen der Lebensmittelproduktion zum Einsatz, etwa bei der Gewinnung von Trinkwasser, in der Aquakultur (Algen-, Fisch- und Garnelenzucht) oder zur Unterstützung von Trocknungs- und Reifeprozessen (Whiskey, getrocknete Früchte oder Kakao). In einigen Ländern verringert dies die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten.
- In Norwegen und Finnland wird die Abwärme der Mining-Hardware genutzt, um Industriegebäude, Privathaushalte oder ganze Stadtviertel zu beheizen.
- Es existieren mittlerweile mehrere Unternehmen, die mobile Bitcoin-Mining-Heizungen für den Heimgebrauch anbieten, wie beispielsweise 21energy.
- Abwärme aus Mining-Prozessen wird auch in der Industrie eingesetzt, etwa zum Trocknen von Holz oder zur Unterstützung von Recyclingprozessen.
All diese Konzepte folgen demselben Prinzip: Der Strom treibt zunächst die ASIC-Miner an und erzeugt Rechenleistung – und schließlich Bitcoin. Die dabei entstehende Abwärme wird jedoch nicht ungenutzt an die Umwelt abgegeben, sondern in andere Anwendungen integriert. Die eingesetzte Energie wird damit doppelt genutzt, sodass Emissionen sinken und neue wirtschaftliche Modelle möglich werden.
Das Wärmerückgewinnungsprojekt von Canaan reiht sich somit in einen wachsenden internationalen Trend ein: Bitcoin-Mining wird nicht nur als reiner Energieverbraucher und Rechentechnologie wahrgenommen, sondern zunehmend auch als flexible Infrastruktur sowie Energie- und Wärmetechnologie, die Strom in Wärme und Einnahmen umwandelt und neue industrielle und landwirtschaftliche Anwendungen erschließen kann.