Der Vermögensverwalter BlackRock widmet sich in einem neuen Report der Frage, ob der Kursrücksetzer bei Bitcoin etwas an dem Investment-Case geändert habe. Das Ergebnis: Bitcoin bleibe ein Asset mit geringer Korrelation sowie eine globale Währungsalternative, die vor der Entwertung der Fiatwährungen schützen könne.

BlackRock, der größte Vermögensverwalter der Welt, rührt inzwischen seit mehreren Jahren die Werbetrommel für Bitcoin. So wurde im September 2024 ein Bericht mit der Überschrift „Bitcoin: ein einzigartiges Diversifikationsinstrument“ („Bitcoin: A Unique Diversifier“) veröffentlicht. In diesem wurde detailliert erklärt, wieso BTC als Beimischung in einem Portfolio Sinn ergeben könne.

Knapp zwei Jahre später gibt es jetzt eine Art Stresstest der damaligen Analyse, mit dem Fokus auf der Frage, ob die generelle Einschätzung trotz der schwachen Performance in den vergangenen Monaten immer noch zutreffend sei.

Der neue Bericht namens „Bitcoin neu bewerten: Nach dem Kursrückgang immer noch ein Werkzeug zur Portfoliodiversifizierung?“ („Re-Underwriting Bitcoin: Still a Portfolio Diversifier After the Pullback?“) wurde, so wie der aus dem September 2024, von Robbie Mitchnick, Leiter der Abteilung für digitale Assets bei BlackRock, verfasst. Co-Autor ist dieses Mal der „Head of Digital Assets Research“, Will Su.

Gründe für den gefallenen Kurs

Zunächst geht es um mögliche Erklärungen für den seit Oktober 2025 gefallenen Bitcoin-Kurs. Hierbei verweisen die BlackRock-Mitarbeiter allen voran auf die damals noch euphorische Marktstimmung, die mit viel Hebel einhergegangen sei.

Nachdem am 10. Oktober 2025 schließlich das größte Liquidierungsevent in der Krypto-Geschichte stattfand, gab es – anders als bei Aktien – keine nachhaltigen Erholungen mehr.

Zu der seither schwachen Performance hätten laut Mitchnick und Su der Skeptizismus hinsichtlich der Akkumulation von „Digital Asset Treasury Companies“ sowie die Kapitalrotation zu KI-Aktien beigetragen.

Letzteres ist eine Erklärung, der sich Robbie Mitchnick bereits bei einem Bloomberg-Interview Ende Juni dieses Jahres bediente. In dem neuen Report werden für diese These aber konkrete Daten geliefert.

Laut den BlackRock-Mitarbeitern lasse sich an den ETF-Flows ablesen, dass der KI-Hype Kapital zuungunsten von BTC angezogen habe:

Seit der Einführung in den USA verzeichneten Bitcoin-Spot-ETFs zwischen Januar 2024 und Oktober 2025 Zuflüsse in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar, während KI-thematische ETFs in diesem Zeitraum Zuflüsse in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar verzeichneten. Seitdem mussten Bitcoin-Fonds insgesamt Abflüsse in Höhe von rund 5 Milliarden US-Dollar hinnehmen, während KI-Fonds Zuflüsse von mehr als 46 Milliarden US-Dollar verzeichneten. Unserer Ansicht nach hat die Umschichtung in KI-bezogene Aktien wahrscheinlich um Kapital konkurriert und sich negativ auf die Bitcoin-Allokationen der Anleger ausgewirkt.
Aus dem Bericht

Eine Normalisierung dieser Kapitalrotation könne entsprechend BTC zugutekommen, heißt es weiter.

Unter dem Strich seien die Bereinigung des Marktes von Hebel sowie Kapitalflüsse in andere Sektoren die primären Gründe für den fallenden Kurs gewesen. Dies ändere laut Mitchnick und Su aber nichts an den Argumenten für eine Bitcoin-Investition.

Wir betrachten den Kursrückgang als Folge spezifischer Deleveraging- und Kapitalflussdynamiken und sind der Ansicht, dass die grundlegenden Investitionsargumente für Bitcoin als wichtige aufstrebende globale Währungsalternative und einzigartiges Instrument zur Portfoliodiversifizierung unverändert bestehen bleiben.
Aus dem Bericht

Der Investment-Case für Bitcoin

In dem Report wird letztlich detaillierter darauf eingegangen, was für eine Bitcoin-Beimischung im Portfolio spricht.

Hierbei konzentrieren sich Mitchnick und Su auf den potenziellen Schutz vor der Geldentwertung sowie vor geopolitischen Risiken und die Korrelation mit anderen Anlageklassen, um das Fazit zu ziehen, dass eine Allokation von 1 bis 2 % zu einem besseren Rendite-Risiko-Profil führen kann.

Schutz vor der Geldentwertung

Das zentrale Argument für Bitcoin aus dem Hause BlackRock ist und bleibt, dass das Asset von der schuldenbedingt unaufhaltsam voranschreitenden Geldentwertung profitieren könne.

So erklärte sogar CEO Larry Fink in seinem Aktionärsbrief im Frühjahr 2025, dass die USA ihre Rolle als Nation hinter der Reservewährung an digitale Assets wie Bitcoin verlieren könnten, wenn sie ihre Staatsschulden nicht in den Griff bekommen.

In dem neuen Report heißt es nun ebenfalls, dass sich die Schuldensituation wohl kaum verbessern werde und dies die Nachfrage nach Vermögenswerten mit begrenzter Gesamtmenge anfachen könne.

Die Rolle von Bitcoin als globale monetäre Alternative bleibt für institutionelle Investoren und Kapitalallokatoren ein wesentlicher Anziehungspunkt. Der kontinuierliche Anstieg der Staatsverschuldung und Haushaltsdefizite in den USA und weltweit sorgt weiterhin für erhebliche Bedenken hinsichtlich einer möglichen Geldentwertung – also des „Gelddruckens“ – und des damit verbundenen Risikos eines Kaufkraftverlusts von Fiatwährungen.

Da derzeit kein glaubwürdiger Weg zu einer nachhaltigen Konsolidierung dieser Staatshaushalte absehbar ist, stärken diese fiskalischen Entwicklungen das strategische Argument für Vermögenswerte, deren Angebot nicht im Ermessen von Zentralbanken liegt, sondern festen Begrenzungen unterliegt: bei Gold durch die Geologie und bei Bitcoin durch Mathematik und Code.
Aus dem Bericht

Um den Punkt zu untermauern, dass Fiatwährungen quasi zwangsläufig an Kaufkraft verlieren, zeigen Mitchnick und Su eine Grafik mit dem Wertverlust von großen Währungen gegenüber Gold seit 1900.

Bis zum heutigen Tag hat jede Fiatwährung, die von den führenden Wirtschaftsmächten der Welt um die Wende zum 20. Jahrhundert ausgegeben wurde, gegenüber Gold mehr als 99 % ihres Wertes verloren.
Aus dem Bericht

Bitcoin und die globale Geldmenge

In dem Report wird zudem darauf verwiesen, dass der Bitcoin-Kurs normalerweise von einer steigenden globalen Geldmenge profitieren würde. 

Seit Oktober 2025 war das nur nicht mehr der Fall, wie in der beigefügten Grafik mit der jährlichen Wachstumsrate von BTC und Global M2 ersichtlich wird.

Dies ändere laut Mitchnick und Su aber nichts daran, dass sich der Wert von Bitcoin langfristig an der Liquidität zu orientieren scheint.

Die Renditen von Bitcoin verliefen in den vergangenen zehn Jahren weitgehend im Einklang mit Veränderungen der Geldmenge und fielen insbesondere in Phasen eines beschleunigten M2-Wachstums überdurchschnittlich aus.

Auch wenn sich dieser Zusammenhang kurzfristig nach dem Ausverkauf seit Oktober abgeschwächt hat – trotz einer weiterhin wachsenden M2-Geldmenge –, deutet die historische Entwicklung darauf hin, dass sich der Wert von Bitcoin häufig an der Richtung der Liquidität im globalen Geldsystem orientiert.
Aus dem Bericht

Absicherung gegen geopolitische Schocks

Eine prominente Grafik des vorangegangenen Reports war, wie sich Bitcoin in Schocksituationen im Vergleich zu anderen Anlageklassen schlägt.

Diese zeigte damals schon, dass BTC kurzfristig oft überproportional leidet, auf einen 60-Tages-Zeitraum danach hingegen aber meist die beste Rendite erwirtschaftet.

Im neuen Bericht wurde die Grafik um den Zollschock im Frühjahr 2025 sowie den Ausbruch des Irankriegs Ende Februar dieses Jahres ergänzt. Und auch hier zeigt sich, dass Bitcoin fast ausnahmslos den besten mittelfristigen „Schutz“ bieten konnte.

Bitcoin dient weiterhin als kurzfristiger Schutz gegen geopolitische Verwerfungen. Bei mehreren Krisen der vergangenen Jahre entwickelte sich Bitcoin in den Wochen und Monaten nach Beginn der jeweiligen Störungen häufig besser als sowohl der S&P 500 als auch Gold.

Dieses Muster hat sich bislang auch 2026 im Zuge des anhaltenden Konflikts zwischen den USA und Iran gezeigt: Bitcoin erzielte positive Renditen und schnitt sowohl besser als Aktien als auch Gold ab – sowohl nach Beginn der Feindseligkeiten im Februar als auch nach dem Ende des Waffenstillstandsabkommens im Juli.
Aus dem Bericht

Niedrige Korrelation mit Aktien

Doch nicht nur für Krisensituationen könne Bitcoin das Portfolio besser diversifizieren. Mitchnick und Su erklären zwar, dass es kurzfristig so aussehen möge, dass sich Bitcoin lediglich wie ein „Risk-Asset“ verhalte. 

Die zeitweise hohe Korrelation mit risikoreicheren Aktien sei jedoch vielmehr vorübergehender als struktureller Natur – und gelte ebenso für Gold.

Bitcoin wies in bestimmten kurzfristigen Phasen eine erhöhte Korrelation mit Risikoanlagen auf – insbesondere während des Straffungszyklus der US-Notenbank im Jahr 2022 und der Zollturbulenzen 2025. Wir betrachten diese Ausschläge jedoch als vorübergehende Phänomene und nicht als strukturelle Entwicklung. […] Selbst bei Gold, das üblicherweise als unkorrelierter Wertspeicher betrachtet wird, gibt es kurze Phasen mit einer hohen Korrelation zu Aktien – etwa während der COVID-Phase 2020–2021 sowie während des geldpolitischen Lockerungszyklus im Jahr 2023.
Aus dem Bericht

Die These, dass Bitcoin weitgehend unabhängig von der Entwicklung der Aktienmärkte sei, wird in dem Bericht durch die langfristige Korrelation mit dem Aktienindex S&P 500 untermauert.

Diese liege mit 0,18 zwar höher als die von Gold, doch deutlich unter dem Wert für den Rohstoffindex von Bloomberg (0,29).

Eine Korrelation von 1 würde heißen, dass Anlageklassen im Gleichschritt laufen, während ein negativer Wert entgegengesetzte Bewegungen bedeutet.

BlackRock führt die zeitweise höhere Aktienkorrelation vor allem auf spekulative Positionierung und den damit verbundenen Abbau von Hebel zurück und erwartet nach dem jüngsten „Deleveraging“ nun wieder eine niedrigere Korrelation.

In dem vorangegangenen BlackRock-Report wurde Bitcoin noch mit einer S&P-500-Korrelation von 0,2 aufgeführt, was bedeutet, dass der Wert seither zurückgelaufen ist.

Rückläufige Volatilität

Ein weiterer Punkt des Berichts sind die über die Jahre abnehmenden Schwankungen des Bitcoin-Kurses. Die hohe Volatilität wird immer wieder als Argument gegen eine Investition in Bitcoin angeführt – und oftmals mit Risiko gleichgesetzt.

Dass die Schwankungen geringer werden, erklären sich Mitchnick und Su in erster Linie durch die zunehmende Reife des Marktes.

Die annualisierte Volatilität von Bitcoin ist deutlich zurückgegangen: Während sie vor rund zehn Jahren regelmäßig auf über 100 % anstieg, lag sie während eines Großteils der vergangenen zwei bis drei Jahre bei unter 50 %. […] Die fortschreitende Reifung der Marktstruktur von Bitcoin hat dessen Fähigkeit deutlich verbessert, größere Preisverwerfungen aufzufangen und zu bewältigen.
Aus dem Bericht

Trotz alledem bleibe Bitcoin im Vergleich zu anderen Anlageklassen ein hoch volatiles Asset, das dementsprechend im Portfolio gewichtet werden solle.

Bitcoin bleibt nach jedem gängigen Maßstab ein volatiler Vermögenswert, und Anleger sollten die Größe ihrer Allokation entsprechend ihren individuellen Zielen und Risikovorgaben wählen.
Aus dem Bericht

Bitcoin-Allokation von 1 bis 2 % immer noch sinnvoll

Mitchnick und Su kommen zu dem Fazit, dass eine Investition in Bitcoin trotz des Kurseinbruchs weiterhin Sinn ergeben kann.

Ungeachtet der jüngsten Kursschwankungen – ein wiederkehrendes Merkmal in der 16-jährigen Handelsgeschichte von Bitcoin – sind wir der Ansicht, dass eine Anlage in Bitcoin einen einzigartigen Mehrwert für Portfolios bieten kann, und zwar als Absicherung gegen Geldentwertung und als Quelle für gering korrelierte und positiv asymmetrisch verteilte Renditen.
Aus dem Bericht

Dafür verweisen sie auch auf die asymmetrische Renditeverteilung von Bitcoin, also darauf, dass es teilweise besonders starke Monate gab, die andere Anlageklassen in den Schatten gestellt haben.

Konkret legen sie eine Allokation von 1 bis 2 % in einem traditionellen Portfolio mit Aktien und Anleihen nahe, da diese in den vergangenen Jahren die Rendite verbessert hätte, ohne das Risiko nennenswert zu erhöhen.

In anderen Worten: Die Bitcoin-Beimischung führte zu einer besseren „Sharpe-Ratio“ bei gleichzeitig kaum zunehmendem maximalen Kursrückgang.

Unsere historische 10-Jahres-Analyse eines traditionellen, US-basierten 60/40-Portfolios zeigt, dass eine Bitcoin-Allokation von 1 bis 2 %, die durch eine entsprechende Reduzierung des Aktienanteils finanziert wird, die Rendite verbessert hätte, während die Risikoeigenschaften insgesamt weitgehend vergleichbar geblieben wären.
Aus dem Bericht

In dem vorangegangenen Bericht wurde eine solche Zahl nicht genannt. Dafür in einer anderen Analyse aus dem Hause des weltweit größten Vermögensverwalters.

Sollten immer mehr große Investoren diesen Ratschlag befolgen, könnte dies immenses Kapital zu Bitcoin fließen lassen. Die Marktkapitalisierung des Assets beträgt derzeit nämlich lediglich 1,3 Billionen US-Dollar, während über 450 Billionen US-Dollar in Aktien und Anleihen investiert sind.

Das für Bitcoiner aber wohl relevanteste Learning aus dem neuen Bericht ist, dass BlackRock BTC immer noch als gering korreliertes Asset und vor allem als Alternative zu Fiatwährungen sowie als potenziellen Schutz vor der Geldentwertung bewirbt.

Langfristig betrachtet ist Bitcoin ein Anlageinstrument mit geringer Korrelation geblieben, was durch sein zentrales Investitionsargument als aufstrebende globale Währungsalternative und potenzielle Absicherung gegen die Entwertung von Fiatwährungen untermauert wird. […] Wir sind der Ansicht, dass die wesentlichen Argumente für eine Investition in Bitcoin als wichtige, sich weltweit entwickelnde Währungsalternative und einzigartiges Instrument zur Portfoliodiversifizierung unverändert bestehen bleiben.
Aus dem Bericht

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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