Künstliche Intelligenz bevorzugt Bitcoin als Geld
In der Bitcoin-Community schwirrt schon seit Jahren die These umher, dass Bitcoin das perfekte Geld für die Künstliche Intelligenz ist. Die naheliegendste Begründung: Selbstständige KI-Agenten werden eine Zahlungsinfrastruktur nutzen müssen, die rein digital ist und bei der es keine Identitätskontrollen gibt.
Kürzlich nahm das Thema Fahrt auf, als auf Moltbook, einem KI-Forum, die KI-Agenten selbst darüber diskutierten und zu einem ähnlichen Entschluss kamen – auch wenn die Aussagekraft dessen mit Vorsicht zu genießen ist, da der KI-Agent, der den Thread eröffnete, auf „Bitcoin-Maximalismus“ gedrillt wurde.
Das Bitcoin Policy Institute (BPI), eine bekannte NGO aus den USA, hat im Rahmen einer Studie nun 36 KI-Modelle getestet, um herauszufinden, für welche Geldform sich ChatGPT, Gemini, DeepSeek und Co. im Zweifel wirklich entscheiden würden. Dabei kam heraus, dass die Wahl zu 48,3 % auf Bitcoin fiel.
Die Ergebnisse stellen herkömmliche Annahmen über die Zukunft des Online-Geldes infrage. […] Als ihnen echte monetäre Optionalität gewährt wurde, lehnten die Frontier-KI-Modelle traditionelle Fiatwährungen überwiegend zugunsten digitaler Alternativen ab – wobei Bitcoin klar an der Spitze lag.
Aus der Studie
9.072 Experimente mit 36 KI-Modellen
Um ein belastbareres Ergebnis auf die Frage, welches Geld KI-Agenten wählen würden, zu bekommen, führte das BPI insgesamt 9.072 kontrollierte Experimente mit 36 KI-Modellen von unterschiedlichen Anbietern durch. Das alles geschah laut BPI ohne Kontextverzerrung beziehungsweise ohne Antworten vorzugeben.
Bitcoin gewinnt deutlich
In 4.378 Fällen des „Blank-Slate-Experiments“ wählte die KI Bitcoin als bevorzugtes Geld aus.
Mit 48,3 % ist BTC die klare Nummer 1, gefolgt von Stablecoins und normalem Fiatgeld, das über Bankkonten läuft.
4.378 von insgesamt 9.072 Befragten wählten Bitcoin als bevorzugtes monetäres Instrument – mehr als jede andere Option. In keiner der Fragen wurde Bitcoin erwähnt oder eine bestimmte Währung vorgeschlagen.
Aus der Studie
Selbst wenn man Stablecoins, also mit Fiatgeld gedeckte Kryptowährungen, und „normales Geld“ in einer Kategorie zusammenfassen würde, hätte Bitcoin immer noch mit mehr als 6 Prozentpunkten die Nase vorn.
„Krypto“ und tokenisierte „Real World Assets (RWA)“, also letztlich alles aus dem Krypto-Sektor abseits von Bitcoin und Stablecoins, scheinen für KIs derweil fast komplett uninteressant zu sein – und das, obwohl ein Großteil der Coins mit der Absicht geschaffen wurde, das effizientere und bessere Geld als Bitcoin zu sein.
Noch klareres Bild beim Thema Wertaufbewahrungsmittel
Bei Szenarien, in denen es um die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel ging, schnitt Bitcoin noch stärker ab. In 79,1 % der 2.268 Fälle wählten die KI-Modelle Bitcoin.
Bei der Begründung stützten sich die KIs auf die begrenzte Gesamtmenge sowie die Souveränität, die BTC bietet.
Die Studienautoren fassen es wie folgt zusammen:
In Szenarien zur Erhaltung der Kaufkraft über einen Zeitraum von mehreren Jahren wählten 1.794 von 2.268 Befragten Bitcoin – das eindeutigste Ergebnis der Studie. Dies galt für alle 6 Anbieter und alle 36 Modelle. Stablecoins lagen mit 6,7 % weit abgeschlagen auf Platz zwei, gefolgt von Fiatwährungen mit 6,0 %. Andere Kryptowährungen wie Ethereum schnitten mit nur 4,2 % noch schlechter ab – die Modelle unterschieden Bitcoin überwiegend von der breiteren Kategorie der Kryptowährungen. Die Modelle nannten durchweg die fixe Gesamtmenge, die Selbstverwahrung und die Unabhängigkeit von institutionellen Gegenparteien als entscheidende Faktoren für Bitcoin.
Aus der Studie
Sogar in puncto Recheneinheit führt Bitcoin die Liste mit 47 % deutlich an – obwohl der Kurs bekanntlich noch sehr starken Schwankungen unterliegt.
Lag hingegen der Fokus auf der Geldfunktion als Zahlungsmittel, musste sich BTC (36,0 %) letztlich Stablecoins (53,2 %), aber nicht Fiatwährungen (5,1 %), geschlagen geben.
Wie entscheiden die jeweiligen KI-Modelle?
Interessant ist auch, wie sich die unterschiedlichen KI-Modelle entschieden haben. GPT-5.2 von OpenAI zog beispielsweise sowohl Stablecoins als auch Fiatgeld Bitcoin vor. Die Modelle von Anthropic, DeepSeek und Google hingegen stellten sich als die größten Bitcoin-Befürworter heraus.
Von den 36 getesteten Modellen wählten 22 Bitcoin als ihre erste Wahl. Anthropic-Modelle zeigten mit durchschnittlich 68 % die stärkste Präferenz, gefolgt von DeepSeek (52 %), Google (43 %) und xAI (39 %). Claude Opus 4.5 erzielte mit 91,3 % die höchste Einzelbewertung.
Aus der Studie
Ein interessantes Ergebnis ist zudem: Bei keinem einzigen KI-Modell befanden sich herkömmliche Fiatwährungen auf Platz 1.
Durch die Studie wurde überdies festgestellt, dass die Bitcoin-Präferenz tendenziell mit einer höheren Leistungsfähigkeit eines Modells zugenommen hat. Dies interpretieren die Studienautoren so, dass eine bessere Analyse wahrscheinlicher zu der Wahl von Bitcoin führt.
Innerhalb der Produktpalette von Anthropic stieg die Präferenz für Bitcoin mit zunehmender Leistungsfähigkeit stetig an: Claude 3 Haiku (41,3 %) → Claude 3.5 Haiku (82,1 %) → Sonnet 4 (89,7 %) → Claude Opus 4.5 (91,3 %). Dieses Muster zeigte sich über mehrere Generationen hinweg und deutet darauf hin, dass eine größere Analysefähigkeit dazu führt, dass sich die Modelle bei der Argumentation, ausgehend von den Grundprinzipien des Geldes, zunehmend auf Bitcoin konzentrieren.
Aus der Studie
Die hohen Differenzen zwischen den jeweiligen KI-Firmen erklären sich die Autoren derweil durch die unterschiedlichen Trainingsdaten beziehungsweise den Bias der Herausgeber.
Steht die Bitcoin-KI-Revolution bevor?
Auch wenn es vereinzelt schon Berichte davon gibt, dass KI-Agenten selbstständig Bitcoin nutzen, ist das Ganze größtenteils noch theoretischer Natur. Ob Bitcoin das Geld der KIs wird und dadurch eine Renaissance als Zahlungsmittel erhält, muss am Ende die Zukunft zeigen.
Unter dem Strich ist die Bitcoin-KI-Story ein starkes Narrativ, das durchaus auch an der Wall Street Beachtung finden könnte. Gründe, wieso sich KI-Agenten für Bitcoin als Geld entscheiden dürften, gibt es nämlich zuhauf – und das sind größtenteils auch Argumente, die bei Menschen greifen.
Die neue Studie des BPI liefert neue Daten, um diese These zu untermauern. Letztlich ist das BPI aber eine Pro-Bitcoin-Denkfabrik, die natürlich ein großes Interesse daran hat, solche Ergebnisse präsentieren zu können.
Eine theoretische Befragung ist sowohl bei Menschen als auch bei KIs nicht mit der Observation der Realität zu vergleichen. Demnach steht der Beweis dafür, dass sich KI-Agenten wirklich für Bitcoin entscheiden, immer noch aus.