Eine neue Studie des Beratungsunternehmens BearingPoint zeigt, dass Deutsche Kryptowährungen seltener nutzen und weniger als geeignete Anlageform betrachten als Österreicher und Schweizer. Außerdem steigt die Krypto-Affinität mit dem Bildungsgrad.

Deutschland gilt eigentlich als Bitcoin-Hochburg. Mit der Bar Room 77, in der schon ab 2011 in BTC bezahlt werden konnte, befand sich eine der ersten Akzeptanzstellen der Welt in Berlin.

Hinzu kommt, dass rund 15 % der geografisch zuordenbaren Bitcoin-Knotenpunkte aus Deutschland betrieben werden. Nur die USA, die mehr als viermal so viele Einwohner haben, liegen mit über 30 % davor.

Eine neue Umfrage in der DACH-Region, die Daten zur Nutzung und der Einschätzung der Bürger gegenüber Kryptowährungen liefert, zeichnet jetzt aber ein etwas anderes Bild.

„Deutsche sind Krypto-Muffel“

Die heute veröffentlichten Ergebnisse der Studie von BearingPoint mit der überspitzten Überschrift „Deutsche sind Krypto-Muffel: Österreicher und Schweizer nutzen digitales Geld doppelt so häufig“ legen nahe, dass Deutschland das Schlusslicht in der DACH-Region ist.

Im Rahmen einer Online-Umfrage über das bekannte Marktforschungsinstitut YouGov wurden zwischen dem 18. und 29. Juni dieses Jahres insgesamt mehr als 4.000 Erwachsene aus den drei Ländern zu Kryptowährungen befragt.

  • 2.031 aus Deutschland
  • 1.003 aus Österreich
  • 1.001 aus der Schweiz

Das zentrale Ergebnis: Österreicher und Schweizer scheinen die größeren Krypto-Enthusiasten zu sein.

Krypto-Nutzung

So gaben lediglich 11 % der Deutschen an, Kryptowährungen ab und an zu nutzen. Bei Schweizern waren es 23 % und bei Österreichern 18 %.

In der Altersgruppe von 18 bis 24 Jahren fanden sich mehr Krypto-Nutzer, während die Unterschiede zwischen den Ländern deutlich abnahmen. Aber auch hier bildet Deutschland das Schlusslicht.

Ein weiteres Ergebnis ist, dass das Thema Kryptowährungen weiterhin stark männlich dominiert ist. Ein deutlich geringerer Anteil der Frauen gab an, Kryptowährungen zu nutzen.

In Deutschland nutzen 15 % der Männer Kryptowährungen gelegentlich bis täglich, aber nur 6 % der Frauen. In Österreich liegt das Verhältnis bei 26 zu 10 %, in der Schweiz bei 31 zu 15 %.
Aus der Studie

Krypto als Anlageform und Inflationsschutz

Starke Differenzen zwischen den Ländern gibt es auch bei dem Thema Investition beziehungsweise Vermögensschutz.

23 % der Deutschen gaben an, Kryptowährungen als geeignete Anlageform zu betrachten.

Österreicher und Schweizer übertrafen diese Zahl ebenso mit 28 % respektive 37 %.

Einen Inflationsschutz sehen die DACH-Bürger in Kryptowährungen generell weniger, wobei sich die Deutschen auch hier am zurückhaltendsten positionierten.

Gold kam bei der Umfrage derweil bei beiden Punkten deutlich besser davon. 

In allen drei Ländern sah mindestens jeder Zweite in dem Edelmetall eine geeignete Anlageform sowie einen Inflationsschutz.

Einen signifikanten Unterschied gab es zudem bei der Unterteilung nach Einkommen und Bildungsgrad in der deutschen Detailauswertung.

Bei besserem Verdienst sowie höherem Abschluss wurden Kryptowährungen eher als geeignete Anlageklasse eingeordnet.

Wer über höhere finanzielle Spielräume und höhere formale Bildung verfügt, bewertet Kryptowährungen eher als Anlageoption. In Haushalten mit einem Nettoeinkommen von 4.000 Euro und mehr liegt die Zustimmung zur Anlageeignung von Kryptowährungen bei rund 37 %, bei Haushalten unter 2.000 Euro bei rund 17 %. Befragte mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss bewerten Kryptowährungen mit rund 30 % ebenfalls deutlich häufiger als geeignet als Personen mit Lehre oder vergleichbarem Abschluss, bei denen der Wert bei rund 16 % liegt.
Aus der Studie

Strategische Rolle von Krypto

Auch bei der Frage, ob die Bürger es für wahrscheinlich halten, dass Kryptowährungen eine relevante unabhängige internationale Handels- oder Reservewährung werden, zeigten sich die Deutschen am skeptischsten.

Nur knapp jeder dritte Deutsche traut Kryptowährungen künftig eine strategische Rolle neben Gold und dem US-Dollar zu. Bei den Schweizern ist es fast jeder Zweite.

Popularität von CBDCs

Die Deutschen positionierten sich aber nicht nur am zurückhaltendsten bei Krypto, sondern auch gegenüber digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs).

Nur 29 % der Deutschen gaben an, den potenziell bald kommenden Digitalen Euro als alltägliches Zahlungsmittel nutzen zu werden.

Österreicher zeigten sich mit 38 % deutlich offener.

Einen Digitalen Franken würden die befragten Schweizer derweil sogar zu 44 % als Bezahlmethode einsetzen.

Schweiz als attraktiverer Krypto-Standort?

Dr. Robert Bosch, globaler Leiter der Sparte Financial Services bei BearingPoint, fasst die Ergebnisse der Studie, bei der leider nicht zwischen Bitcoin und Kryptowährungen differenziert wurde, mit den folgenden Worten zusammen:

Die Schweiz ist im DACH-Vergleich nicht einfach kryptoaffiner, sondern bei digitalem Geld insgesamt entscheidungsfreudiger. Deutschland diskutiert Risiken, während die Nachbarn bereits stärker nutzen und investieren.

Auch wenn in der Schweiz kürzlich die Volksinitiative, die die Nationalbank zum Kauf von Bitcoin verpflichtet hätte, gescheitert ist, positioniert sich das Land zunehmend als Krypto-Standort.

Nicht nur können beispielsweise im Kanton Zug Steuern in Krypto bezahlt werden, auch die Kursgewinne mit BTC und Co. bleiben bei den Bürgern steuerfrei, wobei Krypto-Bestände der kantonalen Vermögenssteuer unterliegen.

Währenddessen treibt die deutsche Bundesregierung die Abschaffung der Haltefrist, die in Österreich bereits im Jahr 2022 gekippt wurde, voran.

Für Robert Bosch wird die weitere Entwicklung in den jeweiligen Ländern davon abhängen, ob es gelingt, Vertrauen, Regulierung und Nutzerfreundlichkeit zusammenzubringen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

Kommentare aus unserem Forum