Eine neue Studie beziffert den wirtschaftlichen Beitrag der US-Krypto-Industrie auf 55 Milliarden US-Dollar. Neben 34.000 direkten Arbeitsplätzen soll der Sektor insgesamt rund 232.000 Jobs sichern und damit weit über die eigentlichen Krypto-Unternehmen hinausreichen.

Fast eine Viertelmillion Jobs

Die Krypto-Industrie ist längst mehr als nur ein Markt für den Handel mit Bitcoin, Stablecoins und anderen digitalen Vermögenswerten. Eine neue Untersuchung der National Cryptocurrency Association kommt zu dem Ergebnis, dass sich rund um die Branche inzwischen ein durchaus bedeutender Wirtschaftszweig entwickelt hat.

Demnach beschäftigen Krypto-Unternehmen in den Vereinigten Staaten rund 34.000 Menschen direkt. Werden zusätzlich Arbeitsplätze bei Lieferanten und Dienstleistern sowie Stellen berücksichtigt, die durch die Ausgaben der Beschäftigten entstehen, soll die Branche insgesamt sogar fast eine Viertelmillion Jobs unterstützen.

Auch der gesamtwirtschaftliche Beitrag fällt laut der Studie erheblich aus. Für das Jahr 2026 beziffert sie den Beitrag der Krypto-Industrie zum US-Bruttoinlandsprodukt auf rund 55 Milliarden US-Dollar.

Mehr Arbeitsplätze als in Kaffee- & Tabakindustrie

Besonders plakativ ist der Vergleich mit einigen traditionellen Industriezweigen. Mit geschätzten 34.000 direkten Vollzeitstellen beschäftigt die US-Krypto-Branche laut dem Bericht mittlerweile mehr Menschen als die dortige Kaffee- oder auch die Tabakindustrie.

In Kaffee- und Teeproduktion arbeiten demnach rund 28.400 Personen. Auch die globale Luft- und Raumfahrtrobotik mit 26.000 Beschäftigten, die amerikanische Zementproduktion mit 15.300 Stellen und, wie erwähnt, die Tabakindustrie mit nur rund 10.600 Arbeitsplätzen liegen unter der direkten Beschäftigtenzahl des Krypto-Sektors.

Der Vergleich sollte ehrlicherweise aber auch nicht überinterpretiert werden. Schließlich stellt die Studie eine breit definierte Dienstleistungs-, Finanz- und Technologiebranche einzelnen, vergleichsweise eng abgegrenzten Produktionsbereichen gegenüber.

Trotzdem verdeutlichen die Zahlen, dass Krypto-Unternehmen inzwischen eine relevante Zahl an Menschen beschäftigen und sich nicht mehr ohne Weiteres als kleine Nischenbranche abtun lassen.

Was zählt überhaupt zur Krypto-Industrie?

Für ihre Untersuchung fassen die Autoren den Krypto-Sektor (wohl bewusst) sehr breit. Insgesamt unterteilen sie die Industrie in acht unterschiedliche Bereiche.

Dazu gehören zunächst die Betreiber der eigentlichen Netzwerkinfrastruktur. Darunter fallen beispielsweise Bitcoin-Miner, Staking-Anbieter und Unternehmen, die Nodes oder andere technische Infrastruktur betreiben.

Hinzu kommen zentralisierte und dezentrale Finanzdienstleister wie Börsen, Broker, Kreditplattformen und Verwahranbieter. Als weitere Gruppe berücksichtigt die Studie Developer bzw. Unternehmen, die Protokolle, Smart Contracts, Blockchain-Anwendungen oder andere technische Grundlagen entwickeln.

Auch klassische Unternehmen, die Blockchain-Technologie für Zahlungen, Tokenisierung oder digitale Dienstleistungen einsetzen, werden teilweise einbezogen. Gleiches gilt für Anwaltskanzleien, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Compliance-Dienstleister, sofern sie einen relevanten Teil ihrer Arbeit für die Krypto-Industrie erbringen.

Weitere Bereiche sind traditionelle Finanzmarktinfrastrukturen wie ETF-Anbieter oder regulierte Handelsplätze, Unternehmen aus den Bereichen Sicherheit und Blockchain-Analyse sowie Risikokapitalgesellschaften und andere Investoren.

Die Studie untersucht damit also nicht nur klassische Bitcoin- oder Krypto-Unternehmen, sondern das gesamte wirtschaftliche Ökosystem, das sich rund um den Sektor der digitalen Vermögenswerte gebildet hat.

Direkte und indirekte Stellen

Die größte Zahl des Berichts sind allerdings nicht die 34.000 direkten Beschäftigten, sondern die insgesamt 232.000 unterstützten Arbeitsplätze.

Diese setzt sich aus drei unterschiedlichen Kategorien zusammen.

34.000 direkte Arbeitsplätze

Hierbei handelt es sich um Menschen, die unmittelbar bei einem Unternehmen aus der Krypto-Industrie beschäftigt sind. Dazu zählen beispielsweise Entwickler, Compliance-Mitarbeiter, Kundenbetreuer, Vertriebsmitarbeiter oder Finanzanalysten.

75.000 indirekte Arbeitsplätze

Auch Krypto-Unternehmen benötigen zahlreiche externe Produkte und Dienstleistungen. Dazu gehören unter anderem Cloud-Infrastruktur, Rechenzentren, Cybersicherheit, Rechtsberatung, Versicherungen, Buchhaltung und Büroflächen.

Die Ausgaben dieser Unternehmen sorgen daher auch bei Lieferanten und Dienstleistern für Beschäftigung. Auf diese Weise sollen weitere 75.000 Stellen unterstützt werden.

Ein einfaches Beispiel wäre eine Krypto-Börse, die Serverkapazitäten bei einem Cloud-Anbieter einkauft. Dadurch werden nicht nur die Mitarbeiter der Börse beschäftigt, sondern unter anderem auch Techniker, Rechenzentrumsmitarbeiter und weitere Beschäftigte beim jeweiligen Infrastrukturunternehmen.

123.000 induzierte Arbeitsplätze

Schließlich geben die direkt und indirekt Beschäftigten ihre Einkommen für Mieten, Lebensmittel, Restaurants, Transport, Gesundheitsversorgung und andere Waren und Dienstleistungen aus.

Diese Konsumausgaben erzeugen nach dem verwendeten Wirtschaftsmodell noch einmal rund 123.000 zusätzliche Arbeitsplätze.

Zusammengenommen kommt die Studie damit auf 232.000 direkte, indirekte und induzierte Stellen. Rechnerisch unterstützt jeder direkte Arbeitsplatz in der Krypto-Industrie demnach ungefähr sechs weitere Jobs in anderen Bereichen der amerikanischen Wirtschaft.

55 Milliarden US-Dollar wirtschaftlicher Beitrag

Auch beim wirtschaftlichen Gesamtbeitrag unterscheidet der Bericht zwischen direkten, indirekten und induzierten Auswirkungen.

Die unmittelbare Wertschöpfung der Krypto-Industrie wird auf rund 13 Milliarden US-Dollar geschätzt. Weitere 18 Milliarden US-Dollar entstehen dem Modell zufolge innerhalb der Lieferketten.

Der größte Posten entfällt mit rund 24 Milliarden US-Dollar auf die wirtschaftliche Aktivität, die durch die Ausgaben der direkt und indirekt Beschäftigten ausgelöst wird.

Insgesamt ergibt sich daraus ein Beitrag von rund 55 Milliarden US-Dollar zur amerikanischen Wirtschaftsleistung.

Die Autoren betonen allerdings, dass es sich bei dieser Zahl eben nicht um den Umsatz der Krypto-Unternehmen handelt. Gemeint ist vielmehr die zusätzliche Wertschöpfung, also vereinfacht gesagt der Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt nach Abzug benötigter Vorleistungen.

Zu den Branchen, die besonders stark von der Krypto-Industrie profitieren sollen, zählen Wertpapier- und Investmentdienstleistungen, Kreditvermittlung, professionelle Dienstleistungen, Datenverarbeitung, Immobilien, Versicherungen und der Großhandel.

Allein der Bereich Wertpapiere, Rohstoffkontrakte und Investments soll demnach mit rund 9,7 Milliarden US-Dollar zum errechneten wirtschaftlichen Effekt beitragen.

Überdurchschnittlich hohe Gehälter

Besondere Aufmerksamkeit dürfte auch die Gehaltszahl der Untersuchung erhalten. Die Studie gibt für die von der Krypto-Industrie unterstützten Arbeitsplätze ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 133.000 US-Dollar an.

Damit läge das Einkommen mehr als doppelt so hoch wie der amerikanische Medianlohn von 64.000 US-Dollar.

Auch gegenüber anderen Branchen fällt der Wert hoch aus. Für den Informations- und Technologiesektor nennt der Bericht ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 104.000 US-Dollar. In der Produktion sind es 76.000 US-Dollar, im Einzelhandel 54.000 US-Dollar und in der Freizeit- und Gastronomiebranche 49.000 US-Dollar.

Insgesamt sollen rund 31 Milliarden US-Dollar der errechneten Wirtschaftsleistung als Einkommen bei Arbeitnehmern ankommen.

Die Darstellung ist an dieser Stelle allerdings etwas missverständlich. Teilweise wird der Betrag als durchschnittlicher „Krypto-Lohn“ bezeichnet. Eine Fußnote erklärt jedoch, dass die Berechnung auf allen von der Branche unterstützten Arbeitsplätzen basiert, also offenbar auch auf den indirekten und induzierten Stellen.

Der Wert lässt sich daher nicht ohne Weiteres mit dem durchschnittlichen Gehalt eines direkt bei einem Krypto-Unternehmen beschäftigten Entwicklers oder Compliance-Mitarbeiters gleichsetzen.

Unabhängig davon ist nachvollziehbar, warum die Einkommen im Sektor vergleichsweise hoch ausfallen. Viele der direkten Stellen erfordern schließlich spezialisierte Kenntnisse in Softwareentwicklung, Cybersicherheit, Kryptografie, Finanzmarktregulierung oder internationalem Steuer- und Gesellschaftsrecht.

Wie belastbar sind die Zahlen?

Bei der Einordnung der Ergebnisse ist natürlich wichtig, wie die Zahlen zustande gekommen sind.

Die Untersuchung wurde, wie eingangs erwähnt, von der National Cryptocurrency Association finanziert. Dabei handelt es sich um eine 2025 gegründete gemeinnützige Organisation, die sich für die sichere und informierte Verbreitung von Kryptowährungen in den USA einsetzt.

Durchgeführt wurde die Studie von der Pragmatic Policy Group. Nach Angaben des Berichts hat die Gruppe unabhängig gearbeitet und die Ergebnisse auf Grundlage verfügbarer Wirtschaftsdaten erstellt.

Die Grundlage bildet ein sogenanntes Input-Output-Modell. Solche Modelle bilden ab, wie unterschiedliche Branchen Waren und Dienstleistungen voneinander beziehen.

Verwendet wurden Wirtschaftsdaten des US Bureau of Economic Analysis aus dem Jahr 2024 sowie Beschäftigungsdaten des Bureau of Labor Statistics.

Die Krypto-Industrie ist in der amtlichen Statistik allerdings noch kein eigenständiger Wirtschaftszweig. Die Autoren mussten die Aktivitäten der Unternehmen deshalb bestehenden Kategorien wie Finanzdienstleistungen, Datenverarbeitung, Software, Elektrotechnik und professionellen Dienstleistungen zuordnen.

Auch die Größe der Branche wurde nicht vollständig anhand tatsächlich gemeldeter Unternehmenszahlen bestimmt. Ausgangspunkt ist eine geschätzte jährliche Branchenleistung von 23,22 Milliarden US-Dollar.

Diese Zahl wurde laut Studie mit Marktdaten, einer wissenschaftlichen Veröffentlichung sowie einer eigenen Stichprobe großer US-Krypto-Unternehmen abgeglichen. Die Stichprobe ergab demnach einen Umsatzkorridor zwischen 24 und 27 Milliarden US-Dollar.

Eine Modellrechnung und keine vollständige Erhebung

Die Autoren weisen selbst auf mehrere Annahmen und Einschränkungen hin.

Das Modell unterstellt unter anderem, dass sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Branchen gegenüber 2024 nicht wesentlich verändert haben. Außerdem wird angenommen, dass eine höhere Nachfrage zu einer proportional höheren wirtschaftlichen Aktivität führt.

Bei den konkreten Berufsgruppen handelt es sich zudem nicht vollständig um beobachtete Beschäftigtenzahlen. Da bislang kein offizielles Berufsprofil für die Krypto-Industrie existiert, haben die Autoren die Beschäftigungsstruktur vergleichbarer Technologiebranchen auf den Krypto-Sektor übertragen.

Sie bezeichnen dies deswegen ausdrücklich als Modellannahme.

Die Ergebnisse sollten daher nicht als exakte Volkszählung der amerikanischen Krypto-Industrie verstanden werden. Vor allem die 232.000 unterstützten Stellen sind das Resultat einer wirtschaftlichen Hochrechnung und keine Zahl direkt registrierter Krypto-Beschäftigter.

Die deutlich belastbarere Kernaussage dürfte deshalb sein, dass die Branche rund 34.000 Menschen unmittelbar beschäftigt und zusätzlich eine breite Nachfrage nach Infrastruktur, Beratung, Sicherheit, Energie und Finanzdienstleistungen erzeugt.

Ein Signal an Deutschland und Europa

Die Studie ist trotz aller methodischen Einschränkungen auch ein deutliches Signal an Deutschland und Europa.

Während die USA versuchen, Kapital, Unternehmen, Entwickler und digitale Infrastruktur stärker im eigenen Land zu halten, droht Europa erneut ins Hintertreffen zu geraten. Die Europäische Union hat mit der Markets in Crypto-Assets Regulation, kurz MiCA, zwar erstmals einen einheitlichen Rechtsrahmen für große Teile der Branche geschaffen.

Entscheidend ist allerdings, wie verhältnismäßig diese Vorgaben ausgestaltet und in der Praxis angewendet werden. Hohe Zulassungskosten, umfangreiche Berichtspflichten und komplexe organisatorische Anforderungen können insbesondere kleinere und innovative Unternehmen überfordern, und ehrlicherweise zeigt das die Praxis auch bereits.

Große Konzerne können eigene Rechts-, Compliance- und Regulierungsteams aufbauen. Junge Unternehmen und Start-ups verfügen dagegen häufig nicht über die dafür notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen.

Aus einem eigentlich sinnvollen Verbraucherschutz wurde so eine Markteintrittsbarriere, die vor allem bereits etablierte und finanzstarke Anbieter begünstigt.

Auch in Deutschland droht mit der diskutierten Abschaffung der einjährigen Spekulationsfrist für Bitcoin und Kryptowährungen ein zusätzliches negatives Signal.

Wer langfristige Investitionen in einen jungen Technologie- und Wirtschaftsbereich steuerlich unattraktiver macht und Unternehmen gleichzeitig mit immer neuen Vorgaben belastet, muss sich nicht wundern, wenn Kapital, Fachkräfte und Innovationen in andere Regionen abwandern.

Eine vielversprechende Industrie nicht im Keim ersticken

Die amerikanische Untersuchung zeigt, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Krypto-Industrie nicht allein an Kursen und Handelsvolumen gemessen werden sollte.

Rund um Bitcoin, Blockchain-Infrastruktur und digitale Vermögenswerte entstehen echte Arbeitsplätze für Entwickler, Juristen, Compliance-Spezialisten, Steuerberater, Hardwaretechniker, Energieunternehmen und zahlreiche weitere Berufsgruppen.

Klar, nicht jedes Unternehmen wird erfolgreich sein. Und in gewisser Weise benötigt natürlich auch diese Industrie ein paar klare Regeln gegen Betrug, Geldwäsche und Co.

Regulierung sollte jedoch Risiken begrenzen, ohne eine gesamte Branche bereits im Aufbau zu ersticken.

Genau hier besteht in Deutschland und Europa die Gefahr, erneut den gleichen Fehler wie bei anderen Zukunftstechnologien zu machen. Während anderswo Unternehmen aufgebaut, Infrastruktur geschaffen und hochqualifizierte Arbeitsplätze angesiedelt werden, konzentriert sich die europäische Politik vor allem darauf, neue Vorgaben, Meldepflichten und steuerliche Belastungen zu schaffen.

Die Folge wäre erneut absehbar. Erfolgreiche Unternehmen würden ihre Standorte in die USA oder andere innovationsfreundlichere Regionen verlagern. Europäische Anleger und Unternehmen würden die entsprechenden Produkte weiterhin nutzen, nur würden Wertschöpfung, Steuereinnahmen und Arbeitsplätze dann außerhalb Europas entstehen.

Die 232.000 von der Studie ausgewiesenen Arbeitsplätze mögen auf einer Modellrechnung beruhen. Die grundsätzliche Botschaft ist dennoch klar. Die Krypto-Industrie ist längst ein realer Wirtschaftsfaktor.

Deutschland und Europa sollten deshalb nicht nur darüber diskutieren, welche zusätzlichen Belastungen sich der Branche auferlegen lassen. Sie sollten sich vielmehr fragen, welche Rahmenbedingungen notwendig sind, damit innovative und seriöse Unternehmen überhaupt noch einen Anreiz haben, hier zu gründen, zu investieren und Arbeitsplätze aufzubauen.

Andernfalls droht Europa auch in diesem Sektor gegenüber den USA zurückzufallen und eine vielversprechende Industrie bereits im Keim zu ersticken. Wenn es nicht sogar schon zu spät ist.

René

Über den Autor: René

René ist Blocktrainer-Mitarbeiter der ersten Stunde. Als „Chief Operation Officer“ ist er mittlerweile hauptsächlich mit strategischen und organisatorischen Aufgaben betraut, findet jedoch Freude daran, zeitweise redaktionell tätig zu sein. In den vielen Jahren, in denen er im Bitcoin-Kosmos unterwegs ist, hat er sich ein breit gefächertes Know-how in sämtlichen Bereichen rund um die bedeutendste Kryptowährung angeeignet.

Kommentare aus unserem Forum