Die Aktiengesellschaft Robinhood überlegt, Bitcoin oder Kryptowährungen auf die Bilanz zu nehmen. Dies teilte Shiv Verma, Leiter für Finanzen und Strategie sowie Schatzmeister des Unternehmens, auf Nachfrage beim gestrigen Earnings Call für das dritte Quartal mit.

Robinhood zieht Bitcoin-Kauf in Betracht

Am Mittwoch dieser Woche legte der US-amerikanische Neo-Broker Robinhood die Zahlen für das dritte Quartal vor. Die Umsätze aus dem Krypto-Geschäft stiegen gegenüber dem vorherigen Quartal um 67,5 % auf 268 Millionen US-Dollar.

Da sich die mehr als 100 Milliarden US-Dollar schwere Aktiengesellschaft schon seit geraumer Zeit für Kryptowährungen starkmacht, drängt sich schon länger die Frage auf, wieso Bitcoin und Co. nicht Teil der Bilanz von Robinhood sind.

Beim Earnings Call von Robinhood kam dann schließlich die Frage auf, was das Management darüber denkt, Bitcoin oder andere Kryptowährungen auf die Bilanz zu nehmen. Zur Begründung verwies der Fragesteller auf die Tatsache, dass das Krypto-Geschäft einen relevanten Teil zur Wachstumsgeschichte des Unternehmens beigetragen hat.

Robinhood-CEO Vladimir Tenev gab diese Frage an Schatzmeister Shiv Verma weiter. „Wir haben viel Zeit damit verbracht, darüber nachzudenken“, so Verma. Weiter sagte er:

Wir legen Wert auf die Übereinstimmung mit der Community. Wir sind ein wichtiger Akteur im Krypto-Bereich und möchten dies auch weiterhin bleiben. Wir finden es gut, dass unsere Kunden sich dafür engagieren. Wir versuchen immer herauszufinden, ob dies auch für die Aktionäre das Richtige ist. Wenn man es in die Bilanz aufnimmt, hat dies den Vorteil, dass man mit der Community übereinstimmt, aber es bindet auch Kapital. Unsere Aktionäre können Bitcoin auch direkt auf Robinhood kaufen. Treffen wir diese Entscheidung also für sie? Und ist das die beste Verwendung unseres Kapitals? Wir tun viele verschiedene Dinge – von neuen Produkten für Wachstum bis hin zu Investitionen in Technik. Wir führen also ständig diese Debatte, und ich denke, die kurze Antwort lautet: Wir denken noch darüber nach. Beides hat Vor- und Nachteile, und wir werden uns weiterhin aktiv damit befassen.
Shiv Verma, Schatzmeister von Robinhood

Da Shiv Verma im Kontext der Investition dann nur noch von Bitcoin sprach, liegt die Vermutung nahe, dass das Unternehmen diese Überlegungen in erster Linie auf die mit Abstand bedeutendste Kryptowährung bezogen hat.

Big Player mit BTC-Strategie

Robinhood fällt in eine ähnliche Kategorie wie die Krypto-Börse Coinbase. Beide Unternehmen bieten den Krypto-Handel an und sind Teil des US-amerikanischen Aktienindex S&P 500.

Da sowohl die Aktie von Coinbase als auch die von Robinhood von einem boomenden Krypto-Markt profitiert, gelten beide Unternehmen als Krypto-Proxy – auch wenn der Krypto-Fokus bei Coinbase eindeutig größer ausfällt.

Coinbase verkündete vergangene Woche, im dritten Quartal weitere 2.772 BTC gekauft zu haben, womit sich der Bestand auf 14.548 BTC erhöht hat. „Wir werden weiter kaufen“, so CEO Brian Armstrong in einem 𝕏-Post zur Bitcoin-Strategie von Coinbase.

Ob auch Robinhood zukünftig in Bitcoin investieren wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt aber noch offen. Die Aktiengesellschaft hat eine mehr als 4 Milliarden US-Dollar schwere Unternehmensbilanz, womit sie zum aktuellen Zeitpunkt theoretisch knapp 40.000 BTC kaufen könnte.

Doch selbst wenn sich Robinhood für die Bitcoin-Strategie entscheiden sollte, ist nicht davon auszugehen, dass es ein All-in-Ansatz wie bei Strategy (ehemals MicroStrategy) sein wird. Wahrscheinlicher wäre, dass nur ein kleiner Teil der Bilanz mit BTC diversifiziert wird.

Aufgrund der Signalwirkung wäre dieser Schritt dennoch von großer Bedeutung. Außerdem würde es dazu führen, dass es neben Tesla (11.509 BTC), Block (8.692 BTC) und Coinbase (14.548 BTC) ein viertes Unternehmen im S&P 500 mit Bitcoin auf der Bilanz geben würde.

Für die weitere Adoption von Bitcoin wäre durchaus zu wünschen, dass neben der stark wachsenden Anzahl an „Bitcoin Treasury Companies“ auch immer mehr große Aktiengesellschaften mit einem erfolgreichen Kerngeschäft auf Bitcoin setzen.

Doch auch hier gibt es positive Entwicklungen: Das rund 20 Milliarden US-Dollar schwere Designsoftwareunternehmen Figma, das in diesem Jahr den Börsengang vollzog, hält zum Ende des dritten Quartals 96,4 Millionen US-Dollar in Bitcoin-ETFs.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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