Strategys Bitcoin-Bestände erreichen neues Allzeithoch
Strategy hat in der vergangenen Woche wieder zugeschlagen. Es kamen weitere 1.665 Bitcoin für 142,7 Millionen US-Dollar hinzu. Damit wurde jetzt nach mehreren Verkäufen zu niedrigeren Kursen ein neuer Höchststand bei den BTC-Beständen des Unternehmens erreicht. Die Aktionäre haben derweil aber immer noch ein gutes Stück weniger BTC pro Aktie als vor der Stressphase.
Von Tristan
Strategys Bitcoin-Verkäufe nahe der Tiefststände
Nachdem Strategy am 1. Juni dieses Jahres verkündete, zum ersten Mal seit 2022 wieder Bitcoin verkauft zu haben, setzte eine Art Negativspirale ein. Auch wenn es nur 32 Coins waren, geriet der Bitcoin-Kurs deutlich unter Druck. Die Stammaktie von Strategy (MSTR) litt dabei überproportional, was die Neuausgabe für Dividendenzahlungen oder BTC-Käufe immer unattraktiver machte. Zuvor erklärte das Management mehrmals, dass es bei einer niedrigeren Aktienbewertung sinnvoller sei, die BTC-Reserve anzuzapfen.
Wenige Wochen vor dem Verkauf, als die Marktstimmung noch deutlich besser war, nutzte Strategy 1,38 Milliarden US-Dollar aus der Dividendenreserve, um vorzeitig Wandelanleihen zurückzukaufen. Damit deckte der US-Dollar-Puffer nur noch circa ein halbes Jahr an Zahlungsverpflichtungen ab, obwohl eigentlich zwei bis drei Jahre angepeilt wurden.
Im Juni, als sowohl MSTR als auch Bitcoin deutlich schwächer handelten, kaufte das Unternehmen noch drei Wochen in Folge wieder BTC hinzu. Doch da dies durch die Ausgabe von Stammaktien zu einer niedrigen Aktienbewertung finanziert und parallel die Cash-Reserve wieder ausgebaut wurde, kamen Sorgen vor einer immer stärkeren Verwässerung auf.
Das alles resultierte schließlich in einer regelrechten Stresswoche für Strategy. Ende Juni war das Unternehmen sogar weniger wert als die BTC auf der Bilanz abzüglich der Schulden und Vorzugsaktien. Das Flaggschiffprodukt STRC, das eigentlich bei 100 US-Dollar stabil gehalten werden soll, handelte im Tief nur noch bei 71,25 US-Dollar.
Zum Monatswechsel von Juni auf Juli verkaufte Strategy dann 3.588 Bitcoin für 216 Millionen US-Dollar – zu einem durchschnittlichen Kurs von circa 60.200 US-Dollar je BTC. Das Geld floss in die damals noch monatliche STRC-Dividende sowie die quartalsweise anfallenden Ausschüttungen der anderen Vorzugsaktien (STRK, STRF, STRD und STRE).
Von diesem Verkauf zeigte sich der Bitcoin-Kurs letztlich aber weitestgehend unbeeindruckt. In der Woche des Verkaufs konnte BTC sogar zulegen, was dem Markt gezeigt haben dürfte, dass Strategy für BTC weitaus weniger relevant ist als oftmals angenommen wurde.
Danach folgten aber noch weitere Verkäufe: Am 3. August legte Strategy offen, in der Woche zuvor 1.638 BTC verkauft zu haben, um die STRC-Dividende zu bezahlen sowie STRC zurückzukaufen. In der darauffolgenden Woche wurden weitere 1.690 BTC veräußert – dieses Mal ausschließlich für STRC-Rückkäufe.
Strategy tätigte alle diese Verkäufe bei einem durchschnittlichen Kurs von circa 62.000 US-Dollar, also nahe des Jahrestiefs, das rund 57.700 US-Dollar beträgt. Da das Unternehmen vorher große Käufe nahe des Bitcoin-Allzeithochs tätigte, sorgte dies für schlechte Publicity – auch wenn Kauf- und Verkaufskurse für das Geschäftsmodell nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Comeback nach Bitcoin-Rally
Nachdem Bitcoin Mitte August eine überraschende Rally hinlegte und sich im Zuge dessen auch die Marktbedingungen für Strategy wieder deutlich verbesserten, gelang das Comeback.
Am 31. August gab Strategy den ersten Bitcoin-Kauf seit zehn Wochen bekannt. 4.603 BTC kamen hinzu – finanziert durch die Ausgabe von MSTR-Stammaktien und gekauft zu 80.318 US-Dollar je BTC.
Mitte September wurden weitere 950 Bitcoin zu 79.670 US-Dollar je BTC gekauft. Dafür wurde aber kein neues Geld eingesammelt, sondern die zuvor geschaffene, separate Cash-Reserve (USD Cash) genutzt. Mit diesem Kauf wurde das Minus in der BTC-Bilanz auf Quartalssicht genau ausgeglichen.
Am Montag dieser Woche verkündete Strategy dann auch noch, den BTC-Bestand um weitere 1.665 Coins vergrößert zu haben – gekauft zu 85.681 US-Dollar je BTC. Das Geld beschaffte sich das Unternehmen wieder durch die MSTR-Emission.
Möglich wurde dieses Comeback durch eine Erholung in der Aktienbewertung sowie weniger Notwendigkeit, Cash auf die Seite zu legen. Strategy hält inzwischen nämlich über 6 Milliarden US-Dollar an Barmitteln auf der Bilanz. Im Mai, nach der Tilgung der Wandelanleihen, waren es nur noch 871 Millionen US-Dollar.
Bitcoin-Reserve auf ATH und ungebrochene Serie
Nach dem jüngsten Kauf sitzt Strategy nun auf 847.666 BTC und damit auf so viel, wie noch nie zuvor.
Der vorherige Höchststand, der Mitte Juni erreicht wurde, beträgt 847.363 BTC.
Außerdem zeigte Strategy damit, dass trotz teilweise schwieriger Marktbedingungen an dem Ziel festgehalten werden kann, Nettokäufer von BTC zu bleiben.
Auf Quartalssicht kamen Stand jetzt 1.666 BTC hinzu, womit es Strategy offenbar gelingt, in jedem Quartal seit dem ersten Bitcoin-Kauf die BTC-Bilanz vergrößert zu haben.
Seit Jahresauftakt wuchs die Bitcoin-Reserve unter dem Strich um 175.166 BTC an.
Bitcoin pro Aktie weiter rückläufig
Für die Aktionäre gibt es aber nur bedingt Grund zu feiern. Der Kurs der MSTR-Aktie konnte sich seit dem Tief Ende Juni zwar in etwa verdoppeln, doch bei der wichtigsten Kennzahl wird dies ein historisch schlechtes Quartal.
Die BTC Yield liegt auf Quartalssicht nämlich bei –11,9 %. Das bedeutet, dass eine Aktie deutlich weniger BTC repräsentiert als vorher.
Und sogar im Zuge des jüngsten Kaufs gab es ein weiteres Minus. Die seit Quartalsbeginn erzielte BTC Yield sank nämlich von –11,7 auf –11,9 %.
Grund dafür ist, dass Strategy in der vergangenen Woche auch MSTR-Aktien emittierte, um STRC-Aktien zurückzukaufen.
Im Frühjahr sah es noch so aus, als könnte es ein sehr starkes Jahr für Strategy werden. Denn das von Michael Saylor gegründete Unternehmen nahm teilweise mehr als 1 Milliarde US-Dollar pro Woche über die Neuausgabe von STRC für Bitcoin-Käufe ein.
Die durch die Emission von Vorzugsaktien gekauften BTC kommen direkt der Ratio BTC je Aktie zugute. Die anfallenden Dividenden setzen die BTC Yield nachgelagert jedoch unter Druck, weil das Geld dafür irgendwoher kommen muss.
Im Mai erreichte die seit Jahresauftakt erzielte BTC Yield den Höchststand von 13,3 %. Da in Reaktion auf die STRC-Schwäche aber Unmengen an MSTR-Aktien emittiert wurden, um mehrere Milliarden US-Dollar an Cash auf die Bilanz zu legen und auch BTC verkauft wurden, gab es einen Rückgang auf –3,7 %.
Anders dargestellt: Ende Mai entsprach eine MSTR-Aktie noch 220.900 Satoshis (Untereinheit von Bitcoin). Jetzt sind es nur noch 187.712 Satoshis.
Nur Bitcoin pro Aktie zu betrachten, wird der Sache aber auch nicht ganz gerecht. Denn seither gab es nun mal auch deutlich mehr Cash pro Aktie. Um Bitcoin langfristig outperformen zu können, was das Ziel von Strategy ist, wird es aber wohl nötig sein, eine steigende BTC Yield zu erwirtschaften.
Entsprechend wird es auch von großer Relevanz sein, STRC wieder auf 100 US-Dollar steigen zu lassen. Denn erst ab diesem Kursniveau emittiert das Unternehmen neue STRC-Aktien am Markt, um mit den Erlösen Bitcoin zu kaufen.
Am Freitag vergangener Woche gab das Unternehmen bekannt, die Dividendenfrequenz aller US-Vorzugsaktien (STRC, STRK, STRF und STRD) auf täglich ändern zu wollen. Bei SATA, dem STRC-Äquivalent vom Wettbewerber Strive, scheint dies die Attraktivität erheblich gesteigert zu haben.
Solange sich die Bewertung der MSTR-Aktie in Relation zur Netto-Bitcoin-Bilanz nicht deutlich erholt oder STRC auf 100 US-Dollar steigt, wird die BTC Yield voraussichtlich weiter fallen. Denn aufs Jahr gerechnet müssen aktuell rund 1,6 Milliarden US-Dollar an Dividenden ausgeschüttet werden. Dem stehen 71,5 Milliarden US-Dollar an Bitcoin und 6 Milliarden US-Dollar an Cash gegenüber.
Seit Beginn der Bitcoin-Strategie ist die MSTR-Aktie knapp 1.200 % im Plus, während BTC 600 % gestiegen ist.
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