Rauswurf aus wichtigen Aktienindizes?
Schon seit einer Mitteilung vom 10. Oktober ist bekannt, dass der bekannte Indexherausgeber MSCI Inc. derzeit prüft, ob Strategy und andere Aktiengesellschaften, deren Bilanz sich zu mehr als 50 % aus Bitcoin oder Kryptowährungen zusammensetzt, aus den Aktienindizes ausgeschlossen werden.
Die angeführte Begründung für diese mögliche Maßnahme ist, dass diese sogenannten „Treasury Companies“ Investmentfonds ähneln würden.
Im Rahmen der bisherigen Konsultation wiesen einige Marktteilnehmer darauf hin, dass derartige Unternehmen Merkmale aufweisen können, die Investmentfonds ähneln, die derzeit nicht für eine Indexaufnahme in Frage kommen. Dementsprechend schlägt MSCI vor, Unternehmen von den MSCI Global Investable Market Indizes auszuschließen, deren Bestände an digitalen Vermögenswerten 50 % oder mehr ihrer Gesamtaktiva ausmachen. […] Die Konsultation bleibt bis 31. Dezember 2025 offen; die endgültigen Schlussfolgerungen werden bis 15. Januar 2026 bekannt gegeben.
MSCI Inc. in einer Pressemitteilung vom 10. Oktober
MSCI Inc. veröffentlichte zudem eine vorläufige Liste, mit Aktiengesellschaften, die davon betroffen sein könnten.
Auch wenn dies keine Neuigkeit ist – Blocktrainer.de berichtete darüber bereits im Oktober – und die Entscheidung erst am 15. Januar 2026 verkündet wird, dominiert dieses Thema aktuell wieder die Schlagzeilen. So titelte Bloomberg zum Beispiel: „Michael Saylors Strategy riskiert, Milliarden an Indexzuflüssen zu verlieren.“
Grund dafür, dass das Thema wieder hochgekocht wird, ist eine neue Research-Note von JPMorgan. In dieser erklären die Analysten der Großbank, dass die potenzielle Exklusion aus Indizes wohl der Grund für den starken Kursrutsch, den die MSTR-Aktie in den vergangenen Tagen hinlegte, sei.
Der jüngste Rückgang spiegelt jedoch wahrscheinlich in erheblichem Maße die Bedenken hinsichtlich der Indexzugehörigkeit von MicroStrategy wider.
Aus der Research-Note
Laut JPMorgan werden rund 9 Milliarden US-Dollar an MSTR-Aktien von Aktien und Fonds gehalten, die auf bekannten Indizes basieren. Das ist – wie üblich bei großen Unternehmen – ein relevanter Anteil der Marktkapitalisierung des Unternehmens, die inzwischen nur noch etwa 50 Milliarden US-Dollar beträgt (also schon deutlich weniger als zu dem Zeitpunkt, als die JPMorgan-Analysten die Research-Note verfassten).
Das Unternehmen ist in wichtigen Aktienindizes wie dem Nasdaq 100, MSCI USA und MSCI World vertreten. Von der aktuellen Marktkapitalisierung von MicroStrategy in Höhe von 59 Milliarden US-Dollar entfallen voraussichtlich rund 9 Milliarden US-Dollar auf passive Beteiligungen über ETFs und Investmentfonds, die an wichtige Benchmarks gebunden sind.
Aus der Research-Note
Der größte einzelne Anteil entfällt dabei auf den Nasdaq 100 (1,74 Milliarden US-Dollar), während die drei MSCI-Indizes MSCI World, MSCI ACWI und MSCI USA 1,76 Milliarden US-Dollar ausmachen, so die Analysten.
Da die auf einem Index basierenden Fonds oder ETFs nach der Exklusion eines Unternehmens die Anteile abstoßen, könnte hier enormer Verkaufsdruck drohen, der laut JPMorgan anscheinend gerade schon zu Teilen vorweggenommen wird.
Da MSCI nun erwägt, MicroStrategy und andere Treasury Companies für digitale Vermögenswerte aus seinen Aktienindizes zu entfernen, könnten die Abflüsse 2,8 Milliarden US-Dollar betragen, wenn MicroStrategy aus den MSCI-Indizes ausgeschlossen wird, und 8,8 Milliarden US-Dollar insgesamt, wenn andere Indexanbieter sich entscheiden, MSCI zu folgen. […] Aktive Manager sind zwar nicht verpflichtet, Indexänderungen zu folgen, doch ein Ausschluss aus wichtigen Indizes würde von den Marktteilnehmern sicherlich negativ bewertet werden.
Aus der Research-Note
Michael Saylor, Mitgründer und „Executive Chairman“ von Strategy, reagierte auf die Schlagzeilen, indem er in einem Post auf der Plattform 𝕏 betonte, dass Strategy „kein Fonds, kein Trust und keine Holdinggesellschaft“, sondern „ein börsennotiertes Unternehmen mit einem 500 Millionen US-Dollar schweren Softwaregeschäft und einer einzigartigen Finanzstrategie“ sei.
Fonds und Trusts halten Vermögenswerte passiv. Holdinggesellschaften sitzen auf Investitionen. Wir schaffen, strukturieren, emittieren und operieren. Unser Team baut eine neue Art von Unternehmen auf – eine durch Bitcoin abgesicherte strukturierte Finanzgesellschaft mit der Fähigkeit, sowohl auf den Kapitalmärkten als auch im Softwarebereich innovativ zu sein. Kein passives Vehikel und keine Holdinggesellschaft könnte das tun, was wir tun. Die Indexklassifizierung definiert uns nicht. Unsere Strategie ist langfristig ausgerichtet, unser Glaube an Bitcoin ist unerschütterlich und unsere Mission bleibt unverändert: Wir wollen die weltweit erste digitale Geldinstitution aufbauen, die auf soliden Geld und Finanzinnovationen basiert.
Michael Saylor
Response to MSCI Index Matter
— Michael Saylor (@saylor) November 21, 2025
Strategy is not a fund, not a trust, and not a holding company. We’re a publicly traded operating company with a $500 million software business and a unique treasury strategy that uses Bitcoin as productive capital.
This year alone, we’ve completed…
Weiter fallende Kurse voraus?
Der Bitcoin-Kurs befindet sich in einem scharfen Abwärtstrend. Auf der Krypto-Börse Coinbase kostete ein BTC heute im Tief nur noch etwas mehr als 80.500 US-Dollar, womit die Korrektur seit dem Allzeithoch mehr als 35 % betrug. Ein Grund für diese Kursschwäche dürfte unter anderem die Situation bei Strategy, dem größten Firmenhalter von Bitcoin, sein.
Strategy sitzt auf 649.870 Bitcoin im aktuellen Gegenwert von circa 54 Milliarden US-Dollar. Die Aktiengesellschaft hat seit September 2024 alleine rund 400.000 BTC hinzugekauft, womit die Kaufnachfrage von Strategy einen großen Beitrag zu der Kursperformance von Bitcoin geleistet haben dürfte.
Da für die Bitcoin-Strategie des Unternehmens eine hohe Aktienbewertung ausschlaggebend ist, haben die Käufe in den vergangenen Monaten deutlich abgenommen – und diese fehlende Kaufnachfrage scheint sich auch im Bitcoin-Kurs wiederzuspiegeln.
Auch wenn Strategy schon seit geraumer Zeit keine neuen Stammaktien ausgibt, um weitere Bitcoin zu erwerben – weil das bei einer niedrigen Unternehmensbewertung schlecht für die Ratio „BTC je Aktie“ ist –, nimmt das Unternehmen so noch Kapital auf, um die Dividenden der Vorzugsaktien zu bezahlen, die Stand jetzt jährlich mehr als 700 Millionen US-Dollar betragen.
Demnach könnte ein weiterer Kursrutsch der MSTR-Aktie Strategy unter Umständen in Zahlungsschwierigkeiten bringen. Ein Problem könnten zudem die mehr als 8 Milliarden US-Dollar an ausstehenden Wandelanleihen werden, die ab dem Jahr 2028 Schritt für Schritt fällig werden. Sollte sich der Bitcoin-Kurs – und damit die MSTR-Aktie – bis dahin nicht deutlich erholen, müsste Strategy teilweise sogar mehrere Milliarden US-Dollar auftreiben, um die Schulden zu tilgen.
Manche Marktteilnehmer befürchten entsprechend, dass das Unternehmen dazu gezwungen sein könnte, Bitcoin wieder zu verkaufen, wenn sich die Marktbedingungen weiter verschlechtern. Dies könnte den Bitcoin-Kurs aufgrund der schieren Menge und der Signalwirkung deutlich unter Druck bringen. Noch erscheint dies aber nicht unmittelbar zu drohen – und Strategy überstand bereits einen Bitcoin-Bärenmarkt, ohne ins Taumeln zu geraten.
Der Ausschluss aus großen Aktienindizes könnte die MSTR-Aktie nichtsdestotrotz weiter unter Druck bringen, auch wenn dies momentan schon eingepreist zu werden scheint. Laut der Pressemitteilung von MSCI Inc., in der es heißt, dass der Indexherausgeber diese Maßnahme explizit vorschlägt, dürfte die Exklusion aus den MSCI-Indizes eher wahrscheinlich sein.
Wie JPMorgan betont, könnten andere Indexherausgeber dieser Klassifizierung dann auch noch folgen. Ob das Unternehmen dadurch auch aus dem Nasdaq 100, in den es erst vor rund einem Jahr aufgenommen wurde, fliegen würde, ist momentan unklar.
Der Nasdaq 100 setzt sich aus den 100 größten Aktiengesellschaften zusammen, die an der Technologiebörse notiert sind – und die nicht als Finanzunternehmen eingestuft werden. Sollte die Marktkapitalisierung von Strategy auf rund 15 Milliarden US-Dollar fallen, so steht die Exklusion sowieso bevor – auch wenn Strategy erstmal nicht als Finanzunternehmen eingestuft werden würde.
Strategy ist nicht Teil des relevantesten Aktienindex S&P 500, obwohl sich das Unternehmen seit dem zweiten Quartal dieses Jahres dafür formal qualifiziert. Das Indexkomitee entschied sich vorerst gegen die Aufnahme. Und da die Rating-Agentur S&P Strategy kürzlich mit einem schlechten Kredit-Rating versehen hat, gehen Analysten davon aus, dass sich daran erst einmal nichts ändern wird.