Der bekannte Indexherausgeber MSCI Inc. unternimmt einen neuen Versuch, um Bitcoin-Halter wie Strategy und Metaplanet aus den Aktienindizes werfen zu können. Dieses Mal stehen Kryptowährungen selbst nicht im Fokus, sondern allgemeiner gefasste Kriterien. Bei Umsetzung des Vorschlags würde die Exklusion bereits im November dieses Jahres erfolgen.

MSCI Inc. vs. Strategy – die Vorgeschichte

Am 10. Oktober 2025, dem Tag des größten Liquidierungsevents in der Krypto-Geschichte, veröffentlichte MSCI Inc. eine zunächst kaum beachtete Pressemitteilung. In dieser schlug der Indexherausgeber vor, Unternehmen, deren Bilanzen sich zu mindestens 50 % aus Kryptowährungen zusammensetzen, aus den Indizes zu exkludieren.

Blocktrainer.de berichtete darüber bereits im Oktober 2025, doch erst mit einer Research-Note der Großbank JPMorgan rückte das Thema Mitte November dann in den Fokus des Marktes. Die Aktie von Strategy, dem größten börsennotierten Bitcoin-Halter, geriet unter Druck, und auch beim BTC-Kurs hinterließ dies Spuren.

Während der Konsultationsphase wandte sich Strategy selbst mit einem offenen Brief an MSCI Inc., um gegen die Diskriminierung wegen bestimmter Vermögenswerte zu argumentieren. Außerdem erklärte das Unternehmen, dass es nach jeglicher Definition operativ tätig sei und eben keinem Investmentfonds ähnle.

Anfang Januar gab es schließlich die Meldung, die vorerst für Aufatmen sorgte. MSCI Inc. entschied sich nämlich dazu, die besagten Unternehmen nicht aus den Indizes zu werfen:

MSCI hat zum jetzigen Zeitpunkt entschieden, den Vorschlag, DATCOs aus den MSCI Global Investable Market Indexes auszuschließen, im Rahmen der Indexüberprüfung im Februar 2026 nicht umzusetzen.
MSCI Inc. in der Mitteilung von Januar 2026

Dafür wurde von da an aber eine durch die Emission von Aktien steigende Marktkapitalisierung nicht mehr in den Indizes widergespiegelt, während sogenannte „Digital Asset Treasury Companies (DATCOs)“ nicht mehr neu aufgenommen wurden.

In der Pressemitteilung zu dieser Entscheidung teilte MSCI Inc. aber auch mit, dass weiterhin über dieses Thema beraten werden solle:

Die Unterscheidung zwischen Investmentgesellschaften und anderen Unternehmen, die nicht betriebsbezogene Vermögenswerte wie digitale Vermögenswerte als Teil ihrer Kerngeschäftstätigkeit und nicht zu Anlagezwecken halten, erfordert weitere Untersuchungen und Konsultationen mit Marktteilnehmern.
MSCI Inc. in der Mitteilung von Januar 2026

Durch ein in der vergangenen Woche veröffentlichtes Dokument kommt das Thema jetzt wieder auf den Tisch. Dieses Mal zielt MSCI Inc. wieder auf eine Exklusion von Strategy ab, aber ohne sich konkret auf Kryptowährungen beziehungsweise Bitcoin zu beziehen.

Neuer Vorschlag für Indexexklusion

In dem neuen Dokument vom 3. August schlägt MSCI Inc. allgemeinere Regeln vor, um vermeintliche Investmentvehikel von operativen Unternehmen zu unterscheiden.

Konkret soll geprüft werden, ob ein Unternehmen hauptsächlich operative Vermögenswerte besitzt, mit seinem Geschäft Cashflow erzeugt und sich aus dem Geschäft finanziert – oder ob sein Wert vor allem aus gehaltenen Assets und deren Finanzierung über den Kapitalmarkt entsteht.

MSCI schlägt dafür ein zweistufiges Verfahren vor: Im „Core Screen“ wird zunächst geprüft, ob mehr als 50 % der Vermögenswerte operativ genutzt werden.

Fällt ein Unternehmen durch diesen Test, folgt ein „Exclusion Screen“ mit 5 Kriterien. Bei bestehenden Indexmitgliedern müssen 4 von 5 Kriterien auf Basis von zwei aufeinanderfolgenden Jahresabschlüssen erfüllt sein, damit eine Exklusion erfolgen würde.

  • Operating Asset Intensity: weniger als 10 % der Assets sind operativ
  • Expense Intensity: operative Ausgaben liegen unter 5 % der Assets
  • Cash Flow Screen: der operative Cashflow ist negativ
  • Fair Value Intensity: Fair-Value-Änderungen nicht-operativer Assets machen mehr als 5 % der Gesamt-Assets und zugleich mehr als 50 % von Umsatz plus Fair-Value-Änderungen aus
  • Capital Dependence: der Finanzierungs-Cashflow liegt bei über 30 % der Gesamt-Assets und das Unternehmen nimmt Kapital zur weiteren Asset-Akkumulation auf 

Basierend auf dieser Methodik würden, so MSCI Inc. in dem Dokument, gerade einmal 3 Unternehmen aus den MSCI-Indizes geworfen werden – darunter Strategy und Metaplanet, also der größte und drittgrößte börsennotierte BTC-Halter. Daneben würde es auch den Uran-Halter Yellow Cake betreffen. 

3 weitere Unternehmen – unter anderem die „Ethereum Treasury Company“ Sharplink – befänden sich auf der Beobachtungsliste.

Bis Ende September möchte sich MSCI Inc. Feedback zu diesem Vorschlag einholen. Mitte Oktober sollen die Ergebnisse dann der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Eine darauf basierende Exklusion könnte dann im Zuge des November-2026-Index-Reviews stattfinden. 

Der nächste Rückschlag für Bitcoin

Durch das neue MSCI-Dokument wird deutlich, dass es der Indexherausgeber weiterhin auf sogenannte „Bitcoin Treasury Companies“ abgesehen hat. Dieses Mal jedoch ohne direkt nach der Art des Assets zu diskriminieren, aber mit ähnlichen Folgen.

Ob es gelingen wird, nachvollziehbar zu argumentieren, dass die Bitcoin auf der Bilanz operativen Zwecken dienen, bleibt offen. 

Strategy ordnet das eigene Geschäftsmodell – einschließlich der Emission von Finanzprodukten auf der Basis von BTC – grundsätzlich als operativ ein. Die Bitcoin-Bilanz wird tatsächlich auch schon genutzt, um Dividenden zu bezahlen.

Dennoch: Der neue Versuch von MSCI Inc. scheint vielversprechender zu sein, um das offenbar gewünschte Ziel einer Exklusion von Strategy und Metaplanet durchzubringen.

Metaplanet sieht sich in Japan derweil ähnlichen Problemen konfrontiert. Vor wenigen Monaten schlug die japanische Börse JPX ebenfalls vor, „Treasury Companies“ nicht mehr neu in Indizes aufzunehmen. Metaplanet hätte sich in diesem Jahr ansonsten erstmals für den wichtigen TOPIX qualifiziert.

Problematischer ist es aber, wenn die Aktien der Unternehmen aus Indizes geworfen werden. Dann müssen nämlich die ETFs, die diese Indizes abbilden, die Anteile verkaufen, was entsprechend die Kurse unter Druck bringen kann.

Märkte nehmen so etwas aber in aller Regel vorweg. Das heißt, dass die Kurse schon in Antizipation fallen müssten. Bislang scheint das in der vergangenen Woche veröffentlichte Dokument noch nicht groß die Runde gemacht zu haben.

Auf der Wettplattform Polymarket gab es aber schon eine deutliche Zunahme der Wahrscheinlichkeit, dass Strategy in diesem Jahr noch aus den MSCI-Indizes exkludiert wird. Momentan liegt sie bei 72 % – Ende Juli waren es noch 33 %.

Die Wette ist wegen des geringen Volumens nur bedingt aussagekräftig.

Für das Geschäftsmodell von Strategy ist der Aktienkurs besonders relevant, da die Ausgabe von Stammaktien weiterhin das primäre Tool der Kapitalbeschaffung ist. Je höher die Bewertung der MSTR-Aktie in Relation zur BTC-Bilanz, desto lukrativer ist es, Aktien auszugeben, um Bitcoin zu kaufen.

Demnach könnte eine Exklusion aus den relevanten MSCI-Indizes dazu führen, dass Strategy weniger BTC kaufen kann bzw. mehr verkaufen muss, um die Zahlungsverpflichtungen zu stemmen. Für den Bitcoin-Kurs hätte die Umsetzung des Vorschlags demnach ebenfalls Implikationen.

Existenzbedrohend wäre das alles aber nicht. Das Geschäftsmodell kann auch erfolgreich sein, ohne neue Stammaktien zu emittieren. Außerdem ist MSCI Inc. nicht der einzige Indexherausgeber. Strategy ist beispielsweise noch Teil des Nasdaq 100.

Info

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Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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