Strategy, der größte Bitcoin-Firmenhalter, hat heute bekannt gegeben, vergangene Woche 32 Bitcoin verkauft zu haben. Damit ist der Bestand des Unternehmens das erste Mal seit Beginn der Bitcoin-Strategie im August 2020 innerhalb einer Woche wieder geschrumpft. Was sind die Gründe für den Verkauf und drohen noch weitere Veräußerungen?

Das Warten auf Verkäufe

Seitdem Strategy in der Präsentation zu den Zahlen für das erste Quartal 2026 ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass jetzt nicht mehr vor Bitcoin-Verkäufen zurückgeschreckt werde, beobachten Marktteilnehmer gespannt, wann es denn soweit sein könnte.

In einer Fragerunde mit Kleinanlegern erklärte Gründer Michael Saylor kürzlich dann auch noch, Veräußerungen in diesem Jahr seien nicht unwahrscheinlich.

Ich denke, es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir zwischen jetzt und Jahresende ein paar Bitcoin verkaufen.
Michael Saylor

Schulden getilgt, ohne BTC-Verkäufe

Strategy gab Mitte Mai schließlich bekannt, 1,5 Milliarden US-Dollar an Schulden tilgen zu werden. In der Pressemitteilung dazu hieß es, dass dies unter anderem durch Bitcoin-Verkäufe finanziert werden könnte.

Doch der Mitteilung von Dienstag vergangener Woche war dann zu entnehmen, dass lediglich die Cash-Reserve angezapft wurde, um die Wandelanleihen mit 0 % Zinsen und Laufzeit bis 2029 zu einem Abschlag von circa 8 % zurückzukaufen.

Die Ende vergangenen Jahres aufgebaute Cash-Reserve sank im Zuge dessen von 2,25 Milliarden US-Dollar auf 871 Millionen US-Dollar. 

Dies sorgte für Kritik, weil der US-Dollar-Puffer eigentlich dafür da sein sollte, mindestens zwei Jahre an Zahlungsverpflichtungen abzudecken, und es nach der Schuldentilgung eben nur noch in etwa ein halbes Jahr war.

Die Tatsache, dass Strategy für die Schuldentilgung keine Bitcoin verkauft hatte, sorgte erst einmal für Erleichterung am Markt. Doch in der vergangenen Woche gab es schließlich wieder Spekulationen über Veräußerungen.

Anzeichen für Verkauf wegen Dividendenzahlungen

Immer zum Ende eines Monats muss Strategy nämlich Geld auftreiben, um die Dividende der Vorzugsaktie STRC zu bezahlen. In diesem Monat sind es ungefähr 100 Millionen US-Dollar, die ausgeschüttet werden müssen.

Bislang verkaufte Strategy immer MSTR-Stammaktien, um das Geld einzusammeln. Doch wie im letzten Quartalsbericht kommuniziert wurde, sollten dafür je nach Marktbedingung auch Bitcoin verkauft werden.

Die entscheidende Zahl hierbei ist das sogenannte mNAV, also die Aktienbewertung in Relation zu den gehaltenen Bitcoin. Laut dem Management von Strategy lag die Schwelle, ab der besser Bitcoin als Stammaktien verkauft werden sollen, um Geld aufzutreiben, zuletzt bei 1,22 x.

Info

Strategy berechnet das mNAV, indem der „Enterprise Value“ durch den Wert der Bitcoin-Bilanz zuzüglich der Cash-Reserve geteilt wird. Der „Enterprise Value“ setzt sich aus der Marktkapitalisierung, also der Anzahl aller ausstehenden Stammaktien multipliziert mit dem Kurs, sowie dem Nominalwert der ausstehenden Vorzugsaktien und Wandelanleihen zusammen.

In der vergangenen Woche lag das mNAV zeitweise bei um die 1,18 x, was bedeutet, dass Bitcoin-Verkäufe zu dieser Zeit die bessere Option hinsichtlich der wichtigen Ratio „BTC je Aktie“ gewesen wären.

Als in der Nacht von Donnerstag auf Freitag dann auch zu beobachten war, dass von vermeintlichen Strategy-Wallets rund 411 BTC an die Krypto-Börse Coinbase geschickt wurden, verdichteten sich die Indizien, dass jetzt tatsächlich verkauft werden könnte. 

Doch einige Stunden später, als das mNAV von Strategy wieder auf 1,25 x gestiegen war, flossen genau diese BTC wieder auf die Adressen zurück. 

Demnach blieb bis heute offen, ob Bitcoin verkauft wurden. Ebenso, wie das Geld für die Dividenden aufgetrieben wurde, wenn nicht wieder die Cash-Reserve angezapft worden sein sollte.

Nachdem Michael Saylor am gestrigen Sonntag den obligatorischen Post zu dem Chart mit den orangenen Punkten absetzte, gingen schließlich wieder viele davon aus, dass sogar Bitcoin in der vergangenen Woche gekauft wurden – obwohl das aus dem Text dazu nicht eindeutig hervorging und die Vorzugsaktie STRC konstant unter der wichtigen 100-US-Dollar-Marke handelte, ab der diese direkt am Markt für BTC-Käufe ausgegeben werden kann.

32 Bitcoin für 2,5 Millionen US-Dollar verkauft

Dem soeben eingereichten 8-K-Filing war schließlich zu entnehmen, dass in der vergangenen Woche tatsächlich 32 Bitcoin verkauft wurden – und zwar für einen Kurs von 77.135 US-Dollar je BTC.

Der durchschnittliche Kaufkurs beträgt 75.699 US-Dollar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Coins mit hohen Anschaffungskosten veräußert wurden, um steuerlich relevante Verluste zu realisieren.

Demnach nahm Strategy 2,5 Millionen US-Dollar über den Bitcoin-Verkauf ein, die laut dem Dokument in die Dividenden der Vorzugsaktien fließen sollen.

Der Erlös aus dem Verkauf der Bitcoin soll voraussichtlich zur Finanzierung der Ausschüttungen auf Vorzugsaktien verwendet werden.
Strategy in dem Dokument

Die Bitcoin-Reserve ist im Zuge dessen auf 843.706 BTC geschrumpft.

Des Weiteren emittierte Strategy neue MSTR-Stammaktien für 128,3 Millionen US-Dollar – vermutlich als das mNAV gegen Ende der Woche wieder gestiegen war.

Die Cash-Reserve ist zum 31. Mai 2026 auf 900 Millionen US-Dollar angewachsen, heißt es in dem Filing.

Demnach kamen die übrigen rund 30 Millionen US-Dollar, die nicht für Dividendenausschüttungen benutzt werden mussten, der Cash-Reserve zugute.

Die Änderungsrate der Ratio „BTC je Aktie“, die sogenannte „BTC Yield“, betrug seit Jahresauftakt zuvor 13,3 %. Im Zuge der Aktivitäten der vergangenen Woche gab es einen Rückgang auf 13,0 %.

Interessant war zudem, dass es diesmal keinen Post auf der Plattform 𝕏 zu dem 8-K-Filing gab. Kritiker warfen Saylor infolgedessen vor, den Verkauf verschleiern zu wollen. Doch tatsächlich gab es diese vielbeachteten Posts bislang eigentlich immer nur bei Käufen – und nicht etwa, wenn nur Stammaktien für Dividenden verkauft wurden.

Nicht der erste Verkauf von Strategy

Michael Saylor ist bekannt für seinen Leitspruch „Verkaufe niemals deine Bitcoin“. Nachdem sein Unternehmen klar kommunizierte, Bitcoin-Verkäufe in Betracht zu ziehen, hieß es plötzlich vonseiten Saylors:

Kaufe mehr Bitcoin, als du verkaufst.
Michael Saylor

Strategy machte klar, dass man weiterhin ein Nettokäufer bleiben möchte. Demnach ist umso bemerkenswerter, dass in der vergangenen Woche eben nicht mehr Bitcoin gekauft, als verkauft wurden. Käufe gab es nämlich keine und demnach war es die erste Mitteilung in der Unternehmensgeschichte, in der ein niedrigerer BTC-Bestand ausgewiesen wurde.

Tatsächlich hat Strategy schon einmal BTC verkauft – und zwar 704 BTC am 22. Dezember 2022. Zwei Tage später gab es aber einen Rückkauf von 810 BTC, womit die Bilanz innerhalb der Woche anwuchs.

Damals, so wie wohl auch heute, war ein Beweggrund für den Verkauf, steuerlich relevante Verluste zu realisieren.

Immunisierung des Marktes?

Bei dem besagten „Earnings Call“ von Anfang Mai dieses Jahres erklärte Saylor, dass Strategy vielleicht einfach mal ein paar BTC verkaufen werde, um den Markt zu „immunisieren“. Dies sollte, so der Strategy-Gründer, den Short-Sellern der MSTR-Aktie, die darauf wetten, dass immer weitere Stammaktien für die Dividenden emittiert werden müssen, den Wind aus den Segeln nehmen.

Wir werden wahrscheinlich etwas Bitcoin verkaufen, um eine Dividende zu finanzieren – einfach um den Markt zu immunisieren, um die Botschaft zu senden: Wir haben es getan. Schaut her: Das Unternehmen ist in Ordnung, Bitcoin ist in Ordnung, die Branche ist in Ordnung, die Welt ist nicht untergegangen. Und wenn ihr Short-Seller seid und eure These lautet, das Unternehmen muss Aktien verkaufen, um Dividenden zu finanzieren, dann würde ich nichts lieber tun, als euch die Flügel zu stutzen.
Michael Saylor im Earnings Call

Am heutigen Montag handelt die MSTR-Aktie in Reaktion auf die Verkaufsmeldung zum Börsenstart jedoch in BTC gemessen rund 6 % schwächer. Bislang scheint dieser Plan also nicht aufgegangen zu sein.

Auch der Bitcoin-Kurs reagierte negativ und fiel unter 72.000 US-Dollar, das tiefste Niveau seit dem 13. April.

Michael Saylor behauptete kürzlich, dass Strategy den Bitcoin-Kurs durch Käufe oder Verkäufe nicht unmittelbar beeinflussen könne. Doch in erster Linie dürfte hier der psychologische Aspekt eines Verkaufs des größten Firmenhalters mit insgesamt 843.706 BTC auf der Bilanz ausschlaggebend sein.

Letztlich ist aber festzuhalten, dass die Bitcoin-Reserve durch den Verkauf um weniger als 0,004 % geschrumpft ist. Seit Jahresauftakt hat Strategy netto 171.206 BTC hinzugekauft – und damit mehr als in den Jahren 2024 und 2025 zum gleichen Zeitpunkt des Jahres.

Ob künftig weitere Bestände verkauft werden und ob die BTC-Bilanz im Zuge dessen auch mal länger rückläufig sein wird, dürfte in erster Linie davon abhängen, wie hoch die MSTR-Aktie bewertet wird und wie viel Geld Strategy durch die Vorzugsaktie STRC einnehmen kann.

Eigentlich war auch ein Ziel, dem Markt zu beweisen, dass Bitcoin für Dividendenzahlungen verkauft werden könnten, sodass die BTC-Bilanz bei der Einschätzung über die Kreditwürdigkeit berücksichtigt wird. Die Ratingagentur S&P kritisierte beispielsweise, dass Strategy vor Verkäufen zurückschreckt, als das schlechte Rating von B– vergeben wurde.

Die Vorzugsaktie STRC, die zu 80 % von Kleinanlegern gehalten wird, konnte von der heutigen Verkaufsnachricht aber nicht profitieren. Im Tief handelte STRC heute bei 98 US-Dollar und damit ein gutes Stück von der angepeilten 100-US-Dollar-Marke entfernt.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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