Michael Saylor verzettelt sich: „Ich habe nie gesagt, dass Strategy seine Bitcoin nicht verkaufen wird“
Michael Saylor wurde im Rahmen eines Panels auf der Bitcoin-Konferenz in Prag auf den polarisierenden Verkauf durch Strategy angesprochen. Dabei behauptete er, dass sein bekannter Leitsatz nie auf Strategy bezogen war. In der Community stieß diese Darstellungsweise auf große Kritik, da Saylor in mehreren Aussagen explizit von Strategy gesprochen hat, als es um sein Versprechen ging, niemals zu verkaufen.
Als Strategy Anfang Mai die Zahlen für das erste Quartal vorstellte, bereitete das Management den Markt ausdrücklich auf Bitcoin-Verkäufe vor. Da Michael Saylor für den Leitsatz „Verkaufe niemals deine Bitcoin“ bekannt ist, war die Aufregung entsprechend groß.
Der Strategy-Gründer postete daraufhin seinen neuen Spruch, der lautet: „Kaufe mehr Bitcoin, als du verkaufst.“ Denn das Ziel des Unternehmens ist, trotz möglicher Verkäufe, weiterhin Nettokäufer zu bleiben.
Am 1. Juni gab Strategy schließlich bekannt, 32 Bitcoin für 2,5 Millionen US-Dollar veräußert zu haben. Dies war zwar nicht der erste Verkauf, dafür aber die erste Woche, nach der ein geringerer BTC-Bestand ausgewiesen werden musste.
Auch wenn die 32 Bitcoin nicht ins Gewicht fielen und vor allem nicht verkauft werden mussten, um Geld für die Dividendenzahlungen aufzutreiben, reagierte der Markt deutlich negativ. Bitcoin fiel im Wochenverlauf von über 70.000 auf unter 60.000 US-Dollar.
In der Woche darauf meldete Strategy dann schließlich wieder, 1.550 Bitcoin gekauft zu haben, womit der Linie, mehr kaufen als verkaufen zu wollen, vorerst treu geblieben wurde.
Ein Teil der Community konnte damit aber nicht zufriedengestellt werden und die Kritik rund um das gebrochene Versprechen von Saylor riss nicht vollends ab.
Saylor rechtfertigt sich für den Verkauf
Am Donnerstag dieser Woche nahm Michael Saylor schließlich bei einem Panel in der VIP-Area auf der Konferenz „BTC Prague“ teil. Als er bei der Fragerunde auf den 32-Bitcoin-Verkauf angesprochen wurde, erklärte er noch einmal ausdrücklich, wieso das für ein Unternehmen wie Strategy Sinn ergeben kann.
Für Kontroversen sorgte dabei jedoch vielmehr ein bestimmter Teil seiner Rechtfertigung, in dem er behauptete, nie davon gesprochen zu haben, dass Strategy nicht verkaufen würde:
Übrigens habe ich euch gesagt, ihr sollt eure Bitcoin niemals verkaufen. Ich habe nie gesagt, dass das Unternehmen seine Bitcoin nicht verkaufen wird.
Michael Saylor auf der BTC Prague
Here is the answer on stage of @BTCPrague why Michael @saylor sold 32 BTC pic.twitter.com/5vGM0P9Rwh
— Alex Bragin (@BraginRights) June 11, 2026
Nachdem der Clip viral ging, dauerte es nicht lange, bis Bitcoiner alte Aussagen von Saylor ausgegraben hatten, die ein gänzlich anderes Bild zeichnen.
So versprach Saylor beispielsweise noch bei einem Auftritt im Februar dieses Jahres explizit im Kontext von Strategy, niemals verkaufen zu werden:
Ich verspreche, die Bitcoin nicht zu verkaufen. Unser Geschäft besteht darin, keine Bitcoin zu verkaufen – darin sind wir mittlerweile sehr gut geworden. Wir haben einen Doktortitel im Hodling.
Michael Saylor bei einem Auftritt (Februar 2026)
Saylor in february this year: pic.twitter.com/3Vof3zKzUV
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) May 6, 2026
Oder auch bei einem Fernsehauftritt bei CNBC im selben Monat, in dem er erklärte, dass Strategy nicht verkaufen werde.
Wir werden nicht verkaufen. Wir werden Bitcoin kaufen.
Michael Saylor bei CNBC (Februar 2026)
"We are not going to be selling." pic.twitter.com/jShKn60pz5
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) June 11, 2026
Im März 2025 nutzte Saylor den Leitsatz „never sell the Bitcoin“ sogar, als es um die Strategie des von ihm gegründeten Unternehmens ging.
Unsere allgemeine Strategie besteht darin, einfach weiter Bitcoin zu kaufen und niemals Bitcoin zu verkaufen.
Michael Saylor in einem Interview (März 2025)
"Our general strategy is just keep acquiring Bitcoin, never sell the Bitcoin." https://t.co/d6fyijN1Br pic.twitter.com/sPwSh2smUL
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) June 11, 2026
Demnach ist die Behauptung, es nie auf Strategy bezogen zu haben, offenbar nicht korrekt. Einige Kritiker nannten Saylor daraufhin einen Lügner oder Betrüger, dem man nicht mehr trauen könne.
Mehr als nur ein Kommunikationswechsel
Die Tatsache, dass Strategy vereinzelt auf der Verkäuferseite auftreten könnte und die Unternehmensprinzipien dahingehend angepasst hat, ist im Rahmen dieser Entwicklungen das kleinere Problem.
Viele werden wohl nachvollziehen können, dass sich ein Geschäftsmodell weiterentwickeln kann, und es gute Gründe gibt, auch mal ein paar BTC wieder abzustoßen – obwohl es in den früheren Quartalspräsentationen noch hieß, dass die Bitcoin für immer gehalten werden würden.
Bei einer niedrigen Aktienbewertung können Verkäufe nämlich besser als die Ausgabe neuer Stammaktien sein, um Geld aufzutreiben, während sich dabei sogar potenziell steuerlich relevante Verluste realisieren lassen.
Außerdem kann Strategy so den Haltern der Vorzugsaktien beweisen, dass zur Not auch die BTC-Reserve angezapft werden würde, um die Dividenden zu bezahlen – ein Schritt, der mehr Zuversicht geben sollte.
Die Rating-Agentur S&P kritisierte nämlich im Oktober 2025, als Strategy das bescheidene Kredit-Rating B– erhielt, dass das Unternehmen vor Verkäufen zurückschrecken würde.
Die neue Kontroverse dreht sich demnach vielmehr darum, dass Saylor jetzt abstreitet, gesagt zu haben, dass Strategy nicht verkaufen wird.
Grund genug für einen Vertrauensverlust?
Strategy hat die schwierige Aufgabe, nicht nur die Bitcoiner, sondern auch die Aktionäre sowie die Halter der Vorzugsaktien zufriedenzustellen. Hätte das Unternehmen weiterhin kommuniziert, niemals BTC zu verkaufen, hätte das sowohl bei MSTR als auch bei STRC und Co. für Gegenwind sorgen können. Denn dann wäre die Einschätzung des Marktes wohl gewesen, dass die MSTR-Aktie immer weiter „verwässert“ werden müsse, um die Dividenden zu zahlen, während sich die Halter der Vorzugsaktien weniger sicher sein könnten, in schwierigen Phasen auch die Ausschüttungen zu erhalten.
Tatsächlich begann das Management schon Ende vergangenen Jahres damit, Bitcoin-Verkäufe als Option anzusprechen. So beispielsweise CEO Phong Le in einem Interview, das im November 2025 erschien. Auch Saylor selbst erklärte im Dezember 2025, in der Präsentation zum Aufbau der Cash-Reserve, dass Bitcoin unter gewissen Umständen auch verkauft werden würden.
Wir könnten die Bitcoin verkaufen [...] und wir würden dies tun, weil es im besten Interesse der Aktionäre liegt; und da es im besten Interesse der Aktionäre liegt, ist es auch das Beste für das Unternehmen und somit auch das Beste für die Bitcoin-Community sowie für die Kredit-Community und die Aktieninvestoren.
Michael Saylor in einer Präsentation (Dezember 2025)
Michael @Saylor already explained in December 2025, after they built the cash reserve, that @Strategy would sell Bitcoin if the mNAV is low.https://t.co/BlmJJqeIX8 pic.twitter.com/VoNATtDvHu
— Tristan – Blocktrainer.de 🧡⚡️ (@tristanblcktrnr) June 3, 2026
Strategy fuhr also schon in den Monaten vor dem ersten Bitcoin-Verkauf seit 2022 zweigleisig, was die Kommunikation anging. Doch anstatt sich dafür geradezumachen, versuchte Saylor jetzt abzustreiten, den Fehler überhaupt begangen zu haben – und das ohne Erfolg.
Solche widersprüchlichen Signale beziehungsweise missglückte Rechtfertigungen haben das Potenzial, die für Strategy so wichtige Vertrauenswürdigkeit zu untergraben.
Am heutigen Tag setzte der Strategy-Gründer dazu noch einen Post ab, in dem er erklärte, dass er selbst nie verkauft habe. Damit bezog er sich auf seinen persönlichen Bestand von mindestens 17.732 BTC. Zudem hieß es, dass Strategy weiter akkumulieren werde.
I haven’t sold a sat. Strategy is still stacking.
— Michael Saylor (@saylor) June 12, 2026
Am Markt gab es auf die Kontroverse unter dem Strich keine nennenswerte Reaktion. Die Strategy-Aktie (MSTR) konnte in Bitcoin gemessen heute sogar zetiweise um über 4 % zulegen.