Michael Saylor, Gründer und „Executive Chairman“ von Strategy, teilte heute auf der Konferenz „Bitcoin MENA 2025“ in Abu Dhabi mit, dass er sich im Nahen Osten mit „allen Staatsfonds“ und vielen weiteren Institutionen getroffen habe. Dabei ging es jedoch nicht nur darum, eine Investition in Bitcoin zu empfehlen, sondern um eine noch größere Idee, so Saylor.

In Abu Dhabi findet derzeit zum zweiten Mal die „Bitcoin MENA Conference“ statt. MENA ist das Akronym für „Middle East and North Africa“. Auch Michael Saylor, Gründer von Strategy, der ersten und größten „Bitcoin Treasury Company“, ist vor Ort.

In den Tagen zuvor teilte der Milliardär auf der Plattform 𝕏 bereits Fotos von sich aus Kuwait, Bahrain und Abu Dhabi, wodurch sich erahnen ließ, dass er seinen Aufenthalt im Nahen Osten auch dafür nutzt, wichtige Institutionen und Persönlichkeiten zu treffen.

Bei einem „Fireside Chat“ mit Simon Gerovich, CEO des japanischen Strategy-Nachahmers Metaplanet, gab Saylor schließlich zum Besten, dass er sich unter anderem mit „allen Staatsfonds“, Banken, institutionellen Investoren und Regulierern der Region getroffen habe.

Diesen stellte er auch eine ganz bestimmte, seiner Meinung nach größte Idee vor, durch die der Nahe Osten alles Geld der Welt anziehen und zur „Schweiz des 21. Jahrhunderts“ werden könnte. Damit meinte er aber nicht den Kauf von Bitcoin.

Bitcoin und digitale Kreditinstrumente

Seit geraumer Zeit verlagert Michael Saylor seinen Schwerpunkt weg davon, die Investition in Bitcoin zu empfehlen. Nachdem sich die Kryptowährung zunehmend im Mainstream etablieren konnte, widmet er sich nun der Vision, „Digital Credit“ – also BTC-Kreditinstrumente – salonfähiger zu machen.

Strategy lancierte in diesem Jahr bereits fünf Vorzugsaktien – STRK, STRF, STRD, STRC und STRE –, die kein Ablaufdatum haben und den Haltern üppige Dividenden zahlen. Knapp acht Milliarden US-Dollar dieser Kreditinstrumente von Strategy befinden sich derzeit im Umlauf. Das Geld, das das Unternehmen durch die Ausgabe einnahm, floss in den Kauf weiterer Bitcoin.

Strategy hält inzwischen 660.624 BTC im Gegenwert von rund 60 Milliarden US-Dollar. Heute verkündete das Unternehmen, weitere 10.624 Coins gekauft zu haben – finanziert durch die Ausgabe der Stammaktie MSTR sowie der Vorzugsaktie STRD.

Die nach Marktkapitalisierung größte Vorzugsaktie von Strategy ist derzeit STRC. Das Kreditinstrument hat eine variable, monatliche Dividende, durch die der Kurs des Wertpapiers stabil bei 100 US-Dollar gehalten werden soll. Strategy vermarktet STRC als den „iPhone-Moment“ und als Alternative zu Geldmarktfonds.

Die „Bitcoin Treasury Company“ Strive gab kürzlich mit SATA eine Vorzugsaktie heraus, die sich an STRC orientiert. Und auch Metaplanet befindet sich derzeit in dem Prozess, in den Markt der Vorzugsaktien einzusteigen. Zuerst kommt das STRK-Äquivalent MERCURY und dann ist die STRC-Kopie MARS geplant.

Saylors Ideen für den Nahen Osten

Auf Nachfrage von Metaplanet-CEO Gerovich teilte Saylor mit, dass er sich bei seinem Aufenthalt mit vielen wichtigen Persönlichkeiten beziehungsweise Institutionen getroffen habe. Darunter: „alle Staatsfonds“, Banken, Hedgefonds und Regulierungsbehörden der Region. Außerdem erklärte Saylor, dass ein Learning der Konversationen gewesen sei, dass man im Nahen Osten Technologie und Geld mögen würde.

Zwei Dinge fallen beim Nahen Osten besonders auf: Sie mögen Technologie und sie mögen Geld. [...] Also habe ich mich natürlich mit allen Staatsfonds getroffen, ich habe mich mit, ich weiß nicht, 50, 100 verschiedenen Investoren getroffen, Hedgefonds, Family-Office-Investoren, die interessiert sind. Ich habe mich mit Banken getroffen und mit Leuten, die Banken besitzen oder leiten. Ich habe mich mit Fondsmanagern getroffen, die Finanzprodukte anbieten. Ich habe mich mit Aufsichtsbehörden in allen Jurisdiktionen getroffen.
Michael Saylor

Dass Staatsfonds – insbesondere die im Nahen Osten – an Bitcoin interessiert sind, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Mubadala Investments, ein Staatsfonds von Abu Dhabi, sowie Al Warda Investment, ein Investmentvehikel des staatlichen Abu Dhabi Investment Council, hielten zum Ende des dritten Quartals jeweils rund eine halbe Milliarde US-Dollar in BlackRocks Bitcoin-Spot-ETF.

Larry Fink, BlackRock-CEO, gab in der vergangenen Woche zudem zum Besten, dass mehrere Staatsfonds bei der jüngsten Bitcoin-Korrektur zugegriffen haben. Auch wenn er keine Namen nannte, liegt die Vermutung nahe, dass es sich im Mindesten um Mubadala Investments und Al Warda Investments handelt.

Aus Saylors weiteren Ausführungen bei der „Bitcoin MENA Conference“ ging schließlich hervor, welche Ideen er den Institutionen vorgestellt haben dürfte.

Die große Idee

Die „große Idee“ ist laut Saylor, Bitcoin, BTC-Kreditinstrumente oder Aktien von „Bitcoin Treasury Companies“ zu kaufen. Durch diese Vehikel erhalten Investoren, so der Strategy-CEO, verschiedene Formen von „Bitcoin-Exposure“.

Die große Idee ist, dass Sie Ihr Staatsvermögen oder Ihr Vermögen nehmen und digitales Kapital kaufen, wenn Sie niemandem vertrauen. Sie kaufen digitale Kreditinstrumente, wenn Sie glauben, dass Bitcoin eine echte Sache, aber für Sie zu volatil ist. Sie erhalten einfach das Zwei- bis Vierfache eines herkömmlichen Kredits. [...] Und wenn Sie an die Idee des digitalen Kredits glauben und eine Steigerung von Bitcoin, ein erhöhtes Exposure wünschen, kaufen Sie Treasury Companies. Sie kaufen Metaplanet, Sie kaufen Strategy, Sie kaufen die Aktien. Und Sie schnallen sich an für die Raketenfahrt. Es wird sehr volatil sein.
Michael Saylor

Michael Saylor erkennt inzwischen, dass nicht jeder Investor die noch hohe Volatilität von Bitcoin, geschweige denn Aktien von „Treasury Companies“, aushalten kann. Deshalb bewirbt er jetzt zunehmend BTC-Kreditinstrumente – insbesondere Vorzugsaktien –, die verhältnismäßig hohe Dividenden zahlen, aber deutlich geringeren Schwankungen unterliegen.

Die meisten Menschen wollen das Kreditinstrument haben. Sie wollen nicht das Kapitalinstrument haben, selbst wenn das Kapital mit 30 % pro Jahr steigt und selbst wenn das Kreditinstrument nur 10 % zahlt. Das ist okay. Sie haben lieber 10 % ohne Schwankungen als 30 % mit Schwankungen und ohne Cashflows.
Michael Saylor

Die größere Idee

Bei den seiner Meinung nach noch größeren Ideen bezog sich Saylor explizit auf Institutionen. Die „größere Idee“ sei nämlich, als Bank Bitcoin als Kreditsicherheit zu akzeptieren und somit Kapital von Bitcoinern rund um den Globus anzuziehen.

Integrieren Sie digitales Kapital in Ihr Bankensystem, das ist die größere Idee. Denn dann werden große Bitcoin-Besitzer über Nacht 27 Milliarden US-Dollar an Bitcoin an Ihre Bank übertragen. Sie alle werden zu Ihnen kommen.
Michael Saylor

Momentan befinden sich bereits viele Großbanken in dem Prozess, Bitcoin-Verwahrdienstleistungen anzubieten oder sogar BTC als Kollateral für Kredite anzunehmen. Im Oktober gab es beispielsweise einen Bloomberg-Bericht, laut dem sogar JPMorgan bald Bitcoin als Kreditsicherheit akzeptieren wird.

Die größte Idee

Bei der „größten Idee“ wurde es besonders spannend. Denn diese bestehe darin, „High Powered Digital Money“ zu kreieren. Dafür sollen Institutionen eine Art Geldmarktfonds basierend auf Vorzugsaktien von „Bitcoin Treasury Companies“ aufbauen und sich die Rendite mit den Kunden teilen.

Der konkrete Vorschlag Saylors lautet, dass ein Fonds zu 80 % schwankungsarme Vorzugsaktien wie STRC, SATA oder MARS halten soll, zuzüglich 20 % Cash und eines Reservepuffers von 10 %. Ein solches Produkt könne so gestaltet werden, dass es gar keine Volatilität mehr aufweist, so Saylor.

Da STRC und SATA momentan effektive Dividendenrenditen von mehr als 10 % zahlen, könne der Herausgeber des Fonds den Haltern viel höhere Renditen als üblich zahlen, und trotzdem noch selbst ordentlich daran mitverdienen – und laut Saylor natürlich Unmengen an Kapital anziehen.

Das perfekte Produkt ist ein Bankkonto ohne Volatilität, das Ihnen 400 Basispunkte mehr als den risikofreien Zinssatz in Ihrer bevorzugten Währung einbringt. [...] Ich habe kein Land, ich habe keine Bank. Aber Sie haben eine Bank, die Leute, mit denen ich spreche, haben Banken, und sie haben Länder und sie machen Regulierungen. [...] Die Frage ist: Wer möchte die Schweiz des 21. Jahrhunderts sein und das gesamte Geld der Welt anziehen? Und die Antwort lautet: Wer Geld am meisten schätzt, wer Geld am meisten haben will, wer Technologie am besten versteht, wer bereit ist, mutig für seine Überzeugungen einzustehen und dabei ein gewisses Maß an Klarheit an den Tag zu legen.
Michael Saylor

Der Bitcoin-Bulle fuhr fort, indem er erklärte, dass dieser Vorschlag auf gute Resonanz gestoßen sei und er davon ausgehe, dass Institutionen im Nahen Osten diese Idee früher oder später umsetzen würden.

Das ist die Chance. Alle Gespräche waren außerordentlich energiegeladen und enthusiastisch, und ich könnte nicht begeisterter sein. Ich denke, es wird irgendwo in der Region passieren, wir werden sehen, wo.
Michael Saylor

David Bailey, CEO der Firma hinter der Bitcoin-Konferenz, teilte nachher noch mit, dass Saylor in allen Ländern des Gulf Cooperation Council (GCC) – also Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, Katar, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) – zugegen war und er glaube, dass der Strategy-CEO dabei etwas Großes bewegen konnte.

Saylor ist ein unglaublicher Verkäufer. Er hat alle GCC-Länder besucht. Er hat [Bitcoin] intensiv beworben, und ich glaube, dass er hier auf nationaler Ebene einige Dinge erreichen kann, die sonst niemand wirklich erreichen kann. Daher bin ich bullisch, was seine Arbeit hier angeht, und ich bin buliisch, was diese Region im weiteren Sinne mit Bitcoin vorhat.
David Bailey

Revolution des Geldmarkts?

Wie Saylor selbst zum Besten gab, ist es aber nicht klar, ob sich große Institutionen im Nahen Osten wirklich auf diese auf den ersten Blick verlockende Idee stürzen werden. Obwohl die Region dem Asset offen gegenüber eingestellt zu sein scheint, werden BTC-Kreditinstrumente in der traditionellen Finanzwelt noch als eher risikobehaftet angesehen.

Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) verlieh Strategy kürzlich ein Kredit-Rating von B–, womit die Vorzugsaktien quasi in die Kategorie von „Junk Bonds“ fallen – obwohl Strategy derzeit rund 60 Milliarden US-Dollar an BTC auf der Bilanz hält, während die Vorzugsaktien und Wandelanleihen zusammengenommen nur etwa ein Viertel davon ausmachen.

Da sich viele Marktteilnehmer aufgrund des fallenden Bitcoin-Kurses Sorgen um Strategys Zahlungsfähigkeit gemacht haben, gab das Unternehmen am Montag vergangener Woche bekannt, eine Cash-Reserve in Höhe von 1,44 Milliarden US-Dollar aufgebaut zu haben, sodass die Zins- und Dividendenzahlungen der nächsten 21 Monate sichergestellt sind.

Auch wenn Bitcoin voraussichtlich weiter seinen Weg gehen wird, hängt der Wert von Kreditinstrumenten am Ende mit der Zahlungsfähigkeit des Emittenten zusammen. Mit einer hohen Absicherung können Risiken minimiert, aber nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Bei BTC hingegen gibt es kein Kontrahentenrisiko, wenn selbstverwahrt.

Letztlich wäre es für Strategy von Vorteil, wenn die neuen Vorzugsaktien mehr Nachfrage erfahren. Denn je höher das Kaufinteresse, desto günstiger kann sich Strategy neues Kapital für Bitcoin-Käufe beschaffen.

Die Systematik dahinter: Steigt der Kurs eines festverzinslichen Wertpapiers, dann fällt die effektive Dividendenrendite – ergo hat das Unternehmen für jeden durch die Neuausgabe der Vorzugsaktien eingesammelten US-Dollar weniger neue Zahlungsverpflichtungen.

Demnach ist es nur logisch, dass Saylor seinen Fokus derzeit vermehrt darauf setzt, die von dem Unternehmen emittierten Kreditinstrumente an den Mann zu bringen. Ob ihm das gelingt beziehungsweise ob „Digital Credit“ in den Mainstream drängen wird, muss die Zukunft zeigen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

Artikel des Autors

Kommentare aus unserem Forum