Nachdem MSCI Inc. verkündete, Unternehmen wie Strategy (ehemals MicroStrategy) eventuell aus Aktienindizes wie dem MSCI World oder MSCI USA auszuschließen, kämpft Strategy-Gründer Michael Saylor nun dagegen an. Am 15. Januar 2026 soll es die Entscheidung geben, die maßgeblich für die weitere Entwicklung der MSTR-Aktie und des Bitcoin-Kurses sein dürfte.

MSCI Inc. gegen Strategy und Co.

Am 10. Oktober dieses Jahres, dem Tag des Flash-Crashs, gab der Indexherausgeber MSCI Inc. bekannt, darüber nachzudenken, „Digital Asset Treasury Companies“ wie Strategy, Metaplanet und Co. aus den eigenen Indizes zu werfen. Die Begründung: Diese Unternehmen würden Investmentfonds ähneln.

Konkret schlug MSCI Inc. vor, Aktiengesellschaften, die mehr als 50 % ihrer Bilanz in Bitcoin und Kryptowährungen halten, aus allen MSCI-Indizes auszuschließen. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres gibt es noch eine Konsultation und die endgültige Schlussfolgerung soll am 15. Januar verkündet werden.

Im Rahmen der bisherigen Konsultation wiesen einige Marktteilnehmer darauf hin, dass derartige Unternehmen Merkmale aufweisen können, die Investmentfonds ähneln, die derzeit nicht für eine Indexaufnahme in Frage kommen. Dementsprechend schlägt MSCI vor, Unternehmen von den MSCI Global Investable Market Indizes auszuschließen, deren Bestände an digitalen Vermögenswerten 50 % oder mehr ihrer Gesamtaktiva ausmachen. […] Die Konsultation bleibt bis 31. Dezember 2025 offen; die endgültigen Schlussfolgerungen werden am 15. Januar 2026 bekannt gegeben.
Aus der Pressemitteilung von MSCI Inc.

Blocktrainer.de berichtete bereits im Oktober über die potenziell bevorstehende Index-Exklusion. Das Thema nahm aber erst richtig Fahrt auf, als die Großbank JPMorgan in einer Research-Note Mitte November darauf aufmerksam machte. Da diese Meldung viele erst durch JPMorgan mitbekommen haben, kamen sogar Gerüchte auf, es würde sich um einen gezielten Angriff auf Strategy und Bitcoin handeln – viele bekannte Bitcoiner riefen im Zuge dieser Entwicklungen zum Boykott der Großbank auf.

Michael Saylor, Gründer und „Executive Chairman“ von Strategy, sah sich nach der Research-Note von JPMorgan schließlich dazu genötigt, ein Statement abzugeben. Dabei betonte Saylor, dass das Unternehmen weder ein Fonds oder Trust noch eine Holdinggesellschaft sei, sondern ein börsennotiertes Softwareunternehmen mit einer „Bitcoin-Treasury-Strategie“.

Fonds und Trusts halten Vermögenswerte passiv. Holdinggesellschaften sitzen auf Investitionen. Wir schaffen, strukturieren, emittieren und operieren. Unser Team baut eine neue Art von Unternehmen auf – eine durch Bitcoin abgesicherte strukturierte Finanzgesellschaft mit der Fähigkeit, sowohl auf den Kapitalmärkten als auch im Softwarebereich innovativ zu sein. Kein passives Vehikel und keine Holdinggesellschaft könnte das tun, was wir tun.
Michael Saylor

David Bailey, ehemaliger Trump-Berater und CEO der „Bitcoin Treasury Company“ Nakamoto, deren Aktie mehr als 98 % unter ihrem Allzeithoch handelt, ging sogar noch weiter und sprach in dem Kontext von „Operation Chokepoint 3.0“, womit er die potenzielle Index-Exklusion auf eine Stufe mit dem „Debanking“ von Unternehmen mit Krypto-Bezug unter der Biden-Administration hob.

Saylor und Strategy wehren sich

Nachdem das Unternehmen Strategy in dieser Woche mal wieder die Schlagzeilen dominierte – unter anderem aufgrund des Aufbaus einer US-Dollar-Reserve –, gab es auch neue Äußerungen des Managements zu der MSCI-Thematik.

Phong Le, CEO von Strategy, war gestern bei Bloomberg im Interview, um zu erklären, dass viele – darunter MSCI Inc. – sich damit schwertun, das Unternehmen korrekt einzuordnen. Dabei betonte er auch, dass Strategy kein Investmentfonds, sondern eine Aktiengesellschaft mit operativem Geschäft sei.

MSCI ist der Ansicht, dass wir ein geschlossener Fonds sind, dass wir ein ETF sind, und wir potenziell nicht Teil ihrer Indizes sein sollten. [...] Wir kaufen Bitcoin, wir geben Wertpapiere aus, wir entwickeln Produkte und wir erzielen operative Erträge. […] Ich glaube nicht, dass dies wirklich ein Thema für eine bedeutende Debatte ist, weder aus einer optischen noch aus einer rechtlichen Perspektive. Wir sind ein operatives Unternehmen.
Phong Le

Der Strategy-CEO fuhr fort, indem er zum Besten gab, dass derzeit ein „Bildungsprozess“ laufen würde. Überdies betonte Phong Le, dass Indexherausgeber nicht bestimmte Sektoren ausschließen sollten, und verwies darauf, dass MSCI Inc. anscheinend keine Probleme mit Unternehmen habe, deren Bilanz sich zum Großteil aus Hotels oder Flugzeugen zusammensetzt.

Es gibt viele andere operative Unternehmen, die sich mit Vermögenswerten wie Öl, Gold, Flugzeugen oder Hotels kapitalisieren. Und einer Branche zu sagen, dass ihr Vermögenswert nicht zählt – wenn mehr als 50 % des Kapitals in Bitcoin angelegt sind, aber nicht, wenn mehr als 50 % des Kapitals in Hotels gehalten werden –, wirkt einfach so, als würde jemand Gewinner und Verlierer auswählen, und das ist nicht wirklich das, was Indizes tun sollten.
Phong Le

Auch Michael Saylor äußerte sich heute noch einmal zu der MSCI-Causa. Am Rande eines Krypto-Events in Dubai, das von der Börse Binance veranstaltet wird, sprach der Milliardär mit der Nachrichtenagentur Reuters und erklärte, dass sich Strategy am Konsultationsprozess beteiligen würde. Das bedeutet, dass sich Strategy an MSCI Inc. wendet, um gegen die Index-Exklusion zu argumentieren.

Darüber hinaus soll Saylor noch gesagt haben, dass es keinen Unterschied für das Geschäftsmodell machen würde, ob die MSTR-Aktie aus Indizes geworfen wird oder nicht. Zuvor hieß es immer, dass das Ziel von „Treasury Companies“ sei, in große Indizes aufgenommen zu werden, sodass die passiven Zuflüsse in ETFs auch einen indirekten Zugang zu Bitcoin finden.

Die Bedeutung für MSTR und Bitcoin

In der Research-Note von JPMorgan war davon die Rede, dass rund 8,8 Milliarden US-Dollar in MSTR-Aktien durch ETFs und Fonds, die auf Indizes basieren, gehalten werden. Davon entfielen 1,76 Milliarden US-Dollar auf die MSCI-Indizes MSCI World, MSCI USA und MSCI ACWI, in denen Strategy vertreten ist. Die Analysten der Großbank machten darauf aufmerksam, dass andere Indexherausgeber Strategy ebenfalls bald ausschließen könnten.

Seit Dezember 2024 ist Strategy Teil des Nasdaq 100. Laut den Zahlen von JPMorgan könnte ein Rauswurf aus diesem Index einen ähnlichen Verkaufsdruck nach sich ziehen, wie wenn alle MSCI-Indizes Strategy exkludieren. Der Nasdaq 100 setzt sich aus den größten Aktiengesellschaften zusammen, die an der Technologiebörse Nasdaq notiert sind und nicht als Finanzunternehmen eingestuft werden. Sollte Letzteres bei Strategy irgendwann der Fall sein, könnte das Unternehmen auch diesen relevanten Aktienindex verlassen müssen.

Seit der Research-Note ist die Aktie von Strategy weiter gefallen, wodurch die von JPMorgan aufgeführten Zahlen mittlerweile schon deutlich geringer ausfallen müssten. Die potenziell bevorstehende Index-Exklusion dürfte einige Marktteilnehmer überdies bereits dazu veranlasst haben, in Antizipation ihre MSTR-Aktien abzustoßen. Zu welchem Anteil eine negativ ausfallende Entscheidung von MSCI Inc. und die potenzielle Nachahmung anderer Indexherausgeber schon eingepreist sind, ist jedoch schwer festzustellen.

Am Freitag dieser Woche wird überdies bekannt, welche Aktiengesellschaften zum 19. Dezember in den relevantesten Aktienindex S&P 500 aufgenommen werden. Obwohl sich Strategy seit dem Ergebnis für das zweite Quartal dieses Jahres für die Inklusion qualifiziert, gab es zunächst eine Abfuhr. Zum aktuellen Zeitpunkt erscheint es eher unwahrscheinlich, dass das Indexkomitee von S&P Dow Jones Indices von dieser Haltung abrückt. Laut der Wettplattform Kalshi liegt die Warscheinlichkeit, dass Strategy in diesem Jahr noch in den S&P 500 aufgenommen wird, bei nur circa 3 %.

Strategy ist von großer Bedeutung für Bitcoin. Das Unternehmen hält inzwischen 650.000 Bitcoin im Gegenwert von rund 60 Milliarden US-Dollar auf der Bilanz und trat in den vergangenen Jahren als einer der relevantesten BTC-Käufer auf. Nachdem sich die Aktie seit Monaten im Abwärtstrend befindet, haben die Käufe deutlich nachgelassen, was sich wohl auch in dem seither eher schwächeren Kurs der Kryptowährung widerspiegeln dürfte.

Mit der jüngst aufgebauten Cash-Reserve stellt Strategy nun jedoch sicher, vorerst nicht dazu gezwungen zu sein, Bitcoin verkaufen zu müssen, um den Zahlungsverpflichtungen der ausgegebenen Wandelanleihen und Vorzugsaktien nachkommen zu können. Zudem betonte Phong Le im Bloomberg-Interview, dass Strategy durchaus in Erwägung zieht, bald auch Bitcoin gegen Zinsen zu verleihen, wenn große, etablierte Banken Dienstleistungen in dem Sektor anbieten werden.

Die Entscheidung von MSCI Inc. wird mit großer Spannung erwartet. Nicht nur, weil diese sich auf den Kurs der MSTR-Aktie und damit auf die Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten des größten Firmenhalters von Bitcoin auswirken dürfte, sondern auch, weil es andere Aktiengesellschaften davon abhalten könnte, eine All-in-Bitcoin-Strategie zu verfolgen. Demnach ist der 15. Januar 2026 ein Datum, das auch für Bitcoin von großer Relevanz ist.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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