Michael Saylor, der wohl größte Bitcoin-Bulle, sieht einen bestimmten Umstand, der den Kurs von Bitcoin aktuell bremsen soll – und zwar, dass die Coins oftmals noch rehypotheziert, also weiterverwendet werden. Laut ihm wird der Kurs entsprechend in die Höhe schießen, wenn sich das traditionelle Bankensystem endlich im großen Stil für die Anlageklasse öffnet und Bitcoin als Kollateral im Mainstream ankommt – wovon auch seine Vorzugsaktie STRC profitieren dürfte.

Im Oktober 2025 erreichte Bitcoin noch ein Allzeithoch von rund 126.300 US-Dollar. Seitdem setzte eine scharfe Korrektur ein, die viele aufgrund des eigentlich positiven Umfelds überraschte. Bitcoin fiel Anfang Februar auf 60.000 US-Dollar. Inzwischen konnte sich BTC seit dem Tief wieder deutlich erholen und die 75.000-US-Dollar-Marke wieder in Angriff nehmen.

Einer der naheliegendsten Gründe für den Preissturz ist, dass große Bitcoin-Halter in Antizipation des 4-Jahres-Zyklus verkauft haben. Dadurch scheint es nun so, als würde sich das übliche Muster von rund 3 Jahren mit steigendem Kurs, auf den dann 1 Jahr Bärenmarkt folgt, tatsächlich ausspielen.

Doch Michael Saylor meint, einen anderen zentralen Faktor ausfindig gemacht zu haben, der einem steigenden Bitcoin-Preis momentan im Weg steht. Gleichzeitig erklärt er aber auch, was passieren müsste, damit diese Hürde endgültig aus dem Weg geräumt werden und Bitcoin sein Kursziel von 21 Millionen US-Dollar erreichen kann.

„Bitcoin ist überverkauft“

In einem gestern erschienenen Interview auf dem Kanal „Bankless“ erklärt Michael Saylor zunächst, dass er weiterhin von einem steigenden Kurs ausgeht. Sogar auf kurzfristige Sicht gibt er sich bullisch. 

Denn er glaubt, dass Bitcoin aktuell „überverkauft“ ist und gegen Ende des Jahres „viel höher“ stehen wird – auch wenn er demütig genug ist, um hinzuzufügen, dass es außerhalb seines Kompetenzbereichs liegt, kurzfristige Kursbewegungen vorherzusehen.

Sein langfristiges Kursziel von 21 Millionen US-Dollar je Bitcoin behält er derweil bei und betont, dass es noch nichts gegeben habe, was sein Vertrauen darein erschüttert hat:

Ich denke, es ist überverkauft. Daher würde ich erwarten, dass Bitcoin bis zum Ende des Jahres deutlich höher stehen wird als jetzt. Aber Bitcoin hat die Angewohnheit, uns alle wie Narren aussehen zu lassen, wenn wir versuchen, die Entwicklung über 12 oder 24 Wochen vorherzusagen. […] Langfristig bin ich also bullisch. Kurzfristig bin ich ebenfalls bullisch. […] Ich denke, dass [Bitcoin] irgendwann auf 21 Millionen [US-Dollar] pro Coin steigen wird. […] Ich habe bisher nichts gesehen, das mein Vertrauen erschüttern würde.
Michael Saylor

Das Problem der Rehypothekation

Um einen Grund zu nennen, wieso der Bitcoin-Kurs noch nicht viel höher steht, verweist Michael Saylor auf die „Rehypothecation“, also auf Deutsch die „Rehypothekation“ oder „Weiterverpfändung“ von BTC.

Damit meint er, dass es im Krypto-Sektor noch übliche Praxis ist, seine Bitcoin an einen Dienstleister zu übertragen, um diese als Sicherheit für einen Kredit hinterlegen zu können beziehungsweise dabei bessere Konditionen zu bekommen.

Momentan sei es nämlich noch so, dass im großen „Schattenbankensystem“ des Krypto-Sektors niedrigere Zinsen bezahlt werden müssen, dafür aber die Coins rehypotheziert werden – was gleichzeitig Verkaufsdruck auslösen kann, so der Strategy-Gründer.

Es gibt da draußen Bitcoin im Wert von mehr als 1 Billion US-Dollar, die nicht im klassischen Bankensystem liegen, sondern im Schattenbankensystem. Wenn ich also Rendite brauche, rehypotheziere ich diese Bestände erneut, und jemand anders verkauft sie leer. Und wenn ich einen Kredit brauche – Für einen herkömmlichen Kredit gegen Bitcoin als Sicherheit zahlt man manchmal 11 oder 12 %. Wenn man aber zu einer Krypto-Börse geht, bekommt man möglicherweise denselben Kredit für 2 oder 3 %. Der Haken dabei ist jedoch: Das billige Geld bekommt man nur, wenn man die Bitcoin überträgt, und dann werden sie rehypotheziert. Wenn also jemand Bitcoin im Wert von 100 Milliarden US-Dollar im Krypto-Ökosystem als Sicherheit hinterlegt, um sich 10 oder 20 Milliarden US-Dollar in Cash zu leihen und auszugeben, dann entspricht das faktisch einem Leerverkauf von Bitcoin im Wert von 100 Milliarden US-Dollar.
Michael Saylor

Das Problem dabei ist also, so Saylor, dass gekaufte Coins dann gar nicht dem Umlauf entzogen, sondern an „Short-Seller“ zum Leerverkaufen verliehen werden können. Oder in anderen Worten: Es befinden sich mehr Bitcoin auf dem Markt, als es eigentlich sein sollten.

Laut dem Strategy-Gründer ist dieser Mechanismus so relevant, dass er momentan die Kraft hat, den Bitcoin-Kurs daran zu hindern, „durch die Decke“ beziehungsweise „to the moon“ zu gehen, wie er wörtlich sagte.

Ich würde sagen, dass das, was den Preis wahrscheinlich zurückhält, die Weiterverpfändung des zugrundeliegenden Krypto-Assets in der Krypto-Ökonomie ist. Und das, was den Preis durch die Decke schießen lassen wird, ist, dass die Leute aufhören zu rehypothezieren – sie rufen diesen Vermögenswert zurück, legen ihn in Cold Storage, und dann muss derjenige, der ihn leerverkauft hat, zurückkaufen, und der Preis steigt.

Der Grund, warum die Leute das bisher nicht tun, ist jedoch, dass es bis heute sehr schwierig ist, ein reguläres Darlehen oder einen konventionellen Kredit gegen Bitcoin zu erhalten. Daher sind die Menschen gezwungen, in der Krypto-Ökonomie zu bleiben und in dieser Dynamik der Rehypothekation zu verharren. Bankkreditnetzwerke werden deshalb sehr bedeutend werden. Ich meine, es könnten Bankkredite in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar oder mehr entstehen – und das würde nicht nur den Verkaufsdruck von 100 Milliarden [US-Dollar an] Bitcoin reduzieren, sondern auch dazu führen, dass Menschen von Rehypothekation zu Nicht-Rehypothekation wechseln, was auf der anderen Seite einen Short Squeeze auslösen würde.
Michael Saylor

Eric Weiss, ein Freund von Michael Saylor, der ihm Bitcoin im Jahr 2020 nähergebracht hat, behauptete vor wenigen Wochen bereits explizit, dass der Bitcoin-Kurs bei 250.000 US-Dollar stehen würde, wenn es das Problem der Rehypothekation nicht geben würde.

Der Hauptgrund dafür, dass der Preis für einen Bitcoin noch nicht bei 250.000 US-Dollar liegt, sind Personen und Unternehmen, die Bitcoin weiterverpfänden.
Eric Weiss

Laut Saylor wird dieser Bremsfaktor, dessen genaues Ausmaß schwer zu beziffern ist, also aus dem Weg geräumt, wenn traditionelle Banken Bitcoin als Kreditsicherheit akzeptieren und dabei gute Konditionen anbieten. Tatsächlich ist auch schon zu beobachten, dass Großbanken wie JPMorgan Bitcoin als Kreditsicherheit annehmen. Doch eine solche Öffnung geschieht im großen Stil nicht von heute auf morgen.

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Ist Strategy nicht selbst Teil des Problems?

Schon seit einigen Jahren verweist die Bitcoin-Community auf die Gefahr von sogenannten „Paper-Bitcoin“, also dass die tatsächliche Umlaufmenge durch eine größere Zahl an Ansprüchen aufgebläht wird. Hier gilt es jedoch zu unterscheiden, denn die Coins bei einem Dienstleister zu halten, bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese auch weiterverwendet werden.

Grundsätzlich ist es nämlich verboten, als Verwahrer die Coins an Short-Seller zu verleihen oder auch nur einen Teil der Bitcoin der Kunden überhaupt vorzuhalten. Saylor verweist explizit nur auf den Umstand, dass Bitcoin-Halter ihre Coins direkt an Short-Seller verleihen oder diese über einen Dienstleister rehypothezieren.

Das war beispielsweise zu beobachten, als TMTG, die Aktiengesellschaft von Donald Trump, 2.000 ihrer 11.542 Bitcoin an Coinbase übertragen hat, um diese als Sicherheit zu hinterlegen. Diese 2.000 BTC mussten dann aber aus der Bilanz ausgebucht werden, da sie von Coinbase weiterverwendet werden dürfen.

Auch GameStop hat quasi die gesamte Bitcoin-Reserve, also 4.709 BTC, als Kollateral für die „Covered-Call-Strategie“ verwendet und anschließend – ebenfalls wegen Verpfändung – von der offiziellen Bilanz nehmen müssen.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die 780.897 BTC, die Saylor mit seiner Firma Strategy hält, oder auch die mehr als 1 Million BTC, die sich in den US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs befinden, nicht „weiterverpfändet“ werden dürfen, womit das angesprochene Problem hier nicht zutrifft.

Selbstverständlich kann man sich aber auch nur zu 100 % sicher sein, dass die Coins nicht weiterverwendet werden, wenn man sie selbst verwahrt. Dies wurde zuletzt prominent im Rahmen des Kollapses der Krypto-Börse FTX deutlich. Diese verlieh die Coins der Kunden nämlich ohne Zustimmung an den eng verflochtenen Hedgefonds Alameda Research, der in Schieflage geraten war.

Saylors optimistischer Ausblick

Wie Michael Saylor und Strategy-CEO Phong Le immer wieder betonten, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich Bitcoin als Kollateral im traditionellen Finanzsystem etabliert. Aufgrund der hohen Liquidität und der Tatsache, dass BTC rund um die Uhr handelbar ist, eignet es sich nämlich besonders gut als Sicherheit.

Ein anderer Katalysator für steigende Kurse ist laut Saylor „Digital Credit“. Damit bezieht er sich auf Vorzugsaktien von „Bitcoin Treasury Companies“. STRC, das Flaggschiffprodukt von Strategy, ermöglichte dem Unternehmen in der vergangenen Woche allein, für 1 Milliarde US-Dollar weitere Bitcoin zu kaufen. Zeitgleich hat Strive mit SATA ein STRC-Äquivalent lanciert und auch der japanische Strategy-Nachahmer Metaplanet setzt inzwischen auf Vorzugsaktien.

Auch bei diesen Produkten spielt es eine große Rolle, dass Bitcoin als eine Art „Abdeckung“ von traditionellen Anlegern anerkannt wird. Denn ob diese Unternehmen die üppigen Dividenden der festverzinslichen Wertpapiere bezahlen können, hängt in erster Linie von der Stärke ihrer Bitcoin-Bilanz und der Schuldenquote ab.

Die Vision von Saylor ist es, mittels STRC und Co. eine Brücke zwischen dem mehr als 300 Billionen US-Dollar schweren Anleihemarkt und Bitcoin zu schlagen. Und je mehr Geld davon in die Wertpapiere mit verhältnismäßig hoher Dividendenrendite fließt, desto mehr Coins werden durch Käufe der Unternehmen aus dem Umlauf gezogen, so der Plan.

Strategy kaufte in diesem Jahr allein bisher 108.397 BTC, während in dieser Woche laut Schätzungen durch STRC wieder mehrere Tausend weitere Coins hinzukommen dürften. Zeitgleich wurden seit Jahresauftakt aber weniger als 50.000 neue BTC geschürft. Und da Strategy die eigenen Bitcoin nicht rehypothezieren lässt – sofern den Aussagen des Unternehmens und seinen Dienstleistern wie Coinbase und Fidelity zu trauen ist –, sollte sich dieser Kaufdruck auch quasi 1:1 in steigende Kurse übersetzen.

Tristan

Über den Autor: Tristan

Tristan ist der Chefredakteur bei Blocktrainer.de. Als studierter Volkswirt sammelte er auch außerhalb des Bitcoin-Space journalistische Erfahrungen. Seit 2020 beschäftigt sich Tristan aktiv mit Bitcoin, in den Jahren zuvor schon mit libertärer Wirtschaftstheorie.

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